Vader feierten in großem Stil die ersten 35 Jahre ihres Bestehens (2018)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: San Dona Di Piave (Treviso) / Revolver / Italien
Konzertdatum: 19.10.2018
Besucherzahl: 250
Kartenpreis: 28,00€
Es war ein schöner Oktobertag, eigentlich ein Freitag, idealer Tag für einen Ausflug nach Italien. Irgendwo dort Richtung Treviso. Dort traten nämlich im Rahmen einer gemeinsamen Tour die schwedischen Entombed A.D. auf – genauer gesagt eine von zwei aktiven Versionen der einst vollständigen Entombed – sowie die polnischen Death-Metal-Legenden Vader.
Der Revolver Klub in der Industriezone von San Dona DI Piave überrascht wirklich mit seinem Programm. Dort treten dir Jazz- und Rock-Fusion-Stars wie Simon Phillips, Stu Hamm oder Greg Howe auf, ein anderes Mal Rocker wie The Dead Daises, die kultigen Speed-Metaller Anvil oder die finnischen Zombie-Clowns Lordi, und auch für extreme Heavy-Metal-Genres ist im Programm reichlich Platz. Und so war es auch diesmal.
Beide kultigen Death-Metal-Bands haben auf slowenischem Boden schon einige Male gespielt und sind alte Bekannte von uns, weshalb keine besonderen Überraschungen zu erwarten waren. Als größte Attraktion klang eigentlich die Ankündigung, dass Vader alle drei ersten Alben nacheinander in voller Länge spielen würden, was natürlich nicht geschah – zumindest aber trug die Setliste einen Schwerpunkt auf Songs dieser kultigen Studioerfolge der Band.
Wir kamen etwas zu spät zum Veranstaltungsort, so hatten Mortuary ihren Auftritt bereits beendet, und die wenigen Anwesenden wurden gerade von den Italienern Resumed unterhalten. Ein Quartett, das eine Art Metal mit progressiven Linien im Dream-Theater-Komplexitätsstil alter Schule und Death-Metal-Growl spielt. Sprich: technisch kompliziert, mit so manch theatralisch-melodischer Linie, was die Italiener lieben, und natürlich mit befriedigend durchdringendem Knurren. Ein souveränes und gefälliges Warm-up also.
Bei Entombed A.D. weißt du im Grunde schon, was dich erwartet. Abseits der Tatsache, dass es noch eine Version gibt, die unter dem Namen Entombed firmiert und ebenfalls mit ihren Auftritten begeistert, haben Entombed A,D, ihren Auftritt reichlich mit Entombed-Klassikern bestückt, denen auf den Entombed-Alben der charismatische, witzige und unglaublich unterhaltsame sowie sympathische Vokalist Lars Goran Petrov seine Stimme lieh. In Entombed A.D., die seit 2014 aktiv sind, versammelte LG noch Ex-Entombed-Kumpel mit deutlich kürzerer Dienstzeit um sich: Olle Dahlstedt (Schlagzeug), Nico Elgstrand (Gitarre), Victor Brant (Bass), während ihnen auf Touren noch der zusätzliche Gitarrist Guilherme Miranda hilft.
Der rollende Death n’ Roll mit dem “taumelnden Hündchen” LG, der aber konkret rasend aufknurrte und losbrüllte, wenn er seinen Growl aus den Fußknochen zog, lieferte einen phänomenalen Streifzug durch das eiserne Repertoire der Entombed-Klassiker. Zwischendurch steckten Entombed A.D. noch vier neue Eigenkompositionen dazwischen, darunter auch die brandneue Single Fit For A King, die leise ein neues Album ankündigt, sowie die bereits erprobten, aber souverän wirkenden Midas In Reverse, Second to None und Dead Down – ansonsten aber, wie gesagt. Sie schärften den Auftritt mit einer knallharten Auswahl gespielter Entombed-Favoriten, was das Publikum begeistert begrüßte. Das massive Stranger Aeons und kurz darauf Eyemaster sowie anschließend Linving Dead und Out Of Hand sorgten bei ausgezeichnetem Spiel und LGs Growl für hervorragende Energie – danach erwachte das Publikum noch konkreter, als die Band in das erwartete Revel In Flash überging, das den höllischen Einstieg in den Schlussteil des Auftritts ankündigte. In der Folge hoben sie mit Wolverine Blues, Left Hand Path und dem abschließenden Supposed to Rot den Auftritt auf den finalen Höhepunkt.
Eine ausgezeichnete neue Erfahrung mit einer abgehärteten und unglaublich eingespielten Band, bei der der verschmitzte Lars Goran durchgehend für gute und heitere Stimmung sorgte. Er heizte dem Publikum mit allerlei Witzen und stichelnden Kommentaren ein und kühlte sich unter anderem die Hände am Nebelrohrabzug ab, der Nebel auf die Bühne ausstößt. Entombed-Fans kamen voll auf ihre Kosten, aber man muss im Hinterkopf behalten, dass es da noch die anderen Entombed gibt, die man ebenfalls checken müsste. Live natürlich. Dann werden wir wissen, welche der beiden Versionen die bessere ist.
Die Hauptstars des Abends Vader treten seit 2011 in unveränderter Besetzung auf. Die Truppe wird von Anführer Piotr Wiwczarek (Growl, Gitarre) angeführt, begleitet von Marek Pająk (Gitarre), Tomasz “Hal” Halicki (Bass) und James Stewart (Schlagzeug). Bereits im Januar dieses Jahres, als sie im CUK Kino Šiška vor Kreator auftraten, begeisterten sie mit der Darbietung des gesamten Debüts “The Ultimate Incantations”, diesmal aber gingen sie zum 35-jährigen Jubiläum noch mehr auf die alten Fans ein. Die Setliste war zur Hälfte den ersten drei Alben gewidmet, dazu kamen noch zwei Songs aus dem vierten “Litany”, und mit Ausnahme von “Welcome to the Morbid Reich” spielten sie von allen übrigen Alben mindestens einen Song. Bei Vader ist eine unglaubliche Zielstrebigkeit zu spüren. Der Fokus, mit dem sie auf die Bühne kommen. Moderationen zwischen den Pausen gab es kaum, fast gar keine – dafür überzeugten Vader wieder mit einer außergewöhnlichen Darbietung, die von der Erschaffung einer apokalyptischen, düsteren, vernichtenden Atmosphäre begleitet wird. Besonders im ersten Teil mähten Vader gnadenlos die Klassiker nieder. Die größere Bühne des Klubs ermöglichte es Marek, mehrfach auch in die Mitte oder auf die rechte Seite zu wechseln, was die scheinbare Statik der Band erfolgreich auflockerte, da Piotr ständig ans Mikrofon gekettet ist. Die Band spielt unglaublich viel, und das ist an der außerordentlichen Eingespielheit, der bühnenmäßigen Unnachgiebigkeit und bis zu einem gewissen Grad einer unglaublichen Verbissenheit zu spüren. Beide Gitarristen wechseln sich geschickt mit Soli ab, die Rhythmuslinie ist aufeinander abgestimmt und verheerend, die massive Klangwand donnernder Riffs schneidet ins Eingeweide. Eine Stunde und zwanzig Minuten vergingen wie im Flug. Vader tobten sich gnadenlos von Song zu Song und versetzten rund 200 Köpfe in einen Zustand der Hypnose!
Angesichts früherer Begegnungen mit der Band war zu erwarten, dass Vader wieder mit ihrem einzigartigen Death-Metal-Kult beeindrucken würden. Diesmal zahlte sich die Begegnung mit der Band noch mehr aus, denn wir bekamen eine Reihe von Songs aus der Anfangsära der Band zu hören, die Vader auf ihren Konzerten des neuen Jahrtausends nicht mehr so häufig spielen. An Brutalität und Bissigkeit fehlt es ihnen durch das Theater der Verdammnis und Vernichtung auch in reifen Jahren keineswegs. Sie bleiben Legenden, die auch in neuen Zeiten ihre Kreativität auf der Bühne maximal ausleben, und diese magnetischen Kräfte sowie die außerordentliche Chemie lassen keineswegs nach. Wiwczarek bleibt im Herzen jung, unglaublich hingegeben dem, was er schafft (und geschaffen hat), und ist damit noch immer hungrig nach neuen Herausforderungen und Triumphen. So hat die Band absolut wieder überzeugt und mitgerissen, als sie mit einer außergewöhnlichen Setliste und einem Konzert ihre großen und ersten 35 Jahre des Wirkens feierte.
Setliste
ENTOMBED A.D.:
1. Midas In Reverse
2. Stranger Aeons (Entombed)
3. Second to None
4. Eyemaster (Entombed)
5. Dead Dawn
6. Living Dead (Entombed)
7. Out of Hand (Entombed)
8. Fit for a King
9. Revel in Flesh (Entombed)
10. Wolverine Blues (Entombed)
11. Left Hand Path (Entombed)
13. Supposed to Rot (Entombed)
VADER:
1. Dark Age
2. Vicious Circle
3. Sothis
4. Silent Empire
5. Black to the Blind
6. Testimony
7. Kingdom
8. Fractal Light
9. Carnal
10. Wings
11. Epitaph
12. Never Say My Name
13. The Red Passage
14. Prayer to the God of War
15. Triumph of Death
16. Cold Demons
17. Helleluyah!!! (God Is Dead)
Fotogalerie






































