PRH 1.4. 3. Tag: Kein Hindernis für die erhobene Faust

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Ort: Tolmin
Konzertdatum: 13.08.2014

Die ausdauerndsten Festivalbesucher zeigten bereits deutliche Erschöpfungserscheinungen – na ja, was hättest du nach drei Tagen intensiver Punk-Rock-Therapie und grenzenlosem Saufen auch anderes erwartet? Die veganen Stände gaben ihr Bestes, um die mitgenommenen Gäste wieder aufzupäppeln, während die indische Küche als brennend-scharfer Ersatz für Kaffee oder grünen Tee herhalten musste. Natürlich fanden sich auch ein paar Exemplare, die dem Motto „Ein Keil treibt den anderen aus“ huldigten und ihre Trinkabenteuer einfach weiterführten. Wer noch genügend Vitalität in petto hatte, schloss sich Real Life Version auf der Beach Stage an.

Von Anfang bis Ende bombardierte das Trio aus Ajdovščina, Real Life Version, die ersten Reihen der Beach Stage mit einer elektrisch aufgeladenen 45-Minuten-Show. Das Set aus überwiegend neueren Songs hinterließ einen ausgezeichneten Eindruck beim Publikum, das die Band nach jedem einzelnen Song mit lautem Klatschen und Applaus bedachte. Die technisch makellose Darbietung wurde von einem bunten, dynamischen Bühnengeschehen begleitet: Bei Sincerely Yours surfte der Bassist auf den Händen der ersten Reihen mitten im Moshpit und schwang dabei ohne Pause seinen Bass. Die starke Leistung und die aufrichtige Bühnendynamik von Real Life Version hätten definitiv einen Platz auf der Hauptbühne verdient.

Den Titel eines der größten Phänomene und Überraschungen des Festivals verdienen sich Raised Fist, die nach den eher schwächeren Skate-Punk-Auftritten auf der Hauptbühne standen. Das schwedische Hardcore-Quartett trieb die ersten Reihen schon in der ersten Konzertminute mit seinem ohnehin massiven und überraschend klaren Sound in den Moshpit. Die rhythmische Präzision von Modin und Johansson hielt das gesamte Geschehen fest am Boden. Noch nach dem Ende der Songs hallte Alleys Gesang über das Gelände und vermischte sich mit den Schreien des Publikums. An der technischen Ausführung gab es absolut nichts auszusetzen: Alleys Bewegungen und Sprünge deckten sich punktgenau mit der rhythmisch-melodischen Matrix im Hintergrund. Eine perfekte Verzahnung von Hardcore-Punk, der schon an die Grenzen von Grind und Doom heranreicht. Noch größere Wirkung entfaltete die Interaktion mit dem Publikum, aus dem bei Friends & Traitors Fans auf die Bühne sprangen und gemeinsam mit Alley sangen. Einige nutzten ihre Gesangskünste und tauchten gleich darauf im Meer der Hände unter, andere wiederum dehnten ihre „Ruhm-Minuten“ etwas zu sehr aus. Die volle Energie einer Band wie Raised Fist lässt sich kaum spüren, solange sich immer wieder Einzelne finden, die den anderen unter der Bühne den Spaß verderben. Dieses „Phänomen“ wiederholte sich hartnäckig durch das gesamte Festival, und nach dem NOFX-Vorfall wurden die Sicherheitsdienste beim Räumen der Bühne von Stagedivern vorsichtiger. Stagediving ist ein Luxus, den keine andere slowenische Location bieten kann – und den es deshalb zu respektieren gilt.

Wenn Raised Fist das Publikum aufgewühlt hatten, nutzten Reel Big Fish das voll und ganz aus. Die gut aufgelegten Performer in bunten Farben und Hawaii-Klamotten sind das genaue Gegenteil zur schwedischen Hardcore-Agonie. Lockerheit war das Markenzeichen von Reel Big Fish, begleitet von allerlei Witzen und „Animations“-Methoden zur Unterhaltung des Publikums, das ungeduldig auf ihren großen Trumpf wartete. Das Set bestand aus Songs mit den typischen Ska-Punk-Rock-Wechseln, wie z. B. I Want Your Girlfirend To Be My Girlfirend, Everyone Else Is An Asshole oder Hiding In My Headphones, auf den das Publikum mit lautem Mitsingen von Strophen und Refrain reagierte. Neben eigenem Material boten Reel Big Fish auch Coverversionen von Brown Eyed Girl und schließlich Take On Me, bei dem ausnahmslos alle Anwesenden im höchsten Teil des Refrains einstimmten. Eines der Highlights des Konzerts war der Auftritt von Kat aus Demon Smiles, die Barrett auf der Bühne als Vocal-Support bei She Has A Girlfriend Now unterstützte. Das etwas matschige Klangbild drängte den Gesang der Sängerin in den Hintergrund und ließ ihn bei schrägen Tönen gelegentlich abrutschen. Das Publikum unter der Bühne störte das natürlich herzlich wenig; es wollte einzig und allein im Rhythmus der synkopierten Ska-Melodien tanzen. Reel Big Fish servierten dem Publikum außerdem Beer, wobei die Darbietung eher durchschnittlich als herausragend ausfiel. Vor der letzten Strophe webten Reel Big Fish die erste Strophe und den Refrain von Self-Esteem der Offspring ein, worauf das Publikum komplett ausrastete und aus vollem Hals mitbrüllte. Den Abend beschlossen Reel Big Fish mit dem bereits erwähnten Take On Me, bei dem sich eine Schar unermüdlicher Stagediver wieder auf der Bühne zur Band gesellte und bis zum Ende Schulter an Schulter mitschaukelte.

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