Jenseits der Sterne mit Metalsteel (2017)
Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad
Ort: Klub Jedro, Medvode
Konzertdatum: 09.12.2017
Metalsteel haben in knapp zwanzig Jahren einen verdammt langen Weg zurückgelegt. Von den Heavy-Metal-Klischees des Debüts Usoda, über das sie damals viele noch etwas schadenfroh (und zu Unrecht) belächelt haben, über Taste the Sin, das sie als große Hoffnungsträger des slowenischen Heavy Metal bestätigt hat. Von Bad in Bed und Entertainment, das sie sogar zur Begleitband des legendären James Rivera und seiner europäischen Ausgabe des Tribute-Projekts Sabbath Judas Sabbath gemacht hat. Über das wohl einzige slowenische Heavy-Metal-Livealbum Steel Alive und das sehr reife Album This Is Your Revelation. All das war der Weg, der Metalsteel dahin geführt hat, wo sie heute stehen. Und das ist die Veröffentlichung ihres sechsten Studio- und ersten Konzeptalbums, Beyond the Stars, das am Samstag, dem 9.12., beim Label On Parole erschienen ist und das Metalsteel am Samstag in Medvode erstmals vorgestellt haben.
Die Aufgabe als Vorband fiel diesmal den Heavy Metallern Edge of Sins aus der Gegend von Cerkno zu, die letztes Jahr ihr Debüt My Escape veröffentlicht haben. Das haben sie auch in Medvode vorgestellt; nach einem schwachen Soundbeginn hat der Tonmann das ebenfalls schnell gerichtet, und die Jungs haben in knapp drei Viertelstunden ihre Vision des Heavy Metal mit ziemlich ausgeprägten Progressive-Tendenzen präsentiert. Edge of Sins bewegen sich hauptsächlich in mittleren Tempolagen, tiefer gestimmte Gitarren erzeugen eine ziemlich drückende und düstere Atmosphäre, die durch eine gute rhythmische Grundlage untermauert wird – live vor allem ein schön klirrender und lebhafter Bass. Mehr hakt es beim Gesang von Matic Pavlin, der sich die ganze Zeit auf derselben Ebene bewegt und dadurch schnell eintönig wird; auch die Stimmfarbe wirkte leider nicht wie eine bunte Palette, sondern eher wie tristes Grau. Gut, dass in den Strophenparts der Growl von Gitarrist Blaž Hadalin einsetzt, der die Sache zumindest etwas aufmöbelt, auch wenn die Growls stellenweise etwas fehl am Platz wirken. Edge of Sins, die sich genretechnisch stark an Communic orientieren und melodisch an manchen Stellen an Iron Maiden erinnern, haben definitiv Potenzial, das aber noch lange nicht vollständig ausgeschöpft ist.
Das stimmte am Anfang ihrer Karriere aber auch für Metalsteel, die weit zurückreicht, bis zur Jahrtausendwende. Das mittlerweile schon kultische Debüt Usoda zeigte schon damals das große Potenzial der Band, das sich aber noch hinter jugendlicher, ja fast kindlicher Naivität versteckte. Kaum jemand glaubte damals, dass Metalsteel die stürmischen Teenagerjahre überstehen würden, aber die Mädels und Jungs haben den ungläubigen Thomassen schon längst das Maul gestopft. Heute, fast zwanzig Jahre nach ihrer Gründung, haben sie ihr sechstes Studioalbum Beyond the Stars veröffentlicht. Die Band und auch die Mitglieder als Einzelpersonen sind gereift, haben zahlreiche heimische und auswärtige Bühnen bespielt, aber sie haben immer betont, dass sie aus Medvode kommen. Es war also völlig logisch, dass Metalsteel für die Präsentation des neuen Albums heimisches Terrain wählen würden, genauer gesagt den Klub Jedro. Kurz nach zehn haben die Mädels aus dem Kollektiv Tribal Bizarre zum Klang des Intros in die Sterne geführt, und Metalsteel haben zum ersten Mal live die Songs vom Konzeptalbum Beyond the Stars vorgestellt. Obwohl sie zusammen ein zusammenhängendes Ganzes bilden, funktionieren sie wegen ihrer eingängigen und ansteckenden Refrains auch einzeln, und Metalsteel haben geschickt entschieden, das Album nicht von A bis Z durchzuspielen, was bei Konzeptalben sonst üblich ist. Dabei vergisst man aber, dass es sich um eine Neuheit handelt, die das Publikum noch nicht kennt und die es früher oder später zu langweilen droht. Die Heavy-Metal-Veteranen haben also zwischen die neuen Songs, die live überzeugten, aber noch etwas Zeit brauchen werden, um sich wirklich einzubrennen, die Klassiker Trapped in the Nightmare, die Hymne Novi svet, Life Story und White Circle gepackt. Der bewegendste Moment des Konzerts stellte sich erneut mit der besten slowenischen Heavy-Metal-Ballade Topla je smrt ein, die mit Dašas Gesang in einem völlig neuen Licht erstrahlt, und die Band überraschte sogar mit dem uralten Underground of Darkness. Das interstellare Konzept des Albums erwachte bei erstklassiger Beleuchtung vor allem beim grandiosen Single The End of the World und dem fast achtminütigen Epos Astral Traveller zum Leben, und die Band ließ das Publikum erst dann von der Bühne, als der letzte Ton von Heavy Metal Is Our Religion verklungen war. Beim ersten Hören wirkt Beyond the Stars damit wie das bei weitem reifste und ambitionierteste Werk der Band bis dato, noch mehr begeistert aber die Tatsache, dass es schon beim allerersten Mal live so überzeugend funktioniert hat. Das gelingt nur wenigen, aber dazu gehören offenbar (immer noch) Metalsteel.
Bildergalerie

































