Laibach – Lieder unserer Träume im Cankarjev dom (2016)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Sebastijan Videc
Video: Sebastijan Videc
Ort: Cankarjev Dom, Ljubljana, Slowenien
Konzertdatum: 09.05.2016
Besucherzahl: 1500
Kartenpreis: 40 € / 50 €
Der Cankarjev dom war am 9. Mai Gastgeber des Abschlusskonzerts der bekanntesten slowenischen Band, Laibach, die in der Gallusova dvorana ihre Europatournee »Sound of music« bzw. »Naše pesmi, vaše sanje« abschlossen.
Das audiovisuelle Ereignis füllte die Gallusova dvorana bis auf den letzten Platz, trotz etwas höherer Eintrittspreise, als wir sie (für slowenische Künstler) gewohnt sind – aber das ist verständlich, denn Laibach zählt seit Jahren und Jahren zum weltweiten Kontext der Musikkunst, mit einem unverwechselbaren Stil, dem du nichts auch nur annähernd Ähnliches gegenüberstellen kannst. Der Tempel der slowenischen Kultur ist zweifellos der richtige Ort für eine Kultgruppe, die auf ihre ganz eigene Art sowohl durch die Musik als auch durch die NSK-Bewegung Geschichte der slowenischen Kultur schreibt.
Schon vor dem Konzert war in den Projektionen der Einfluss des Konzerts in Nordkorea zu erkennen, wo Laibach letztes Jahr revolutionär Konzert-Neuland durch die Grenzen eines der abgeschlossensten Länder der Welt gepflügt haben. Das bahnbrechende historische Ereignis, das noch immer in einen Schleier organisatorischer Geheimnisse gehüllt ist, hat einige der beim Konzert gespielten Stücke musikalisch und visuell geprägt.
Laibach, die derzeit in der Besetzung Milan Fras (Gesang), Mina Špiler (Gesang, Synthesizer), Janez Gabrič (Schlagzeug), Luka Jamnik (Synthesizer) und Rok Lopatič (Synthesizer) agieren, eröffneten ihre musikalisch – visuelle Ekstase fünfzehn Minuten nach acht Uhr abends mit einem Klangsturm, als Rok Lopatič am Klavier die Ouvertüre zum morbiden Stück »Smrt za smrt« vom Album Rekapitulacija einleitete. In ähnlichem Stil setzte sich das Konzert mit den Stücken »Ti, ki izzivaš« und »Now you will pay« fort. Es folgten drei Stücke »Great divide«, »Eurovision« und »Walk with me« vom aktuellen Album Spectre.
In den Spektakel eingebettet war einer der wenigen Sätze während des Konzerts selbst, nämlich: »And now for something completely different«, mit dem Laibach mit ihrem Repertoire zu Stücken wechselten, die sich mit dem Namen der Tournee identifizieren. Coverversionen von Songs aus dem Film Meine Lieder, meine Träume mit den Stücken »Do re mi« »Edelweiss«, »Sound of music«. Diese Stücke hatten sie auch dem nordkoreanischen Publikum serviert, was bei der Aufführung und den Projektionen deutlich spürbar war. Bei »Climb every mountain« gesellte sich das Duo Silence zu den Abendstars, dem Laibach nach dem Ende des Stücks kurzzeitig die Bühne überließen. Das kompromisslos qualitätsbewusste Duo bestehend aus Boris Benko und Primož Hladnik würzte das Konzert unvergesslich mit einer hervorragend dargebotenen nordkoreanischen Volksweise sowie einem bewegenden Trio von Stücken, in denen sich die beiden Musiker zeitgemäß den kürzlich – zweifellos viel zu früh – verstorbenen Künstlern widmeten: David Bowie mit seinem Stück »This is not America«, Tomaž Pandur mit dem Stück »Electricity« sowie Prince mit seinem Stück »When doves cry«. Äußerster Minimalismus, und doch so vollkommen ausgeführt, dass er angesichts der schwarz-weißen Porträts der verstorbenen Künstler, die zu sehen waren, nur selten jemanden kalt ließ.
Bei der Rückkehr des Laibach-Fünfgespanns setzte sich das Konzert mit dem Stück vom Album 1 VIII 1944. Warszawa mit dem Titel »Warzsawskie dzieci« fort, gefolgt von vier Stücken vom aktuellen Album Spectre: »We are millions«, »Whistleblowers«, »No history«, »Bossanova« sowie dem Stück vom Album An Introduction To… Laibach (2012) »Ballad of a thin man«, nach dem Laibach die Bühne verließen.
Sie kamen noch für zwei »Zugaben« zurück, in denen sie in der ersten noch ein Cover mit Bezug auf den Namen der Tournee mit dem Titel »Favourite things« spielten sowie zwei beim Publikum sehr beliebte Favoriten: »B-mashina«, bei der in der Projektion Ausschnitte aus der Fantasykomödie Iron Sky zu sehen waren, für deren musikalische Untermalung Laibach gesorgt haben. Zum Abschluss der ersten Zugabe gab es noch »Life is life«, das sie auf halbem Weg durch das Stück geschickt in »Leben heißt Leben« verwandelten.
In der zweiten »Zugabe« schloss Laibach das Konzert nach gut zweieinhalb Stunden mit dem den meisten unbekannten Stück »Each man kills« ab. Nach dem Ende des Konzerts folgte auf der Projektion gezielt ein »Trailer« für den bevorstehenden Film über ihre Tournee durch Nordkorea, womit sie den Einfluss dieser einzigartigen Errungenschaft auf die Band bestätigten.
Wie lässt sich das Konzert als Ganzes kommentieren? Ein Gesamtkunstwerk, das hierzulande kaum eine andere Musikgruppe erreicht. Jeder Handgriff ist bis ins Detail ausgearbeitet. Der unersetzliche Milan Fras trägt mit seinem charakteristischen Auftritt am meisten zum Gesamtpaket bei und agiert in Symbiose perfekt mit einem der besten Zugänge, die Laibach je hatten: der Vokalistin Mina Špiler, die das gesamte Konzert über mit ihren stimmlichen Fähigkeiten begeistert und sich wunderschön in das Gesamtbild von Laibach einfügt. Mit Rok Lopatič hat Laibach zweifelsohne einen der qualitätsvollsten Keyboarder gewonnen, die unser Land zu bieten hat, und am Synthesizer harmoniert er hervorragend mit Luka Jamnik. Den Rhythmus am Schlagzeug hält Janez Gabrič ohne erkennbare Schwierigkeiten durch das gesamte Konzert aufrecht. Die Gitarren wurden schon längst vollständig durch Elektronik ersetzt.
Das Abschlusskonzert der Tournee in der Gallusova dvorana des Cankarjev dom bot einen makellosen Auftritt, und das Repertoire war im Vergleich zu den übrigen Konzerten der Tournee erweitert.
Auch der Regisseur bzw. Konzeptentwickler der gesamten Konzert- bzw. Tourneeinszenierung verdient jedes Lob, denn die gesamte Durchführung stimmt einfach. Von den Projektionen bis zu den Lichteffekten. Keine Überflüsse, aber wenn das, was du anbietest, zündet, reicht das völlig. Bisweilen zwar extrem laut, aber das steht der Band nun mal und das muss man in Kauf nehmen. Die slowenische Konzertszene braucht mehr Pakete solcher Vollkommenheit.
Text: Klemen Udovč
Setliste
1. Smrt za smrt
2. Ti, ki izzivaš
3. Now you will pay
4. Great divide
5. Eurovision
6. Walk with me
7. Resistance
8. Do re mi
9. Edelweiss
10. Sound of music
11. Climb every mountain
12. Silence – tributes
13. Warzsawskie dzieci
14. We are millions
15. Whistleblowers
16. No history
17. Ballad of a thin man
18. Bossanova
—Zugabe I.—
19. Favourite things
20. B-mashina
21. Life & leben
—Zugabe II.—
22. Each man kills
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