Die Kugel dreht durch (schon wieder) in Zagreb! (2014)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Ort: Vintage Industrial bar / Zagreb / Kroatien
Konzertdatum: 19.11.2014
Besucherzahl: 500
Kartenpreis: 50,00HRK

Madball, die bekanntesten und berüchtigtsten Vertreter der NYHC-Szene, haben mit ihrem achten Studioalbum in der Tasche — passenderweise betitelt mit »Hardcore Lives« — die kroatische Hauptstadt zum zweiten Mal in Folge erobert. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr haben wir sie auch in Nova Gorica (in der Mostovna) erwischt. Dieses Jahr haben die Jungs, die in unserem südlichen Nachbarland offensichtlich schon richtig heimisch geworden sind, im Vintage Industrial Bar haltgemacht — einem Club, der vor zwei Jahren seinen Betrieb so richtig aufgenommen hat.

Madball holten auf ihrer Tour diesmal die bulgarischen Hardcore-Jungs Last Hope aus Sofia mit. Die haben schon eine ordentliche Geschichte hinter sich, sind seit 1995 dabei und gelten als eines der dominantesten Namen des Genres auf dem Balkan. Bereits um neun Uhr kletterten die Locals Upset auf die Bühne, die aus Zabok kommen — irgendwo auf halbem Weg zwischen Krapina und Zaprešić. Das erfahrene Quintett lieferte ein starkes Erlebnis ab. Eine ausgefeilte Performance, viel Zusammenspiel und eine Menge Biss. In gut einer halben Stunde intensivem Bühnen-Workout machten Upset klar, dass sie in ihrem Eigenmaterial das Beste aus dem NYHC-Erbe herausholen — allen voran mit den großen Vorbildern Madball an der Spitze, für die sie den Abend eröffneten. Als Band stießen sie allerdings auf wenig Interesse seitens der Besucher, von denen sich zu dem Zeitpunkt noch viele außerhalb der Clubhalle aufhielten — obwohl die Band mit ihrer tadellosen Bühnenpräsenz, dem hervorragenden, rohen und aggressiven Sound, den die klassischen Gitarren- und Bassmarken erzeugten, bewiesen hat, dass sie problemlos die gesamte aktuelle Madball-Tour eröffnen könnten. Wer dieses Genre mag, muss sich Upset unbedingt anschauen. Bei nächster Gelegenheit.

Das zeigte sich auch beim Konzert von Last Hope. Obwohl die Bulgaren verdammt erfahren sind und in ihrer bisherigen Karriere ordentlich Kilometer gemacht haben, konnte man sich einfach nicht des Gefühls erwehren, dass Upset ihnen die Show gestohlen hatten. Last Hope, die ähnlich viel Zeit — gut eine halbe Stunde — in den Händen hielten wie zuvor Upset, kamen mit einem deutlich stärker ins Metal-Terrain neigenden Sound, was das Riffing entsprechend knirschiger und verwachsener klingen ließ. Die Band lockte zwar etwas mehr Leute ins Geschehen, brachte die Köpfe direkt vor der Bühne zum Nicken, hinterließ aber keinen tieferen Eindruck — es geht ums Nachahmen abgenutzter alter Formeln, die ihre Vorbilder längst geprägt haben. Im Abschluss schmetterten sie den bekanntesten Song ihrer Karriere, F.P. (Fuck Police), und weckten damit den Vintage Industrial Bar auf. Das Publikum strömte nach vorne, und Last Hope ernteten ganz am Ende eine ordentlichere Reaktion. Das ist wirklich der Song, der aus ihrem Repertoire heraussticht! Ein engagierter, ambitionierter, mitreißender Auftritt mit einem irgendwie vorhersehbaren Verlauf — dazu jede Menge vergossener Schweiß, was natürlich zählt!

Kurz vor elf Uhr abends verdunkelte sich die Bühne, und durch ein Intro traten Madball auf. Der Raum füllte sich bis in den letzten Winkel. Das Quartett hält seit 2011 eine eingespielten Besetzung, angeführt vom unermüdlichen Frontmann Freddy Cricien, flankiert von der kaum weniger ikonischen Figur des Bands — dem »unersetzlich« charismatischen, breitschultrigen Bassisten Jorge Guerri — sowie Gitarrist Bryan Daniels und Schlagzeuger Mike Justian. Vom ersten Takt bis zum letzten Riff bescherte die Band dem Publikum in einer Stunde und zehn Minuten oldschool handgemachten Madball-Shows eine ungezügelte Hochoktankanonade an Energie. Freddy boxte und kickte wieder die gesamte Bühnenstimmung durch, während die wild gewordenen Fans unermüdlich auf die Bühne kletterten und von den Monitoren zurück ins Meer riesiger Wellen des aufgewühlten Publikums peitschten! Die Clubhalle erinnerte schon bald an einen rasenden Hornissenschwarm. Ein guter Teil der Leute musste im Vorraum bleiben, wo sich die Hauptbar befindet, weil die Schwelle zur Clubhalle schlicht unüberquerbar war! Die Band lieferte an diesem Abend nicht ihren besten Sound. Die Gitarrenriffs klangen gedämpft, und auch Freddys Tagesverfassung stimmlich hatte schon bessere Zeiten gesehen.

Das Repertoire bestand zu einem Viertel aus dem neuen Album. Die Songs davon verteilte Madball so, dass davon tatsächlich mehr im zweiten Teil des Konzerts gespielt wurden. Die Band sorgte allerdings schon zu Beginn für den Siedepunkt und eine echte Höllenszene, als kurz nach der Eröffnung das uralt-klassische Set It Off vom gleichnamigen Studioerstling erklang, direkt gefolgt von Smell the Bacon und Get Out aus der EP »Droppin‘ Many Suckers«. Das ließ das Gefühl aufkommen, dass der Auftritt vor allem im zweiten Teil von Minute zu Minute etwas an Intensität verlor. Im theatralischen Abschluss voller Emotionen und Leidenschaft vergaßen die Band erwartungsgemäß nicht, sich vor ihren Vätern Agnostic Front zu verneigen, indem sie deren It’s My Life spielten. Mit dem Klassiker Pride schoss die Temperatur wieder heftig in die Höhe, und zum Finale hatte die Band die letzten drei Konzertminuten für noch einen neuen Song aufgespart — ein klares Bekenntnis zur persönlichen Begeisterung über den Inhalt des aktuellen Werks »Hardcore Lives«.

An eruptiver Energie fehlte es nicht — befeuert und mitgeprägt vor allem durch die heftigen Reaktionen des völlig ausgeflippten und wild gewordenen Publikums — und über die Show sowie das Gesamtergebnis des Abends, der ganz dem Wiederaufleben des echt-ursprünglichen Erbes der NYHC-Szene gewidmet war, hat sich wirklich niemand beschwert! Auch wenn diesmal zum perfekten HC-Zauber noch das letzte Tüpfelchen auf dem »i« fehlte.

Setliste

1. Intro
2. Hardcore Lives
3. Smell the Bacon
4. Set It Off
5. Get Out
6. DNA
7. Can’t Stop, Won’t Stop
8. Hold It Down
9. Infiltrate the System
10. Never Had It
11. The Beast
12. Spit on Your Grave
13. Born Strong
14. Down by Law
15. 100%
16. Look My Way
17. Heavenhell
18. Doc Marten Stomp
19. It’s My Life
20. Pride (Times Are Changing)
21. Hardcore Still Lives

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