Seelenerwecker Glenn Hughes in Höchstform mitten in Salzburg (2015)

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Autor: Peter Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Salzburg / Rockhouse / Österreich
Konzertdatum: 16.09.2015
Besucherzahl: 600
Kartenpreis: 25,00€ (Vorverkauf) / 29,00€ (Abendkasse)

Salzburg, die malerische österreichische Stadt, vor allem bekannt für Mozarts Erbe, den alten Barockstadtkern und das umliegende Salzbergwerk, war Gastgeber von Glenn ‚the Voice of Rock‘ Hughes – dem legendären Sänger/Bassisten und ehemaligem Mitglied zahlreicher namhafter (und durchaus legendärer) Rockbands wie Trapeze, Deep Purple, Hughes/Thrall, Black Sabbath, Hughes Turner Project und Black Country Communion. Glenn kehrte nach einer längeren Unterbrechung seiner Solokarriere durch die Arbeit mit Black Country Communion endlich auf eine Solo-Konzerttournee durch Europa zurück. Der zweite Termin dieser Tournee war Glenns Konzertauftritt im Salzburger Konzerthaus Rockhouse, wo es vor Konzertbeginn so aussah, als würden deutlich mehr Leute erscheinen – vielleicht war es aber, wegen der schlechten Belüftung und der übermäßigen Beheizung der Innenräume (die sich im weiteren Verlauf immerhin besserte), so sogar noch angenehmer.

Für das frühe Aufheizen der Konzertstimmung sorgten als Vorband drei aufgeweckte amerikanische Youngsters unter Führung von Gitarrist/Sänger Jared James Nichols, die mit ihrer soliden Mischung aus kraftvollem Blues Rock, Funk und hartem Rock die Mehrheit des Publikums begeisterten, das ansonsten ungeduldig auf die Ankunft von Glenn Hughes wartete. Nichols und seine Kumpels, Bassist Erik Sandin und Schlagzeuger Dennis Holm, schlossen ihren Auftritt mit einem Cover der Mountain-Nummer »Mississippi Queen« ab, das – wie erwartet – beim Großteil der Konzertbesucher auf überaus positive Resonanz stieß. Das hitzblütige Trio, das in seinem musikalischen Ausdruck die zahlreichen Whitesnake-Einflüsse nicht verbirgt – was sich auch in den etwas seichten ‚baby, you are all mine‘-Texten bemerkbar macht –, war eine durchaus passende Wahl als Vorband, und wahrscheinlich haben sich einige Besucher nach dem Konzert mit den Bandmitgliedern getroffen und begeistert ihr aktuelles Album gekauft.

Auf den Meister zahlreicher und vielfältiger Vokalakrobatik musste man nicht lange warten – trotz seines Umzugs in die USA Mitte der Achtziger hat er sich irgendwie seine sprichwörtlich englische Pünktlichkeit bewahrt. Er marschierte aufs Podium in Begleitung von Gitarrenvirtuose Doug Aldrich (ex-Whitesnake, Dio), den er seinem alten Kumpel David Coverdale kürzlich von Whitesnake ‚gestohlen‘ hatte, sowie des schwedischen Schlagzeugers Pontus Engborg, der seit 2010 mit Hughes zusammenarbeitet. Glenn versetzte das Publikum sofort in Ekstase und kam gleich zur ‚Sache‘ mit einer bravourösen Darbietung des Deep Purple-Energiekatalysators »Stormbringer«, der nach wie vor die ideale Eröffnungsnummer darstellt. Glenns reichhaltige Mitwirkung bei verschiedenen, meist kultigen Bands wirft einen langen Schatten und lenkt oft die Aufmerksamkeit von seiner ebenfalls begeisternden und nicht weniger interessanten Solokarriere ab – so muss er vor jedem Konzertauftritt eine passende Balance zwischen dem Erbe seiner früheren Bands und seinem Solowerk finden. Das erfolgreiche Erwecken des Soloerbes begann mit einer feurigen Darbietung des druckvollen »Orion« vom Album »Soul Mover« (2005), einer von Glenns liebsten Eigenproduktionen, bei der er gerne immer wieder seine Zusammenarbeit mit Schlagzeuger Chad Smith (Red Hot Chilli Peppers) erwähnt.

Der charismatische Sänger/Bassist hat auch seine musikalischen Anfänge nicht vergessen – an diesem Abend konnten wir gleich zwei Trapeze-Klassiker genießen: »Way Back To The Bone« vom Album »You Are the Music…We’re Just the Band« (1972), bei dem sich Aldrich etwas mehr Zeit für kühne solistische Eskapaden nahm, und »Touch My Life« vom Album »Medusa« (1970). Eine kleinere Überraschung bezüglich der Songauswahl war die Hughes/Thrall-Nummer »First Step Of Love«, die zweifellos einer der Höhepunkte des Abends war. Dasselbe könnte man auch über die oft übersehene Deep Purple-Klassik »Sail Away« vom Album »Burn« (1974) sagen, die man sich eigentlich kaum ohne Coverdales Gesang vorstellen kann – Glenn gelang jedoch eine überaus gelungene und interessante vokale Interpretation, was selbst die eingefleischtesten Deep Purple Mark III-Puristen anerkennen mussten.

Darauf folgte wohl die größte Überraschung des gesamten Abends: Glenns Trio entschied sich, die Whitesnake-Nummer »Good To Be Bad« vom gleichnamigen, nicht sonderlich geglückten Album zu spielen – ein Song, den Hughes gemeinsam mit seinem alten Kumpel Coverdale geschrieben hat und die Aldrich seit Jahren im kleinen Finger hat. Natürlich klang es bedeutend besser als das Original. Glenn verbeugte sich mehrfach vor seinem Freund und neuesten musikalischen Mitstreiter, der auch diesmal an der Gitarre praktisch nicht zu stoppen war, was er direkt im Anschluss an »Good To Be Bad« mit einer beeindruckenden Solo-Einlage eindrucksvoll bestätigte. Obwohl Herr Hughes, der seine Altersgebrechen neuerdings hinter Sonnenbrillen, einer permanent gemachten Frisur und Klamotten aus den psychedelischen Sechzigern versteckt, längst die Sechzig überschritten hat, hält er sich stimmlich noch immer unglaublich gut – er überraschte mehrfach mit atemberaubend kühnen Gesangsimprovisationen, deren Höhepunkt zweifellos die grandiose Version der Deep Purple-Ballade »Mistreated« war, bei der er neben dem traditionell ausgedehnten Schluss noch einige überaus beeindruckende Soul-Einlagen hinzufügte, die bereits auf dem Niveau einer (nicht zwingend schwarzen) Soul-Diva lagen.

Es folgte ein weiterer beliebter Solosong, »Can’t Stop The Flood« vom Album »Building the Machine« (2001), der beim Publikum begeistert aufgenommen wurde – worauf Engborgs viel zu lange geratenes Schlagzeugsolo folgte, das nichts Atemberaubendes enthielt und bei dem so einige Leute vorübergehend die Halle verließen. Naja – die Stimmung vor der Bühne elektrisierte sich aufs Neue bei der Darbietung der Black Country Communion-Nummer »One Last Soul«, woraufhin Herr Hughes seine Seelenobsession mit dem beliebten Solostandard »Soul Mover« abrundete, mit dem er den regulären Teil des Konzertabends auf prächtige Weise beschloss und stürmische Ovationen seiner treuen Fans erntete.

Der alte Fuchs, der zwischen den anspruchsvollen Gesangseskapaden nach wie vor auch am Bass eine gute Figur macht, ließ das Publikum nicht lange auf die Zugabe warten, in der er die Black Country Communion-Hymne »Black Country« spielte, worauf der (im Stillen erwartete) Deep Purple-Feuerbrenner »Burn« folgte, mit dem das Trio des Meisters das Zusammentreffen mit den Besuchern des Salzburger Rockhouse auf explosive Weise beschloss. Glenns Mission, die unsterblichen Seelen seiner Funk-, Blues- und Soul-Idole einzufangen, war erfolgreich abgeschlossen, und das überwiegend sehr zufriedene Publikum honorierte seinen traditionellen, kitschigen Abschlussgruß mit lautem Applaus. Der ehemalige Kokainsüchtige, der nach einem langen Kampf gegen die Drogen Mitte der Neunziger schließlich den Sieg davontrug und eine esoterisch gewürzte ’spirituelle Wiedergeburt‘ erlebte, geizte bei seinen Ansagen nämlich nicht mit gekünstelten Lächeln und etwas pathetischen Sprüchen im Stil der ‚alten amerikanischen Schule‘, in denen er sich selbst zum Hippie erklärte (bizarr) – aber wegen der phänomenalen Konzertsshow ist ihm (einmal mehr) alles vollständig verziehen.

Glenn Hughes hat in Salzburg auf beeindruckende Weise bewiesen, dass die Jahre seinen Stimmbändern absolut nichts anhaben können und dass seine große Seele dem Funk, Blues und klassischen Rock unerschütterlich treu bleibt. Bei bestimmten Songs wie etwa »Stormbringer« und »First Step Of Love«, bei denen im Original Synthesizer vorhanden sind, vermissten einige von uns etwas die Keyboards, die die ohnehin schon glänzende Klangkollage und die erstklassige Beschallung noch weiter veredelt hätten – doch der Rest der Darbietungen überzeugte uns, dass man hier nicht unnötig aus einer Mücke einen Elefanten machen muss. Das Zusammensein mit Glenn war auch diesmal unvergesslich, und die meisten von uns hätten drei Tage später gerne Hughes‘ Konzertauftritt in Wien besucht – am Ende überwog aber die vollkommen pragmatische Entscheidung, natürlich in Erwartung eines neuen Konzerttreffs irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft.

Setlist

1. Stormbringer
2. Orion
3. Way Back To The Bone
4. First Step Of Love
5. Touch My Life
6. Sail Away
7. Good To Be Bad
8. Mistreated
9. Can’t Stop The Flood
10. One Last Soul
11. Soul Mover
—Zugabe—
12. Black Country
13. Burn 

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