Sausages, `Luni Tuns` und brennende Rock`n` Roll-Hitze im Orto bar (2016)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 18.04.2016
Besucherzahl: 80
Eintrittspreis: 10,00€
Sausages sind schon seit geraumer Zeit so etwas wie das »Hausinventar« des Ortofests. Letztes Jahr haben sie ihn abgeschlossen, dieses Jahr wurden sie irgendwo in der Festivalmitte im Programm platziert. Die Uhr hatte sich schon kräftig in Richtung zehn Uhr abends geneigt, als auf dem Gelände noch kaum etwas Besonderes los war. Die Band musste nur auf die Bühne gehen. Aber das ist in letzter Zeit immer so. Das Volk macht es sich an der Bar bequem oder zieht Zigaretten irgendwo vor dem Haus, dann stürmt es zur Bühne, sobald das Konzert anfängt. Auch dieses Mal strömten alle erst rein, als die Bühne zum Leben erwachte. Zum Auftakt drehte die Band ihr neuestes Werk auf – das neu arrangierte Stück Poletna, in das die Jungs erfolgreich Akkordeon-Arrangements integriert haben, gespielt von Marko Hatlak. Ebenjener Marko war eigentlich eingeladen worden, der Gruppe als Spezialgast auf der Bühne beizutreten, musste seine Teilnahme aber aufgrund von Verpflichtungen absagen. Die Band stellte nämlich bei diesem Konzert die Kompilation »Luni Tuns« vor – das sind 19 klassische Werke der Gruppe, die Sausages neu aufgenommen und im Eigenverlag veröffentlicht haben. Darauf ist natürlich auch die erwähnte aufgefrischte Version des Stücks Poletna.
Wie auch immer. Die Band, von der bekannt ist, dass sie mit allen Wassern gewaschen ist, überraschte gleich zu Beginn, als man Breščanski ans Schlagzeug setzte! Auf jeden Fall mehr als mit dem einleitenden Blues-Backdrop, der irgendwo nach dem ersten Drittel der Show Buco auf die Bühne brachte, der das Bandmikrofon schnappte, mit seiner kernigen Stimme donnerte und die spöttische Nummer Buco Bluz vorstellte. Danach tauschten Goran und Buco ihre Positionen natürlich. Sausages präsentierten sich bei diesem Konzert in einer etwas veränderten Besetzung. Auf der Bühne fehlte Maco (Helmut Frangeš) aufgrund eines äußerst unglücklichen Zwischenfalls, den der tüchtige Gitarrist gerade durchmacht (Schlaganfall). In seine Fußstapfen trat Matjaž Marin, ein äußerst erfahrener Gitarrist, der davor eine ganze Weile für Requiem gespielt hat und heute bei den Billys spielt. Kurzum, ein Typ mit einem handfesten, ausgearbeiteten Gitarrenansatz.
Um es nicht zu kompliziert zu machen, nicht herumzudrehen und euch das Leben zu verbittern, muss gleich gesagt sein: Sausages bleiben nach wie vor ein erstklassiger lebendiger Köder, an dem sich ständig unvorsichtige Mädchen festbeißen – naja, und auch Damen. Trotz Macos Abwesenheit hat Matjaž vor allem im weiteren Verlauf, als er sich eingespielt hatte und die anfängliche Anspannung in seinen Fingern nachließ, gezeigt, dass er ein Mann vom rechten Schlag ist, auf den Sausages in jedem Moment zählen können. Zumindest so lange, bis Maco sich wieder erholt. Aber man muss keine Relativitätstheorie aufstellen. Die Band bleibt performativ unglaublich überzeugend. Ihre aufgedrehte Version des Rock’n’Roll, reichlich durchtränkt von der Blues-Komponente, haben sie einmal mehr auf eine Weise dargeboten, die sofort in den Bann zieht und verführt. Rund 80 Leute hatten sich im Raum versammelt, davon die Hälfte weiblichen Geschlechts, von denen viele »den Kopf verloren« und folglich auch ein paar überflüssige Klamotten, als sie sich ausgelassen den Klängen und Vibrationen des rockenden »Rausches« hingaben, der von der Bühne kam. Goran Breščanski bleibt der gute alte Goran. Mit diesem schelmisch-lausbubenhaften Ansatz. Sein bubenhaft näselig gefärbter Gesang, durch den der »Ljubljanaer Slang« widerhallt, belebte die Prägnanz der Texte, eines beißend sympathischen schwarzen Humors, der einen ständig zum Lachen zwingt. Das bleibt ein markantes und unverzichtbares Element des Sausages Rock’n’Roll.
Für das Stück Ninam moči lud die Band Blaž Črnivec auf die Bühne, den Gitarristen der Gruppe Rok ‚N‘ Bend, der in den Anfangsschritten von Sausages einen Teil ihrer Geschichte geschrieben hat und für dieses Stück Marins weißen Stratocaster in die Hände nahm. Aber wie gesagt. Super Spiel. Im Team setzen sich natürlich Breščanski, Buco und unvermeidlich Čule mit ihrer Charisma durch. Buco hat sich am Schlagzeug komplett zerlegt. Bei Hamo & Tribute to Love muss er nur ein kleines bisschen aufpassen, nicht zu laut zu sein, bei Sausages aber haut er mit voller Kraft drauf. So sehr es geht. Und unglaublich präzise ist er in allem, was er anpackt. Seine Rolls bleiben makellos. Janez (Retro Kult) hat sich hervorragend ins Team eingefügt. Es ist schön, den Rickenbecker-Bass in den Händen des Jungen zu beobachten. Es gibt noch Hoffnung für die junge Generation. Über Čule braucht man keine Worte zu verlieren. Am Ende hat er uns wieder von den Socken gehauen mit dem ausgedehnten, satten Solo-Ausklang des Lynard Skynard-Klassikers Free Bird. Sein fetter Gibson-Sound und Marins »weicherer« Stratocaster-Sound bauten eine saftige Klangkulisse aus Gitarrenphrasen auf, die den hochoktanigen Adrenalinstoß des Rock’n’Roll der Band antreibt.
Wie gesagt. Ein Sausages-Konzert in deiner Nähe? Das bleibt eine absolute Pflicht und ein Erlebnis, für das es sich zu sündigen lohnt. Männer, die dem Grundparadigma des Rock’n’Roll treu bleiben, sind also dieselben Männer, die all seine Geheimnisse entschlüsselt haben, und die Männer, die dich mit Feuer und Herzlichkeit in die Welt des Rock’n’Roll entführen. Das, für eine erfahrene Band,
Setliste
1. Buco bluz
2. Na pomoč
3. Cerkev
4. Garaža
5. Se ti laže
6. Denzi
7. Brezvezna veza
8. Ulegu z njo
9. Spal bom cel dan
10. Sama doma
11. Zafuranc
12. Izlet
13. Dolga pot
14. Poglej se v oči
15. Ne bo me več
16. Dost mam
17. Nkol počas
18. Ženska
19. Dej pel
20. Nimam moči
21. To mi deli
—Zugabe—
22. Požgt te v rt
23. Free Bird
Bildergalerie








































