Šinobusi – serbische Botschafter des edelsten Wandelns durch die goldene Ära des Siebziger-Rocks im Loški pub (2015)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Škofja Loka / Loški Pub / Slowenien
Konzertdatum: 10.04.2015
Besucherzahl: 60
Kartenpreis: 0,00€ (freier Eintritt!)

Šinobusi, in der Besetzung Milan Korać (Gesang, Gitarre), Nenad Patković (Gitarre, Gesang, Hintergrundgesang), Stefan Stefanović »Gile« (Mundharmonika), Predrag Dmitrović (Bass) und Đorđe Bubnjević (Schlagzeug), machten sich um den Übergang von der ersten in die zweite Dekade des diesjährigen Aprils auf eine Mini-Tournee durch Slowenien auf. Die Band, die in ihrer Karriere auf unserem Boden in den letzten Jahren über 40 Auftritte absolviert hat, bewahrt eine außergewöhnliche Frische, Schwung, Energie, Leidenschaft und Feuer. Die Band mit Domizil im vojvodinischen Novi Sad spielte damit hintereinander drei Konzerte, und zwar in Novo mesto (Lokalpatriot), Škofja Loka (Loški pub) und Koper (Snack bar). Der günstigste Termin, um im konzertreichen April auf ihr Konzert zu springen, war also der in Škofja Loka. In der Ecke von Škofja Loka bietet derzeit nur der Loški pub regelmäßige Rock’n’Roll-Abende. Rdeča Ostriga ist leider klinisch tot.

Die Band begann das Konzert sehr spät. Fast um elf Uhr abends. Vor Ort hatte sich ein stattliches Aufgebot an Jugendlichen versammelt, was überraschend war. Oder auch nicht, angesichts des ausgedünnten Nachtlebens von Škofja Loka – der Loški pub ist eine der wenigen Zufluchtsstätten, wohin Jugendliche freitags zum Feiern gehen können. Die etwas Älteren, etwas Reiferen genossen das Ganze aus sicherer Distanz, für ordentlich Wirbel im Raum sorgten aber auf jeden Fall die Dorforiginale, die alkoholisch vollbetankt direkt vor der Bühne echte Mini-Delirien erlebten.  Wie auch immer – alle hatten was zu sehen und zu hören.

Die Band teilte den Auftritt in zwei getrennte Teile. Damit mehr Getränke verkauft werden. Ein Move, der bei Wirten immer besser zieht und zur immer häufigeren Vorgehensweise bei der Konzertorganisation wird. Wie auch immer. Offensichtlich gilt: Je kleiner der Club, desto verbissener gehen Šinobusi ans Material heran. Wieder spielten sie mit voller Kraft und geballtem Schwung! In der ersten Konzerthälfte schüttelten die Jungs ihr Eigenmaterial durch, das auf vier veröffentlichten Alben festgehalten ist, und bauten zwei Cover ein:  If I Had Possession Over Judgement Day  von Robert Johnson sowie eine progressive Version des Rolling Stones-Stücks Miss You, die The Rolling Stones unbedingt hören müssten. Wie man Rolling Stones-Musik so umarrangiert, dass sie auch für verwöhnte Musikgourmets interessant wird? Nix leichter als das. Fragt Šinobuse nach dem Rezept.

Die Jungs entfalten auf der Bühne ein außerordentliches musikalisches Geflecht und Bindegewebe. Das feine Gespür für die Atmosphäre-Gradation in  den Songs steckt ihnen im kleinen Finger der linken Hand, und  das  bringen sie im Glanz vollkommener gegenseitiger Wahrnehmung zum Ausdruck. Die Jungs haben so viel zusammen gespielt, haben so viele Kilometer auf dem Buckel, dass sie angesichts der Unmenge an motivischen Wendungen, die vollgestopft mit Improvisations-Einlagen sind, das Gefühl erwecken, als würden sie völlig spontan vorgehen. Wie sich die Dinge entwickeln werden, liegt dabei stets in der Luft. Den Löwenanteil davon erledigen also die Soli, die stets in brillanter Kontemplation des gegenseitigen Kreuzfeuers miteinander koexistieren. Nie sind auch nur zwei davon gleich. Es passiert immer wieder, dass Nenad dem Inhalt der Stücke irgendeinen neuen Schnörkel hinzufügt. Der entfesselte Gile an der Mundharmonika war an diesem Abend nicht ganz so »heiß«, wie er es sonst sein kann. Dafür hat er in letzter Zeit an seinem Bühnen-Image gearbeitet und ist inzwischen zum Hausglamour-Boy der Šinobusi aufgestiegen.  Milans ungemein tiefe Poesie, die der Mann so einfühlsam und erlebt vorträgt, bleibt ein eigenes Kapitel in der Geschichte der Šinobusi. Mit Nenad tauscht er nicht nur Gitarrensoli aus – in der zweiten Konzerthälfte übernahm Nenad auch immer mehr den Lead-Gesang. Über die rhythmische Kinetik braucht man keine Worte zu verlieren. In jedem Augenblick  trifft sie genau den richtigen Punkt. Jeder Schlag, jedes rhythmische Fundament. Das ist auf jeden Fall eine eigenwillige Welt von fünf Musikern, die enormen Zusatzraum entfalten, in dem sie mit größtem Genuss und Leidenschaft eine Menge solistische Einlagen und brillante Ornamente aus sich herauslocken. Darin ist Nenad ein echter Meister. Die musikalische Wahrnehmung dieses filigranfein abgestimmten Musikers zu bewundern, kann dem Zuhörer eine ganz besondere Ehre und große Freude sein.  Auf diese Weise schafft sich die Gruppe einen dauerhaft freigeistigen Spielraum, sodass sie beim Spielen der Songs einfach nicht müde werden kann. Das ist auch die Hauptattraktion ihrer Konzerte. Der Hauch des Überraschenden!  

In der zweiten Hälfte lichtete sich das Publikum noch weiter aus, die »Perlen der Straßen von Škofja Loka« – zwei Rüpel, die schrankenlos die Sau rausließen und sich direkt vor der Bühne im Kreis drehten, trieben die letzten Mädels nach Hause und verdarben die schönen Aussichten im Raum ein wenig, sorgten aber andererseits wenigstens für einen Hauch reaktiven Feedbacks seitens des lässigen Publikums, das sich immer mehr an der Theke zusammendrängte. Es war schon spät.  Die Band ließ nicht an Intensität nach. Sie gab sich hin und holte das Beste aus sich heraus, was sie kann und vermag. Von Anfang bis Ende. Zum Abschluss spielten Šinobusi den brandneuen Song Preko polja, pa u brda und kündigten damit neues Material für ein neues Studioalbum an.

Interessant ist, dass bei keinem der letzten Konzerte Vertreter des Labels Dallas Records anwesend waren, das das Album »Nebo do skaja« (2013) veröffentlicht hat. Schon im vergangenen Jahr habe ich sie nicht mehr gesehen, als RockLine im Ljubljanaer Ethno-Club Zlati zob auftauchte. Klar ist auch, dass Šinobusi ihre Auftritte in Slowenien völlig eigenständig organisiert haben. Glaube und Einsatz überwinden alles – auch wenn man dort keine Verbündeten hat, wo man sie haben sollte. Šinobusi bleiben ein leuchtendes Beispiel für Bruderschaft und großen Kameradschaftsgeist, der sie zusammenhält und antreibt. Ihr hervorragendes Spiel, die unglaubliche Entspanntheit und Leichtigkeit bei der Ausführung stellenweise anspruchsvoller musikalischer Figuren packt einen direkt und vollständig. Es saugt dich im Nu in ihre Welt hinein. Leider findet die Mehrheit der slowenischen Blues- und Rock-Creme, die sich ständig in denselben Kreisen auf einigen Ljubljanaer Bühnen dreht, keine Zeit, keinen Willen und kein Interesse daran, zu einem einzigen Konzert der Šinobusi zu gehen und sich von den großen Meistern des retroklanglichen, progressiv bluesrockigen Erbes zu überzeugen – wo man alles von The Allman Brothers Band (im Loški pub spielten sie Whiping Post) bis hin zu Wishbone Ash hört. Mit einem einzigen Wort ist die Bezeichnung »vollkommene Magie« bei weitem nicht genug, um die ungeahnte Qualität, die hinter dem Namen und der Essenz der Gruppe steckt, auf den Punkt zu bringen. Hoffen wir, dass wir Šinobuse bald wieder auf den Bühnen erwischen! 

Setlist

1. Moje ruke sad su ptice
2. Mirna Bačka
3. In the Bottle
4. Kada svrake bulje u mene
5. Potera
6. If I Had Possession Over Judgement Day 
7. U pravcu jablanova  
8. Going Down
9. Greed
10. Skačem visoko
11. Miss You
12. Čamac na Tisi
13. Ja moram da te vidom što pre
14. Prašina
—Pause 20 Minuten —
15. Iz drugog ugla
16. Naš dan
17. Taxman
18. Diggin‘ a Hole
19. Bio sam tu
20. Ko zna
21. Born Under A Bad Sign
22. Sympathy Fot The Devil
23. Bluz novog dana
24. Got My Mojo Working
25. Tobacco Road
26. Super bejbe
27. Whiping Post
28. You Look Like Rain
29. Preko polja, pa u brda  

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