Wenn sich psychedelischer Rock und Trance vereinen – Ozric Tentacles im TrainStation Squat (2015)

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Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Kranj / Transtation Squat / Slowenien
Konzertdatum: 02.05.2015
Besucherzahl: 120
Kartenpreis: 10,00€

Die englische Band Ozric Tentacles hat seit ihrer Gründung 1983 nicht aufgehört. In dieser Zeit hat Bandleader Ed Wynne eine enorme Anzahl an Mitgliedern ausgetauscht, und es wurden auch über 20 Studioalben veröffentlicht. Ozric Tentacles, kurz auch Ozrics genannt, haben sich in ihrer Karriere nie nach Trends gerichtet. Ihre Einflüsse reichen in die Siebziger zurück, als Progressive Rock, Psychedelic Rock und Space Rock aufblühten. Doch die eigene Formel haben Ozric Tentacles durch den Einsatz von Elektronik erweitert, die heute das Markenzeichen der Band ist.

Ganze 11 Jahre hat es gedauert, bis die Band nach Slowenien zurückgekehrt ist. Zuletzt haben sie auf der Metelkova in Ljubljana 2004 begeistert, als die Band das Album Spyrals In Hyperspace promotete. Damals spielte bereits Bassistin Brandi Wynne in der Band, die bis heute dabei ist. Diese Tour diente auch dazu, das neue Album Technicians of the Sacred zu promoten, das in Kürze erscheinen wird.

Auch diesmal ging es nicht ohne Vorband. Im noch leeren Saal begann der israelische DJ Mantis Mash aufzuwärmen, der seit einigen Jahren mit der Band befreundet ist und auch schon zuvor vor ihnen gespielt hat. Obwohl es auch ähnliche Bands wie Ozric Tentacles gibt (z.B. Hidria Spacefolk, Quantum Fantay), setzt die Band lieber auf DJs, die auf anderen Elektroveranstaltungen aktiv sind. Vielsagend ist wohl auch, dass man die Ozrics selbst eher auf einem Trance-Festival antrifft als auf einem Rockfestival.

Ozric Tentacles traten ziemlich spät auf die Bühne, doch das Publikum nahm sie schon beim ersten Song sehr gut an. Die Band tritt jetzt als Quintett auf, da der zusätzliche Perkussionist Paul Hankin mitspielt, der die Rhythmik der Band noch mehr hervorheben soll. Allerdings war Hankin eher ein untergeordneter Faktor. Im Vordergrund stand das älteste Mitglied Ed Wynne, der für Gitarre und Keyboards zuständig war. Wynne legte auf der Gitarre mehr Wert aufs Solieren – das klang laut und gelegentlich schon quietschend. Die Soli wurden größtenteils mit einem Wah-Wah-Pedal unterstützt. Die Band wirkte auf der Bühne entspannt, die aktuelle Besetzung ist mehr als gut eingespielt. Für die Keyboards war neben Ed noch Silas Wynne zuständig, Eds Sohn, der zusammen mit Ed eine unbeschreibliche Atmosphäre und eine Reise durch alle möglichen abgefahrenen Sounds schuf. Die Rhythmussektion, für die Bassistin Brandi Wynne, Eds Frau, und Schlagzeuger Balázs Szende sorgten, war markant und präzise. Um die Konzertatmosphäre noch ausdrucksvoller zu gestalten, wurden durchgehend verschiedene Projektionen gezeigt, die die Albumcover hervorhoben.

In gut zwei Stunden haben die Ozrics  eine schöne Anzahl von Songs aneinandergereiht, die irgendwie ihre lange Karriere zusammenfassten. Es wurden auch Songs von den frühen Alben gespielt, als Samples noch keine so wichtige Rolle spielten wie später. Dabei zeigte Ed Wynne, dass er in der Lage ist, einfallsreiche Riffs zu kreieren. Natürlich wurden auch Songs vom kommenden Album Technicians of the Sacred präsentiert, die vor allem beweisen, dass die Ozrics nicht nachlassen. Die präsentierten Neuheiten bieten allerdings nichts wirklich Neues. Neben den Neuheiten spielte die Band einige ihrer Dauerbrenner. Gestartet wurde bereits mit dem Opener Jurassic Shift, der in Sploosh und Sniffing Dog überging. Die Band vergaß auch nicht auf neuere Songs von Alben wie Paper Monkeys und Yumyum Tree. Doch alte Fans kamen mit Songs wie Xingu, Coily, Eternal Wheel und dem abschließenden The Throbbe besser auf ihre Kosten. Natürlich fehlte auch der ein oder andere bekannte Song, aber bei einer so umfangreichen Diskografie ist es schwer, so etwas wie eine Best-of-Auswahl der eigenen Karriere zu treffen.

Was die zwei gespielten Neuheiten betrifft, hat die Band die Unvorhersehbarkeit beibehalten – es gibt rhythmische Wendungen, Tempowechsel, und alles ist voll mit psychedelischen Einlagen und allerlei Samples, die aus elektronischeren Genres schöpfen. Besonders auffällig dabei ist der Psytrance, der das Eigenwillige von Ozric Tentacles auf ein höheres und vielleicht sogar etwas komplexeres Niveau gehoben hat. Vor allem muss man betonen, dass die Ozrics durch die Integration von Elektronik nicht nach dem Muster klischeehafter Elektrokünstler funktionieren, die einen Beat endlos in die Länge ziehen. Mit einem Gespür für die Songstruktur und rhythmischen Wendungen machen die Ozrics das elektronische (Sub-)Genre noch sehr interessant.

Es gab allerdings auch einige Schwächen zu beobachten. Silas Wynne deutete sein Spiel gelegentlich nur mit den Fingern in der Luft an, als würde er eine Taste drücken, um ein Sample hinzuzufügen. Leider übernahm das Playback bestimmte Segmente in den Songs einfach, was trotz des interessanten Auftritts nicht ganz überzeugend wirkt. Der zusätzliche Perkussionist Paul Hankin war schlecht abgemischt, seine Einlagen waren kaum zu hören. Hier stellte sich auch die Frage, ob Hankin überhaupt nötig ist. Sicher, er ist ein fähiger Perkussionist, aber der Sound wirkte mit ihm nicht wirklich ausgereifter. Das war früher ausgeprägter, als noch Flötist John Egan mit der Band spielte – der allerdings seit 10 Jahren nicht mehr dabei ist.  

Was die Band zweifellos zusammengehalten hat, war Schlagzeuger Balázs Szende, der das lange Repertoire präzise durchgespielt hat. Überhaupt muss man zugeben, dass das Live-Schlagzeug der Band eine gewisse Originalität und Authentizität verleiht, die inmitten der ganzen Elektronik der Musik eine gewisse Stabilität gibt.

Ozric Tentacles haben abgesehen von einigen Ansagen kaum mit dem Publikum kommuniziert. Die Band setzt eher darauf, dass sich die Besucher ganz der Musik hingeben sollen. Und zweifellos ist den Ozrics das auch gelungen. Ozric Tentacles haben mit ihrem langen Programm verzaubert, auch wenn die Band nicht mehr auf dem Leistungsgipfel von vor über einem Jahrzehnt steht. Am Ende muss man einfach zugeben, dass die Ozrics nach drei Jahrzehnten immer noch einzigartig und sehenswert sind.

Setliste

1. Jurassic Shift
2.  Sploosh!
3.  Sniffing Dog
4.  Changa Masala
5.  Og-Ha-Be
6.  Sultana Detrii
7.  Mooncalf
8.  Xingu
9.  Lost in the Sky
10. Zenlike Creature
11. The Sacred Turf
12. Coily
13. Eternal Wheel
—Zugabe—
14. The Throbbe

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