Suffocation und Begleitung wieder in der Metelkova (2016)
Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Gala hala / Slowenien
Konzertdatum: 07.03.2016
Besucherzahl: 250
Kartenpreis: 22€/25€
Suffocation ist eine jener Bands, die Slowenien in den letzten zehn Jahren auf europäischen Tourneen regelmäßig besucht. Und auf diese Tourneen nehmen Suffocation immer irgendeine interessante Band mit. Das können Bands sein, die sich auf technischen Death Metal, Thrash Metal, Deathcore, Grind und mehr ausrichten. Kurzum: Jede Suffocation-Tournee bringt eine vielversprechende Band mit, die das Publikum begeistern oder auch enttäuschen kann. Diesmal begleiteten Suffocation: Cattle Decapitation, Abiotic, Monument of Misanthropy sowie Convalescence.
Leider war der Auftakt mit Convalescence nicht gerade vielversprechend. Das amerikanische Sextett wirkte wie eine brutale Version von Winds of Plague. Neben kitschigen Keyboards reihte die Band ein paar schnelle Death-Metal-Riffs und klischeehafte Breakdowns aneinander. Insgesamt war ihre Musik aber alles andere als interessant – und vor allem viel zu aufgesetzt. Die Band bemühte sich zwar, die Handvoll Anwesenden zu begeistern und sie mit Breakdowns in Bewegung zu bringen. Leider vergeblich.
Mehr Glück gab es mit Monument of Misanthropy, einer österreichischen Band, die auf brutaleren Death Metal schwört. Da kommen sofort Assoziationen mit Morbid Angel und Nile auf. Die Band hat nur ein Album hinter sich, die Musik selbst ist nichts Besonderes – sie richtet sich eher an jene Minderheit, die weniger anerkannte Death-Metal-Bands unterstützt. Monument of Misanthropy ist zwar nicht abzuschreiben, aber um sich zu beweisen, müssen sie noch ein paar Alben aufnehmen.
Als Nächste betraten Abiotic die Bühne. Obwohl der Sound der Band nicht gut war, konnte man schnell erkennen, dass es sich um eine technisch versierte Truppe handelt – angesichts des anspruchsvollen Spiels wohl ausgebildete Musiker. Schwer zu sagen, was am meisten auffiel, aber irgendwie war der Sänger noch am wenigsten interessant, während die Drums überall ausrasteten, die beiden Gitarristen Soli nur so rausschüttelten und der Bassist seine Linien ständig betonte – besonders sein Tapping stach heraus. Die Band fokussierte sich zum Glück auf das letzte Album Casuistry (Rezension HIER), sodass die Breakdowns schnell vorbeizogen und keine unnötigen Stopps eingebaut wurden, um das Publikum auszuflippen. Mit ihren atmosphärischen Parts zeigten Abiotic ihre Identität – einzuordnen irgendwo zwischen The Faceless und Fallujah. Potenzial ist also da, jetzt ist die Frage, ob sie es gut nutzen werden.
Cattle Decapitation waren wohl die meisterwartete Band des Abends. Obwohl es nicht ihr erster Auftritt in Slowenien war, hat sich die Popularität der Band mit den letzten beiden Werken, Monolith of Inhumanity und The Anthropocene Extinction (Rezension HIER), kräftig gesteigert. Es handelt sich auch nicht mehr um eine weitere durchschnittliche Band, die brutalen Death Metal spielt. Cattle Decapitation stehen heute dafür, in welche Extreme man Death Metal treiben kann – auch wenn sie instrumental nicht an Origin, Hate Eternal oder Nile heranreichen. Aber CD haben ihr eigenes Rezept: brutale, aber eingängige Riffs, wahnsinnig schnelle Drums und ein extrem auffälliger Gesang. Travis Ryan zeigte schnell, dass sein Gesang keine reine Studiobearbeitung ist. Ryan betont neben seinem Growl noch mehr sein Schreien, bei dem man nicht weiß, ob er singt oder schreit. Auf jeden Fall ein Markenzeichen von CD, das mitunter ein bisschen nervig werden kann. Vor allem aber wirkt seine Bühnenpräsenz so seltsam, dass sich wohl so mancher gefragt hat, welche Drogen das verursachen. In ihrem kurzen Set überzeugten CD als wahnsinnige Clubband – und nach dem Gesehenen dürfen sich viele auf sie beim diesjährigen Festival Metaldays freuen.
Suffocation haben in den letzten zehn Jahren viele Veränderungen durchgemacht und trotz allem ihre ausgezeichnete Form bewahrt. Vor einigen Jahren verließ der legendäre Schlagzeuger Mike Smith die Band, was die Fans ziemlich schockierte – aber eine Band mit so einem Renommee findet schnell einen guten Schlagzeuger, sodass Smiths Abgang keine wirkliche Tragödie war. Aufgrund beruflicher Verpflichtungen ist der legendäre Sänger Frank Mullen nicht mehr auf Tournee dabei, sodass die Band versucht, mit anderen Sängern zu überzeugen. Zunächst war das Bill Robinson (Decrepit Birth), dann John Gallagher (Dying Fetus) – und seit zwei Jahren ist Ricky Myers (Schlagzeuger von Disgorge) die Stimme von Suffocation. Die Instabilität der Besetzung zeigte sich diesmal zusätzlich durch die Abwesenheit von Gitarrist Guy Marchais. Stattdessen spielte Charlie Errigo (Pyrexia). Kurzum: eine instabile Besetzung bringt nicht gerade die besten Aussichten.
In knapp einer Stunde – so lange spielen Suffocation üblicherweise – begeisterte die Band erneut mit ihrer Eingespielheit, die auf einem intensiven und energiegeladenen Auftritt basiert. Gitarrist Charlie Errigo haperte zwar mitunter etwas, bei einigen Songs war mehr als offensichtlich, dass er sie noch nicht vollständig drauf hatte. An Sänger Ricky Myers gibt es hingegen nichts auszusetzen. Sein Gesang ist tief und verständlich, was bedeutet, dass er die Texte tatsächlich gelernt hat und damit Mullen angemessen ersetzt. Die übrigen Mitglieder spielten ihre Rolle wie immer souverän. Am auffälligsten war Schlagzeuger Kevin Talley (ex-Dying Fetus, ex-Misery Index), der dafür sorgte, dass die Drums deutlich schneller waren als im Original – insbesondere der berühmte Blast Beat, den Mike Smith eingeführt hatte. Das Repertoire hat sich nicht übermäßig verändert. Die Band wird immer die Klassiker aus den Neunzigern in den Vordergrund stellen, wie Catatonia, Pierced from Within, Infecting the Crypts u. a. Dazu kommt dann noch der ein oder andere neuere Song. Vor allem aber haben sie mit dem gespielten Set gezeigt, woher die Vorlage für späteren brutalen Death Metal oder gar Slam Death Metal stammt. Suffocation sind zweifelsohne eine Schule für jede heutige Death-Metal-Band, die sich in die Extreme wagen will.
Der Wochenbeginn hätte nicht brutaler starten können. Mit Suffocation, Cattle Decapitation, Abiotic und zwei Vorgruppen kam jeder auf seine Kosten, der auf Death Metal schwört – auch wenn man bei einem solchen Paket einen größeren Andrang hätte erwarten können.
Setlist
SUFFOCATION:
1. Thrones of Blood
2. Breeding the Spawn
3. As Grace Descends
4. Mass Obliteration
5. Catatonia
6. Souls to Deny
7. Entrails of You
8. Pierced from Within
9. Effigy of the Forgotten
10. Funeral Inception
11. Abomination Reborn
12. Infecting the Crypts
Bildergalerie












































