Stray Train – der explosive Zug, der den Orto bar überrollt hat (2018)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 04.04.2018
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 6,00€
Stray Train, eine frische slowenische, hoch fliegende Hard-Rock-Attraktion der neuen Zeit, ist eine Band, die man im stilistischen Sinne innerhalb der slowenischen Musiklandschaft deutlich vermisst. Nicht dass es bei uns etwa zu wenige Bands gäbe, die sich von Gruppen und Künstlern wie AC/DC, Alice Cooper, ZZ Top,… inspirieren lassen. Aber wenn man Stray Train begegnet, mischen sich in all diese klassisch verankerten Hard-Rock-Riffs gerne ein paar dunkle Töne, die aus der Begeisterung für die Grundelemente von Grunge-Bands schöpfen, und der eigentliche Charakter der Band definiert sich auch durch ein ständiges Kokettieren mit den Grundelementen des Blues. Und all das kulminiert bei Stray Train in dem unverkennbaren »persönlich-bekenntnishaften« Charakter des eigenen musikalischen Dossiers. Wir sagten vorhin, dass es in Slowenien nicht wenige Bands gibt, die sich gerne auf die weltweite Hard-Rock-Doktrin stützen, aber es gibt nur wenige, die dabei auch wirklich überzeugend sind. Und Stray Train gehören zu dieser Minderheit eines außerordentlich qualitativen Rock’n’Roll-Revivalismus, geschmiedet auf heimischem Boden.
Das erfahrene, talentierte und technisch hervorragend gerüstete Quintett hat in relativ kurzer Zeit zwei Langspieler veröffentlicht und in dieser Zeit auch eine außerordentlich reiche Ernte an Konzertauftritten eingefahren. Besonders gut klingt noch immer die gemeinsame Europatournee von Stray Train mit Kadavar und Blues Pills im Gedächtnis nach, bei der Stray Train in einem extrem vollgepackten und verdichteten Tourplan ganze vierzig aufeinanderfolgende Konzerte »reingestopft» haben. In kaum mehr als ebenso vielen Tagen.
Das Album »Blues From Hell – The Legend of the Courageous Five«, das im vergangenen Jahr erschienen ist und nach gerade einmal einem Jahr das außerordentlich schöne und mutige, »extrem« betitelte Studiodebüt »Just ‘cause you got the monkey off your back doesn’t mean the circus has left town« beerbt hat, bewahrt die Qualität und zeigt das kompositorische Reifen der Band. Das neue Album promoten Stray Train weiterhin mit vollem Einsatz und Stolz. Eine solche Gelegenheit bot sich auch im Rahmen der diesjährigen Ausgabe des Ortofests. Die Band trat auf der oberen Bühne auf, also auf dem klassischen Schauplatz des Orto bar, der im »ausverkauft«-Zustand gut zweihundert Besucher fasst. So viele versammelten sich diesmal zwar nicht, doch überschritt die Zahl der Anwesenden die hundert Köpfe. Ein schöner Besuch also. Genau die richtige Fülle, um das Konzert in vollen Zügen zu genießen.
Die Band lieferte (nach der sprichwörtlich „schon recht stillen Vorfreude“) einen außerordentlich eingespielten, gut aufeinander abgestimmten Auftritt ab, der bereits ein schönes Maß an Routine ausstrahlte. Diese erwächst aus den fest verwachsenen chemischen Bindungen zwischen den Bandmitgliedern, was bedeutet, dass Stray Train im Sinne der Konzertdarbietung stets auf die richtige Betriebstemperatur aufgeheizt sind – eine Temperatur, die ein außerordentlich mitreißendes und energetisch explosives, »hochoktanig« geschärftes Spiel zu liefern weiß.
Das Zusammenspiel und das Gespür der beiden Gitarren ist fest und mitreißend. Es sind deutliche Abweichungen im Solierstil zwischen Bobans klassisch rockermäßig verführerischem und Jures filigran gemeißelten »Perversionen» hoher technischer Profilierung zu spüren. Der unablässige Sturmangriff des Gitarren-Duos, wurde durchgehend vom durchdringenden, melodischen und einprägsamen Gesang von Luka ergänzt, der während der gesamten Show in Autorität, Dominanz und Kraft nicht einen Augenblick nachließ. Mit der kompakten und kontrastreich gepanzerten rhythmischen Textur des agilen »Herrn der Zeit« Luka Čaež am Schlagzeug und des geschickten Jägers tiefer Töne, den Bassist Niko in der Band verkörpert, können Stray Train einfach nicht enttäuschen und liefern stets eine intensive Show ab, die einen gehörig verhext – man bekommt das Gefühl, dass die Zeit im Nu vergeht.
Diesmal war es ein besonderes Erlebnis, die Band in einem Clubraum zu erleben, wo man diese ständige Bühnenkommunikation zwischen den Bandmitgliedern intensiver wahrnehmen kann. Das sind all die „Kleinigkeiten“, die dem gewöhnlichen Auge normalerweise entgehen. Kleine Gesten und Impulse, mit denen die Jungs ständig interaktiv kommunizieren, damit das Repertoire so abläuft, wie es sich gehört.
Stray Train ist eine Band, die auch diesmal mit ihrem Auftritt im Orto bar eine ausgezeichnete Party aus einem bildstarken Sammelsurium klassisch knackiger Rock’n’Roll-Riffs geboten hat, übergossen mit der modischen Kontur des Sounds neuer Zeiten und einem feinsinnig noblen (rustikalen) Flirt mit den Grundelementen der Blues-Rhetorik. Die Band hat bestätigt, dass sie in ausgezeichneter Form ist und dass der Zusammenhalt des Quintetts bombenfest sitzt. In einem solch positiven Umfeld entstehen auch schnell großartige neue Ideen für das Schreiben von neuem Originalmaterial. Hoffen wir, dass Stray Train diesen hoch kreativen Charakter und diese Energie bewahren und einen solchen »Momentum« auf eine ganze Reihe kommender Konzerte und natürlich auf das zukünftige neue Album übertragen.
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