Wütend-thrasherisches Beben am ersten Juni im Orto bar! (2015)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Ort: Orto bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 01.06.2015
Besucherzahl: 120
Kartenpreis: 20,00€ (im Vorverkauf) / 23,00€ (an der Abendkasse)

Flotsam And Jetsam, die unermüdlichen und unerschütterlichen Reiter der alten Thrash- und Speed-Metal-Schule, zu Hause im US-Bundesstaat Arizona, gelten heute als große Veteranen, als Pioniere der ersten Stunde und natürlich als Kultname!  Und jetzt sind sie hier, mitten in Ljubljana. Ein Konzertbesuch, den man sich nicht entgehen lassen darf! Eigentlich sogar eine Pflichtveranstaltung!

Den Abend wärmten die belgischen Thrash-Metal-Hoffnungen Bliksem aus Antwerpen auf – oder vielmehr: brachten ihn zum Glühen –, die bereits 2011 beim Metalcamp Festival aufgetreten waren. Blendend flackerte es in den Räumlichkeiten des Orto bar auf, als der Blitz einschlug (»Bliksem« bedeutet auf Niederländisch nämlich »Blitz«) und eine erstklassige Thrash-Metal-Party auf die Beine stellte, gebraut nach der abgewetzten alten Schule des alteuropäischen Kontinents der teutonischen Kreator, Vendetta, Paradox, oder der dänischen  Invocator und Artillery. Bei der außerordentlichen Eingespieltheit und überzeugenden Darbietung des Materials, mit dem Bliksem ihr Debütalbum »Face the Evil (2013) vorstellten, stach vor allem Sängerin Peggy Meeussen hervor. Sie hat in der Kehle eine echte Motorsäge, die in ihrer wütenden Bissigkeit dem Auftritt eine unheilvolle Konnotation von Verderben und wahnsinniger Thrash-Metal-Blasphemie verlieh. Eine Band, die live nicht enttäuscht – und ein angenehmer Einstieg in den Auftritt der amerikanischen Thrash-Metal-Legenden!

Flotsam And Jetsam stießen auf einen unglücklichen Termin und eine unglückliche Uhrzeit (lies: Montagabend), überraschten jedoch mit einer erfreulich guten Besucherzahl. Ein stattliches »Stück« Publikum war auch aus dem benachbarten Kroatien angereist. In den vorderen Reihen sammelten sich wahrhaft echte Fans und Kenner der Band, die aus vollem Hals brüllten und erst recht berauscht die Mähnen schüttelten, als die Band den Raum mit einer außergewöhnlichen Setliste durchlüftete. Wer nämlich diesmal zu Flotsam And Jetsam gekommen war, konnte die besten Momente ihrer beneidenswerten Karriere noch einmal erleben, angefangen tief in den Achtzigern.

Die Band hatte in der ersten Hälfte einige technische Probleme mit dem Sound. Vor allem von vorne waren die Gitarren nicht deutlich genug zu hören, da Schlagzeug und Basslinien im Klangbild-Mix etwas zu sehr hervorstachen. Doch bis zum phänomenalen Dreams of Death hatte sich das erledigt. Flotsam And Jetsam lieferten ein ausgezeichnetes Konzert ab. Kilometerstand, Erfahrung, alle Fertigkeiten sprichwörtlich im kleinen Finger der linken Hand. Alles war genau da, wo es sein musste. Nichts zu viel, nichts zu wenig. Das Quintett ist hervorragend auf der Bühne eingespielt. Der Veteran der Truppe, der blonde  Michael Gilbert ganz rechts, und die junge aufstrebende Verstärkung, also Gitarrist Steve Conley ganz links , demonstrierten außerordentliche Koordination, auch in den Momenten, wenn sie sich bei der Ausführung anspruchsvollerer Improvisationsduette abwechselten, also bei mehreren geteilten Soli. Der hartgesottene Bassist Michael Spencer und hinter ihm der Neuankömmling Jason Bittner, der in der zweiten Dezemberhälfte 2014 als Ersatz für den originalen Kelly Smith zur Truppe gestoßen war, hielten durch das gesamte Konzert eine feste und lebhafte Rhythmuslinie aufrecht, voller überschäumender Spielfreude und phänomenaler Kontraste zum Gitarrenspiel. Ausführung vom Allerfeinsten! Auf keinen Fall darf man aber am eigentlich einzigen Originalmitglied der heutigen Flotsam And Jetsam vorbeigehen. Das ist der Veteran unter den amerikanischen Thrash/Speed-Metal-Sängern, Eric A. ‚A.K.‘ Knutson, der für sein Alter und seinen beneidenswerten Erfahrungsschatz eine unglaubliche Geschmeidigkeit an den Tag legte und souverän auch den anspruchsvollsten Gesangslinien trotzte, die einen Krafttransfer von den mittleren in die höheren und höchsten Lagen erfordern. »A.K.« erwies sich an diesem Abend auch als äußerst unterhaltsamer Redner, der durchgehend fleißig für eine prächtige Stimmung unter dem aufgepeitschten Metal-Publikum sorgte.

Den Leuten wurde ganz schwindelig vor lauter »Orgasmen«, denn die Band widmete mehr als zwei Drittel des Repertoires den kultigen ersten beiden Studioalben »Doomsday For The Deceiver« und »No Place For Disgrace, und der Auftritt selbst lief – gerade wegen des retro-nostalgischen Charakters des Repertoires voller fruchtbarer Riffs der amerikanischen Old-School-Speed- und Thrash-Metal-Pioniere – wie im Handumdrehen.

Ein Konzertauftritt, den alle rechtgläubigen Verfechter der alten Thrash-Metal-Schule bis ans Lebensende beweinen können, falls sie ihn zufällig übersehen und verpasst haben sollten. Nachholtermine gibt es natürlich – die Band bewies nämlich außerordentlichen Zusammenhalt und hervorragende Energie und bewahrt damit eine außergewöhnliche Vitalität und Schwung, was eine ermutigende Aussicht für die nahe Zukunft ist! Allerdings bleibt die Frage, wie lange sie noch eine so ausgezeichnete Setliste beibehalten werden, wie wir sie beim Auftritt von Flotsam And Jetsam im Orto bar erleben durften. 

Setliste

  1. No Place for Disgrace
  2. Desecrator
  3. She Took an Axe 
  4. Suffer the Masses 
  5. Gitty Up
  6. Dreams of Death 
  7. Hammerhead
  8. Iron Tears
  9. I Live You Die 
  10. Escape from Within 
  11. Me
  12. Der Führer 
  13. Smoked Out 
  14. Hard on You 
  15. Doomsday for the Deceiver
    —Zugabe—
  16. Swatting At Flies 
  17. P.A.A.B.

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