Noctiferia präsentieren Pax auch in Ljubljana! (2015)
Autor: Rok Klemše
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Datum des Konzerts: 22.01.2015
Besucherzahl: 600
Kartenpreis: 0,00€ (freier Eintritt!)
Noctiferia hat das kürzlich erschienene fünfte Studioalbum Pax bereits ausgiebig quer durch Europa vorgestellt, und das Album erhält hervorragende Reaktionen sowohl von der Kritik als auch vom Publikum. Nach vielen slowenischen und ausländischen Bühnen hat Pax Noctiferia schließlich auch in die Heimatstadt Ljubljana gebracht, in das Kino Šiška, wo die Veteranen der heimischen Metalszene einen großartigen Abend unter dem Motto Metal für Metal veranstalteten – ein Abend mit drei Bands in einem erstklassigen Saal, und das völlig kostenlos! Und weil Pax eine gesellschaftlich äußerst kritische Platte ist, hat der Große Bruder uns auch bis heute die Veröffentlichung der folgenden Zeilen verwehrt (heh).
Vor einem bereits schön gefüllten Saal betraten als Erste Morywa (ex-Hanged Alice) die Bühne und donnerten los mit dem, was sie selbst als progressive djenty death metal bezeichnen. Und die Jungs überraschten angenehm mit abwechslungsreichen, zerstörerischen Eigenkompositionen, in denen sie geschickt Einflüsse von Bands wie Sepultura, Meshuggah, Decapitated, Gojira und Fear Factory vermischen. Die Einflüsse sind klar und deutlich, aber nie so stark, dass Morywa wie ein Epigone wirken würde. Mit guter Energie und einem selbstbewussten Auftritt, vor allem aber mit der orkanartigen Wucht der achtsaitigen Gitarren, dem Dröhnen fett groovendes Riffs und zerhackter Rhythmen überzeugten sie das versammelte Publikum mühelos, das vorne drin sogar ein paar kleinere Moshpits hinlegte. Morywa ist, gemessen an dem was man da gehört und gesehen hat, definitiv eine Band, die man im Auge behalten sollte.
In musikalisch vollgepacktere Gewässer steuerten im weiteren Verlauf die einzigen ausländischen Gäste des Abends, die österreichischen Rest In Fear, die leider nur die Tatsache bestätigten, dass in der österreichischen Metalszene nicht viel Raum für eigenständigen und unverwechselbaren musikalischen Ausdruck besteht. Wie viele andere sind auch Rest In Fear bloß ein generischer Klon moderner melodischer Death-Metal-Bands mit Soilwork und In Flames an der Spitze. Vor allem Letztere stellen für Rest In Fear eine offensichtliche Inspiration dar – inklusive billiger Melodiebögen und softem, weinerlichem Gesang. Dem Auftritt von Rest In Fear selbst lässt sich freilich nichts vorwerfen, er war ordentlich abgeliefert, die Energie auf der Bühne stimmte, und Sänger Bo gab trotz Krankheit alles.
Der Saal füllte sich kurz vor zehn bis in den letzten Winkel, und aus den Boxen donnerte bald das Intro der neuen, aktuellen Platte der heimischen Veteranen Noctiferia, Pax. Hinter die Drums setzte sich bei der Projektion totalitärer Parolen und Anweisungen Matjaž, dem sich kurz darauf Uroš anschloss und… puff! Der Große Bruder drehte dem gesellschaftskritischen Noctiferia den Strom ab. Ein Ameisenhaufen aus Technikern und Bandmitgliedern versuchte das technische Problem zu beheben, aber auch der zweite Anlauf ging ins Wasser. Nun, beim dritten Mal klappte es dann doch, und Noctiferia röhrten im Stil der Besten eine außergewöhnliche Präsentation des neuen Albums von A bis Z durch. Pax klingt live noch besser, vor allem lauter und organischer, sodass seine Botschaft noch stärker zum (lauten) Ausdruck kommt. Die Darbietung auf höchstem Niveau, in erster Linie durch außergewöhnliche Eingespieltheit und entspannte Bühnenpräsenz, ergänzten Noctiferia diesmal durch fantastische Projektionen und ein noch besseres Lichtspiel, das Pax noch tiefer ins Großhirn eingebrannt hat. Ein Konzert, das locker auch einen höheren Kartenpreis wert wäre – geschweige denn umsonst. Im Sinne des Gedankens hinter dem Projekt Metal für Metal rufen wir dazu auf: Unterstützt Noctiferia und unterstützt die slowenische Metalszene, damit sie uns noch mehr solcher Veranstaltungen bieten kann!
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