Beim erneuten vampirischen Taufakt mit Helstar im Orto bar (2017)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 21.02.2017
Besucherzahl: 80
Kartenpreis: 15,00€ (im Vorverkauf) / 18,00€ (an der Abendkasse)

Als würde man gut sechs Jahre in die Vergangenheit zurückkehren, als im Dezember 2010 in Ljubljana die berühmten texanischen Speed/Thrash-Metaller, die »kultigen« amerikanischen Vertreter der Old School des Metals, Helstar, auftraten. Damals in Begleitung der Metalsteel aus Medvode.

Beide Bands haben am 21.02.2017 im Orto bar in Ljubljana das Erlebnis jenes besagten Auftritts in der Gala hala von damals wiederholt. Nicht zuletzt verbindet die beiden Bands eine große Freundschaft, denn es muss nicht mehr extra betont werden, dass »James Rivera plus Metalsteel gleich Sabbath Judas Sabbath« ist. Der legendäre Sänger James Rivera (mit einem Tattoo des slowenischen Wappens – das ist kein Scherz) hat schon vor langer Zeit seinen neuen Wohnsitz in Slowenien gefunden, und auch beim neuen Konzert in Ljubljana vergaß er nicht hinzuzufügen: »Slowenien, wie geht’s euch? Ihr seid meine Familie! Schön, euch wiederzusehen.«

Aber der Reihe nach. Helstar traten zuletzt vor knapp drei Jahren in Slowenien auf. Damals präsentierten sie das Album »This Wicked Nest« (2014), diesmal brachten sie nach Slowenien ein neues, frisch gebrautes Studioalbum namens »Vampiro« (2016), das eine Art Verbindung zum berühmtesten Album in Helstars Karriere darstellt. Das ist natürlich „Nosferatu“ (1989). Inhaltlich, charakterlich und in der Qualität der neuen Songs ist es zweifellos ein mehr als würdiger Nachfolger des Kultalbums in Helstars Karriere, das gleichzeitig beweist, dass Helstar in ihrer kompositorischen Kraft auch in den reifen Jahren ihres Schaffens nicht nachlassen.

Das Konzertvergnügen begann auf die Minute genau. Metalsteel bekamen fünfzig Eröffnungsminuten, um zehn Songs zu spielen. Wie immer muss man sich bei Metalsteel nicht groß fragen, was für ein Konzert die wackeren Jungs aus Medvode abliefern werden. Die Jungs und Daša bleiben ein Begriff für Qualität und helle Sterne am Horizont des slowenischen Metals, der den Revivalismus der Old School des Metals am Leben erhält. Metalsteel sind ausgezeichnet eingespielt, und in letzter Zeit haben sie auch die Begleitgesangsharmonien aufgewertet, wobei Rok und Matej äußerst souverän und durchgehend aktiv mit Beny zusammenwirken, was den Songs zusätzlichen Glanz und ausdrucksstarke Überzeugungskraft verleiht. Die Band stellte auch bei diesem Konzert die Setlist so zusammen, dass Songs des aktuellen Albums »This Is Your Revelation« dominierten und den Rest mit älteren Klassikern würzte (Novi svet, im Schlussabschnitt das erwartete Heavy Metal Is Our Religion). Der Höhepunkt des Auftritts der Band kam zum Schluss, als Metalsteel James Rivera auf die Bühne einluden und gemeinsam den Black Sabbath-Klassiker Heaven And Hell spielten, womit sie für einen Moment die Zeiten des gemeinsamen Projekts Sabbath Judas Sabbath aufleben ließen. Weitere Worte erübrigen sich. Metalsteel sind immer eine Attraktion, wenn sie mit einem Konzert in deiner Nähe auftauchen, und ein großer Garant für gute und ausgelassene Konzertstimmung. Beny bleibt ein souveräner Sänger, mit Rok hält er eine hervorragende kommunikative Verbindung beider Gitarrenparts aufrecht, Matej bleibt der »Wunderbassist«, und nicht zuletzt muss Daša hervorgehoben werden, die sich an den Drums wieder mit großem Eifer und Sorgfalt für fünfzig Minuten in die Herrin und Haupthüterin des Takts der Band verwandelt hat.

Helstar betraten die Bühne des Orto bar um halb zehn abends. Mit vierzehn Songs des Repertoires nahmen sie uns mit durch ihren diskografischen Opus, mit dem erwarteten Schwerpunkt auf Songs des neuen Albums »Vampiro« sowie des kultigen »Nosferatu«. Nach einer kurzen Einleitung überraschte James, der sich in letzter Zeit gerne auf der Bühne verkleidet – was gut zum Inhalt der neuen Alben passt –, damit, dass er sich in einen »Blutsauger« verwandelte, wobei er nicht vergaß, Vampirzähne einzusetzen und einen rot-schwarzen Umhang überzuwerfen. Sein scharlachrot-dunkles Gewand mit barocken Finessen erinnerte jedenfalls wieder an die Bühnenkleidung, die einst einer seiner größten Vorbilder, der verstorbene Ronnie James Dio, auf den Bühnen trug.

Helstar präsentierten sich an diesem Abend auf der Bühne mit einer frisch aufgefrischten Besetzung. Rob Trevin wird in der Band nun von Gitarrist Andrew Atwood ersetzt, während Garrick Smith die Rolle des Bassisten übernimmt. Letzterer »hält« den Platz in der Band für den Originalbassisten Jerry Abbarca, der seit Ende 2010 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mit der Band auftritt. Helstar haben auch nicht ein Fünkchen ihres Live-Dynamits verloren. Die Gitarren bleiben bis auf die Knochen geschärft und zugespitzt. Larry Barragan, neben Rivera heute das einzige originale Bandmitglied, hat in Atwood einen außergewöhnlichen Partner gefunden und das Gitarrenspiel bleibt makellos. Der Dialog der gitarristischen Fertigkeiten beider Meister beeindruckte erneut. Riffs, zerrissen mit höllischer Geschwindigkeit der Schlaghand, mehrmals mit der Handfläche gedämpft, kanonengleiche und präzise wie ein Schweizer Uhrwerk die Drums des unbändigen Mikey Lewis, das lebhafte Geflecht melodischer Figuren auf dem Bass. Im Grunde genommen wurden wir Zeugen einer neuen hervorragenden Darbietung seitens Helstar.

Trotzdem hatte James an diesem Abend nicht gerade seinen besten Tag. Er wirkte erkältet, oder auf gut Deutsch gesagt: James war an diesem Abend »nicht bei Stimme«. Das hatte schon kurz die bereits erwähnte Darbietung des Black Sabbath-Klassikers Heaven And Hell in Begleitung von Metalsteel angedeutet, doch das Konzert selbst bestätigte dann die bösen Vorahnungen. James passte so die meisten Gesangslinien geschickt und mit der Souveränität großer Erfahrung an. In den höchsten Lagen krächzte er mehrmals regelrecht und gab dem (erwarteten) reinen Gesang reichlich Kehligheit hinzu. Geschickt ging er mit der Situation um und wand sich souverän aus der Unannehmlichkeit heraus. Auch während des Auftritts selbst sprach er seltener als gewöhnlich das Publikum an, das erst wirklich gegen Ende auftaute, als James es mit der Ankündigung des »Remnants of War«-Klassikers Evil Reign in Fahrt brachte, worauf erwartungsgemäß der »Burning Star«-Klassiker Run With The Pack folgte, den Helstar geradezu sprichwörtlich für die Schlussakte ihrer Konzerte aufsparen. Die Band überraschte zum absoluten Abschluss ein wenig, da sie sich für eine Darbietung des Black Sabbath-Songs N.I.B. entschied, der im Refrain erneut James‘ schwächere Stimmform an diesem Konzertabend bestätigte. Schade, dass Helstar nicht lieber beim eigenen Material geblieben sind. In ihrer Karriere haben sie kein schlechtes Album aufgenommen, daher hätte man die letzten fünf Minuten des Konzerts lieber bei noch einem kultigen Helstar-Klassiker aus den Achtzigern genossen.

Das Publikum bestand aus der Klientel, die beim ersten Helstar-Auftritt in Slowenien im Mai 2009 (das war der heute programmatisch »kitschige und parfümierte« Bazen in Kranj), der Band einen unvergesslichen Empfang bereitete, als das Publikum beim Konzert buchstäblich bis auf die Grundfesten ausrastete. Diesmal war dieses Publikum mindestens drei Viertel des Konzerts sehr ruhig, mit vereinzelt einigen erhitzten Köpfen, die sich um ihre eigene Achse wirbelten. Dieselbe Klientel, die die Band begleitet, ist in den letzten acht Jahren etwas ernsthafter geworden. Zurückhaltung war jedoch keineswegs zu spüren, denn die Konzertenergie entlud sich immer an den richtigen Stellen des Auftritts (z. B. beim Klassiker Baptised In Blood). Leider gab es bei diesem Konzert nicht viele neue Gesichter, was besorgniserregend ist, denn die slowenischen Fans sind in dieser Zeit zehn Jahre älter geworden, und slowenischer Metal-Nachwuchs ist bei solchen »edukativen« Konzerten leider nicht zu finden. Wie auch immer, irgendwas zählt! An diesem Abend begrüßten Helstar im Orto bar wieder all jene Menschen, deren Herz für Metal schlägt. Gekleidet im richtigen Metal-»Outfit«, mit der richtigen Metal-Haltung. Wenn du auf ein Konzert kommst und weißt, dass du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist! Beim richtigen Metal-Konzert in Slowenien. 

Und Helstar? Auf jeden Fall, und da gibt es keine Diskussion. Verbeugung und Respekt. Der Countdown bis zum nächsten Treffen mit den kultigen Legenden des »U.S. old school speed metals« hat also bereits begonnen.

Setlist

HELSTAR:
1. Awaken into Darkness
2. Blood Lust
3. To Sleep, Per Chance to Scream
4. To Their Death Beds They Fell
5. Harker’s Tale (Mass of Death)
6. Black Cathedral
7. Rhapsody in Black
8. Baptized in Blood
9. Fall of Dominion
10. Pandemonium
11. Tormentor
12. The King Is Dead
13. Evil Reign
14. Run with the Pack
—Zugabe— 
15. N.I.B.

METALSTEEL:
1. Taboo
2. Trapped
3. White Circle
4. This Is Your Revelation
5. Novi svet
6. Materialist No More
7. Narcissus
8. New Way of Thinking
9. Heaven And Hell (feat. James Rivera)
10. Heavy Metal Is Our Religion 

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