Billy Sherwood erzählt uns von seinem neuen Projekt Circa:, Yes und anderen musikalischen Abenteuern

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Datum des Interviews: 23.07.2007

Billy Sherwood wurde bekannt, als er 1997 offiziell Mitglied der legendären Band Yes wurde. Er hatte schon vorher mit ihnen zusammengearbeitet, aber es dauerte eine Weile, bis sie ihn akzeptierten. Zu Yes kam er in einer Übergangsphase – ein paar Jahre nach dem Abgang von Trevor Rabin und fast direkt nach dem erneuten Ausstieg von Rick Wakeman. Man könnte sagen, er hatte auf Yes eine ähnliche Wirkung wie Trevor Rabin – er hat sie wiederbelebt. Lange geblieben ist er allerdings nicht. Nach dem Album The Ladder stieg er aus und widmete sich anderen Projekten (auch mit Mitgliedern von Yes). 2007 tat er sich mit zwei weiteren Yes-Leuten und seinem alten Kumpel Jimmy Haun zusammen, und schon bald veröffentlichen sie als Circa: ihr Debüt, das wohl das Nächstliegende zu einem neuen Yes-Album ist, das in naher Zukunft erscheinen soll.

Rockline: Wie hat das Projekt Circa: angefangen?
Billy Sherwood:
Nach „Back Against The Wall“ und „Return To The Dark Side of The Moon“ kam mir die Idee, ein neues Projekt mit den Jungs zu starten, die bei Yes gespielt haben – aber mit neuer Musik. Schnell habe ich gemerkt, dass das so nicht machbar war. Ich habe eng mit Tony Kaye zusammengearbeitet und ihm gesagt, dass aus diesem Konzept eine Band werden könnte. Wir haben angefangen, Musik zu schreiben, die von einer Band gespielt werden soll. Ich habe Alan White angerufen und ihn gefragt, ob er bei dieser neuen Musik mitmachen will, und er war sofort dabei. Dann habe ich mich bei Jimmy Haun gemeldet und ihn dasselbe gefragt. Auch er war dabei. So ist die Band Circa: entstanden.

Hast du jemals daran gedacht, Chris Squire am Bass dazuzuholen und selbst Gitarre zu spielen?
Ich habe nie daran gedacht, Chris zu holen, weil er Verpflichtungen bei Syn hatte. Außerdem hat er sein eigenes Label gegründet und lebt am anderen Ende der Welt (half a world away).

Wären mit Chris zu viele Yes-Leute in der Band gewesen?
Nicht wirklich, es ging eher darum, eine großartige Band mit Leuten zu bilden, die dieselben Wünsche, denselben Drive und dieselbe Energie haben, damit die Sache funktioniert. Bei uns vieren ist das genau so.

Warum hast du dich bei Circa: fürs Bassspielen entschieden und nicht für die Gitarre?
Ich wollte Bass spielen, weil ich es gern mache. Als ich mit Chris und Yes gearbeitet habe, habe ich Gitarre gespielt, deshalb war es schön, wieder zum Bass zurückzukehren.

Auf welchem Instrument bist du am besten?
Das werde ich oft gefragt, und ich antworte immer gleich: auf allen. Auf keinem Instrument bin ich ein Virtuose, aber für das, was ich machen will, bin ich gut genug.

Wie sind die Songs fürs Album entstanden? Wer hat am meisten beigesteuert?
Die Songs sind aus Ideen entstanden, die ich noch von einigen Ambient-Stücken hatte. Ich habe Tony die Musik vorgespielt, und gemeinsam haben wir sie zu etwas Fließenderem im Prog-Stil umgebaut. Als wir eine Vorlage hatten, wohin die Reise gehen soll, habe ich Alan gebeten, so zu spielen, wie nur er es kann, und alles dazuzugeben, was ihm passend erscheint. Mit Jimmy lief es genauso. So wurde die Musik auf die eine oder andere Weise umgeformt, und jeder hat auf seine Art etwas beigetragen.

Bei welchem Label erscheint das Album?
Wir haben einen Vertrag mit einer lokalen Vertriebsfirma unterschrieben, das Album bringen wir aber selbst raus. In dieser modernen Zeit von Internet und direkter Kommunikation schien uns das am besten. Bei einem Label hätten wir vielleicht vorab ordentlich Geld bekommen, aber wir hätten riskiert, dass die CD nicht bei den Leuten landet, denen wir diese Musik zeigen wollen – also den Prog-Rock-Fans. Wir finden es gut, dass wir die Sache selbst in die Hand genommen haben. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Musiker werden solche Sachen machen.

In den USA habt ihr ein paar Konzerte geplant. Können wir auch mit einem Konzert in Europa rechnen?
Im Moment steht nur ein Konzert im Kalender: The Coach House in San Juan Capistrano. Fix ist auch ein Auftritt beim ROSFEST im Mai 2008. Wir fangen gerade erst an, uns mit einer größeren Vision für die Band zu beschäftigen, deshalb bin ich sicher, dass mit der Zeit noch mehr Termine bekannt gegeben werden.

Was machst du lieber: Soloplatten oder Bandprojekte?
Beides gefällt mir. Bei Soloplatten kann ich machen, was ich will, ohne jemanden nach seiner Meinung zu fragen, während man in einer Band geduldiger sein muss und viele Kompromisse eingeht. Ich mag Bands, in denen jeder einen gleichwertigen Anteil beisteuert, so wie bei Circa: Es ist leichter, wenn alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten.

Wenn ich dich noch etwas zu Yes fragen darf: Wann bist du zum ersten Mal mit ihnen in Kontakt gekommen?
Mit Yes arbeite ich in der einen oder anderen Form schon seit 89/90 zusammen (Union). Ich habe Chris Squire kennengelernt, und der Rest ist Geschichte.

Wie ist das Album Open Your Eyes entstanden? Ich habe nämlich ein Gerücht gehört, dass es angeblich ein Soloalbum von Chris Squire sein soll, und ein anderes, dass es dein und Chris‘ gemeinsames Projekt war.
Open Your Eyes ist aus Musik entstanden, die Chris und ich hatten. Alan hat die Drums gespielt, dann haben wir die Stücke an Jon Anderson geschickt, der auf Hawaii die Texte geschrieben und die Songs eingesungen hat und alles wieder zurückgeschickt hat. 85 Prozent waren schon fertig, als Steve Howe dazukam. Wir hatten ihn von Anfang an gefragt, ob er stärker beim Songwriting und bei der Produktion mitmachen möchte, aber er hat bis fast zum Schluss gewartet. Es ist kein großes Geheimnis, dass er nicht gerade begeistert war, dass ich in der Band war. Meine Haltung war: Wenn ich nichts Drastisches tue, gibt es Yes bald nicht mehr. Ich habe vor meinen Augen zugesehen, wie sie zerfielen. Ich wollte nicht, dass so etwas passiert, egal wie die Politik innerhalb der Band aussah. Alle Aufnahmekosten habe ich selbst übernommen, nur damit Yes wieder zum Leben erwachen, und genau das ist passiert.

Es gibt viele Vergleiche zwischen dir und Trevor Rabin, aber nach einigen deiner Kommentare habe ich den Eindruck, dass du eher von den Sachen aus den 70ern begeistert bist. Nerven dich solche Vergleiche?
Wenn man mit irgendjemandem verglichen wird, der bei Yes gespielt hat, ist das eine Ehre, und darauf bin ich stolz. Die ganze Musik von Yes liegt mir am Herzen, egal welche Ära oder welche Mitglieder.

Gab es mal die Möglichkeit, dass du zu Yes zurückkehrst?
Yes sind wie eine Schwingtür, man weiß nie, wer kommt und wer geht. Ich sage nie endgültig Nein. Das Schicksal reißt einen manchmal auf lustige Weise mit. Im Moment zieht mich das Schicksal stark zu Circa:

Mich interessiert noch einiges zu deinen anderen Projekten. Können wir noch ein Conspiracy- oder World Trade-Album erwarten?
Conspiracy 3 wird umbenannt und erscheint als „Psy-op“. Das wird ein neues Projekt, bei dem Jay Schellen und ich da weitermachen, wo Conspiracy aufgehört haben. Auf der Platte werden auch Tony Kaye, Geoff Downes und Gary Green (Gentle Giant) mitspielen. Auch von World Trade kann vielleicht noch etwas kommen. Ich habe darüber gesprochen, die Demoaufnahmen des ersten Albums zu veröffentlichen (Bruce und ich finden, dass sie besser sind als das Album selbst) und auf der Platte auch neue Musik unterzubringen. Man weiß nie …

Arbeitest du schon an einem neuen Soloalbum?
Ich arbeite schon an Musik für meine dritte Solo-CD. Der Plan ist, dass sie im Stil von „The Big Peace“ wird. Alles steckt noch in den Anfängen, aber das ist die Richtung, in die ich mit meinem Soloprojekt gehen werde.

Mit welchen Musikern würdest du in Zukunft gern zusammenarbeiten?
Mit vielen. Als Erstes fällt mir Gabriel ein.

Und jetzt noch mal zurück zu Circa: Wie sehen eure langfristigen Pläne aus, falls ihr überhaupt welche habt?
Circa wird weiter existieren, Alben veröffentlichen und live spielen, so lange wir es aushalten. Und wir halten ziemlich viel aus, also gewöhnt euch besser an uns.

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