Pretty Maids und Pink Cream 69 in Salzburg (2013)
Ort: Salzburg / Rockhouse / Österreich
Datum: 26.09.2013
Konzerte kommen, Tourneen kommen. Pflichttermine. Pretty Maids und Pink Cream 69 zusammen in Salzburg! Nah? Weit? Näher an Slowenien geht es nicht. Schon immer sind wir für »Hard Rock« ins Ausland gefahren, und das wird immer so sein. Pretty Maids, die dieses Jahr durchgehend auf Tour sind und ihr neues Album »Motherland« promoten, das im März 2013 bei Frontiers Records erschienen ist, haben sich für den ersten Teil ihrer herbstlichen Europatournee die deutschen Hard Rocker aus Karlsruhe, Pink Cream 69, als Vorband ausgesucht. Letztere können sich ebenso wie Pretty Maids mit einer langjährigen Standhaftigkeit auf der Szene brüsten, denn ihr erstes und gleichnamiges Album erschien bereits 1989.
Der diesmalige Besuch in Salzburg war besonders reizvoll, denn vor beiden Hauptbands heizte die lokale Hard-Rock-Institution Speed Limit die Menge an – eine Band, die, kaum zu glauben, seit 1979 aktiv ist. Echte Salzburger. Zwischen 1986 und 1992 veröffentlichten Speed Limit drei Studioalben und galten im eigenen Land als sehr geschätzte und gefragte Truppe. Im November 1994 spielten sie ihr letztes Konzert – und zwar genau im Rockhouse, das damals seinen Betrieb aufnahm. Die Band fand 2008 wieder zusammen und veröffentlichte noch zwei weitere Studioalben: „Moneyshot“ (2010) und „Unchained / Prophecy“ (2011). Schön, sie in Salzburg zu erleben. Das ist wirklich eine starke Sache. Von sauber sitzenden englischen Versen über fest verwurzelte, kokette Gitarrenphrasen, die auf dem kompakten Räderwerk einer aktiven und dynamischen Rhythmuslinie ruhen, vokal souverän und aus vollem Hals gesungen. Die ersten 40 Minuten waren heiß und ungemein unterhaltsam, und das Publikum entfachte auch eine schöne Ladung durchdringender Schreie als Zeichen der Unterstützung für eine Band, die ihre Landsleute keineswegs vergessen hat.
Eine andere Geschichte sind natürlich Pink Cream 69. Die sind um neun Uhr auf die Bühne gestiegen und hatten genau eine Stunde Zeit, sich zu beweisen. Und die haben sie auf die Sekunde ausgenutzt. Die Songs flossen nahtlos ineinander, fast ohne Pause. Das ist eine Band in unglaublicher Konzertform. Hungrig und gierig nach Shows, als wären den Jungs im Schnitt 20 Jahre von den Schultern gefallen. Die entscheidende Figur auf der Bühne ist zweifelsohne Sänger David Readman. Er ist einer der besten Hard-Rock-Sänger, die Europa gerade zu bieten hat. Der Mann ist 1994 ins Pink Cream 69-Lager eingestiegen, als er den heutigen Helloween-Sänger Andy Deris ersetzte. Readman hat noch im Juni und Juli dieses Jahres die europäischen Bühnen bespielt, als er mit Voodoo Circle unterwegs war. Der Kerl ist also in hervorragender Stimmform. Die Interaktion mit dem Publikum ist einzigartig. Ständiges Anfeuern, Anheizen… Neben David natürlich das unzerbrechliche Gitarren-Duo aus Gründungsmitglied Alfred Koffler und dem etwas jüngeren Uwe Reitenauer. Aggressiv, laut, scharf und mit vollem Echo. Die Rhythmuslinie ist unverzichtbar. Dennis Ward am Bass ist dabei. Der berühmte Amerikaner mit deutschem Pass, der mit seiner Tätigkeit heute »die Hälfte« der europäischen Hard-Rock-Bands am Laufen hält, denn er bleibt seit Jahren einer der gefragtesten Tonproduzenten. Nicht nur gefragt, sondern auch sehr geschätzt. Ein Paradebeispiel eines Workaholics, dem Musik alles bedeutet. Die Band präsentierte auch erstmals ihren neuen Schlagzeuger Chris Schmidt, der erst kürzlich den Platz von Gründungsmitglied Kosta Zafiriou eingenommen hat. Dieser musste Pink Cream 69 wegen anderer Verpflichtungen verlassen – vor allem familiärer Natur –, seine neue Leidenschaft fürs Schlagzeugspiel fand er in der Band Unisonic. Pink Cream 69 beeindruckten mit einer tollen Setlist. Das neue The Spirit spielten irgendwo in der Mitte des Auftritts nur Uwe und David zusammen, damit der Rest der Band kurz durchschnaufen konnte. Vor allem die Klassiker rissen das Publikum von den Sitzen: Talk to the Moon, Do You Like It Like That, dann No Way Out, das in einen bombastischen Höhepunkt des Pink Cream 69-Auftritts mündete – durch Livin‘ My Life for You, Wasted Years, Welcome the Night und noch einen ultramelodischen, eingängigen Song namens Shame, entnommen aus dem Album »Electrified« (1998). Bombe! Pink Cream 69 sind auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte, abgebrüht, gefestigt, eingespielt. Klang hervorragend, Performance außergewöhnlich. Pretty Maids werden sich im weiteren Verlauf also ganz schön anstrengen müssen, damit wir nicht sagen müssen, dass Pink Cream 69 ihnen an diesem Abend die Show gestohlen haben.
Die etwas längere Pause von gut einer halben Stunde nutzten wir für einen Spaziergang an die frische Luft, das eine oder andere Bierchen, während die Bühne in der Tiefe in der Zwischenzeit noch ein wenig »gewachsen« war. Darauf thronten in ihrer ganzen Pracht die Drums von Allan Tschicaja. Er war etwa fünfzehn Minuten vor elf Uhr abends als Erster auf der Bühne und begrüßte das Publikum bei seiner Ankunft. Erwartungsgemäß stürzten Pretty Maids mit dem neuen Album »Motherland« über das Publikum her, das einleitend vom aggressiven Mother Of All Lies und dem melodischeren I See Ghosts vertreten wurde. Der erste Klassiker folgte bereits an Position Nummer drei, nämlich Needles in the Dark – ein Glanzstück vom Album »Future World« (1987). Die Setlist war üppig vom neuen Album bestückt, mit gelegentlichen Ausflügen zum Vorgänger »Pandemonium«, aus dem Here Comes the Night, das phänomenale I.N.V.U sowie im Zugabenblock das still erwartete Little Drops of Heaven erklangen, das sich offensichtlich schon das Etikett des Pflichtbestandteils im eisernen Repertoire der Band geholt hat. Den Rest der Setlist vertraten hauptsächlich die berühmten Kracher der ersten beiden Alben. Die Aufnahme von Klassikern wie unter anderem Queen of Dreams war zweifelsohne eines der größten Vergnügen für alle eingefleischten Fans der Band an diesem Abend im Rockhouse.
Und die Band ist außergewöhnlich. Alles stimmt, alles ist eine grandiose Mischung aus Aggression und melodischer Ausbeute. Hard Rock, aufgedreht bis zum Anschlag, bis an die Grenzen des Heavy Metal! Ronnie Atkins hat in seiner respektablen Reife, was die langjährige Bühnenerfahrung betrifft, etwas von seinen Höhen eingebüßt und hatte stellenweise Mühe, die Refrainmelodien zu treffen – vor allem bei Nummern wie dem neuesten Why So Serious. Als aber Please Don’t Leave Me This Way (orig. Thin Lizzy) erklang, und vor allem das sehnlichst erwartete Red Hot And Heavy, dann im Zugabenblock Back To Back und schließlich der berühmte Kracher am Ende der Setlist, Future World – da war klar, dass durch das Rockhouse ein vernichtender Tornado totaler Verwüstung gefegt war, bei dem es einem noch lange nach dem Konzertende im Kopf geblitzt hat.
Pretty Maids waren in bester Stimmung. Besonders schön war die außergewöhnliche Synthese aus Keyboards und Gitarre, die zusammen eine bombastische Klangwand der Begleitung schufen, dazu Allans kanonartige Schläge und das lebhafte Geriffele des ständig springenden Rene Shades. Vor allem Charisma-Gitarrist Ken Hammer hielt das Publikum bei Laune, der sich diesmal auch etwas mehr Lässigkeit gönnte und dabei so manchen halbtönigen »Vorbeischuss« in den Solos aufs Geratewohl landete. Nun, das kompensierte er dadurch, dass er durchgehend dafür sorgte, dass das Volk nicht durstig blieb. So verteilte Ken großzügig Wasser ans Publikum – und ihr werdet es nicht glauben: Die größten Glückspilze bekamen sogar das eine oder andere Bier. In Flaschen!
Ronnie war während des Auftritts etwas vorsichtig. Er weiß selbst, dass seine Stimmcharakteristik die vokale Akrobatik von vor mehr als 20 Jahren nicht mehr erlaubt, doch das Publikum füllte auf »Anweisung« des Sängers den Raum ausgiebig mit Mitsingen. Die Verse also nicht vergessen! Der Auftritt drehte sich im Handumdrehen!
Großartige Energie. Das österreichische Publikum hatte das Rockhouse ordentlich gefüllt. Gut 500 Leute waren zusammengekommen, der Club war genau richtig voll. Er sah voll aus, aber nicht überfüllt, die Bands fühlten sich bestens und wir im Publikum konnten normal atmen. Definitiv einer jener einzigartigen Hard-Rock-Abende, die dich mit Energie aufladen, dich vom Boden heben, und bei denen dir nichts anderes übrig bleibt, als dich tief vor den Bands für ihr musikalisches Werk zu verneigen – und natürlich dafür, dass sie unermüdlich weiter über die Konzertbühnen jagen. Auch wenn sie mit jedem Jahr das eine oder andere Kilo mehr draufpacken und das eine oder andere graue Haar dazukommt (sofern es nicht in der Zwischenzeit ausfällt). Aber wie gesagt: Ein wahres Rockerherz lässt sich nicht zerbrechen. Und Pretty Maids wie auch Pink Cream 69 haben das mit Vehemenz im ursprünglichsten und aufrichtigsten Licht gezeigt. Genau so, wie es die Magie der europäischen Hard-Rock-Bibel kennt.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
PINK CREAM 69:
1. Keep Your Eye on the Twisted
2. Hell’s Gone Crazy
3. Special
4. Lost In Illusions
5. Talk to the Moon
6. Break the Silence
7. Do You Like It Like That
8. The Tide
9. The Spirit (akustische Version)
10. No Way Out
11. Livin‘ My Life for You
12. Wasted Years
13. Welcome the Night
14. Shame
PRETTY MAIDS:
1. Mother of All Lies
2. I See Ghosts
3. Needles in the Dark
4. Love Games
5. Sad to See You Suffer
6. Why So Serious
7. Yellow Rain
8. Queen of Dreams
9. It Comes at Night
10. Rodeo
11. Please Don’t Leave Me
12. I.N.V.U.
13. Red, Hot and Heavy
—Zugabe—
14. Fortuna Imperatrix Mundi (Carmina Burana – intro)
15. Back to Back
16. Little Drops of Heaven
17. Future World
Sit on My Face (taped outro Monty Python)

















































































