Ruf zur September-Death-Metal-Vernichtung! (2015)

0 8

Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Kino Šiška, Ljubljana
Konzertdatum: 24.09.2015

Wenn es am Ende des Sommers irgendetwas Gutes gibt, dann nur das, dass der Herbst nicht bloß mieses Wetter mit sich bringt, sondern auch den Beginn der Club-Konzertsaison. Nach der konzertlosen August-Totenstille waren die Ohren schon gehörig hungrig, und wenn Machine Head vor zehn Tagen für das eigentliche Hauptgericht gesorgt hatten, so kümmerte sich das königliche Death-Metal-Duo Suffocation und Nile um ein Menü mit mehreren Gängen. Für etwas Bitterkeit sorgten allerdings die Veranstalter von Metal Witch im Vič-Club Cirkus, die trotz der vorherigen Ankündigung des Konzerts im Kino Šiška ihren Gig eigenmächtig auf denselben Tag gelegt hatten (damit kein Missverständnis entsteht: die Kritik gilt keinesfalls den Auftretenden im Cirkus). Doch trotz dieses unsportlichen Zugs haben sich die Fans des echten Death Metals bewährt und, obwohl der Besuch anfangs nicht gerade vielversprechend war, die beiden derzeit meistrespektierten Death-Metal-Bands treu und zahlreich begrüßt.

Als Erster betrat diesmal der italienische Vierer Resumed die Bühne vor einer nahezu völlig leeren Halle, dem wohl auch wegen des Rufs, der dem italienischen Metal (zu Recht) anhaftet, nur ein paar Enthusiasten an der Barrikade der ersten Reihe folgten. Schade, denn die Mädels und Jungs zeigten weit mehr als so mancher ihrer Landsleute und waren ohne Zweifel die beste italienische Band des Abends. Resumed präsentierten in knapp einer halben Stunde Material vom Debütalbum Alienation, das tief im technischen Death Metal verwurzelt ist, doch diesmal war mehr zu sehen als zu hören, dass die Band technisch exzellent aufgestellt ist. Wegen des katastrophalen Sounds waren vor allem die abwechslungsreichen Basslinien von Giulia kaum zu hören, dafür ließ sich heraushören, dass sich Resumed viel von Bands wie Pestilence und Death borgen. Eigentlich ein sehr solider Einstieg.

Den haben dann aber schnell Embryo verpatzt, die den nicht gerade glänzenden Ruf, der italienischen Metal-Bands anhaftet, vollauf bestätigt haben. Und erst recht für italienische Death-Metal-Bands. Embryo haben uns mit ihrem Besuch bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr beglückt (zum ersten Mal im Mai mit Melechesh) und bewiesen, dass sie immer noch, naja, schlecht sind. Eine Band mit nur einem Gitarristen klingt bei eintönigen und langweiligen Riffs nämlich unglaublich leer und trocken, der Bassist fügt dem Sound auch nicht viel hinzu, und das Ganze wird noch weiter ruiniert durch die scheppernden Keyboards, die eher auf dem Grinch-Soundtrack ihren Platz hätten. Wenn du nicht gerade Nocturnus bist, haben Keyboards im Death Metal nichts verloren. Nervige Frontmänner mit Cookie-Monster-Vocals (genau das ist Embryo-Vokalist Roberto) übrigens auch nicht.

Aber wer auch immer als Vorband für eine Band vom Kaliber Suffocation auftreten würde, hätte damit undankbare Arbeit. Obwohl die amerikanischen Death-Metal-Veteranen schon eine Weile »geschwächt« auftreten, ohne ihr Aushängeschild, den legendären Frank Mullen, gelingt es ihnen jedes Mal, zumindest einen würdigen Ersatz für einen der charismatischsten Vokalisten und Frontmänner im Death Metal zu finden. Hatten wir Suffocation auf unseren Bühnen schon mit Bill Robinson (Decrepit Birth) und John Gallagher (Dying Fetus) gesehen, ließen die Jungs diesmal Ricky Myers von der Kette (ansonsten Schlagzeuger der amerikanischen Disgorge). Myers schlug sich vokal glänzend und überzeugte mit einem mächtigen Growl, etwas weniger dagegen mit einfallslosen Ansagen, die genau einer einzigen Formel folgten – erst stehe ich mit dem Rücken zum Publikum, dann kündige ich den Song an und sage, von welchem Album er stammt. Aber wenn Ricky auch wenig redete, so sprach nach dem Suffocation auf den Leib geschriebenen Intro (Stitches: Kilos In My Bag) die Musik dafür umso mehr (besser gesagt: sie donnerte). Das eiserne Trio der Gitarristen Hobbs, Marchais und Boyer rechtfertigte erneut seinen Ruf mit präzisem Durchbohren (von innen) durch brutale Riffs und fetten Groove. Beim Letzteren stach vor allem Boyer hervor, dessen Basslinien dank des exzellenten Sounds wirklich zur Geltung kamen. Erst recht im Zusammenspiel mit der phänomenalen Schlagzeugvorstellung des unglaublichen Kevin Talley, der sowohl Smith als auch Culross alt aussehen ließ und das ohnehin schon technisch anspruchsvolle Drumming noch eine Stufe höher hob. Die Songauswahl bot keine größere Überraschung, wir hörten ewig tödliche Klassiker à la Pierced From Within, Catatonia und Effigy of the Forgotten, einige Kracher von der aktuellen Pinnacle of Bedlam, die schönste Überraschung aber war das Meisterwerk von Suffocation, Abomination Reborn. Obwohl Suffocation ohne Frank nicht ganz dasselbe sind, enttäuschen sie live schlicht und einfach nicht. Und wenn Frank ein Panzer ist, ist Ricky ein Bulldozer.

Die amerikanischen Death-Metal-Pharaonen Nile kehrten mit einem brandneuen Album zu uns zurück, What Should Not Be Unearthed, nach Annihilation of the Wicked vielleicht sogar ihrem stärksten. Nile begrüßten Ljubljana mit dem unheilverkündenden Intro Ushtabi Reanimator und schlugen dann mit der Kraft aller zehn ägyptischen Plagen mit dem vernichtenden Sturm Sacrifice Unto Sebek ein. Das herausragende Klangbild sorgte für einen noch viel stärkeren Effekt – die lovecraftmäßig fetten Riffs und Soli des Duos Sanders/Toler-Wade umhüllten die Šiška wie ein Heuschreckenschwarm, das erschütternde Blast-Beating des unfehlbaren George Kollias durchsiebte das Publikum wie Hagel, und der mörderische dreifache Vokalangriff verwandelte das Bier in Blut und verschluckte Ljubljana in die ewige Dunkelheit der Katakomben. Überragend war diesmal gerade das vokale Armageddon – Sanders‘ brutaler, ultratiefer, cthulhuhafter Growl donnerte wie Ramses, während die klassischen Death-Metal-Growls von Dallas und Neuankömmling Bassist Brad Parris das Ganze belebten und auflockerten. Genau Parris überraschte neben seinem starken Vocal auch mit energischer Bühnenpräsenz und bewies, dass er trotz seiner zarten zweiundzwanzig Jahre (er hat in der Band wohl deswegen die Rolle des Tutanchamun) eine außergewöhnliche Bereicherung für die Band ist. Nile sind in einer Stunde und einer Viertelstunde durch das (beinahe) siebentausend Kilometer lange Bett des Nils geschritten, boten etwas von jedem Album, bewiesen, dass die neuen Abominationen auch live fantastisch klingen, und bestätigten, dass sie sich längst für immer unter die Ewigen im Tal der (Death-Metal-)Könige erhoben haben.  

Setlist

SUFFOCATION:
1. Kilos In My Bag (intro) / Thrones of Blood
2. Breeding the Spawn
3. Mass Obliteration
4. As Grace Descends
5. Catatonia
6. Liege of Inveracity
7. Abomination Reborn
8. Pierced From Within
9. Effigy of the Forgotten
10. Funeral Inception
11. Purgatorial Punishment
12. Infecting the Crypts

NILE:
1. Ushtabi Reanimator/Sacrifice Unto Sebek
2. Defiling the Gates of Ishtar
3. Kafir!
4. Hittite Dung Incantation
5. Call To Destruction
6. In the Name of Amun
7. The Blessed Dead
8. Ithyphallic
9. The Howling of the Jinn
10. The Inevitable Degradation of Flesh
11. Evil to Cast Out Evil
12. Sarcophagus
13. Lashed to the Slave Stick/Invacatoion of the Gate of Aat-Ankh-es-en-Amenti
14. Black Seeds of Vengeance/Khetti Satha Shemsu

Fotogalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies