Gebrüll mitten in der Bluesiana mit Tygers Of Pan Tang (2015)

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Autor: Peter Podbrežnik, Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Velden am Wörthersee / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Datum des Konzerts: 01.03.2015
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 30,00€

Das Bluesiana Rock Cafe, der legendäre österreichische Club in Velden am Wörthersee bei Klagenfurt, hat nach einer mehrmonatigen Pause wieder seine Türen geöffnet! Zum Glück. Die Gefühle waren intensiv, als wir wieder die Schwelle unseres quasi heimischen Veranstaltungsorts überschreiten und das vor Lebensfreude und positiven Vibes nur so strahlende Gesicht der herzlichen Club-Chefin Gudrin Kofler erblicken konnten! Die Bluesiana ist nach ihren Worten quasi schon gerettet – und ja! Es wird wieder Konzerte geben!

Dieser Konzertabend war ganz auf den Spuren der zweiten Metal-Generation ausgerichtet, sprich den Schöpfern der berüchtigten NWOBHM-Bewegung. Im Club traten nämlich, nach 27 Jahren Bandgeschichte, die immer noch kickenden Tygers of Pan Tang auf – in Begleitung von zwei Vorgruppen. Als erste sprangen die Glam-Rocker Sandness aus der Stadt Rovereto auf die Bühne, die nordöstlich des Gardasees in Italien liegt (irgendwo auf halbem Weg zwischen Verona und Mailand). Die drei potenten Hengste präsentierten in einer halben Stunde ihr Studio-Debüt “Like an Addiction” (2013) und hinterließen einen sehr ermutigenden Eindruck. Die Jungs zünden eindeutig auf den skandinavischen New Wave des Revivalismus, wobei sich gleichzeitig die Einflüsse von Mötley Crűe nicht verleugnen lassen. Bühnenschmachterei inklusive also. Vorbildliche Eingespieltheit, Selbstbewusstsein, Hingabe bei der Performance. Sie bringen keine Revolution mit, aber jede Menge Herzblut. Eine Band, die einen randvollen Sack Eröffnungsunterhaltung geliefert hat!

Als zweite betraten Sixty Miles Ahead die Bühne, zu Hause in Mailand. Das ist ein Quintett, das ebenfalls ein Studioalbum in der Tasche hat, nämlich das vorletzte Jahr veröffentlichte “Millions of Burning Flames”. Dieses Quintett besitzt mehr greifbare eigene Substanz und baut an seinem eigenen Sound und Stil. Es ist tiefer gestimmt, und in der Atmosphäre breitet sich ein dichter Schleier aus Dunkelheit aus. Die traditionellen Errungenschaften von Hard Rock und Metal werden mit modernen Ansätzen von Bands wie Black Stone Cherry und Alter Bridge kombiniert, Soli gibt es kaum, der oft durchdringende Gesang zielt meist auf mittlere Lagen ab. Souverän und überzeugend. Gespielt, wie es sich gehört!

In den Bauch des kleinen, aber zum Glück immer noch robusten österreichischen Musikclubs Bluesiana sind also Tygers Of Pan Tang einmarschiert – kultische Vertreter der New Wave of British Heavy Metal, die ihre schönsten Zeiten Anfang der Achtziger erlebten, während sie heute leider allzu oft vergessen sind, außer unter aktiven Verfolgern und Kennern der bereits erwähnten Metal-Musikbewegung. Tygers Of Pan Tang haben es trotz guter Aussichten nie zu einem kommerziellen Durchbruch geschafft und sich nie in die Liga der großen Namen vorgekämpft, wie es Iron Maiden und Saxon gelungen ist. Nach drei kultischen Alben – dem respektablen Debüt »Wild Cat« (1980), dem Karrierehöhepunkt »Spellbound« und dem sehr soliden »Crazy Nights« (beide erschienen 1981, auf beiden spielte der legendäre Gitarrist John Sykes (ex-Whitesnake, Thin Lizzy)) – kam das kommerziell ausgerichtete »The Cage« (1982), worauf eine rasche künstlerische Stagnation und der Zerfall folgten.

Zum Glück haben sich Tygers Of Pan Tang im Jahr 1999 von den Toten erhoben, und seitdem haben sie wieder einige interessante Alben veröffentlicht, von denen manche sogar auf dem Niveau ihrer besten Errungenschaften aus der ersten Hälfte der Achtziger liegen – sodass sie heutzutage nach wie vor voller Energie und künstlerischen Schwungs sind, was man auch bei Liveauftritten sieht. Von den Originalmitgliedern der Gruppe ist bis heute nur noch Gitarrist Robb Weir übrig, der 1983 enttäuscht (vorübergehend) das Handtuch warf und erst 1999 bei der Wiedervereinigung zurückkehrte, während der zweite Gitarrist Micky Crystal und Bassist Gav Gray erst seit 2013 in der Band sind. Die Besetzung hat sich damit seit dem (immer noch) aktuellsten Studioalbum »Ambush« (2012), von dem an diesem Abend ebenfalls einige Songs gespielt wurden, leicht verändert – doch durch diese Wechsel haben Tygers Of Pan Tang als Kollektiv nur gewonnen, was ganz besonders für den virtuosen Crystal gilt, der in so mancher Gitarendisziplin mehr als versiert ist, sodass alle Liebhaber von Hardrock-Gitarrenhelden seinen Auftritt in vollen Zügen genießen konnten.

Der ausgezeichnete Sänger Jacopo Meille und Schlagzeuger Craig Ellis sind seit mehr als zehn Jahren Mitglieder der Tygers Of Pan Tang und haben sich in dieser Zeit mehr als genug Erfahrung angeeignet, um die alten Songs so zu spielen, wie es sich gehört – wobei nach dem Auftritt in der Bluesiana besonders Meilles etwas raue, aber mächtige und gleichzeitig leidenschaftliche Stimme hervorzuheben ist, die hervorragend zum musikalischen Stil dieser kultischen Metal-Gruppe passt. Die Tiger aus Pan Tang eröffneten ihren Auftritt mit voller Kraft und spielten »Gangland«, den Eröffnungssong des Albums »Spellbound«, worauf das nicht minder energetische »Take It« folgte, bei dem das zwar spärlich vertretene Publikum bereits aktiv mitsang und anfeuerte. Vom aktuellen Album »Ambush«, das im Bühnenhintergrund auch durch das großartige Cover mit dem Säbel-Tiger präsentiert wurde, spielten sie unter anderem »She«, das in nichts hinter dem älteren Material zurückblieb, das sie live nahezu hundertprozentig umsetzen.

Ein Fan in der ersten Reihe konnte alle Texte der „Tiger aus Pan Tang“ auswendig mitsingen, was schlicht unglaublich, aber wahr war – sodass er auch vom Sänger Meille ein besonderes Lob erhielt. Letzterer fragte das Publikum, ob sie damit einverstanden seien, dass die Band an diesem Abend einige mehr Songs vom Album »Crazy Nights« spiele, zumal sie kürzlich ein Album mit einigen seltenen, bisher unveröffentlichten Songs aus der Aufnahmephase dieser Platte herausgebracht hatten. Auf diese Frage erhielt Meille eine begeisterte, zustimmende Antwort. Die eigenwillige Tygers of Pan Tang-Mischung aus Hard Rock und Heavy Metal bekam so erneut Flügel durch die »Crazy Nights«-Energiekatalysatoren wie »Raised On Rock«, »Love Don’t Stay«, »Never Satisfied« und »Do It Good« an diesem Abend.

Vom Album »The Cage«, das bereits erste Zeichen des „Systemzerfalls“ zeigte, aber immer noch einige interessante Songs enthielt, konnten wir glänzende Versionen von »Rendezvous« und »Paris By Air« genießen. Der Auftritt näherte sich langsam seinem Ende, als die Zeit für drei Klassiker vom Debütalbum »Wild Cat« gekommen war: »Don’t Touch Me There«, »Insanity« und »Suzie Smiled«, bei denen das Publikum aktiv die Refrains mitsang. Den Höhepunkt des regulären Teils bildete die Darbietung des beliebten »Spellbound«-Evergreens »Hellbound«, den Anfang der Neunziger der nächsten Metal-Generation durch eine Coverversion die amerikanische Metal-Band Helstar etwas näherbrachte.

In der Zugabe vergnügten sich Tygers Of Pan Tang zunächst mit dem »Ambush«-Song »Keeping Me Alive«, bei dem sich der Sänger der gastierenden italienischen Vorgruppe zu Meille ans Mikrofon gesellte – was zumindest teilweise ein gelungenes Experiment war, das sowohl der Unterhaltung des Publikums diente als auch dazu, dass das älteste Bandmitglied, sprich Weir, eine kurze Pause vom Gitarrenspiel machen und sich unters Publikum mischen konnte. Zum Finale spielten die NWOBHM-Größen dann noch den »The Cage«-Minihit »Love Potion No. 9«, bekanntlich ein Cover der „antiken“ Gruppe The Coasters, der ein letztes Mal an diesem Abend die Herzen des kleinen, aber treuen Publikums erwärmte.

Tygers Of Pan Tang zeigten sich in ihrem knapp anderthalb Stunden langen Auftritt mitten in der Bluesiana in bravouröser Form und bestätigten mit ihrem kompromisslosen Ansatz aus der unvergesslichen NWOBHM-Schule, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Manche könnten einwenden, dass der Konzertauftritt an diesem Abend etwas zu kurz ausgefallen sei – doch angesichts des „altschulischen“ Musikstils der Gruppe war das genau die richtige Länge. Schade, dass sie nach all den Jahren einfach nicht zu mehr Bekanntheit gelangen, denn sie würden sicher öfter auf verschiedenen Konzertbühnen auftauchen, wenn sie mehr Einladungen bekämen – aber heutzutage denkt kaum jemand noch an sie.

Aleš Podbrežnik Text zu: Sandness & Sixty Miles Ahead
Peter Podbrežnik Text zu: Tygers of Pan Tang 

Setliste

TYGERS OF PAN TANG:
1. Gangland
2. Take It
3. Rock Candy
4. Rendezvous
5. Raised on Rock
6. Love Don’t Stay
7. Never Satisfied
8. Do It Good
9. She
10. Paris by Air
11. Rock and Roll Man
12. Euthanasia
13. Don’t Stop By
14. Don’t Touch Me There
15. Insanity
16. Suzie Smiled
17. Hellbound
—Zugabe—
18. Keeping Me Alive
19. Love Potion No. 9

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