Elabanda und Zamee beim Godibodi Festival! (2016)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Hostel Celica / Slowenien
Konzertdatum: 02.06.2016
Besucherzahl: 150
Eintrittspreis: 10,00€

Im Rahmen des diesjährigen Godibodi Festivals — jenes Festivals, das unter dem Dach des Labels Celinka die interessantesten slowenischen Künstler fördert und unterstützt, möglichst auch solche, die in internationale Musikprojekte eingebunden sind — verkörpert es vollständige kreative Authentizität, in der sich für gewöhnlich die Genres der slowenischen Volksmusiktradition, Ethno, Kabarettchansons, Jazz, Blues, Weltmusik, Rock und natürlich Pop die Hand reichen. Für die diesjährige Ausgabe des Festivals hat das Team um Janez Dovč erneut eine bunte Musikpalette an Künstlern zusammengestellt, die im Rahmen des Festivals an verschiedenen Spielstätten Sloweniens in der ersten Juniwoche ihre aktuellen musikalischen Errungenschaften präsentierten.

Am Donnerstag, dem 02.06.2016, gaben sich also im Ljubljaner Hostel Celica zwei Bands die Ehre, die aus völlig unterschiedlichen musikalischen Hintergründen zusammengewürfelt sind. Die Folk-Rocker aus Ajdovščina, Elabanda, die im vergangenen Jahr das neue Studioalbum »Facka« veröffentlicht haben, sowie das slowenisch-indische Musikprojekt Zamee, das ebenfalls im vergangenen Jahr seinen gleichnamigen Studio-Erstling das Licht der Welt erblicken ließ.

Kurz nach neun präsentierten Elabanda in einem einstündigen Konzert ihr neues Studioalbum. Die verschmitzten Ajdovščina-Jungs, mit ihren messerscharf pointierten und lebensnahen poetischen Bekenntnissen, die im Grunde ein Spiegelbild der Kneipen von Ajdovščina sind — wo das Wort aus den Erlebnissen einer Männerrunde regiert und sich in die Poesie der Gruppe ergießt. Die Band zeigte bei der Präsentation des neuen Albums ihre künstlerische Reifung, die sich durch ein Bündel angenehm leichtfüßiger Songs auszeichnet. Diese schielen beim Songwriting nach einer hohen Musikalität, die gerne mit dem Mittelwellen-Format angebandelt und so an die Türen der slowenischen Radiofrequenzen klopfen möchte (über etwaige Beziehungen und Kontakte der Gruppe in dieser Hinsicht wollen wir kein Fass aufmachen) — auf der einen Seite üppig bereichert durch den Volksmusik-Hauch der geografischen Region, aus der die Gruppe stammt (Mandoline, Akkordeon), auf der anderen aber auch durch die gitarrenbetonte Phrase mit Rockklang. Obwohl die Gruppe ihre Geschichte stets mit der schelmischen Schärfe eines feinsinnigen Zynismus auf die unterhaltsame Seite der Medaille wendet, blitzt durch den Melos und die bodenständige Attitüde der Gruppe immer wieder ein Hauch Melancholie durch. Die Band lockerte den Auftritt mit einigen Scherzen auf und hielt so die gute Laune aufrecht — auch beim Einsatz von spaßigen Requisiten, die das Quaken von Fröschen in der Einleitung des Songs Ljubljana evozieren sollten. Ihre Darbietung steigerte die Gruppe im Schlussteil, als der Ajdovščina-Kollege Sergej Randjelović »Runjoe« (Elevators, plus zu viele weitere Kollaborationen, um sie alle aufzuzählen) die Bühne betrat und der Band mit zusätzlichen Vocals aushalf. In jenem Moment standen gleich sieben Musiker auf der Bühne.

Nach einer zwanzigminütigen Pause übernahmen Zamee die Bühne. Das Antriebskern dieses indisch-balkanischen Projekts bilden die Sängerinnen Nika Solce und Sabina Khan, komplettiert wird die Besetzung durch Tablist Vinayak Netke, Akkordeonist Matija Solce, Gitarrist Tilen Stepišnik, Cellist Toby Kuhn und Schlagzeuger Žiga Šercer.  Ein Septett aus vier Slowenen, zwei Indern und einem Franzosen. Es handelt sich um Musiker mit außergewöhnlicher Erfahrung, vereint in einem neuen musikalischen Körper, der in jeder Hinsicht einzigartig ist — eben unverwechselbar. Die Band fusioniert wiedererkennbare Melodien indischer Herkunft mit balkanischen und slowenischen Traditionsmelodien (liebstes Ziel der Gruppe dabei ist Mazedonien), dazu gibt es die außergewöhnlich wohlklingende und jungfräulich eigene Komposition Sayaa, geschrieben von Sabina Khan, die für diesen Anlass in traditionelle indische Kleidung gehüllt war. Die Band vertonte auch einige Werke von Feri Lainšček (Na koncu vsega, Ob bregu) sowie France Prešeren (Kam) auf bildhafte und prägnante Weise und präsentierte sie ebenfalls bei diesem Konzert. Dieser eigenwillige euro-asiatische Musikverbund nahm also vollsinnlich mit außergewöhnlicher Eingespielheit und gegenseitigem Gespür gefangen. Durchgehend zogen dabei in erster Linie beide Sängerinnen alle Aufmerksamkeit auf sich — buchstäblich zwei Geschichten aus zwei völlig verschiedenen Welten, die sich auf unfassbare Weise zu einem faszinierenden Ganzen ergänzen. Was die eine nicht hat, hat die andere, und umgekehrt. Ein Auftritt voller magnetischer Schwingungen, der dich in seiner Bezauberung an den Sitz fesselt, von dem aus du mit der musikalischen Einzigartigkeit direkt ins Herz davonschwebst und die Weiten einer neuen Welt aufschließt. Beide Sängerinnen ließen mit einem Fluss außergewöhnlicher Emotionen aufhorchen, die die gesungenen Verse begleiteten. Vor allem die Feinfühligkeit, das sinnliche Nacherleben. Genau diese Herangehensweise weckte die Kerne der stimmungsbedingten Wellenzustände, die im anwesenden Publikum eine Flut von Gefühlen hervorriefen, die wir normalerweise verängstigt verbergen, wenn wir durch den harten Alltag hetzen. Dieser integrierte Moment positiver, freudvoll-verkündender Energie, den das ewig fröhliche Herz von Sabina Khan einbrachte, ist der erste und wichtigste Magnet aller Besonderheiten des Projekts Zamee. Ein außergewöhnlicher Auftritt, den man so schnell nicht vergisst. Hoffen wir, dass das Projekt auch weiterhin mit Konzerten und neuem Musikschaffen fortsetzt. Für Abwechslung sorgte auch eine Torte, die Matija Solce nach dem Konzert zu seinem Geburtstag erhielt, und mit der er sich zusammen mit einem Plüschbären einen kleinen Spaß mit Puppentheater-Einlage gönnte.

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