Milko Lazar und Igor Matkovič im Kino Šiška mit der Big Band RTV Slovenija (2017)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Konzertdatum: 25.10.2017
Besucherzahl: 350
Eintrittspreis: 15,00€
Mitten in der letzten Oktoberwoche, genauer gesagt am Mittwoch, dem 25.10.2017, erlebten wir im Ljubljaner CUK Kino Šiška eine interessante musikalische Kollision. Auf der Bühne vereinten nämlich ihre Kräfte der Komponist, Pianist und Dirigent Milko Lazar sowie der Trompeter und Komponist Igor Matković. Die ganze Sache wäre eigentlich völlig gewöhnlich gewesen, hätte nicht auch die Big Band RTV Slovenija mitgewirkt. Zwar in etwas abgespeckter Besetzung – Flötisten, Fagott und das eine oder andere klangliche »Anhängsel« fehlten –, aber das war kein Problem. In Milko Lazars reicher und ungemein fruchtbarer Karriere hat sich ein riesiger Materialfundus angesammelt, der sich auf die eine oder andere Weise für Live-Aufführungen mit verschiedenen Musikern und »Klangkörpern« arrangieren lässt. Am verlockendsten sind natürlich jene sogenannten »Verrücktheiten«, die durch ihre ausdrucksstarke Weitblickigkeit besonders berühren – Stücke, die festgefahrene Musikschablonen aufbrechen und den Blick in immer neue Weiten musikalischer Grenzenlosigkeit öffnen.
Nun, Lazar und Matković sind einander keineswegs fremd. Im Jahr 2016 entschloss sich Lazar, in Matkovićs Gruppe mitzuwirken, die das Album »State of KU« aufnahm und veröffentlichte. Nebenbei bemerkt: ein hervorragendes Album, dem man nur wünschen kann, irgendwann noch den einen oder anderen Studionachfolger zu bekommen. Dieses Album wird nicht nur deshalb erwähnt, weil es zur Grundlage für weitere musikalische Verbindungen zwischen Lazar und Matković wurde, sondern auch, weil an ihm noch ein Musiker mitwirkt, der an diesem Abend im Kino Šiška auftrat. Der vielschichtig behauene Gitarrist, Meister des Verdrehens von Klangpaletten und -strukturen, der feinsinnige Jani Moder. Angesichts der musikalischen Qualität, die wir an diesem Abend genossen, war seine Einbindung so wichtig, dass die Big Band RTV SLO auf der Bühne ihren Stammgitarristen Primož Grašič kein bisschen vermisste.
Das Ensemble spielte auf der Bühne überwiegend Werke von Lazar, wenngleich der Eröffnungsteil einem eigenen Stück von Igor Matković gehörte. Dieses eröffnete Lazar auf seinem elektrischen Klavier der Marke »Rhodes« und schoss damit in die frühen Siebziger zurück, als auf der internationalen Musikszene die Jazzrock-Charakterköpfe rund um Weather Report das Zepter schwangen. Matković agierte im Laufe des Abends als Solist, während Lazar als Dirigent ordentlich in Fahrt kam, sich abtobte und kräftig über die Bühne marschierte. Erwähnenswert ist auch der Moment, als Schlagzeuger Kristijan Kranjčan (aus dem Hintergrund) ans Violoncello wechselte – Lazar hatte die Big Band zuvor in die Kulissen geschickt –, woraufhin die drei mit Matković an der Trompete für einen der Programmpunkte allein als Trio weitermachten.
In einer der emotionalen Ansagen stellte Lazar das Stück Istrion vor, eigentlich ein Werk von Aldo Kumar, den er bei dieser Gelegenheit im Publikum begrüßte. Das Ensemble spielte es in Lazars Version, also neu arrangiert. Und das auf großangelegte, weitreichende Weise. Im Glanz einer hohen Dynamik mit unablässigen dramatischen Wendungen, interessanten Dialogen zwischen den Instrumenten, unerwarteten Abweichungen innerhalb der Leitmotive und zwischen ihnen. Eine außerordentlich farbenfroh strukturierte Komposition, die für sich genommen einen der Höhepunkte des Abends darstellte.
Im Laufe des Konzerts stellten auch mehrere Mitglieder der Big Band RTV Slovenija ihr ausgiebiges Können als Solisten unter Beweis, sodass Matković an der Trompete in dieser Rolle nicht ganz allein dastand.
Das Event klang auf ganz eigene und einzigartige Weise aus und bescherte dem Publikum einmal mehr ein unverwechselbares Abenteuer in der Welt der Kollision von Jazz, Volksmelodien, Weltmusik und Momenten, die mühelos als Filmmusik durchgehen würden. Kokettieren mit klassischer Musik war ebenso spürbar wie mit Rock – vor allem aber wurde Jazz gespielt! Mantrische Versuchung. Überhaupt: Wenn du die Augen geschlossen hast, lockte diese Musik noch tiefere Emotionen im Zuhörer hervor, die musikalische Landschaft, die die Musiker zeichneten, wurde noch kontrastreicher, die Nuancen der Klangpastelle noch kräftiger, die Botschaften der Musiker dadurch noch durchdringender und verdichteter. Ein besonderer Abend mit besonderer Musik, der höchsten musikalischen Genuss gebracht und gezaubert hat!
Setliste
1. Compendonk
2. Intuition
3. Doctor Faustus
4. Gentle Silence
5. Improvizacija
6. Margaret’s Chamber
7. Istrion
8. Ephemeral Lake
9. The Ancient Miracle
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