Wiedergeborene Sepultura dominierte im Grazer Explosiv! (2018)

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Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Graz / Explosiv / Österreich
Konzertdatum: 01.03.2018
Besucherzahl: 400

Sepultura war auf der Metal-Szene lange Jahre ein verhasster Name. Es dauerte mehr als zehn Jahre, um bestimmte Dinge zu verarbeiten und zu akzeptieren, dass ein Reunion der klassischen Besetzung niemals stattfinden wird. Die Band musste dafür leiden und gleichzeitig durch all die Negativität durchhalten. Heute könnte man sagen, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass Sepultura überhaupt bestehen konnten – eine Band, die in einer bestimmten Phase wirklich schlecht verdiente und kaum über die Runden kam. Aber jede Ausdauer zahlt sich aus. Kisser und Kompanie haben letztes Jahr das Album Machine Messiah veröffentlicht, mit dem die Band eine neue Ära ankündigte, die erneut qualitätsvolle Alben verspricht. Im Rahmen besagten Albums brach Sepultura bereits zum zweiten Mal zur Europatournee auf, diesmal als Headliner. Auf dem Weg durch Europa gesellten sich noch die deutschen Progressive-Death-Metaller Obscura, die amerikanische Black/Death-Metal-Band Goatwhore sowie die Deathcore-Truppe Fit For An Autopsy dazu. Ein buntes Lineup, das so einige Konzerte ausverkauft hat. Die Tournee füllte Hallen mit 600 bis 800 Besuchern, was zweifellos eine gute Zahl ist.

Im Grazer Klub Explosiv war das Konzert fast einen Monat vor dem Termin ausverkauft, allerdings finden darin nur rund 400 Leute Platz, was unter dem Tournee-Schnitt liegt. Trotzdem war das vollbesetzte Explosiv ein guter Beweis dafür, dass Sepultura auch in kleineren Städten eine Halle füllen können.

Los ging’s mit den amerikanischen Deathcorern Fit For An Autopsy. In der Band wirkt auch der renommierte Produzent Will Putney mit, der so mancher Deathcore-Band zu einem besseren Sound verholfen hat. Putney fuhr nicht mit auf Tour, deshalb spielte die Band als Quintett. Für Deathcore sind das keine Überflieger, denn die Band kam auf die Szene, als Deathcore bereits seit einigen Jahren populär war, und konnte keinen großen Eindruck hinterlassen, da immer wieder dieselben Muster wiederholt werden. Fit For An Autopsy spielten dennoch ordentlich. Der Sound war brutal, Breakdowns gab’s genug, auch die Einspieltheit stimmte. Die Band klingt vielleicht nicht gerade innovativ, aber mit etwas Ausdauer werden auch Fit For An Autopsy aus der Masse herausstechen. Das Potenzial ist wirklich gut!

Es folgten Goatwhore. Eine Band aus Louisiana, die irgendwo zwischen Death, Black und Thrash Metal angesiedelt ist. Hin und wieder wirkt es, als würden sie sich noch etwas aus Hardcore-Punk und Crust borgen. Kurz gesagt: ein Mix aus allem Möglichen. Auf den ersten Blick scheint dieser Mix übertrieben, aber nach ein paar Songs wird klar, dass Goatwhore nicht übertreiben werden. Alles ist sinnvoll arrangiert, ohne Verkomplizierung. Die Band stellt Einfachheit in den Vordergrund – vor allem aber, dass das Ganze »brennt«. Goatwhore funktionieren live noch besser als auf dem Album. Der charismatische Sänger betont seine Linien klar, die übrigen drei Mitglieder spielen ihre Rolle souverän. Vielleicht fällt einem zunächst der Sänger ins Auge, doch schnell stellt sich heraus, dass Goatwhore als Einheit hervorragend funktionieren, schön eingespielt sind und dem Publikum eine echte Party garantieren. Goatwhore-Alben mögen vielleicht keine Überflieger sein, aber ihr Konzert ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Obscura ist schon seit einer Weile kein Unbekannter mehr. Seit die Band das Album Cosmogenesis veröffentlicht hat, ist sie ein bekannter Name in der extremen Metal-Szene. Die Band schloss diesmal die Promo-Tour für das Album Akróasis ab, das 2016 erschien, auf das auch der Schwerpunkt gelegt wurde. Natürlich hat Obscura auch die beiden vorherigen Werke angetippt, damit auch der ein oder andere ältere Fan auf seine Kosten kommt. Die Einspieltheit der Band war zweifellos auf hohem Niveau, klanglich wirkte das Ganze aber zu steril. Energie war vorhanden, an Virtuosität fehlte es nicht, komplexe Rhythmik auch nicht – doch es schien, als ob etwas fehlte. Die Schärfe stimmte, aber die echte Kraft war nicht da. Obscura passten auf dieser Tour vielleicht nicht in den Genre-Kontext, doch die proppevolle Halle war der Beweis, dass auch technische und progressive Metal-Bands ihr Publikum haben.

Bei der Erwähnung des Namens Sepultura sind immer ganze Debatten dafür und dagegen präsent. Das dauert nun schon mehr als zwei Jahrzehnte an, und die Band ist noch immer da – in einer anderen Besetzung, die für viele ein Stein des Anstoßes ist. Nach dem gut aufgenommenen Album Machine Messiah haben einige Fans Sepultura noch eine Chance gegeben. Die Konzerte wurden besser, mit der Ankunft von Schlagzeuger Eloy Casagrande hob sich das Ganze auf ein neues Niveau. Es wurde viel Gutes gesagt, deshalb war das Konzert von Sepultura in der Nähe Sloweniens ein Pflichttermin. Der Auftakt war stimmig mit zwei neuen Songs und dazu Kairos. Nach drei Songs sah es beim sichtlich schwitzenden Sänger Derrick Green so aus, als würde er es nicht bis zum Ende durchhalten – geschweige denn der ergraute Bassist Paolo, der dem wilden Casagrande kaum folgen konnte. Trotz der Jahre hielt die Band ihren Set bis zum Ende durch, der rund anderthalb Stunden dauerte. Die Kraft ließ nicht nach, Green war vokal souverän, am meisten glänzte aber der junge Schlagzeuger Eloy Casagrande mit seiner Marathonkondition.

Es braucht kaum betont zu werden, dass neue Songs nicht so begeistert aufgenommen werden wie alte – obwohl das Publikum auch bei Songs, die bereits Derrick Green singt, kräftig ausgerastet ist. Die echte Eskalation begann aber bei Desperate Cry und Territory. Die Songs wurden auf jeden Fall ordentlich gespielt, Kisser lieferte auch die Soli ziemlich präzise ab. Man hätte sich lediglich eine zweite Gitarre gewünscht, um das Klangbild zu bereichern. Das Konzert von Sepultura überzeugte auch mit gutem Sound und einer starken Lichtshow. Die Band vermittelte das Gefühl, dass sie sich für diese Tour wirklich ins Zeug gelegt hat und nichts auf Reserve zurückbehalten hat. Das bestätigte sich zusätzlich durch das Repertoire. Sepultura hätte ein routinemäßiges best of spielen und das Konzert auf dem Weg des geringsten Widerstands durchziehen können. Aber sie entschieden sich für einen mutigen und gewagten Schritt. Andreas Kisser erzählte, dass sie dieses Jahr Derrick Greens 20-jähriges Jubiläum feiern. Zu diesem Anlass spielten sie drei Songs vom Album Against (1998), dem ersten mit Green am Mikrofon. Danach folgte wieder Werbung für das aktuelle Album. Beim Song Machine Messiah zeigte Green seine melodischen Gesangskünste, mit dem instrumentalen Iceberg Dances begeisterte erneut die Rhythmik, und Casagrande schien weder an Ideen noch an Kraft zu mangeln. Kisser spielte sogar noch einen Part auf der Flamenco-Gitarre, was wieder eine Schicht mehr zum abwechslungsreichen Repertoire war. Danach folgte eine Verbeugung vor dem Publikum mit den Klassikern Inner Self, Refuse/Resist und Arise.

Nach Arise verließ Sepultura die Bühne, kehrte aber mit Slave New World zurück, das für diese Tour wieder ins Konzertrepertoire aufgenommen worden war. Zum Schluss erinnerte man sich dann doch noch an das Album Roots. Zuerst kam Ratamahatta, bei dem Green eine zusätzliche Trommel spielte und sich mit Kisser bei den Vocals abwechselte. So eine authentische Darbietung von Ratamahatta bei Sepultura gab es schon lange nicht mehr. Das Konzert wurde mit dem obligatorischen Roots Bloody Roots abgeschlossen, was auch zu erwarten war. Unterm Strich hat sich die aktuelle Version von Sepultura wirklich angestrengt, es gab keine Routine, und mit dem Repertoire haben sie großen Mut bewiesen. Nach dem Gesehenen bleibt zu hoffen, dass sie bald wieder in unsere Nähe zurückkehren.

Mit dem Konzert von Sepultura, Obscure, Goatwhore und Fit For An Autopsy hat der Grazer Klub Explosiv seinen Namen zweifellos gerechtfertigt.

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