Elektronischer Art-Rausch mit Lamb im CUK Kino Šiška! (2015)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Kino Šiška / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 03.03.2015
Besucherzahl: 500
Kartenpreis: 18,00€ (Vorverkauf) / 22,00€ (Tageskasse)
Das renommierte britische Trip-Hop-Duo Lamb hat sich nun zum zweiten Mal in unseren Gefilden blicken lassen. Diesmal zur Präsentation ihres neuen, insgesamt sechsten Studioalbums »Backspace Unwind«. Schon beim ersten Auftritt im Dezember 2011 bog sich die Halle vor hervorragendem Andrang, diesmal war der Besuch zwar nicht ganz so zahlreich, dennoch sehr gut besucht. Lamb erfreut sich offensichtlich auf unserem Boden starker Unterstützung bei Fans der »binären« Musik, und Lamb bleibt eine feste und eklektische Entität erstklassigen Trip-Hops, der gerne Ausflüge in Drum-’n‘-Bass- und Dub-Gewässer unternimmt – die Jazz-Splitter dabei keinesfalls zu überhören. Trip-Hop ist in den letzten Jahren zwar aus dem kommerziellen Fokus verschwunden, doch hat er in seinen heißesten Zeiten einige eklektische Bands hervorgebracht, die mit ihrer Vision eine besondere musikalische Richtung definierten und innerhalb dieser Richtung eine unverwechselbare Handschrift entwickelten. Die Briten dürfen sich mit Bands wie Massive Attack, Portishead und natürlich Lamb ganz besonders rühmen.
Für die Eröffnungs-Aufwärmung sorgte Bowrain, hinter dem der Name des heimischen DIY-Zauberers Tine Grgurevič steckt. Er ist in Personalunion Komponist, Keyboarder und natürlich Produzent. Auf der Bühne gesellte sich zu ihm mit seinem Set aus Keyboards und Samplern auch Mario Babojelič, ein erfahrener Gitarrist, der auch zur Besetzung des Projekts The Puzzled – des Bassisten Syaed von Katalena – gehört. Doppelte Nord-Keyboards, mit Knöpfen zum Samplen bestückte Festungen und ein Schuss in die Klangkulisse des Synthesizer-Sounds der Achtziger. Äußerst musikalische motivische Übergänge vollkommenen Schwebens auf den Synthesizer-Decken geschmackvoller Elektronik, die ein beständiges »zerebrales« Erlebnis des Reisens in einer Parallelwelt erzeugte, wo das Gefühl für Zeit und Raum verschwindet. Gegen Ende färbte Babojelič einige Klangbilder auch mithilfe einer durch den Synthesizer geführten Gitarre ein, und ihren Teil trug auch Sängerin Lili Kongo bei, die mit ihrer eigentümlichen Klangfarbe einen düsteren Alter-Schleier einbrachte und im Übrigen mit einem Soul/R&B-Etikett beeindruckte. Bowrain, mit dem Album »Far Out« im Gepäck, ist ein Künstler, auf den man künftig ein Auge haben sollte. Eine überaus passende Wahl für die Eröffnungs-Aufwärmung vor dem Auftritt von Lamb.
Eine schön abgerundete Stunde und dreiviertel Show, lieferten Lou Rhodes und Andy Barlow – unterstützt vom Konzertmitstreiter Jon Thorne – auf schlicht magische Weise. Erwartungsgemäß stand das neueste Studiowerk »Backspace Unwind« im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, doch aus dem Repertoire fielen keineswegs die repräsentativsten Momente der durchaus beneidenswerten Bandkarriere heraus – einschließlich der erwarteten Hits Gabriel und im Zugabenteil Górecki. Andy, der viele einprägsame Klangbilder mit trivialem Minimalismus der Bewegungen (Sampler, Modulatoren) entließ, widmete der ständigen Anfeuerung des Publikums viel Aufmerksamkeit, was stets wirkte, denn das Publikum ließ sich in vollem Maße auf die Klangstrukturen und die Magie ein, die das Duo erschuf. Dabei setzte er sich auch mehrmals ans elektrische Klavier. Bassist Jon Thorne erwies sich zudem als der Mann, der mit dem E-Cello einzelne musikalische Collagen mehrfach kontrastierte, sodass die Musik im Raum noch mehr Tiefe und atmosphärische Ansteckungskraft gewann. Den Großteil der Ovationen wie auch der Aufmerksamkeit erntete jedoch die außergewöhnliche Lou Rhodes. Die Dame beeindruckte mit ihrer sanften Sinnlichkeit und Zerbrechlichkeit, mitunter einem geradezu jungfräulich-engelhaften Gesang, der mit einer Dosis Emotion besonders in den ruhigen Momenten besonders intensiv wirkte.
Die Stimmungslagen und die Reaktion des Publikums erreichten während der Konzertvorstellung ein dynamisches Auf und Ab. Dafür sorgte ein Repertoire voller Sprünge zwischen dem Entfachen stärkerer tanzbarer rhythmischer Kinetik – gestützt auch durch mehr effektbeladenen Klang-Krimskrams (Gitarren-Einfärbung) –, wo sich die Vocals gleichzeitig in musikalische Diktate ergossen und die Band auf kraftvollere Sampling-Inhalte zusteuerte, sodass sich bei den Experimenten bisweilen das sonst kompakte Bindegewebe einzelner Stücke lockerte, im nächsten Augenblick aber der klangrhythmische Orkan wieder verebbte und ihn die Erfahrung zarter und wohlklingender Klangbilder ablöste, in denen vor allem die faszinierende Lou an der zart-minimalistischen E-Piano-Kulisse regierte. Kurzum: eine dynamische und aufwühlende Vorstellung einer der interessantesten und meistgeschätzten Bands des engen Genrefeldes, die dank des außergewöhnlichen kreativen Raums, den die Klangmanipulation in der elektronischen Musik bietet, mit süßem Schock wirksam verzaubert. Auch beim zweiten Besuch der slowenischen Hauptstadt hat das Duo Lamb also voll gestrahlt.
Setlist
1. In Binary
2. We Fall in Love
3. Butterfly Effect
4. Little Things
5. As Satellites Go By
6. Backspace Unwind
7. Strong The Root
8. Nobody Else
9. What Makes Us Human
10. Gabriel
11. B-Line
12. God Bless
13. Seven Sails
—Zugabe—
14. What Sound
15. Górecki
16. Trans Fatty Acid
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