Feiern in der Hala Tivoli auf den Schwingen von Toto-Perfektion (2015)

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Autor: Peter Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Hala Tivoli / Slowenien
Konzertdatum: 02.07.2015
Besucherzahl: 5500
Kartenpreis: 54,80€ (Premium Parkett) / 44,50€ (Parkett) / 37,50€ (Tribüne)

Slowenien wurde die besondere Ehre zuteil, dass die amerikanischen Rock-Giganten Toto in der Ljubljaner Hala Tivoli zum allerersten Mal aufgetreten sind — zur großen Freude zahlreicher Musikgenießer, die auf ähnliche Rock-Events der höchsten Güteklasse auf heimischem Boden im Schnitt mindestens ein Jahr warten müssen, wenn nicht länger. Toto befinden sich dieser Tage mitten in einer ambitionierten Europatournee, auf der sie ihr aktuelles Studioalbum »Toto XIV« (2015) präsentieren, das sich zu Recht viele lobende Worte verdient hat. Darauf hatte man fast neun Jahre warten müssen, doch das Warten wurde reich belohnt, denn »Toto XIV« bewegt sich qualitativ auf dem Niveau ihrer besten Werke. Daher gab es keinen Grund, warum die neuen Songs im Konzertrepertoire nicht neben den langjährigen Favoriten an der Spitze mit den ‘volkstümlich gewordenen’ Evergreens »Africa«, »Rosanna« und »Hold the Line« ihren Platz finden sollten — die auch viele kennen, für die Toto ansonsten ein komplettes Fremdwort sind.

Nachdem Guitar-Virtuose und gelegentlicher Hauptsänger Steve Lukather seinen vorzeitigen Ruhestand zurückgenommen hatte — er war der Hauptarchitekt ihrer ‘Auferstehung von den Toten’ im Jahr 2010 — sind Toto tatsächlich zu einem noch größeren Phänomen geworden als zu Zeiten ihrer größten Hits. Die Jahre können ihnen partout nichts anhaben, weder im Studio noch live, während Sänger Joseph Williams, Sohn des berühmten Filmkomponisten John Williams, nach seiner Rückkehr genauso gut singt wie in jungen Jahren — einen passenderen Hauptvokalisten hätte man derzeit wirklich nicht finden können. Den Rest des ‘eisernen’ Toto-Quartetts bilden Keyboarder/Sänger David Paich und Keyboarder/Sänger Steve Porcaro. Letzterer ist nach dem viel zu frühen Tod von Jeff und Mike der letzte verbleibende der Porcaro-Brüder, die in den Achtzigern ein wichtiger Teil der großen Erfolgsgeschichte von Toto waren.

Die aktuelle neunköpfige Toto-Konzertbesetzung wurde an der Bassposition neu verstärkt: Mit ihr kehrte ein alter Bekannter zurück, nämlich Originalbassist David Hungate, den Lukather schon lange vermisst und zurück in die Band holen wollte. Viele Besucher hatten auch zum ersten Mal die Gelegenheit, den neuen Konzertschlagzeuger Shannon Forest ‘in Aktion’ zu erleben. Dieser wird offenbar nicht länger nur ein vorübergehender Ersatz für Keith Carlock bleiben, der vor den Aufnahmen zu »Toto XIV« das langjährige Mitglied, den britischen Schlagzeug-Großmeister Simon Phillips, abgelöst hatte. Die Backgroundgesangs-Aufgaben übernahmen wieder das gemischte Duo Mabvuto Carpenter und Jenny Douglas-Foote, das sich einige Male auch etwas stärker in den Vordergrund spielte. In die Konzertbesetzung kehrte nach wirklich langer Zeit auch der ‘unzerstörbare’ Perkussionist Lenny Castro zurück, der Toto bei Konzerten schon in der Zeit ihrer größten Erfolge begleitet hatte.

Als Vorband hatten Toto exklusiv nur für den Ljubljaner Auftritt unsere beliebte Vokalgruppe Perpetuum Jazzile gewählt, die durch ihr spezielles Arrangement des größten Toto-Hits »Africa« weltweite Aufmerksamkeit und das Lob von David Paich auf sich gezogen hatte. Die aus Sängerinnen und Sängern zusammengesetzte Gruppe enttäuschte ihre Anhänger auch diesmal nicht und bewies, warum sie in den letzten Jahren mit ihrem Schaffen so große Aufmerksamkeit erregt hat. Perpetuum Jazzile hatten sich Toto erstmals 2012 bei einem Auftritt in Majano bei Udine auf der Bühne angeschlossen, wo sie gemeinsam den bereits erwähnten Evergreen aufführten — und gegen Ende des Abends wurde ihnen diese besondere Ehre erneut zuteil.

Nach dem erfolgreichen Auftritt von Perpetuum Jazzile war der große Moment gekommen, auf den das Publikum, das sich an diesem Abend in der Tivoli-Halle in beeindruckend lobenswerter Zahl eingefunden hatte, bereits ziemlich ungeduldig gewartet hatte. Toto eröffneten ihren Auftritt mit einer hervorragenden Wahl: dem episch-treibenden Brecher »Running Out of Time«, dem ersten Song des neuen Albums, der die Stimmung in der Halle schlagartig aufheizte — gefolgt vom unvergesslichen »Toto«-Klassiker (1978) »I’ll Supply the Love«, noch ein Meisterstück mit ähnlich atmosphärischer Ladung und Energie. Von den neuen Stücken machten die Darbietungen von »Burn«, »Great Expectations«, »Holy War« und »Orphan« eine sehr gute Figur und waren an diesem Abend den zahlreichen langjährigen Favoriten absolut ebenbürtig.

Von den Toto-Klassikern war es wieder schön, den »Isolation«-Standard (1984) »Stranger in Town« zu hören, den im Original der verstorbene ehemalige Sänger Fergie Frederiksen gemeinsam mit Songautor David Paich sang. Zu den wenigen, etwas größeren Überraschungen des Abends zählte die Darbietung von »Takin‘ It Back«, einem von nur drei Toto-Songs, bei denen Steve Porcaro die Hauptstimme übernimmt. Das Ljubljaner Publikum ‘explodierte’ erwartungsgemäß am lautstärksten bei den bekanntesten Hits aus der goldenen Ära, angeführt von »I Won’t Hold You Back«, »Hold the Line«, »Pamela« und »Rosanna«. Mit letzterem beendeten Toto den regulären Teil des Auftritts, kehrten aber schnell für eine obligatorische Zugabe zurück — in der sie zunächst eine etwas überraschende Fusion der Songs »On the Run« und »Goodbye Elenore« präsentierten, bevor der große Höhepunkt des Abends folgte: Für »Africa« gesellten sich die Mitglieder von Perpetuum Jazzile im Hintergrund zur Band, erledigten ihre Backgroundgesangs-Mission auf hervorragende Weise, während Paich und Williams für einen gelungenen Wechsel der Hauptvokallinien sorgten — der gegenseitige Triumph war vollständig.

Diesmal kündigte Paich Perpetuum Jazzile zum Glück nicht als kroatische Gruppe an, wie es ihm 2012 beim Auftritt im italienischen Majano passiert war — obwohl sein ‘Guten Abend’ ans Publikum, wohl wegen Davids kroatischer Wurzeln oder auch nicht, eher wie ‘dobro veče’ klang. Ansonsten ist Paich neben ‘Frontmann’ Williams der größte Bühnenunterhalter und ‘Charakter’ unter den Stammmitgliedern der Band — er wechselt gerne den extravaganten Zylinder gegen eine Arbeitermütze, wenn temperamentvollere Stücke auf dem Programm stehen. Lukather war in seinem traditionellen Hawaiihemd mit mystischen Motiven durchgehend bestens aufgelegt und begeisterte besonders mit seinem Gitarrensolo während der »Fahrenheit«-Ballade (1986) »Without Your Love«. Das war aber bei weitem nicht sein einziger feiner solistischer Moment, der alle Liebhaber von Gitarren-Großmeistern von Steves Format in Verzückung versetzt hat.

Die einzige etwas weniger interessante Darbietung des Abends war das Cover des The Jimi Hendrix Experience-Klassikers »Little Wing« — schließlich haben Toto eine riesige Menge exzellentes Eigenmaterial, das mehr Aufmerksamkeit verdient und das diesmal nicht auf der ‘Tagesordnung’ stand. Andererseits war es sehr schön, dass sich die Bandmitglieder vor dieser Cover-Version an ihre verstorbenen Gefährten Jeff und Mike Porcaro sowie Fergie erinnerten — und auch an ihren alten Freund, das kürzlich verstorbene Yes-Mitglied und Bassgitarren-Innovator Chris Squire. Toto werden bald gemeinsam mit Yes auf US-Tournee gehen, weshalb sie Chriss vorzeitiger Tod umso mehr getroffen hat. Als Kuriosität sei noch erwähnt, dass Steve Porcaro 1992 Mitglied von Squires kurzlebiger Band The Chris Squire Experiment war.

Toto’s Debütauftritt in Ljubljana war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg, und jeder Liebhaber erstklassiger musikalischer Ausdruckskunst — ob Rock, Pop oder Jazz —, der dieses einmalige Konzertereignis verpasst hat, kann sich wirklich an den Kopf fassen, denn es ist mehr als fraglich, wann sich die kalifornischen Rock-Legenden wieder in heimischen Gefilden blicken lassen werden. Die Bandmitglieder waren in Topform und gaben ihr Bestes — das war auch zu erwarten, doch jedes Toto-Konzert ist ein einzigartiges und eigenständiges Erlebnis, ganz besonders wenn es auf heimischem Boden stattfindet. Auch die gelungene Bühnenzusammenarbeit mit Perpetuum Jazzile bei »Africa« war eine dieser eigenständigen und selten wiederholbaren Bereicherungen.

Der Sound war für Tivoli-Verhältnisse ungewöhnlich gut, weshalb er diesmal wirklich aufrichtige Glückwünsche verdient. Das Publikum, das sich ansonsten ein Lob für seine allgemein gute Resonanz verdient und unter dem auch Besucher aus dem Ausland nicht fehlten, hätte vielleicht ein kleines bisschen lauter sein können, wenn nicht gerade die bekanntesten Hits an der Reihe waren — aber auch seine Reaktion übertraf alle Erwartungen. Diese waren vor dem Konzert naturgemäß recht niedrig, denn jeder Liebhaber guter Musik, der an die Häufigkeit ähnlicher Konzertereignisse bei uns und die Apathie denkt, die in solchen Fällen gewöhnlich herrscht, kann schon lange kein Optimist mehr sein. Doch nach solchen einmaligen Konzertnächten voller positiver Energie — diesmal gestaltet von Toto in Bestlaune — vergisst man diese Unannehmlichkeiten für eine Weile einfach.

Setlist

1. Running Out of Time
2. I’ll Supply the Love
3. Burn
4. Stranger in Town
5. I Won’t Hold You Back
6. Hold the Line
7. Takin‘ It Back
8. Never Enough
9. Pamela
10. Great Expectations
11. Without Your Love
12. Little Wing (The Jimi Hendrix Experience cover)
13. Holy War
14. The Road Goes On
15. Orphan
16. Rosanna
—Zugabe—
17. On the Run / Goodbye Elenore
18. Africa

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