David Gilmour eröffnet neue Tournee in der Arena Pula und erweckt den zeitlosen Geist von Pink Floyd (2015)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Ort: Pula / Arena / Kroatien
Konzertdatum: 12.09.2015
Besucherzahl: 7000
Kartenpreis: 50,00 (Tribüne – Stehplätze)

Immer wenn Herr David Gilmour auf Konzerttournee geht, bebt die magnetische Achse der Erde. Einmal pro Jahrzehnt. In der letzten präsentierte er 2006 das Album »On An Island«; in der Zwischenzeit sorgte er gemeinsam mit seinem Kumpel Nick Mason kurzzeitig für Furore, als das neue Pink Floyd-Album »Endless River« (2014) erschien – was sofort Spekulationen über eine neue Pink Floyd-Tournee nach sich zog. David Gilmour kühlte schnell die erhitzten Köpfe jener ab, die das Wunder des Jahrhunderts erwarteten, und verkündete, dass er 2015 ein neues Soloalbum veröffentlichen und es auf einer neuen Solokonzerttournee vorstellen wolle.

Wenn du David Gilmour bist, kannst du dir vieles erlauben. Nicht gerade alles, aber fast alles. »Rattle That Lock« ist das neue, insgesamt vierte Studioalbum dieses Musikers, erschienen am 18.09.2015. Die Tournee, die der Gitarrenmeister der Präsentation seines neuen Albums widmete, wurde Anfang März angekündigt; die Karten gingen an seinem »bescheidenen« 69. Geburtstag in den Verkauf – genau am 06.03.2015 um 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das Konzert in Pula war in sage und schreibe zwei Stunden ausverkauft! Den ersten Teil der Tournee widmete Gilmour renommierten Konzertbühnen. Die Arena in Pula stand ganz am Anfang der Tournee. Es war der erste echte Konzertauftritt von David Gilmour seit 2007!

Siebentausend Menschen füllten die Arena Pula. Das magische Amphitheater brodelte wie ein Ameisenhaufen. Alle drängten dorthin – darunter auch jede Menge Besucher aus Slowenien, Italien, Österreich, Deutschland, den USA, Russland und noch von woanders. Das Konzert, das genau um halb neun begann, war in zwei Teile aufgeteilt. Der erste dauerte exakt eine Stunde, in der Gilmour hauptsächlich das neue Material des Albums »Rattle That Lock« präsentierte. Unterstützt wurde er dabei von einer Truppe aus acht Begleitmusikern: Phil Manzanera (Roxy Music, Gitarre), Guy Pratt – immerhin Schwiegersohn des verstorbenen Richard Wright (Bass), Jon Carin (Keyboards, ex-Industry), Kevin McAlea (Keyboards), Stevie DiStanislao (Schlagzeug), Bryan Chambers (Background-Vocals), Theo Travis (Saxofon) und Louise Marshall (Background-Vocals).

Wenn du heute live so nah wie möglich an Pink Floyd heranwillst, musst du zu Konzerten von zwei Künstlern gehen. Der eine ist Gilmour, der andere sein ehemaliger Pink Floyd-Kumpel Roger Waters. Die Bühne griff daher konsequent die elementaren Charakteristika klassischer Pink Floyd-Konzerte auf. Das Bühnenbild war eine riesige runde Leinwand, umgeben von Scheinwerfern im Hintergrund. Nebel, Nebel und überall nur Nebel. Obwohl die neuen Songs im ersten Teil mehr als vielversprechend klangen – was belegt, dass Gilmour ein hervorragendes neues Studioalbum geschaffen hat –, warteten natürlich alle auf die Interpretation der Pink Floyd-Klassiker. Die ersten kamen sehr bald. Wish You Were  Here war als vierter Song an der Reihe, und kurz darauf präsentierte Gilmour nacheinander die Dark Side Of The Moon-Klassiker Money und Us And Them, wobei Jon Carin den Leadgesang in den Strophen für den verstorbenen Richard Wright übernahm. Letzteres hatte Gilmour zuletzt 1994 mit Pink Floyd gespielt. Den ersten Teil schloss das fantastische High Hopes ab, gekrönt von einem außergewöhnlichen Gilmour-Abschluss-Solo auf der Pedal-Steel-Gitarre. Der erste Konzertteil zeigte: vollkommener Perfektionismus ist ein anderer Name für David Gilmour. Die Truppe außergewöhnlicher Musiker schuf eine einzigartige musikalische Kulisse, in der eine Stunde lang Gilmours unverwechselbare, legendäre, leidenschaftlich gefühlvolle Stimme und sein auf Meilen erkennbarer Gitarrensound regierten. Dennoch deutete dieser Teil an, dass die Jahre an Gilmour nicht ganz spurlos vorübergegangen sind. Die hohen Lagen gehorchen seiner Stimme nicht mehr ganz so wie früher. Ebenso erlaubte sich Herr Gilmour ein paar Patzer auf der Gitarre, die unsauber oder gar in inkompatiblen Tönen erklangen. Aber das sind Kleinigkeiten. Die 7000-köpfige Menge verfiel in ein wahres Delirium.

Nach einer zwanzigminütigen Pause setzte die Band die Show fort. Der zweite Teil war noch intensiver – nostalgisch und emotional noch einmal deutlich stärker! Pink Floyd-Klassiker dominierten. Bei einem solchen Event ist das Herauspicken der Highlights immer eine undankbare Angelegenheit, aber schon der Eröffnungsblock setzte die Dinge zurecht. Astronomy Domine lieferte der Gruppe ein dankbares Einstiegs-Warm-up und dem Publikum einen schönen Vorgeschmack auf einen der Konzerthöhepunkte, der sich in der Interpretation des dramatischen Epos Shine On Your Crazy Diamond entlud. Eine außergewöhnliche Darbietung, begleitet von der legendären Projektionskulisse. Kein bisschen weniger exzellent kam Fat Old Sun rüber, das Meister Gilmour in grandiosem Gesang intonierte. Die Geburtsstunde von Pink Floyd! Das muss man wohl nicht extra betonen, oder? In der Setlist hält sich auch der Titeltrack von Gilmours letztem Album »On An Island« glänzend, der den Boden für zwei brandneue Songs bereitete: das in ein kabarettistisch-jazziges Chanson-Gewand gehüllte The Girl In The Yellow Dress, das schon im Intro ankündigt, dass es der echte Außenseiter des neuen Albums »Rattle That Lock« ist, und direkt danach die zweite Single der neuen Scheibe: Today. Die ansteckende Ausstrahlung der neuen Songs, durchdrungen von der einzigartigen Erscheinung Seiner strahlenden Exzellenz David Gilmour, bringt also das, was heute am nächsten an klassische Pink Floyd heranreicht – besonders ab 1987.

Die Rückkehr zu Pink Floyd vollzog sich mit dem wohl besten Track des Albums »A Momentary Lapse Of Reason« (1987) – dem famosen Sorrow –, und die Band schloss den regulären Teil des Auftritts mit dem ersten »The Wall«-Song des gesamten Konzertabends ab. Run Like Hell. In diesem Song bekam auch Phil Manzanera genug Raum, um seine außergewöhnliche gitarristische Klasse zu zeigen! Als sich der Song durch den atmosphärischen Siedepunkt langsam in seinen Abschlussteil entfaltete, tauschten er und Gilmour einige inspirierende Gitarrenduette aus.

Das huronische Geschrei und die riesige Begeisterung wollten einfach nicht abklingen. Die Emotionen kochten buchstäblich bei jeder Gilmour-Bewegung, jeder Passage, jedem Rhythmuswechsel. Das Publikum sang alle Pink Floyd-Songs atemlos mit. Die Konzertatmosphäre war schlicht unbeschreiblich. Man muss sie selbst erlebt haben, alles andere zählt nicht. Die Menschheit hat einfach noch keine Worte erfunden, um sie objektiv zu beschreiben. Sound? Absolute Brillanz! Kein einziger Fehlschuss. Im zweiten Teil blühte die Band noch weiter auf – wegen des Repertoires mit noch mehr Pink Floyd-Klassikern, aber auch wegen der Emotionen und Energie, mit der das Publikum die Band belohnte. Deshalb wirkte der zweite Konzertteil noch intensiver.

Bei der Zugabe gab es weitere Songs von den Alben »Dark Side Of The Moon« und »The Wall«. Den Teil von »Dark Side Of The Moon«, bei dem auf der Bühne Wanduhren vom Himmel regnen, habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht. Time. Wieder dröhnte und donnerte es, das Publikum sang, brüllte, schrie sich die Seele aus dem Leib. Ungezügelt. Die magischen Momente dieser kaum zu beschreibenden Begegnung mit einer Musiklegende näherten sich langsam ihrem Ende. Gilmour überbrückte mit seiner Crew von Time zu Comfortably Numb über eine kurze Breathe Reprise, dann betrat die Band den letzten Akt des Konzerts. Wie bei Run Like Hell durfte Gilmour auch bei Comfortably Numb nicht auf die szenischen Filmausschnitte aus »The Wall« zurückgreifen, die Roger Waters gehören. Aber das spielt letztendlich keine Rolle – vor allem wenn der Song in das zweite Solo überfließt, das das Drama aller Dramen liefert. Es ist eines der schönsten und markantesten Soli nicht nur der gesamten Pink Floyd-Diskografie, sondern der Rockmusik überhaupt.

Was bleibt am Ende zu sagen? Gilmour ist in großem Stil zurückgekehrt. Anderes war nicht zu erwarten. Bei schwindelerregenden Kartenpreisen darf sich der Mann nicht den kleinsten Ausrutscher erlauben, denn sein treues Publikum kann seine Musik und die Musik von Pink Floyd buchstäblich im Schlaf auswendig. Eine Garde außergewöhnlicher Musiker begleitet ihn, und David bleibt in jeder Hinsicht ein musikalisches Unikat, mit dem die ganze Welt die Geschichte von Pink Floyd (nach Pink Floyd) weiterlebt. Die Rückkehr der Musiklegende auf die Bühnen der Welt begeisterte in Pula ganz besonders die vielen – vor allem jüngeren – Besucher, die nie die Möglichkeit hatten, Pink Floyd live zu erleben. Ein unvergessliches und einzigartiges Erlebnis in der Arena Pula. Hoffen wir, dass Gilmour die Konzert-Odyssee auf europäischen Bühnen auch ins Jahr 2016 verlängert. Viele Menschen blieben nämlich ohne Karten und hoffen sehnsüchtig, dass sich ihnen noch irgendeine Chance bietet, ein Konzert von David Gilmour zu sehen und in die einzigartige Welt des zeitlosen Pink Floyd einzutauchen. Die Musik der Generationen lebt also weiter! 

Setlist

1. 5 A.M.
2. Rattle That Lock
3. Faces of Stone
4. Wish You Were Here
5. A Boat Lies Waiting
6. The Blue
7. Money
8. Us and Them
9. In Any Tongue
10. High Hopes
— 20 Min. Pause—
11. Astronomy Domine
12. Shine On You Crazy Diamond (Parts I-V)
13. Fat Old Sun
14. On an Island
15. The Girl in the Yellow Dress
16. Today
17. Sorrow
18. Run Like Hell
—Zugabe—
19. Time
20. Breathe (Reprise)
21. Comfortably Numb

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