San Di Ego mit neuer Hard-Rock-Lektion im Orto bar (2018)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 18.04.2018
Besucherzahl: 150
Kartenpreis: 6,00€
Vor gut fünf Jahren haben San Di Ego ihr Debütkonzert gegeben – und zwar genau im Orto bar. Das war noch in der alten Clublocation, im Obergeschoss. Der Laden platzte aus allen Nähten, die Luft wurde knapp. Fünf Jahre später treffen wir uns wieder am selben Ort, nur dass die Band diesmal auf der größeren Bühne gespielt hat. In diesem Fünfjahreszeitraum haben San Di Ego zwei Studioalben veröffentlicht und die slowenischen Bühnen kreuz und quer bereist. Sie sind zu einer handfesten Hard-Rock-Band mit klarer Vision und einem soliden Rückgrat geworden, die alle echten Fans des Genres in Slowenien kennen. Mit ihrem Auftauchen auf der Szene füllen sie die Lücke, die nach dem Zerfall von Requiem entstanden ist, und mit ihrem Repertoire – souverän gewürzt mit Coverversionen großer Rock’n’Roll-Klassiker – ersetzen sie gewissermaßen auch die pausierenden C4.
Im Venue hatten sich knapp 150 Leute versammelt, allesamt glühende Rock-Fans. Auch der Anteil der Mädels war stattlich – sie hatten für diesen Anlass tief Luft geholt, um sich in möglichst enge Outfits zu zwängen. Die Band wartete im Backstage bis etwa halb elf Uhr abends – lang genug, damit das Publikum mit dem Ambiente verschmilzt und der Alkohol anfängt zu »wirken«.
Es braucht keine großen Worte, um zu sagen, dass Jure Doles (Schlagzeug), Sergej Škofljanec (Gesang, akustische Gitarre, Keyboards), Matic Ajdič (Gitarre) und Martin Rozman (Bass) ein unglaublich eingespieltes Quartett sind. Eingespielt und messerscharf, mit ordentlicher Bühnenerfahrung und einer unglaublichen Bandbreite an Erfahrungen. Sie kennen sich in- und auswendig, und hinter ihnen liegt eine bunte Geschichte musikalischer Aktivitäten, die auf der slowenischen Rock’n’Roll-Landkarte deutliche Spuren hinterlassen hat – und weiter hinterlässt. Ins breite Repertoire hat die Band natürlich erwartungsgemäß die herausragendsten Eigenmomente gepackt, die auf beiden Studioalben »San Di Ego« und »Doktor za rock’n’roll« versammelt sind (Rockstar, Nisem svetnik, Domina, Izbrisani, Pompin, Zadnji cent, Slike, Doktor za rock’n’roll), und das Ganze dann erneut mit einem erweiterten Paket an Coverversionen gewürzt. Und was für welchen! An ihren Konzerten sticht immer und immer wieder das Queen-Medley heraus. Ganz einfach. So verwoben gut gespielt und gesungen, dass einem solch eine Darbietung den Atem verschlägt. Schön war es, Any Way You Want It von Journey zu hören, ganz zu schweigen von dem geschickt eingebauten Get the Funk Out (orig. Extreme) innerhalb von Izbrisani und so weiter. Whitesnake, Deep Purple und natürlich die herrlichen Bearbeitungen von Stayin Alive (orig. Bee Gees) und Touch Me (orig. Samantha Fox). Und zu all dem hat sich jetzt noch ein weiterer äußerst gewitzt umarrangierter Klassiker aus der Popmusik der Siebziger gesellt: Dancing Queen von den legendären ABBA. Der Song zündet im San Di Ego-Stil – und hoffen wir, dass er seinen Platz auf dem dritten Studioalbum der Band findet.
Aber genug der langen Worte. Sound super, Publikum genauso. Die Band fantastisch eingespielt. Ich hab irgendwie schon fast vergessen, wie gut San Di Ego sind. Als Band und als Einzelne. Alle vier, jeder für sich gleichwertig – und wenn sie sich zu einem Körper vereinen, werden sie zu einem außergewöhnlichen Rock’n’Roll-Orkan. Besonders wenn sie die Bühne betreten. An Dynamit mangelt es ihnen nicht, die Bühne nutzen sie meisterhaft aus. Überall präsent, und dabei kommunizieren sie unglaublich geschickt mit dem Publikum. Alle vier – wobei die Initiative natürlich beim Frontmann der Gruppe, Sergej Škofljanec, liegt. Sergej hat wieder mal mit seinem Gesang gekillt. Der charismatische Sänger hat mit seiner Stimmkraft nicht gegeizt Wieder hat er spielerisch seine ausgereifte Stimmkraft durch alle Höhen und Tiefen bis in die Extreme getrieben. Er hat alle höchsten Lagen getroffen, auch in den anspruchsvollsten Momenten des Konzerts, wie etwa bei diesen extrem hohen Zeilenabschlüssen in Here I Go Again (orig. Whitesnake). Die anderen drei bieten ihm eine außergewöhnliche Unterstützung. Die Rhythmussektion legt los wie entfesselt, und Matic hat sich zu einem Spitzengitarristen entwickelt, der die Originale anderer Künstler klanglich äußerst feinfühlig studiert und sie dann mit seinem Gitarren-Gear unglaublich souverän »abgehört« hat.
Keine Frage. Eine wirklich tolle und attraktive Show. Eine echte Party. Bei allem Lob wäre es trotzdem schön gewesen, wenn noch rund 50 Köpfe mehr beim Konzert dabeigewesen wären, aber…. Es war halt ein Mittwoch. Ahhhh und natürlich. Mežkova Julija. Die durfte im Repertoire natürlich nicht fehlen. Also: ein weiterer spektakulärer Konzert-Marathon der Doktoren des Rock’n’Roll.
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