Bang Your Head!!! 2018 (dritter Tag) – `Vampirologen` Powerwolf traten in die Fußstapfen der Festival-Headliner

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Balingen / Messegelände / Deutschland
Konzertdatum: 14.07.2018
Besucherzahl: 12.000

Der letzte Tag! Zwei Bands weniger im Programm als am Vortag. Beginn um halb zwölf. Ja. Das Programm schrumpft. Von Jahr zu Jahr. Immer mehr, und der Veranstalter steckt finanziell alles andere als in einer beneidenswerten Lage. Weniger klangvolle Namen, auch die Zahl der Auftritte schrumpft. Vielleicht lieferte gerade am dritten Tag die Wahl des Festival-Headliners den besten Beweis dafür – es waren niemand anderes als die deutschen Power-Metaller Powerwolf. Die haben vor dreieinhalb Jahren, du glaubst es nicht, auf der Ljubljanaer Metelkova und in der dortigen Gala hala gespielt. Na dann, auf zum Gelände.

Das Wetter hielt durch. Auch der dritte Tag badete wieder in der Sonne. Auf der Bühne standen Evertale, deutsche Power-Metaller, die seit 2006 aktiv sind. Solide. Das Quartett trat souverän auf, bringt musikalisch und ausdrucksmäßig aber nichts wirklich Besonderes mit. Um zehn Jahre hat die Band den richtigen Zug verpasst, um sich breitere internationale Bekanntheit zu sichern, denn das Interesse am Power Metal ist seither allmählich abgeflaut. Vom Originalmitgliederkreis sind noch Sänger und Rhythmusgitarrist Matthias Holzapfel, Leadgitarrist Matthias Graf sowie Bassist Marco Bächle dabei. Die Band hat mit Simon Hofmeister einen neuen Schlagzeuger. Kurzum. Die Band hat letztes Jahr erst ihr zweites Studioalbum »The Great Brotherwar« veröffentlicht, das sie bei ihrem mehr als soliden »Morgen«-Auftritt engagiert und tatkräftig präsentierte.

Als Zweite standen die alteingesessenen britischen Metaller auf dem Programm, die aus den Zeiten der legendären Bewegung namens N.W.O:B.H.M. stammen: Cloven Hoof. Die 1979 in Wolverhampton gegründete Band hat letztes Jahr ein hervorragendes neues Studioalbum veröffentlicht: »Who Mourns For A Mornig Star?«. Vom Originalmitgliederkreis ist heute noch der ewige Lee Payne am Bass in der Besetzung. Der scharf gekleidete und drahtige Mann betrat die Bühne in der klassischen »Kampfausrüstung« der alten Schule (geöltes Leder), als Metal noch jung und unschuldig war. Nostalgie pur. Das Quintett vervollständigt eine komplett verjüngte und erfrischte Besetzung: Chriss Coss an der Rhythmusgitarre, der großartige Solist Luke Hatton, Ausnahmesänger George Call und Danny White am Schlagzeug. Man hätte sich zumindest Russ North gewünscht, der in der Band immer wieder »ein- und ausgegangen« ist, aber es hat mit ihm offensichtlich einfach nicht funktioniert. 2009 spielten Cloven Hoof nämlich auf demselben Gelände, in einer völlig anderen Besetzung, die vom Dienstalter her besser an die Achtziger anknüpfte als die aktuelle. Wie dem auch sei – die Band stellte eine hervorragende Setlist vor allem aus altem Material zusammen und versammelte eine Schar eingefleischter Fans vor der Bühne, die ihre Teenagerjahre Anfang der Achtziger verbracht haben. Von der EP »The Openning Ritual« schnitten sie etwa die unglaublich epische Mini-Suite The Gates OF Gehenna heraus. Und das war noch nicht alles. Eine Revue des guten alten Repertoires in knapp einer Stunde, darunter Highlander (das kultische »Sultan’s Ransome«, 1989) sowie vom Album »Dominator« Nova Battlestar und als Abschluss Reaching for the Sky. Wahnsinnige Show. Wer das verpasst hat, kann aufhören, zu klassischen Heavy-Metal-Konzerten zu gehen. Das Debüt  »Cloven Hoof« war mit dem Titeltrack vertreten sowie dem fast am Ende gespielten, rasend wütenden Laying Down The Law. Im Repertoire fand sich auch Inquisitor (»Eye of the Sun« 2006), während das neue Album mit Time to Burn und Song of Orpheus vertreten war. Cloven Hoof sind eine Band mit hervorragender alter Metal-Jurisdiktion. Die Riffs sitzen meisterhaft. Sie packen sofort zu, und die Band bewahrt ihre düstere Erscheinung. Wenn du noch nicht weißt, was alte Schule ist, musst du diese unglaublich obskure, übersehene, aber großartige Besetzung unbedingt checken.  Absolut kultisch und zum Glück unzerstörbar. Dank der Unnachgiebigkeit, des Willens und der Ausdauer des außergewöhnlichen Lee Payne. Allein seine Erscheinung auf der Bühne macht klar, dass ihm Metal durch die Adern fließt.

Beim N.W.O.B.H.M. blieben wir auch danach, als die legendären Tygers of Pan Tang die Bühne in Beschlag nahmen. Die haben vor einiger Zeit ein unheimlich gelungenes und unglaublich solides Album herausgebracht, das sich allerdings deutlich stärker an den Hard-Rock-Wurzeln orientiert, als man erwarten durfte. Sie nannten es »Tygers of Pan Tang«. Die Band ist seit einer Weile in unveränderter Besetzung unterwegs, wobei klar ist, dass diese konkret verjüngt wurde. Die Band, die 1978 von dem heute einzigen Originalmitglied und Gitarristen Robb Weir mitgegründet wurde, spielt und tritt recht häufig auf. Und ist daher so ausgezeichnet eingespielt. Vor einiger Zeit haben wir sie in Vrba na Kroškem gecheckt. Weir hat in Micky Crystal einen außergewöhnlichen Kompagnon an der Sologitarre gefunden, Craig Ellis sitzt am Schlagzeug, Jacopo Meille liefert hervorragende Vocals, der rothaarige Gavin Gray schwingt den Bass. Tygers of Pan Tang sind live stark und souverän zugleich und verstehen es, die weitläufige Bühne bestens zu nutzen. Mit einem Repertoire voller kultiger Klassiker aus den ersten drei Alben konnten sie sich entspannt auf die Leidenschaften und Emotionen der Nostalgikermeute stützen, die wie angewurzelt vor der Bühne standen. Die Band baute auch das neuere und großartige Keeping Me Alive (»Ambush«, 2012) ins Repertoire ein, während das neue Album mit dem unglaublich gelungenen Only The Brave (erster Song des Konzerts), Devil You Know und Glad Rags vertreten war, das sich in einem fast glamourösen Rhythmus vorwärts rollt. Die Mehrheit wartete natürlich auf eine Reihe unvergesslicher Klassiker – und bekam sie auch: Raised On Rock, Love Don’t Stay (beide »Crazy Nights«), Gangland, Hellbound (beide »Spellbound«) sowie Slave to Freedom, Euthanasia, Susie Smiled (alle drei vom Debüt »Wild Cat«). Nicht wenige staunten über die Integration des ZZ Top-Hits Tush, und als Abschluss hatte die Band noch eine weitere Coverversion aufgespart: Love Potion #9 (orig. The Clovers), die ja bereits auf dem vierten Tygers Of Pan Tang-Album »The Cage« erschienen ist. Giftig und unnachgiebig rattert diese Legende vor sich hin, die damit noch längst nicht das letzte Wort gesprochen hat! Sicher ist neues Material in Arbeit. Keine Sorge. Für ein neues Studioalbum natürlich.

Beim guten alten N.W.O.B.H.M. blieben wir auch weiterhin – denn als Nächstes betrat nämlich »Grannyschool« die Bühne, nein, das stimmt nicht. Girlschool natürlich! Die respektablen Damen machten sich auch diesmal so auf den Weg wie immer. Mit großen Erwartungen, routiniert und nach bewährtem Muster. Allerdings hatten sie zu Beginn des Konzerts erhebliche Probleme mit dem Sound. Auch die Chemie kam deshalb überhaupt nicht in Gang. Einen guten Teil des Konzerts kämpften Girlschool klanglich mit sich, schlugen sich über diese Schwierigkeiten aber irgendwie mit Erfahrung und Routine hinweg. Man spürte allerdings eine leichte Distanz des Quartetts in dem Sinne, dass sie keine richtige Verbindung zum Publikum aufbauen konnten. Zumindest im Anfangsteil des Konzerts. Danach ordneten sich die Dinge und es lief, wie es laufen soll. Zehn Tage später lieferten Girlschool in Tolmin mit einer ähnlichen Setlist eine deutlich bessere Vorstellung ab. Wie dem auch sei. Wenn dir unten an der Bühne Leute Gesellschaft leisten, die mit deiner Musik aufgewachsen sind, braucht man keine Angst zu haben. Und so war es. Mit Songs vom kultigen »Hit And Run« und dem Debüt »Demoliton« zogen Girlschool ihren Auftritt durch, wie es sich gehört. Sie spielten folgende Setlist: Demolition Boys, C’mon Let’s Go, The Hunter, Hit and Run, I Spy, Come the Revolution Play, Take It Like a Band, Never Say Never, Screaming Blue Murder, Future Flash, Kick It Down, Watch Your Step, Yeah Right, Race With the Devil (orig. The Gun) und natürlich das berüchtigte Emergency. Die Band agiert in einer Besetzung, die praktisch identisch mit der von 1978 ist, als die Gruppe gegründet wurde. Denise Dufort am Schlagzeug, Enid Williams am Bass, Sängerin und Rhythmusgitarristin Kim McAuliffe sowie Jackie Chambers an der Leadgitarre, die 1999 die ursprüngliche Kelly Johnson ersetzte.

Es folgte der Auftritt der hervorragenden und hoch angesehenen irischen Black-Metal-Düsterlinge Primordial, die nach bewährter Gewohnheit eine echte Schwarze Messe nach Balingen brachten und darin die Pforten zur Hölle aufrissen. Primordial sind hier schon aufgetreten – und doch. Sie werden immer tagsüber ins Programm gesetzt, obwohl so eine Band unglaublich gut in einen finsteren Wald voller knorriger Bäume passen würde, in der schwärzesten Nacht, wo Wölfe heulen und Winde gnadenlos pfeifen – so wie beim diesjährigen Auftritt der Band in Tolmin. Wenn sie dort wirklich alle Salven abfeuern und das Festival mit einem Spitzenfinale abschließen konnten, mussten sie beim Bang Your Head!!! auf die Bremse treten und die Setlist kürzen. Ihren einstündigen Auftritt eröffneten sie großzügig. Mit dem außergewöhnlichen und auf über zehn Minuten ausgedehnten Nail Their Tongues aus dem aktuellen und neu erschienenen »Exile Amongst the Ruins«, dem sich danach noch To Hell or the Hangman und Upon Our Spiritual Deathbed anschlossen. Schon früh im Konzert spielte die Band No Grave Deep Enough vom Album »Redemption of the Puritan’s Hand« (2011), vom Album »To The Nameless Dead« erklangen As Rome Burns (in der Mitte des Konzerts) sowie Empire Falls, mit dem Primordial, so unheilverkündend wie möglich, ihren großartigen Auftritt beschlossen. Auch Coffin Ships vom Album »The Gathering Wilerness« (2005) hallte durch die Luft. Die Aufmerksamkeit gehört dem Mann des Theaters. Dem einen und einzigen Alan Nemtheanga, der das Publikum buchstäblich hypnotisierte. Nicht nur durch seine Erscheinung, sondern durch seinen Bühnenantrieb, sein Theater, sein Spiel. Durch sein Predigen. Überall Tod und schwarze, heulende Nacht. Die Geburt des Bösen und des Verderbens. Versuchungen überall. Abgründe und Schluchten, aus denen es keine Rückkehr gibt. Jede Menge keltische Folk-Elemente und eine außergewöhnlich düstere Bombastik. Obwohl Alan im Mittelpunkt steht, vergisst man manchmal, wie großartige Musiker ihn begleiten. Wie exzellent sie zubeißen und welch mächtigen Sound Primordial als Gesamtheit erzeugen. Gibson-SG-Gitarren und Rickenbecker-Bass. Alte Schule. Aber einzigartig und unverwechselbar. Solche Bands baut man nicht mehr. Zugleich sind die Kompositionen allesamt tief und äußerst fordernd beim Hören. Getragen von einer gewaltigen und schaurigen Atmosphäre voller Zaubersprüche und blasphemischer Hypnose. Ein Theater eben, das in einem anderen Ambiente noch intensiver aufleuchten würde, als in Balingen. 

Die japanischen Loudness sind immer eine Art Großattraktion, wenn sie europäische Bühnen erreichen. Auch diesmal war es nicht anders. Ein handfestes Publikum begrüßte sie. Die langlebigen japanischen Metaller mit dem außergewöhnlichen Akira Takasaki in der Besetzung – ein Mann, der sich in Sachen Gitarrenspiel mit den Größten seines Fachs messen kann. Sein Spiel ist voller höllischer Geschwindigkeit, und er hat viel von Blackmore gelernt. Neoklassizistische und barocke Tricks nach dem Vorbild Malmsteens fehlen nicht, und der Mann brilliert in »exotischen« Solopassagen und halsbrecherischer Attraktivität. An überbordenden Salven außergewöhnlichen Gitarrensolierens mangelt es nie und nimmer – und das ist im Grunde der Kern jedes Loudness-Konzerts. Aber Akira ist bei weitem nicht allein. Da sind Minoru Niihara am Gesang und Bassist Masayoki Yamashita, die neben Akira die beiden anderen Originalmitglieder sind, während Masayuki Suzuki seit 2008 am Schlagzeug sitzt. An diesem Nachmittag waren Loudness aber nicht die Loudness, die man erwartet hätte. Etwas stimmte nicht. Die Kommunikation auf der Bühne. Bassist Yamashita war drei Viertel des Konzerts ganz in den Hintergrund gerutscht. Dort hielt er sich an den Monitoren fest, die fast auf einer Linie mit dem Schlagzeug standen. In die vordere Linie kam er nur, wenn er bei den Backgroundvocals mitmachen musste, was er ziemlich lustlos und desinteressiert tat. Erst im letzten Viertel des Auftritts, als er etwas mehr Leben zeigte und endlich den rechten Fuß auf den vorderen Monitor stellte, drehte sich Niihara theatralisch zu ihm um, schob die Sonnenbrille hoch und begleitete ihn mit großen Augen in dem Stil: »Oh, guten Morgen, willkommen zurück unter uns«. Die Band spielte eine Reihe ihrer bekanntesten Nummern und präsentierte das neue Album »Rise To Glory«, mit dem auch das Konzert eröffnet wurde. Das gespielte Repertoire: Soul on Fire, I’m Still Alive, Crazy Nights, Like Hell, Heavy Chains, Go For Broke, Until I See The Light, Let It Go, This Lonely Heart, Crazy Doctor, In the Mirror, S.D.I.  Kurzum. Loudness schaut man sich immer an. Immer, wenn sich die Gelegenheit bietet. Einfach weil die legendären japanischen Metaller auf der Bühne immer noch exzellent sind.  Wahrscheinlich hatten sie sich vor dem Konzert in die Wolle gekriegt – es gab einige Reserviertheit und seltsame Blicke auf der Bühne. Überzeugender erwischten wir sie zehn Tage später beim slowenischen Metaldays Festival.

Zur selben Zeit erwachte die benachbarte Halle. Dort spielten die deutschen Power-Metaller Mystic Prophecy, die wir wegen der Überschneidungen nur zum Teil mitbekamen. Die Band hat ein neues Mitglied, einen griechischen Gitarrenvirtualosen. Echte »Gus G.«-Schule, der auf den Namen »Evan K« hört. Der hat sich bei diesem Auftritt mit unglaublicher technischer Perfektion hervorgetan. Das Repertoire wurde hauptsächlich vom aktuellen Album »War Brigade« sowie »Killhammer« getragen, und die Band vergaß auch nicht daran zu erinnern, dass sie kürzlich ein Coveralbum »Monuments Uncovered« veröffentlicht hatte, indem sie Oldfields Shadow on the Wall in eigener Regie spielte. Kompakt, eingespielt, abgestimmt und natürlich souverän. Die Band wurde von einem unglaublich mitgehenden Publikum unterstützt, was nur beweist, dass Mystic Prophecy in Deutschland einfach zuhause sind. Gespieltes Repertoire: Kill the Beast, Savage Souls, Killhammer, Burning Out, The Crucifix, Shadow on the Wall (oig. Mike Oldfield), We Kill! You Die!, To Hell and Back, Metal Brigade, Evil Empires, War Panzer, Ravenlord.

Deutlich mehr Interesse weckte der Auftritt von Pretty Maids. Die spielen zwar fast jedes Jahr beim Bang Your Head!!!  Zumindest in den letzten Jahren sind die kernigen dänischen Rocker in Balingen sehr häufig anzutreffen. Warum sollte also das diesmalige Konzert in irgendetwas interessanter sein als die vorherigen? Ganz einfach. 30 Jahre seit dem Erscheinen des kultigen »Future World«, und so entschied sich die Band, das gesamte Album zu spielen. Von der ersten bis zur letzten Nummer dieses kultigen Meilensteins. Eigentlich war gar nicht die Frage, wie es klingen würde. Das ist überhaupt keine Frage. Pretty Maids sind einfach zu gut, als dass etwas schiefgehen könnte. Die Frage war nur, wie Ronnie die Vocals hinbekommt, denn es ist bekannt, dass seine Stimme in den letzten Jahren etwas an Umfang und Kraft eingebüßt hat. Aber er hielt sich außerordentlich gut und sang auf hohem Niveau und in guter Tagesform. Der legendäre Sänger lieferte also das Beste, was er derzeit zu geben hat, und das Volk erlebte Ekstase, als es wohl zum ersten, letzten und einzigen Mal einer Konzertaufführung des Kultalbums beiwohnte. Pretty Maids haben dieses Konzert für eine DVD aufgezeichnet. Und das war noch nicht alles. Die Spielzeit war nämlich beachtlich. Anderthalb Stunden, und im letzten Drittel reicherte die Band das Programm mit Nummern aus dem neuen Album »Kingmaker«, sogar einem Track vom Album »Motherland« sowie dem neueren Pandemonuim an. Und es blieb noch genug Zeit, sich auch dem älteren »Red, Hot And Heavy« zu verbeugen. Das gespielte Repertoire war folgendes: Future World, We Came to Rock, Love Games, Yellow Rain, Loud ’n‘ Proud, Rodeo, Needles in the Dark, Eye of the Storm, Long Way to Go, Mother of All Lies, Kingmaker, Bull’s Eye, Little Drops of Heaven, Pandemonium, Back to Back und als Zugabe Red, Hot and Heavy. Hand aufs Herz. Das Erscheinen von Pretty Maids auf der Hauptbühne bedeutete, dass wir noch vor dem Auftritt von Powerwolf eigentlich schon den Headliner des dritten Festivaltags vor uns hatten.

Während Pretty Maids spielten, gab es in der Halle die legendären amerikanischen Old-School-Speed-Metaller Hexx zu erleben. Die haben sich nach langen Jahren Pause im Jahr 2011 wieder aktiviert. Auch ich selbst genoss die meiste Zeit bei Hexx, denn dieser Auftritt war eine Exklusivität. Hexx werden heute nur noch von zwei Originalmitgliedern vertreten, nämlich Gitarrist Dan Watson und Schlagzeuger John Shafer, während der Rest der Besetzung aus Bobbie Wright (Gitarre), Mike Horn (Bass)  und Sänger Eddy Vega besteht. Die Band hat letztes Jahr das großartige neue Studioalbum »Wrath Of The Reaper« veröffentlicht. Die Hauptfrage war, wie Eddy die älteren Songs hinbekommt und wie viel von jener Magie, die man von den alten Studioaufnahmen kennt, die Band auf Bühnen im Jahr 2018 noch regenerieren kann. Hexx haben es gekillt. Ungeachtet der relativen Statik des Quintetts rannte Eddy wütend über die Bühne und machte Sport, sorgte dabei aber mit seinem kernigen, zornigen, hoch angesetzten und leicht scharfen Gesang für ein dynamisches Stimmungsbild. Schade, dass nicht mehr Leute in der Halle waren, denn die Band lieferte eine hervorragende Vorstellung. Hexx bestückten ihre Show obligatorisch  mit Nummern von den Kultalben: »Under the Spell«, »No Escape« und »Morbid Reality«.

Mit den Auftritten von Pretty Maids und Hexx hatte sich der interessanteste Teil des Programms am dritten Festivaltag eigentlich schon erledigt. Danach traten bis zum Festivalende noch drei Bands auf. Die Metal-Revivalisten Visigoth in der Volksbankmesse-Halle, die eine ordentliche Spielzeit bekamen und damit die Gelegenheit erhielten, fast das gesamte aktuelle Album »The Conqueror’s Oath« zu spielen, dazu noch Songs vom Album »The Revenant King«. Die Band liefert nichts wirklich Neues, beißt aber engagiert und mit Feuer zu. In einem über einstündigen Auftritt spielten sie folgendes Repertoire: Dungeon Master, Blades in the Night, Blood Sacrifice, Warrior Queen, Outlive Them All, Hammerforged, Salt City, Steel and Silver, Traitor’s Gate, Mammoth Rider, Iron Brotherhood, Final Spell, The Revenant King.

Wegen der unglücklichen Überschneidung musste man Visigoth größtenteils auslassen. Das Konzert überschnitt sich nämlich vollständig mit dem Auftritt der Headliner des Abends, der heißen deutschen Power-Metaller Powerwolf. Die sahen wir in Balingen zum ersten Mal im strömenden Regen des Jahres 2009. Damals traten sie um die Mittagszeit auf, und damals hatte man auch nicht das Gefühl, dass diese Band wegen ihres »Copy-Paste«-Elements jemals größer werden könnte. Wie dem auch sei. Außergewöhnliche Bühnenkulissen, jede Menge Pyrotechnik und Rauch. Eine handfeste Bühnenproduktion also. Obwohl Powerwolf eine unglaublich generische Band sind, die diese Generizität durch den Prunk und Kitsch kompensieren, der ihre Geschichten über Werwölfe, Vampire und andere Wesen ziert, die einst die üppige menschliche Fantasie des weiten transsilvanischen Häresietums hervorgebracht hat, begleitet sie eine solide Fangemeinde. Und traditionsgemäß ist das treue deutsche Publikum in Balingen jedem Headliner gegenüber treu. Der Besuch also, wie er sich gehört. Die Band stellte eine Setlist zusammen, die hauptsächlich von Songs aus dem kürzlich erschienenen The Sacrament Of Sin, seinem Vorgänger Blessed And Possesed sowie Blood Of the Saints geprägt war. Gespieltes Repertoire: Blessed & Possessed, Army of the Night, Resurrection by Erection, Amen & Attack, Demons Are a Girl’s Best Friend, Dead Boys Don’t Cry, Armata Strigoi, Let There Be Night, All We Need Is Blood, Fire and Forgive, Werewolves of Armenia, Incense & Iron, Sanctified With Dynamite, We Drink Your Blood, Lupus Dei. Viele vorgefertigte Kulissen, hinter denen sich die eigentliche Darbietung »versteckte«. Ein richtiges Spektakel  zum Abschluss. Nun, all jenen, die im Leben schon viele Konzerte gesehen und viele Bands kennengelernt haben, zumindest mit einem Hauch von ideeller Wiedererkennbarkeit, werden Powerwolf nicht allzu lange in den Gedächtnisnotizen bleiben.

Die letzte Band im Programm der diesjährigen Ausgabe des Bang Your Head!!! Festivals waren die schwedischen Sleaze- und Glam-Rock- sowie Metal-Revivalisten Crashdiet. Endlich wieder etwas für alle, die auf Motley Crue, Twisted Sister usw. stehen. Die Band hat wieder einen neuen Sänger in ihre Reihen aufgenommen. Diesmal ist es Gabriel Keyes, ansonsten befindet sich die Band in einer Besetzung, die identisch mit der Anfangszeit der Gruppe ist. Enormer Besuch, einige kreischende Mädels vorne, viel Schminke und aufgetoupierte Frisuren (auch beim Publikum). Großartige Energie. Zeit für Party Time. Abschalten. Die Band lieferte das Beste, was sie derzeit kann. Die Schweden spielten wirklich exzellent, ohne Patzer. Als Quartett hätte sich vielleicht noch eine weitere Gitarre schön eingefügt, damit sie noch aggressiver und lauter klingen, aber alles funktioniert völlig souverän. Martin Sweet deckt allein mit der Gitarre enorm viel Raum ab und tut das überaus effektiv. Der genannte Gitarrist und sein Kumpel sowie Bassist Peter London haben über die Jahre am meisten Sleaze- und Glam-Schminke an sich bewahrt. Obwohl Gabriel die Sache sehr gut meisterte und sich souverän mit dem Repertoire auseinandersetzte, fehlt es ihm an Charisma. Der Typ wirkt auf der Bühne einfach zu »freundlich« und gibt das Bild eines braven Burschen ab. Definitiv ist nicht zu erwarten, dass er problemlos in die Schuhe  des unersetzlichen Gründers und verstorbenen Sängers Dave Lepard schlüpfen kann – aber dennoch. Ungeachtet der gesanglichen Korrektheit herrschte während des Konzerts ständig das Gefühl, dass der ganzen Sache das Tüpfelchen auf dem i fehlt. Das gespielte Repertoire: Tikket, Riot in Everyone, So Alive, Queen Obscene / 69 Shots, We Are the Legion, Down With the Dust, In the Raw, It’s a Miracle, Die Another Day, Blues Jam / Used to Love Her (orig. Guns N’ Roses), Cocaine Cowboys und als Zugabe: Breakin‘ the Chainz, Miss Pain / Rebel, Generation Wild.

Damit schloss sich wieder ein Bang Your Head!!! Der zwanzigste in Folge. Vielleicht fehlte im Programm des dritten Tages ein attraktiverer und klangvollerer Name, der an den allerletzten Teil des Abends gesetzt worden wäre. Die interessanten Dinge des Tages endeten eigentlich mit dem Auftritt von Pretty Maids, sodass das Gefühl eines krönenden Abschluss-Crescendos fehlte. Nun, was auf keinen Fall fehlte – auch in diesem Jahr nicht –, war das berühmte Feuerwerk und natürlich der tatkräftige Abschiedsgruß bis nächstes Jahr, wenn wir wieder zum Feiern nach Balingen aufbrechen.

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