Le Orme – Michi dei Rossi und Aldo Tagliapietro über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Band (20

0 7

Datum des Interviews: 04.10.2007

In den späten Sechzigern spielten Le Orme noch psychedelische Musik, die nicht allzu spannend oder innovativ war. Anfang der Siebziger wurden sie nach dem Abgang des Gitarristen dann zu einem mächtigen Trio. Viele nannten sie das italienische Emerson, Lake and Palmer, aber es wäre ungerecht, sie so zu beschreiben. In ihrer langen Karriere haben sie eine Menge hervorragender und innovativer Alben gemacht und gehören für die meisten Experten (neben Premiata Forneria Marconi und Banco del Mutuo Soccorso) zur heiligen italienischen Dreifaltigkeit der Prog-Bands. In den Neunzigern kehrten sie nach einigen eher kommerziell ausgerichteten Alben wieder auf die Pfade alter Ruhmestage zurück und begeisterten alle ihre Anhänger. Mit Rockline unterhielten sich die Legenden Aldo Tagliapietra (Gesang, Bass, Gitarre, Sitar) und Michi dei Rossi (Schlagzeug, Percussion).

Rockline: Zuerst möchte ich sagen, dass ich ein großer Fan der italienischen Progressive-Szene bin. Wo seht ihr euch innerhalb dieser Bewegung, was Bedeutung und Konsistenz angeht? Mir persönlich kam es immer so vor, als hätten Le Orme von allen italienischen Bands die konstant besten Alben gemacht.
Le Orme: In Italien sind drei Progressive-Bands am wichtigsten. Das sind PFM, Banco und Le Orme. Alle liegen ungefähr auf dem gleichen Niveau. Es hängt alles von den Hörern und ihrem Geschmack ab. Manche mögen PFM lieber, manche Banco,…

Wie war euer Verhältnis zu anderen Bands aus Italien, wie Banco, PFM, Balletto di Bronzo, Quella Vecchia Locanda…?
Mit diesen Bands sind wir befreundet, wir treffen uns oft irgendwo und hängen zusammen ab. Das gilt für alle außer Quella Vecchia Locanda, die derzeit nicht live spielen.

Habt ihr je überlegt, mit diesen Bands bei einem gemeinsamen Projekt zusammenzuarbeiten?
Manchmal treten wir zusammen auf, aber wenn du Platten meinst, würden wir bestimmt gern mit jemandem zusammenarbeiten. Bisher hat es aber nicht geklappt, weil es manchmal schwierig ist, die Terminkalender unter einen Hut zu bringen.

Wie sahen am Anfang eure Einflüsse aus? Viele Leute sagen, ihr wärt stark von Emerson, Lake and Palmer beeinflusst gewesen, aber ich persönlich sehe außer dem häufigen Einsatz von Hammond-Orgeln und der Tatsache, dass ihr als Trio aufgetreten seid, gar keine großen Ähnlichkeiten.
Emerson, Lake and Palmer haben uns sicher sehr gefallen, aber unsere Musik ist ziemlich anders. Am Anfang, als wir zum Trio wurden, haben wir einfach zum Üben viele Platten von Nice gehört. Vielleicht ist das der Grund, warum uns Journalisten so gern mit Emerson, Lake and Palmer vergleichen.

Mich interessiert auch etwas zu euren Texten. Wie habt ihr die Themen für die Texte auf den Alben ausgewählt und wie wählt ihr sie heute aus? Zum Beispiel bei Felona e Sorona. Wie ist dieses Konzept entstanden?
In den Siebzigern haben wir zuerst die Musik geschrieben, erst danach die Texte. Die Inspiration für die Texte kam aus der Musik. Jetzt schreiben wir Musik und Texte gleichzeitig. Für uns war das Album Felona e Sorona eine Art Experiment. In England gab es viele Bands, die Konzeptalben veröffentlichten, aber in Italien war das ziemlich neu.

Wie kam es zu der Entscheidung, akustischere Musik zu spielen, zum Beispiel auf dem Album Florian? War das geplant oder hat sich das ganz natürlich ergeben?
Wir haben uns nie gern wiederholt. Wir machen gern unterschiedliche Alben, wir experimentieren gern. Das haben wir einfach gern gemacht. Wir wollten etwas tun, das für uns neu war. Die Idee für die akustische Umsetzung stammte von Toni (Antonio Pagliuca).

Glaubt ihr, dass italienische Progressive-Bands in den Achtzigern zugänglichere Musik machen mussten? Oder war der Markt für Prog-Bands wie euch nicht mehr offen?
Die Achtziger nennen wir immer noch die dunkle Zeit. Die besten Sachen haben wir gemacht, bevor uns die Disco-Musik von der Bildfläche gefegt hat. Wir waren verwirrt. Was ging da ab? Was war richtig? Was falsch? Es war sehr schwer. Die einzige Chance zu überleben war, einfachere Sachen zu schreiben. Es ging ums Überleben.

Könnt ihr sagen, warum Toni Pagliuca gegangen ist?
Darüber reden wir nicht gern. Solche Sachen passieren eben.

Nach seinem Abgang hatte man das Gefühl, als wären Le Orme neu aufgeblüht. In der Musik steckt eine völlig neue Energie. Würdet ihr sagen, dass sich sein Abgang als richtige Entscheidung erwiesen hat?
Ja. Die Entscheidung war gut für uns und für ihn.

Wie würdet ihr eure neuere Musik mit den Alben aus den Siebzigern vergleichen? Ich selbst sehe viele Ähnlichkeiten zwischen Sachen wie Florian und bestimmten Stücken auf Elementi und Il Fiume.
Ja, da hast du recht. Wir haben wieder das gefunden, was einmal unser war. Wir sind zu den Wurzeln zurückgekehrt. Jetzt fühlen wir uns sehr frei.

In letzter Zeit (in den letzten fünfzehn Jahren) wird viel über eine Wiederbelebung der symphonischen Progressive-Musik gesprochen, zum Beispiel mit Bands wie The Flower Kings und Spock’s Beard. Seht ihr euch als Teil dieser Wiederbelebung? Wie findet ihr solche Bands?
Einige ähnliche Bands sind uns auf Prog-Festivals begegnet. Sie sind sehr gut, und wir finden nicht, dass es um eine Wiederbelebung geht. Ihre Musik ist ziemlich modern, und wir meinen, dass es sich um neue Progressive-Musik handelt.

Glaubt ihr, dass das Publikum heutzutage für Musik eures Schlags mehr oder weniger offen ist? Damit meine ich vor allem das Publikum auf Prog-Festivals.
Prog-Fans sind sehr aufgeschlossen und empfänglich. Das Publikum beim NEAR fest hat uns sehr gefallen. In den Siebzigern war es in Italien ähnlich. Leider ist das im Moment nicht mehr so. Prog-Bands haben es in Italien gerade ziemlich schwer.

Plant ihr einen Auftritt in Slowenien oder wenigstens in der Nähe? Ich weiß, dass ihr schon mal in Koper gespielt habt.
Gerade schließen wir die Sommertour ab, dann machen wir eine Pause, und im Winter würden wir gern Clubkonzerte spielen.

Habt ihr Pläne für ein neues Album?
Im Moment gibt es keine Pläne für ein neues Album. Gerade bereiten wir das Konzert vom NEAR fest vor, weil daraus wahrscheinlich ein Livealbum entsteht.

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies