Dem Radio feindlich gesinnte Elvis Jackson füllten das Kino Šiška (2015)
Autor: Primož Novak
Ort: Kino Šiška / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 25.03.2015
Eintrittspreis: 10€/15€/18€
Sechs Jahre sind in der Regel eine ziemlich lange Zeit für ein neues Album. In dieser Zeitspanne kann eine Band auch in Vergessenheit geraten, doch auf Elvis Jackson trifft das nicht zu. Die Band hat nämlich im Rahmen der Promo-Tour für das Album Against The Gravity (2009) fleißig Konzerte gespielt und war praktisch überall präsent, sogar auf Studenten-Partys. Letztes Jahr hat die Gruppe mit der EP Window darauf aufmerksam gemacht, dass sie noch immer aktiv ist, und dieses Jahr hat sie schließlich mit dem neuen Album Radio Unfriendly zugeschlagen.
Für die Albumpremiere entschied sich die Band, die Präsentation des neuen Werks direkt in Ljubljana, im Kino Šiška, zu veranstalten. Auch diesmal war ohne Vorgruppen kein Auskommen. Für die erste Aufwärmrunde sorgte DJ Jamirko, mehr Publikum sammelten dann die Kočevjer Sell Out ein, die mit ihren spritzigen Ska/Reggae/Punk-Rhythmen das Publikum prima auf die Hauptband einstimmten. Bei Sell Out standen gleich 8 Mitglieder auf der Bühne, davon drei an den Blechbläsern. Man sah der Gruppe an, dass sie ihren Auftritt genießt. Auf der großen Bühne des Kino Šiška fand jedes Bandmitglied seinen Platz, sodass das Gefühl des Gedränges gar nicht erst aufkam. Sell Out sind wegen ihrer Positivität und Spritzigkeit zweifellos einen Blick wert, auch wenn bewährte Muster deutlich spürbar sind.
Gute halbe Stunde später war die Bühne bereit für das primorsko-štajerische Gespann Elvis Jackson, das gleich mit dem neuen Hit Any Place To Go vom frischen Album Radio Unfriendly loslegt. Die Band zeigte zunächst ihre wilde Seite mit schnellen Punk-Rock-Songs, die auch Hardcore- und Metal-Elemente enthalten. Das Album Radio Unfriendly kehrt nämlich zu den Wurzeln zurück, als die Band Ska/Reggae-Elemente noch nicht so stark in den Vordergrund stellte, sondern schnelle Punk-Rock-Nummern das Bild prägten. Im Repertoire fanden sich aber schnell auch ruhigere Songs, sodass das Publikum in den vorderen Reihen kurz durchatmen konnte. Neben der Präsentation des neuen Albums vergaßen Elvis Jackson natürlich nicht auf Hits wie This Time, Not Here To Pray, Get Up, Hawaiian Club und Smoke the Herb.
Man sah deutlich, dass sich EJ ernsthaft auf den Auftritt vorbereitet hatten. Die Eingespieltheit der Band ist zweifellos auf höchstem Niveau. Auch die Energie der Gruppe ist schlicht außergewöhnlich. Und das Alter macht offensichtlich keine Probleme. Sänger Buda springt über die Bühne und schlägt Purzelbäume, als wäre er noch ein Teenager. Ähnlich wie Buda ist auch Gitarrist Berto ein Energiebündel, das keine Sekunde stillhalten kann. Neben seinem einfallsreichen Spiel liefert er auch Backgroundvocals. Viel Aufmerksamkeit bekam auch Schlagzeuger Soki, der mit seinem präzisen Spiel schon vor Jahren bewiesen hat, dass er zur absoluten Spitzenklasse gehört — und sein Spiel hat EJ insgesamt auf ein höheres Level gehoben, das ist mehr als offensichtlich. Bassist Slavc wirkte auch diesmal ruhig, doch seine Linien stützten Bertos Parts wunderbar und ergaben ein stimmiges Ganzes.
Bei EJ war schnell zu spüren, dass die Band eine enorme Kilometerzahl hinter sich hat. Das zeigte sich nicht nur in der Eingespieltheit, sondern auch in der Kommunikation und darin, wie sie das Publikum zum Mitsingen und Ausrasten animierten. Buda sorgte unter anderem auch für Stagediver. Damit das „Schwimmen“ komfortabler wird, ließ er auch aufblasbare Kissen herbeischaffen. Beim Konzert von Elvis Jackson wird’s jedenfalls garantiert nicht langweilig. Mit allen erdenklichen Streichen sorgte die Band dafür, dass das Konzert nicht zieht und wie im Flug vergeht. Über die Songauswahl gibt es auch nicht viel zu meckern, einzig der eine oder andere ältere Song fehlte.
Elvis Jackson sieht man die Jahre nicht an. Die Jungs stecken noch immer voller Energie, Positivität und Überraschungen. Die Albumpremiere der Gruppe war bei guter Beleuchtung und solidem Sound ein waschechtes Spektakel. Unterm Strich lohnt es sich, Elvis Jackson nach all den Jahren immer noch anzuschauen.
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