Motörcity festival 2017 – dritter Tag!
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Tolmin / Sotočje / Slowenien
Konzertdatum: 26.08.2017
Besucherzahl: 400
Kartenpreis: 79,00€ (3-Tages-Ticket)
So. Auch der dritte (und letzte) Tag der ersten Ausgabe des Motörcity Festivals ist da! Tolmin und das Sotočje sind in diesem Jahr also um ein Festival reicher geworden. Damit auch die gesamte internationale Musikszene. Leider hat aber auch der Samstag nicht mehr Besucher angelockt, als das Festival bei seinen ersten Schritten verdient hätte. Auch am letzten Tag begann das Programm um Viertel vor sieben, und als Erste sprangen Hamo & Tribute 2 Love auf die Bühne. Die Band wird natürlich vom charismatischen Matevž »Hamo« Šalehar angeführt, stets mit ansteckendem und überschäumendem Optimismus und Lebensfreude. Hamo And Tribute 2 Love treten in letzter Zeit wirklich sehr viel auf. Matevž ist dabei auch öfters Gast bei anderen Künstlern. Die Band genießt sehr gute mediale Unterstützung beim nationalen Radiosender und ist gleichzeitig gerade sehr gefragte Konzertkost. Mit einem Wort: Hamo And Tribute to Love sind heiß! Obwohl schon vor einiger Zeit ein neues Mitglied in die Band eingetreten ist, das kein anderer ist als einer der vollendetsten und stilistisch vielseitigsten slowenischen Gitarristen im Moment – Peter Dekleva –, bot sich mir erst bei diesem Festival die erste Gelegenheit zu sehen, wie Hamos Truppe mit Peter an der Leadgitarre funktioniert. Peter ins Team zu holen ist keine Kleinigkeit. Auch an diesem Tag beobachtete die Mehrheit das Konzert verstreut über das Plateau. Die Tontechniker hatten hervorragenden Sound und alles Weitere für ein optimales Konzert vorbereitet, und die Band verbarg ihre außerordentlich gute Stimmung nicht. Im Publikum war sogar ein Mädchen mit einem originalen Hamo And Tribute 2 Love T-Shirt zu sehen. Die Band spielte die markantesten Momente aus allen drei Alben durch, die bis zu diesem Tag erschienen waren (bald wird auch das vierte erscheinen). So streute sie dem Publikum ein Bündel längst volkstümlich gewordener Songs hin, denn sie sind feste Bestandteile der Radiowellen. Der knochenhart-organische und saftig-rockige Klang der Gitarren, unterstützt durch Reverb-Effekt, die hervorragenden Soloausflüge von Peter Dekleva, der erneut mit seiner filigranen, perfektionistischen Doktrin der Beherrschung der Sechssaiter-Theorie beeindruckte. Das Team perfekt eingespielt, Hamo voll überzeugend in der vokalen Interpretation. Und eben dieser, ungemein selbstbewusste Hamo schaffte es gegen Ende des Auftritts, das Publikum näher zur Bühne zu locken. Damit wurde er überhaupt zum ersten Künstler des Festivals, dem das – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – tatsächlich auch gelungen ist. Hamo And Tribute 2 Love lieferten also das erwartete gute Spiel, und im Abschlussteil donnerte auch Martin Janežič Buco mit seinem durchdringenden und männlichen Gesang, als er hinter den Drums hervortrat und sich ganz an die Vorderkante der Bühne bewegte.
Henrik Freischlader ist ein deutscher Musikschaffender, der sechs Studioalben im Gepäck hat und unglaublich aktiv ist. Er ist gleichzeitig in mehrere Musikprojekte eingebunden. Die Inkarnation, mit der er nach Tolmin kam, direkt aus dem deutschen Tübingen, wo er den Tag zuvor aufgetreten war, ist nur eine von vielen, die seine Musik bei Konzerten zum Leben erwecken. Also. Henrik brachte seine »Big Band« nach Tolmin. Neben Henrik, der eine Gitarre in der Hand hielt und für den Leadgesang zuständig war, standen auf der Bühne auch die Backgroundsängerinnen Linda Sutti und Joanne Kasner, Schlagzeuger Moritz Meinschäfer, Bassist Armin Alic, Keyboarder Dániel Szebényi, Saxophonist Marco Zügner sowie Gitarrist und Backgroundvokalist Harrisen Larner-Main. Ein Oktett also!
Die Band spielte überwiegend eigenes Material. Unter anderem reihten sich folgende Nummern: Nowhere To Go, 1999, Stop Breakin‘ My Heart Again, Sisters, Take the Blame, das balladenhafte Two Young Lovers, With the Flow, House in the Woods, Longer Days, What’s My Name, das swingend verführerische Come On My Love, If I Could Only Be Myself, Do Did Done, Look At the Fool – außerordentliche Zartheit und Sanftheit lieferte die Band in der hervorragenden Ballade Won’t You Help Me. Zugleich heizte die Band dem Publikum mit Hendrix‘ Crosstown Traffic und Marleys Get Up, Stand Up weiter ein.
Henrik Freischlader Band agiert wie ein Mini-Orchester. Sie spielen eine Art New-Wave-Blues-Pop, oder klarer gesagt: Blues der neuen Zeiten, einer neuen Generation. Es handelt sich um eine äußerst sanfte Variante, fusioniert mit Pop, Soul, R&B und Funk. Henrik legte einige hervorragende Soli hin, mit denen er bewies, was für ein ausgereifter Gitarrist er ist. Er bot einen außerordentlich schönen Gitarrenklang, Wärme, Organik – die Gitarre stöhnte sanft unter seinen Fingern. Er konnte schnell und sehr präzise spielen, ohne Effekte, also in »clean« Manier, oder er verschmolz einfach mit dem Moment und überließ sich der Sanftheit und den Gefühlen. Henrik ist jedoch kein Absolutist. Die Leadgesänge, aber auch einige prominent platzierte Soli an der Hammond-Orgel und am Saxophon verteilte er auf insgesamt fünf Mitglieder. Neben ihm übernahmen auch Harrisen Larner-Main, Dániel Szebényi sowie beide Sängerinnen Linda Sutti und Joanne Kasner die Leadgesänge. Ebenso überließ Henrik Harrisen mindestens zwei Soli – wobei sich zeigte, dass seine rau-crunchy verzerrte Gitarre deutlich zu viel harsche Kracherei liefert und ein solcher Sound schlicht zu roh für das Milieu des aufgebauten Klangbilds ist, da er buchstäblich die gesamte sophistizierte Klanglichkeit der übrigen Bausteine des Klangbilds überrollte. Freischlader hätte Harrisen den Einsatz eines derart effektbeladenen Gitarrensounds »verbieten« sollen, weil er schlicht nicht in die musikalische Aufführungsästhetik des ansonsten vielschichtig detaillierten Bühnensounds der Gruppe passt. Summa summarum ein sehr schöner Auftritt der Band!
An der Reihe war der letzte Act der diesjährigen ersten Ausgabe des Motörcity Festivals! Der berühmt-berüchtigte britische Gitarrenheld und unglaubliche Virtuose Matt Schofield. Eine Fusion aus rockiger Intensität mit der Ästhetik von Blues, Jazz, Funk, inspiriert vom Lick und Werk bekannter »Gitarren-Doktoren«, wie u.a. Stevie Ray Vaughan, Robben Ford, Eric Johnson,… Doch man spürt in den Kompositionen, aber auch in den Soli, dass der Mann beim Zuhören der Klänge von Blues-Legenden aufgewachsen ist, wie Albert Collins, Muddy Waters, Albert King, Freddie King…. Matt sprang in der Formation eines schlagkräftigen Blues-Rock-Trios auf die Bühne – für den Sound der Hammond-Orgeln sorgte Schoffields langjähriger Kumpel Johnny Henderson, und die Rolle des »Herrn der Zeit« am Schlagzeug übernahm Evan Jenkins. Ein eingespieltes und bewährtes Gespann, ein gewinnendes Blatt voller Asse für Matt – wobei hinzuzufügen ist, dass Henderson die Basslinien auf zusätzlichen Keyboards hinzufügt, die auf dem Hammond-Kasten liegen (Henderson hatte sogar den originalen Leslie-Verstärker mitgebracht). Einhändig, mit der Linken. Mit der Rechten spielt er Hammond. Schofield ist in erster Linie natürlich ein teuflisch schneller Solist, und das ist der Hauptreiz seiner ausgesprochen kühnen, in adrenaliner Ungeduld und Hitze gehüllten Auftritte. Sein eigenes Material, das er u.a. spielte, untermauerte er mit außerordentlich langen und saftigen solistischen Ausflügen, denen in all den verschiedenartig verführerischen Teufeleien kein Ende in Sicht war und auch keines kommen wollte. Das Spiel verschlug einem den Atem. Schofield lieferte als Musikschaffender, mit seiner Essenz und seinen Charakteristika, genau am Abschluss des Festivals jenen wahren, mit energetischer Hochspannung aufgeladenen Einblick in die Akte, was ein vollblütiger Auftritt eines echten Power-Blues-Rock-Trios auf der Bühne eigentlich alles zu erreichen vermag! Das Festival-Crescendo also. Irgendwo in der Mitte des Auftritts lud Schofield auch Henrik Freischlader auf die Bühne, und gemeinsam machten sie sich an die Aufführung des Stücks The Sky is Crying von Elmore James. Matt Schofield verkörperte mit seiner Crew das hervorragende Abschluss-Act des Festivals und weckte mit seiner außerordentlichen Herzlichkeit lebendige Erinnerungen an seinen Auftritt 2008 in Postojna.
Das Festival war damit abgeschlossen. Es bot erstklassige Organisation, ein wunderschönes Programm-Repertoire. Natürlich auch die Verlosung eines handgefertigten Stahlpferdchens. Gefehlt hat nur eine Sache. Die Besucher. Trotz alledem ist der Veranstalter fest entschlossen , eine neue Ausgabe des Motörcity Festivals im nächsten Jahr durchzuführen, das auch wir mit allem Interesse wieder verfolgen werden!
Bildergalerie




































































