The Darkness und die Hörgewohnheiten der Harley Davidson-Gemeinde! (2018)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Faak Am See / Österreich
Konzertdatum: 07.09.2018
Besucherzahl: 1000
Kartenpreis: 0,00€

Das diesjährige traditionelle Harley Davidson Biker’s Weekend brachte in die Nähe des österreichischen Villach, genauer gesagt ans Ufer des Faaker Sees und das dortige Dörfchen Faak Am See, unter anderem eine bunte Schar von Auftretenden mit sich, die über die gesamte Woche auf das Festivalprogramm verteilt waren. So traten am Freitag, dem 07.09.028, auf der Hauptbühne die berüchtigten britischen Glam- und Hard-Rock-Revivalisten The Darkness auf, die sich bereits mit ihrem Debüt »Permission to Land« aus dem fernen Jahr 2003 weltweiten Ruhm erarbeitet hatten. Die Band veröffentlichte letztes Jahr ihr insgesamt fünftes Studioalbum mit dem Titel »Pinewood Smile«. Das nach wie vor heiße Album wurde in diesem Jahr auch konzertmäßig dokumentiert, denn die Gruppe brachte kürzlich das Livealbum »Live At Hammersmith« heraus und erstreckte ihre Konzerttätigkeit bis in den späten Sommer 2018 — wo wir sie dann auf einem der größten Biker-Festivals der Welt abfingen.

Dorthin lohnt es sich immer zu fahren. Die Konzerte sind nämlich kostenlos, und jedes Jahr taucht auf diesem Festival mindestens ein Act auf, der auf der globalen Rock-’n‘-Roll-Landkarte in fetten Lettern eingetragen ist. Dieses Jahr fiel diese Rolle also The Darkness zu, und auch wir haben nicht lange gezögert, hinzugehen. Wenn du auch nur ein bisschen Rocker bist und eine Band wie The Darkness quasi vor deiner Haustür spielt — und das auch noch umsonst —, ist es schlicht eine Sünde, dieses Event zu ignorieren, für die es absolut keine Entschuldigung gibt.

Die Band stand um halb elf abends auf der Bühne. Davor heizten auch andere Bands (Lucifer, usw.) dem Publikum ein, allerdings ohne nennenswerte Qualitäten der »allgemeinen Rock-’n‘-Roll-Ästhetik«, weshalb wir sie übersprungen haben. The Darkness eröffneten erwartungsgemäß das Konzert mit dem neuen Song Solid Gold. Sie wurden gut aufgenommen. Rund 1.200 Besucher erwarteten sie bei launischem Wetter. Während des Konzerts hat es nämlich auch leicht geregnet. Tatsächlich füllten sich die ersten Reihen vor allem mit Kennern und Fans der Band, sodass Justin Hawkins‘ Truppe kein völlig apathisches, überwiegend bikerendes Publikum vorfand — wie wir das in den vergangenen Jahren auf diesem Festival erlebt hatten, als u. a. solche Rockgrößen wie Uriah Heep, 10CC, Alvin Lee oder Asia aufgetreten waren.

Die Band lieferte einen hervorragenden Sound. Die Setliste hielt eine kleine echte Überraschung bereit, denn die Gruppe stützte sich im Repertoire größtenteils auf ihr Debütalbum »Permission to Land«, von dem sie insgesamt ganze neun Songs spielte. Das ist eigentlich die Hälfte des gesamten Repertoires. Songs, die heute Klassiker und Publikumslieblinge sind: I Believe In A Thing Called Love, Friday Night (ein hervorragender Titel für einen Freitagabend mit der Band), Get Your Hands Off My Woman, Growing On Me, Black Shuck, Love Is Only A Feeling, Stuck In A Rut, Givin‘ Up und im Zugabenblock Love on the Rocks With No Ice. Was könnte besser sein? Dazu gesellt sich noch das obligatorische One Way Ticket, das großartige Open Fire und das übernatürlich unterhaltsame The Barbarian (beide vom Album »Last Of Our Kind«) sowie das herrlich anzügliche Every Inch Of You (Album »Hot Cakes«, 2012) — und das Maß ist voll. Über all dem hielt Justin Hawkins das Publikum durchgehend in seinen Bann — mit riesiger Charisma und einem ungeahnten Bühnentalent, das genau auf dem richtigen Level nervig ist, um nicht wirklich nervig zu sein, verstehst du, was ich meine? Genau süßlich genug, um nicht zuckrig zu wirken, genau auf den Punkt provokant, dass von irgendwelchen Bühnenexzessen oder möglichen Geschmacklosigkeiten keine Rede sein kann. Genau die richtige Dosis Sticheleien, Rauheit, Frechdachsigkeit und Eitelkeit — und das alles krönt Justin mit einem brillanten Sinn für schwarzen Humor, der weder Ende  noch Gleichen zu kennen scheint. Dazu besitzt er eine außergewöhnliche Stimme, die über die Jahre ihre extreme Höhe und Kraft behalten hat. Sicher hilft dabei auch etwas Unterstützung vom Mischpult — aber trotzdem. Das Klavier lässt Justin seit Jahren zuhause; in letzter Zeit konzentriert er sich neben dem Gesang auf das Gitarrespielen und Solieren, wobei er beim Solieren sogar die Initiative vor seinem Bruder Dan übernimmt — was bedeutet, dass Dan hier eigentlich in eine untergeordnete Position gedrängt wird, obwohl er als hervorragender Gitarrensolist gilt. Das Quartett vervollständigen Bassist Frankie Poullain und Rufus Tiger Taylor, bekanntlich der Sohn des berühmten Roger Taylor (Queen).

Die gut anderthalb Stunden Konzert vergingen wie im Flug. Vor allem dank der verrückten Einlagen von Justin Hawkins. Er beherrschte die gesamte Bühne. Der Kerl übernimmt mit seinem Solo-Theater die Vorherrschaft sogar gegenüber der eigentlichen Bühnenperformance des Materials. Von der ständigen unterhaltsamen Kommunikation mit dem Publikum à la: »We were up to play Born to be Wild, because we respect the listening habits of Harley Davidson community, but than we changed our minds and… bis hin zum Herumalbern mit Wasser der Marke Römmerquelle, dem er u. a. das Prädikat »It’s Austrian style« verlieh. Solche und ähnliche Kommentare sorgten, trotz des miesen Wetters, durchgehend für gute Energie und ausgelassene Stimmung. Justin lieh sich auch eine Bikerjacke aus, zog sie für drei Songs an, steckte danach drei Plektren in die Tasche und gab sie dem Besitzer zurück, der derweil in den ersten Reihen darauf gewartet hatte.

Um nicht zu viel drum herumzureden: Dies war die vierte »offizielle« Begegnung von Rockline mit The Darkness auf Bühnen und die dritte des Verfassers dieser Zeilen. Zweimal zuvor hatte er The Darkness in Wien erlebt, und nun zum dritten Mal. Von allen drei Begegnungen belegt diese letzte in Faak Am See zweifellos den ersten Platz. So viel Spaß auf einem Fleck in gut anderthalb Stunden Spiel zu packen, vollgestopft mit echter Rockenergie, erfordert für die meisten derartigen Bands einen regelrechten wissenschaftlichen Doktortitel. Mit dieser Kunst aber verfahren The Darkness äußerst geschickt und mit federleichter Eleganz. Im Theater bleiben sie wahre Meister, die neben allem, was sie sind, auch ein zartes Element der »Parodie« mit sich tragen — was dem ohnehin außergewöhnlichen Vergnügungspark noch das Tüpfelchen auf dem i verleiht, hinter dem der grenzenlos scharfsinnige, dabei unglaublich harmonische und stimmige Charakter dieser unglaublich charismatischen Rock-’n‘-Roll-Band steckt.

Setliste

1. Solid Gold
2. Growing on Me
3. Open Fire
4. Love Is Only a Feeling
5. Japanese Prisoner of Love
6. Black Shuck
7. Southern Trains
8. One Way Ticket
9. Barbarian
10. Friday Night
11. Every Inch of You
12. Buccaneers of Hispaniola
13. Stuck in a Rut
14. Givin‘ Up
15. Get Your Hands Off My Woman
16. I Believe in a Thing Called Love
—Zugabe—
17. Love on the Rocks With No Ice

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