Der einheimische slowenische Koromač ist der Metelkova entwachsen (2016)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Gala hala / Slowenien
Konzertdatum: 14.01.2016
Besucherzahl: 150
Eintrittspreis: 0,00€ (freier Eintritt)

Koromač, eine slowenische rein-instrumental-experimentelle Band aus Vrtojba, in jüngerer Zeit als Sextett mit gleich zwei Schlagzeugern in der Besetzung, mit dem Debüt »Punk Enough?« (RockLine Rezension HIER) und einem Auftritt im Rahmen der Domorodni četrtki in der Tasche. Auf der »ewigen« Metelkova.

Ohne kreative Hemmungen und mit dem unverhohlenen Adel einer bewusst provokanten Eklektik, einer prägnanten Prämisse der Eigenständigkeit und experimenteller Kühnheit. An diesem Abend, dem 14.01.2016, brodelte es auf der Metelkova wieder fröhlich. Im Klub Gromka hatten die Prismojeni profesorji bluesa ausverkauft, ein Haufen Leute stand vor dem Klub und trieb sich in der eisigen Kälte missmutig herum, während die Klügeren lieber die noch offenen Räume auf der Metelkova an diesem Abend aufsuchten. Einer davon war natürlich die Gala hala, wo solche Donnerstage der Präsentation aufstrebender Talente junger Bands mit eigenem Songmaterial gewidmet sind, die sich auf der Szene durchkämpfen.

Koromač ist keine Band »von gestern«. Ihre Mitglieder haben Kilometer und Erfahrungen gesammelt. Die Gruppe trägt eine Vision, trägt einen musikalischen Fokus. Koromač sind ein Beispiel einer Gruppe, die sich durch die Erweiterung der Besetzung – dabei denke ich vor allem an zwei Schlagzeuger und das Saxofon – die Türen weit aufgestoßen hat, um immer neue musikalische Gefilde zu erkunden. Man kann sie locker »Jazzcore« nennen, womit man die musikalische Vergangenheit der Gruppe sinnvoll mit ihrem gegenwärtigen Stand verbindet. In ihren Klanglandschaften sind Koromač gnadenlose Nihilisten, klangliche Terroristen, absolut ungeeignet für jene »weicheren Seelen«, die sich zerbrechliche mechanoreceptorische Organe »geerbt« haben.

So verlief auch das Konzert der Gruppe in der Gala hala. Etwa 20 Minuten vor elf Uhr abends stiegen sie auf die Bühne und begannen mit dem »Donnern«. Die Gitarren halten fette Riffs, in die sich das Saxofon einbeißt – das hält sich dabei nicht zwingend an die Gitarrenphrasen, sondern driftet gern in atonale Dimensionen ab und löst dabei wiederholt Chaoszustände aus. Der Gitarrensound ist kratzig, fett, garagig, in seinen Schattierungen noch immer genug HC-mäßig, obwohl die Riffs metallisch angelegt sind. In der Gesamtbilanz waren wir Zeuge eines äußerst interessanten Konzerts, das von einem musikalischen Derivat absolut einzigartiger Ausdrucksformen geprägt war. Die Gruppe gewann mit der Zeit gut 100 Besucher vollständig auf ihre Seite. Vor allem in den vorderen Reihen identifizierten sich einzelne Grüppchen von Besuchern schnell mit der Energie, die von der Bühne ausging, und gaben sich ihr rückhaltlos hin. Generell gesehen handelte es sich um einen außerordentlich erfolgreichen Konzertauftritt der Gruppe, durch den sie hoffentlich ihre Basis an musikalischen Kennern erweitert hat.

Aber Koromač entwickeln sich weiter. Sie durchlaufen eine stilistische Transition. Im Ausdruck bleibt enormer Raum, den sie zügellos mit ihrer Hingabe an das freiheitsliebende Jam-Experiment ausschöpfen können. Super wäre es, wenn sich die Gruppe künftig darum bemühte, die experimentell-jazzige bis progressive Sphäre zu vertiefen. Vor allem hinsichtlich der weiteren Optimierung des Einsatzes der zwei Schlagzeug-Sets in der Besetzung. Summa summarum. Eine wunderschöne neue musikalische Provokation am Horizont. Einen Versuch wert! 

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