Metaldays 2014 (dritter Tag) – im Zeichen der sieben Kirchen und Augen des Schreckens!

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Autor: Rok Klemše, Aleš Podbrežnik, Sebastijan Videc
Fotos: Nina Grad, Sebastijan Videc
Video: Sebastijan Videc

Ort: Tolmin / Sotočje / Slowenien
Konzertdatum: 23.07.2014
Besucherzahl: 12.000

Am Mittwoch hatte das Wetter endlich ein Einsehen mit uns, weshalb die Abkühlung am Sotočje mit kaltem Bier in der Hand und mitten im Topless-Badminton-Publikum mehr als angebracht war. Die ideale Lösung für den Nachschub an kaltem Bier war heuer auch das Mercator-Zelt direkt auf dem Festivalgelände. Als die Neuigkeit bekannt wurde, sorgte sie für einige Kontroversen, aber die Idee erwies sich als ausgezeichnet und wird sich künftig, falls sie beibehalten wird, sicher noch weiterentwickeln und ausbauen. Auch das Angebot am Strand erweiterte sich mit einem Smoothie-Stand, für Veganer war wieder bestens gesorgt – nicht nur mit einem Kiosk am Strand, sondern auch mit indischem Essen, dem gegenüber an der kleinen Bühne dieses Jahr noch ein mexikanischer Stand Gesellschaft leistete.

Zwischen den beiden betrat als Erstes am Mittwoch die heimische Cordura die zweite Bühne – die Band hatte sich ihren Platz beim Festival durch einen Sieg bei der Facebook-Abstimmung erkämpft. Cordura traten auch bei der offiziellen Warmup-Party im Orto bar auf, wo sie mit technischen Problemen zu kämpfen hatten, die sich leider auch dieses Mal wiederholten. Den Großteil des Konzerts spielten die Jungs erneut ohne zweite Gitarre, schafften es aber trotzdem, den roten Faden bis zum Ende zu halten. Der technische Death/Thrash Metal, den Cordura spielen, ist definitiv keine leichte Kost, aber den Jungs gelang es, die Aufmerksamkeit des Publikums zu halten. Auch wenn ihnen noch eine Menge Erfahrung fehlt, zeichnen Cordura Timos aufgedrehtes Solospiel aus, dazu eine lebhafte und abwechslungsreiche Rhythmussektion sowie Nejcs immer stärker werdender Gesang, der sich sowohl im Growl als auch im Klargesang gut behauptet.

Die Ehre, das Geschehen auf der Hauptbühne des dritten Festivaltags zu eröffnen, gebührte den slowenischen Power-Metal-Hengsten Space Unicorn On Fire. Respekt, dass sie sich durch fleißigen Ticketverkauf einen Auftritt auf der Hauptbühne erkämpft haben. Die Jungs, die letztes Jahr bereits im Rahmen des Metaldays Festivals auf der kleinen Bühne aufgetreten waren, hätten mit dem neuen Auftritt eigentlich eine Steigerung ihrer Bühnenpräsenz liefern sollen, die sie im Vorjahr in einem vielversprechenden Licht gezeigt hatte. Doch dieses Mal hat sie die gigantische Bühnenstruktur buchstäblich verschluckt. Sie fanden sich damit nicht wirklich zurecht, auch wenn wir ihnen das von Herzen gegönnt hätten. Das zeigte sich im holprigen Zusammenspiel der Band auf der Bühne, vor allem beim Singen der Vokalharmonien, die ständig leicht nach links und rechts von der Grundmelodie abwichen. Eine beachtliche Anzahl Neugieriger hatte sich vor der Bühne versammelt, und die Band hatte wirklich eine schöne Gelegenheit, sich mit vollem Schwung der kleinen Welt zu präsentieren und neue Sympathien zu gewinnen. Das Element der Leichtigkeit, das sie irgendwie ständig in ihre Auftritte einbauen, kam überhaupt nicht zur Geltung. Es wirkte eher hinderlich als hilfreich. Trotz der enormen musikalischen Talente  der einzelnen Bandmitglieder war also beim Auftritt keine echte Bühnenchemie zu spüren.  Schade. Wir glauben, dass es beim nächsten Mal besser wird.  Einfach noch etwas mehr Übung und Bühnenerfahrung auf dem Konto verbuchen.

Wie man eine wirklich leichte Note oder eine Note Sarkasmus mit dem Auslachen seiner selbst serviert, das konnten Space Unicorn of Fire hautnah erleben, als nach ihnen eine Schar Gartenzwerge – pardon, brummender Zottelköpfe namens Valient Thorr – die Bühne übernahm. Den Eindruck eines Gartenzwergs erweckte dabei eigentlich nur der Sänger, wegen seiner knallroten „Tanz“-Knöchelschuhe, die er über enganliegenden schwarzen Leggins trug und damit dem theatralischen Gebaren der Gruppe nur noch weiteres Öl ins Feuer goss. Natürlich ist die gesamte abgedrehte Orgie, für die der schelmische Sänger mit Herumrennen auf der Bühne, Hinwerfen auf die Knie und Klopfen auf den üppigen Bierbauch zuständig war, in vollem Umfang gerechtfertigt. Valient Thorr sind nämlich die richtige Adresse für eine erstaunlich greifbare Aufführungs-Messe echten Rock’n’Roll-Trubels, ordentlich dosiert mit einer guten Portion punkiger Dreckigkeit.  Die Band schloss ihren viel zu kurzen Auftritt voller herrlicher Rock’n’Roll-Lausbübereien mit Tough Customer ab – einer Rock’n’Roll-Schnaps-Nummer, die zu Beginn an die Strophe des AC/DC-Klassikers Dirty Deeds Done Dirt Cheap erinnert. Mit dem Blick direkt in die brennende Sonne lieferten Valient Thorr einen der Höhepunkte des dritten Festivaltages – so viel Energie haben sie mit ihrer Show erzeugt. Eine Show, die einen Sack voll herzlicher Begeisterung über den genialen Humor dieser vollkommen durchgeknallten amerikanischen »Hinterwäldler« hervorzaubert.

Auch im weiteren Verlauf des Mittwochs war die Bühne in slowenischen Farben gehalten, denn nach monatelanger Konzertpause kehrten die Helden des heimischen Heavy Metal Black Diamond auf die Bühne zurück, die noch immer hoch auf den Schwingen ihres phänomenalen Debüts Last Man Standing fliegen, das von Kritikern wie Fans gleichermaßen gefeiert wurde. Black Diamond präsentierten sich dieses Mal in leicht erneuerter Besetzung: Hinter den Drums ersetzte der erfahrene Marko »Soki« Soršak (Elvis Jackson) Klemen Markelj, am Bass Primož Pavlin Urban Medič. Aufgrund der ziemlich knapp bemessenen Zeit (na ja, auch wegen der episch langen Songs natürlich) spielten die Jungs nur vier Nummern – dem Trio vom Debüt fügten sie auch die neue Single Endless Road hinzu. Die relative Konzertpause macht sich bei den Jungs bemerkbar – es gab einige Patzer und Verspieler (vor allem bei den ohnehin äußerst komplexen Gitarrenriff-Verflechtungen und Soli) –, aber Black Diamond wogen die Schwächen mit Žakos atemberaubendem Gesang auf, der live mindestens genauso strahlt wie auf dem Album, und eine außergewöhnliche Schlagzeugvorstellung lieferte Soki, der die Drumparts der Band in kürzester Wirkungszeit bereits vollständig verinnerlicht hat. Bei den epischen Refrains hatte die Band keine großen Mühe, das Publikum mitzureißen, und beim abschließenden Dreams of Tomorrow stellten sich vor allem bei den fantastischen Refrains die Nackenhaare von selbst auf. Jungs, wir brauchen mehr von euren Konzerten – und hoffentlich bedeutet Endless Road die Ankündigung eines neuen Albums!

Die legendären dänischen Thrasher Artillery fanden sich früh auf der Bühne wieder. Na ja, beim letztjährigen Bang You Head Festival im deutschen Balingen traten sie sozusagen kurz nach zehn Uhr morgens auf. Also eine Lehrstunde der skandinavischen Veteranen des Euro-Thrash-Metal, deren Zügel nach wie vor fest in den Händen der Brüder und Gitarristen Morten und Michael Stützer liegen. Am Bass hält sich in der Truppe nach wie vor Peter Thorslund, der der Band bereits 1989 beitrat, als Morten vom Bass zur Gitarre wechselte. Die Besetzung vervollständigen die jüngeren Mitglieder, nämlich Schlagzeuger Joshua Madsen und Sänger Michael Bastholm Dahl, der sich nach einigen Rochaden bei der Suche nach dem richtigen Frontmann für Artillery schließlich als der richtige Mann erwiesen hat. Das hat Michael auch in Tolmin mit einer hervorragenden Darbietung bestätigt! Das neue Album mit dem Titel »Legions« erschien letzten November, und die Band servierte der Menge mitten im (ohoho!!!!) immer noch sonnigen Wetter die Titelnummer, anschließend Chill My Bones (Burn My Flesh) sowie God Feather. Natürlich kamen Feinschmecker im weiteren Verlauf der fantastischen 50-minütigen Darbietung auf ihre Kosten, als die Band einige klassische Projektile aus ihrem handfesten Diskografie-Erbe abfeuerte! Danach genossen wir das scharfe, kompromisslose Maschinengewehrfeuer, als die Band mit 10.000 Devils, By Inheritance, When Death Comes, Khomaniac und The Challenge durchrasste und den Auftritt (irgendwie erwartungsgemäß) mit den berüchtigten Schrapnellen Terror Squad und The Almighty abschloss. Giftig und verheerend! Artillery bleibt auch in reifen Jahren eine wahnsinnige Bestie, gierig nach Blut!

»Thrash lässt sich nicht aufhalten« sagen unsere Veteranen Sarcasm, und wie recht sie haben! Nach den verrückten Dänen Artillery haben nämlich die amerikanischen Havok die kleine Bühne in Staub verwandelt – während ihres Auftritts vor einem knallvollen Publikum wollten die Mosh- und Circle Pits einfach kein Ende nehmen, und die Security verdiente sich mit unzähligen Crowd Surfern ihren Lohn mehr als redlich. Die Amerikaner verursachten ihrem Namen alle Ehre machend echte Thrash-Verwüstung, als sie gnadenlos durch die zerstörerischen Thrash-Hymnen D.O.A., Covering Fire, Unnatural Selection, Give Me Liberty… Or Give Me Death, Point of No Return und Time Is Up rasten. Dank des hervorragenden Sounds schnitten die Gitarren wie Hubschrauberrotorblätter, die lebhafte Rhythmussektion röhrte wie ein Düsentriebwerk, und der Gesang von David Sanchez knurrte wie von Sinnen. Auch wenn das Thrash-»Revival« praktisch tot sein mag, gibt eine Band wie Havok die Hoffnung, dass die Träger der Thrash-Bewegung nicht nur die alten Helden wie die großen Vier bleiben, sondern auch junges Blut, das hungrig darauf ist, sich zu beweisen. Und Havok beweist das immer wieder. »Cry ‚Havoc!‘, and let slip the dogs of war!«

Kurz vor acht Uhr abends besetzte eine sage und schreibe achtköpfige Band namens Saltatio Mortis die Hauptbühne. Die Übersetzung des Bandnamens aus dem Lateinischen würde »Totentanz« lauten. Mag sein, aber die musikalische Visitenkarte der Gruppe ist eher auf Freude als auf Trauer zugeschnitten. Deutschland bietet eine starke Palette an Bands, die mittelalterliche Troubadour-Melodien in den Metal einfließen lassen, und fast obligatorisch gehört dazu der Einsatz uralter mittelalterlicher Instrumente, das Tragen von Kilts, verziertem Leder und anderem Krimskrams aus klirrenden Bronze- und Eisenwaren. Saltatio Mortis setzen gleich zwei Dudelsäcke in der Besetzung ein, gelegentlich sind sogar drei Dudelsäcke auf der Bühne zu finden. Eine Fülle verschiedenster Flöten sowie eine Tamburica begleiten das klassische Metal-Arsenal aus E-Gitarren, Bass und Schlagzeug. Der hervorragend aufgelegte Frontman  der Gruppe, Alea der Bescheidene, feuerte das Publikum durchgehend mit enormem Einsatz an. Dabei las er hartnäckig und sehr effektiv sogar einige Sätze auf Slowenisch vom Spickzettel ab, womit er sich auf Anhieb jede Menge Sympathien sicherte. Auch von denjenigen, die den Auftritt der Gruppe eher aus der Entfernung verfolgten, aus flüchtiger Neugier heraus. Ansonsten fanden jede Menge Besucher in Saltatio Mortis den richtigen Erlöser und Alibi, um sich in allerlei archaische Kostüme zu schmeißen und die verrücktesten Requisiten vor die Bühne zu schleppen, die sich die menschliche Fantasie ausdenken kann, um sich das Leben maximal zu verkomplizieren. Die Band spielt hervorragend, der Sound war messerscharf kalibriert, und Aleas Gesang funktionierte optimal. Die Band lieferte einen wirklich optimalen Auftritt, und die komplett gefüllte Festwiese vor der Bühne erlebte mitsamt ihren Mitbringseln einen echten Delirium-Moment. Eigentlich gab es in diesem Moment keinen deutschen Festivalgast in Tolmin, der den Auftritt von Saltatio Mortis verpasst hätte. Die Band präsentierte das aktuelle Studioalbum »Das Schwarze Einmaleins«! Den Konzertabend eröffnete daher die neue Nummer Früher war alles besse, gefolgt von Idol, Satans Fall, Prometheus, Uns gehört die Welt, Eulenspiegel, Wachstum über alles, Nur ein Trau, Koma, Sündenfall, Falsche Freunde und abschließend Spielmannsschwur.

In Depression und Nihilismus hüllten nach der Thrash-Bombe die Italiener Forgotten Tomb die zweite Bühne ein – ein Beweis, dass man auch unter Italienern hervorragende Bands finden kann. Forgotten Tomb ersetzten in letzter Minute die leider ausgefallenen Cattle Decapitation, was sich als ausgezeichneter Schachzug erwies. Genau als es dunkel wurde, schufen die Italiener unter den Baumkronen eine mächtige Atmosphäre des Verderbens – das gelang ihnen perfekt mit einer einzigartigen Mischung aus Black Metal und Elementen des Gothic und Doom Metal. In echten Trance versetzten das Publikum die langsamen, mächtigen Riffs und der rohe, leidende Gesang von Gründungsmitglied Herr Morbid, der Forgotten Tomb als Ein-Mann-Projekt ins Leben gerufen hatte. Dieses Mal sprach nur die Musik, da der atmosphärische Fluss nicht durch nebulöse Zwischenansprachen unterbrochen wurde, und Forgotten Tomb hüllten ein durchaus zahlreiches Publikum (beachte: die Italiener spielen ein ziemlich spezifisches Genre, das keine Massen anzieht) ohne größere Mühe in Dunkelheit, Einsamkeit und Depression.

Die meisten Besucher des Metaldays Festivals warteten jedoch sehnsuchtsvoll auf den Auftritt der finnischen Metaller Amorphis. Viele Neuankömmlinge auf dem Gelände kamen nur für einen einzigen Tag zum Festival, mit dem erklärten Ziel, den Auftritt von Amorphis zu sehen. Aus der frühen Death-Metal-Formation hat die Band über die Jahre eine radikale Transition erlebt und dabei in ihr musikalisches Repertoire eine echte Genre-Fusion eingebaut, die heute neben dem gemäßigten extremen Zweig in großem Maße die Waage zugunsten von Elementen des symphonischen Power Metal neigt – sowie hin zu traditionell verwurzeltem Folk-Melos und sogar Progressive Metal! Die zunehmende allgemeine Zugänglichkeit der Musik und die Kombination von Growling mit Klargesang hat die Fanbasis von Amorphis erweitert, insbesondere nach dem Album »Skyforger« (2009). Der Hauptmagnet der Bühnenpräsentation von Amorphis ist natürlich Sänger Tomi Joutsen, der dieses Mal sein »seltsames Gerät«, gemeinhin auch Mikrofon genannt, nicht auf einem Ständer hatte. Ein paarmal wirkte Tomi beim Blick auf das spezifische Gerät flüchtig so, als würde er sich die Haare mit einem Fön trocknen. Spaß beiseite. Der kleine Wilde, dessen Dreadlock-Strähnen fast bis zum Boden hängen, hat sich einmal mehr als großer Frontman erwiesen. Vor allem wegen seiner enormen Charisma und der geschickten Nutzung der weitläufigen Bühne, über die der hervorragend aufgelegte Sänger während des Konzerts theatralisch herumlief. »Circle«, das aktuelle Studioalbum der Band, eröffnete das Konzert mit einem Intro und der neuen Nummer Shades of Gray, ansonsten presste die Band das Repertoire aus einer Fülle älterer Stücke zusammen, bei deren Darbietung auch diejenigen auf ihre Kosten kamen, die sich gerne an Amorphis als eine der interessantesten Death-Metal-Bands erinnern, die in den Jahren kurz nach dem Aufkommen des Genres auf dem Planeten auftauchten (zum Beispiel die Darbietung von Into Hiding gleich nach dem aufgenommenen Instrumental Thousand Lakes und ganz am Ende Black Winter Day). Die Band ließ dabei auch das Debütalbum nicht aus und griff in der zweiten Hälfte des Auftritts Vulgar Necrolatry an, während eine Nummer wie My Kantele aus dem Album »Elegy« (1996) live zu erleben stets wieder ein einzigartiges Erlebnis voller echter atmosphärischer Vollkommenheit ist. Die Band ist in ausgezeichneter Form. Man merkt, dass Amorphis ständig enorm viel spielen und auftreten und gerade wieder eine der vielen Tourneen hinter sich haben, die die aktuelle Sommerfestivaltour abschließt. Das Publikum fraß Tomi buchstäblich aus der Hand. Amorphis verließen die Bühne im Glanz außergewöhnlicher Aufführungsperfektion. Angesichts des späteren Debakels der »Elvismetaller« Volbeat übernahmen Amorphis letztlich den Status des Siegers der Hauptbühne des dritten Festivaltages.

Das diesjährige Festival war ein kleines bisschen mehr nach dem Geschmack der Death-Metaller – bis Mittwoch hatten wir bereits hervorragende Auftritte von Mephistophelian, Grave, Aborted, Immolation, Obituary und Vader genossen –, aber der wahre Höhepunkt des Death Metal schien erst am Mittwoch (und dann noch am Freitag) einzutreffen, als zwei legendäre Bands nacheinander die kleine Bühne übernahmen. Den ersten Schuss lieferten die niederländischen Death/Doom-Veteranen Asphyx, die zu den ersten europäischen Death-Metal-Bands zählen und bereits seit 1987 Schrecken und Tod verbreiten. Es schien, als hätte sich schon mit dem ersten Ton des Klassikers The Quest of Absurdity der Himmel über Tolmin in einen bedrohlichen roten Kriegshorizont gefärbt – den Effekt totalen Krieges erzeugen nämlich die apokalyptischen Riffs, der kranke Gesang von Martin Van Drunen (der sich bereits mit dem Growlen auf den ersten beiden Kultusalben von Pestilence in die Geschichte eingeschrieben hat) und das kanonähnliche Donnern der zerstörerischen Rhythmussektion. Bomben fielen auf alle Seiten, als Asphyx Zerstörer an Zerstörer reihten – von den Klassikern M.S. Bismarck, Asphyx (The Forgotten War) und Vermin bis zu den brutalen Schlächtern vom Album Death… the Brutal Way, Scorbutics und dem Titelstück sowie den Killern von der aktuellen Scheibe Into the Timewaste und Deathhammer. Dem charismatischen Van Drunen fraß das Publikum aus der Hand, und das Chaos vor der Bühne war bis zum letzten Ton der Hymne Last One On Earth nicht in Sicht. Der Auftritt von Asphyx hat so eine Wirkung, als würde man mitten in einem Napalmfeld stehen. »This is true death metal you bastards!«

Nach dem hervorragenden Auftritt von Amorphis füllte sich der Bereich vor der Hauptbühne noch weiter für den Mittwochs-Headliner Volbeat. Den Dänen gelang in den letzten Jahren der Durchbruch unter die beliebtesten Bands, und so war ein Auftritt beim Metaldays keine Überraschung. Aber leider lief nicht alles nach Plan. Das Konzert eröffneten Volbeat mit dem druckvollen Doc Holiday vom aktuellen Album und machten im gleichen Stil mit den älteren Nummern Hallelujah Goat und Boa [JDM] weiter. Es folgte das tanzbare Lola Montez, wo sich durch häufiges Räuspern des Sängers bereits Probleme andeuteten. Die akustische Gitarre auf der Bühne bedeutete dann nur eines – Cashs legendärer Ring of Fire mit tosender Beteiligung der Menge vor der Bühne, dem das gerade Cash gewidmete Sad Man’s Tongue folgte, wohl der größte Hit dieser Band. Leider zeigte sich hier, dass Michael nicht in der Lage war, in die vokalen Tiefen hinabzusteigen, wie nur er es kann – bei Sad Man’s Tongue ließ er sogar die hohen Passagen aus und verschwand während des Gitarrensolos hinter die Bühne. Die Rückkehr Michaels auf die Bühne ließ kurz hoffen, dass alles gut werden würde, aber leider verschwand er schon nach wenigen Versen von Heaven nor Hell von der Bühne, und der Rest schloss das Stück instrumental ab. Auf der Bühne entschuldigte sich anstelle eines Bandmitglieds einer der Veranstalter bei der enttäuschten Menge, was einen zusätzlichen bitteren Beigeschmack hinterließ. Die offizielle Erklärung der Band: Michael verlor seine Stimme durch eine bakterielle Stimmbandenentzündung, und sie versprechen eine baldige Rückkehr nach Slowenien.

Den perfekten Abschluss des dritten Tages lieferten nach dem Debakel von Volbeat (weshalb die Veranstalter eine schöne Geste zeigten und die Mittwochstickets um einen weiteren Tag verlängerten) die legendären Possessed, wohl das größte Highlight des diesjährigen Festivals. Possessed ist eine Band, die 1983 gegründet wurde und sich mit dem kultischen Debüt Seven Churches für immer in die Geschichte eingeschrieben hat. Auf dem legendären Debüt findet sich auch der Song, der dem gesamten Genre seinen Namen gab. Death Metal! Was Venom für den Black Metal sind, das sind Possessed für den Death Metal – Respekt dafür bekundete beim Asphyx-Konzert auch Van Drunen, und neben ihm nennen Namen wie Chuck Schuldiner und Death, David Vincent und Morbid Angel, Cannibal Corpse und viele andere sie als ihren Einfluss. Possessed veröffentlichten während ihrer Wirkungszeit noch das Album Beyond the Gates (1986) und die EP The Eyes of Horror (1987), lösten sich dann aber 1987 auf. Die Mitglieder gingen ihre eigenen Wege (Gitarrist Larry LaLonde spielt heute zum Beispiel bei Primus), und 1990 wurde Sänger Jeff Beccera angeschossen und ist seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt. Dennoch brachte Jeff 2007 unglaublichen Mut und eiserne Willenskraft auf und startete die Possessed-Maschine erneut mit Freunden aus der kalifornischen Death-Metal-Band Sadistic Intent. Possessed sind Kult, und entsprechend war der Bereich vor der zweiten Bühne knallvoll – das Publikum explodierte erstmals bereits beim unheilverkündenden Intro. Die Besessenen boten gut anderthalb Stunden bösen, okkulten und satanistischen Death Metal auf wahrhaft höllischen Lautstärkepegeln, und der Schuss echten Death Metals riss bis zur letzten Sekunde des außergewöhnlichen Auftritts nicht ab, dem vor allem Beccera als Vorbild unglaublichen Willens und Optimismus vorstand – mit dem Jeff auch im Gespräch inspiriert (das Interview mit ihm könnt ihr bald sehen). Jeff bewies nicht nur einen hervorragend erhaltenen Gesang, der immer noch brutal und rau ist, sondern feuerte das Publikum ständig an, hüpfte selbst die ganze Zeit und nutzte die Bühne so gut er konnte. Die Band fegte und raste durch die unsterblichen Klassiker Pentagram, Evil Warriors, Seven Churches, Twisted Minds, Evil Warriors, The Heretic, Tribulation, My Belief und The Eyes of Horror wie Zerberus, als besonderer Gast wütete hinter dem Schlagzeug niemand anderes als Nick Barker, und sie stellten auch die neue Nummer The Crimson Spike vor, die auch auf dem kommenden Comeback-Album zu finden sein wird. Zweifellos einer der besten (und gleichzeitig aufrichtigsten) Auftritte des diesjährigen Metaldays, der für alle größeren Bands als Vorbild gelten kann, die durch ihr Verhalten den Kontakt zu ihren Fans und zum Wesen des Metals selbst verloren haben. Possessed konnten ihren Auftritt nur auf eine einzige Art beenden, die gleichzeitig auch der perfekte Abschluss des Tages war – Death Metal!

Nina Grad (Fotos):  Cordura, Valient Thorr, Black Diamond, Artillery, Havok, Saltatio Mortis, Forgotten Tomb, Asphyx, Possessed
Sebastijan Videc (Fotos, Videos, Text Volbeat): Space Unicorn on Fire, Amorphis, Volbeat
Aleš Podbrežnik (Text): Space Unicorn on Fire, Valient Thorr, Artillery, Saltatio Mortis, Amorphis, Volbeat
Rok Klemše (Text): Cordura, Black Diamond, Havok, Forgotten Tomb, Asphyx, Possessed

Setlist

HAVOK:
1. Covering Fire
2. Point of No Return
3. Give Me Liberty…or Give Me Death
4. I Am the State
5. From the Cradle to the Grave
6. Unnatural Selection
7. D.O.A.
8. No Amnesty
9. Afterburner
10. Time Is Up

AMORPHIS:
1. Circle Intro
2. Shades of Gray
3. Narrow Path
4. Silver Bride
5. Sky Is Mine
6. My Kantele
7. Thousand Lakes
8. Into Hiding
9. Nightbird’s Song
10. Vulgar Necrolatry
11. The Wanderer
12. You I Need
13. Hopeless Days
—Zugabe—
14. The Smoke
15. Black Winter Day

ASPHYX:
1. The Quest of Absurdity
2. Vermin
3. M.S. Bismarck
4. Death the Brutal Way
5. Asphyx (Forgotten War)
6. Deathhammer
7. We Doom You to Death
8. Wasteland of Terror
9. Scorbutics
10. Last One on Earth

VOLBEAT:
1. Doc Holiday
2. Hallelujah Goat
3. Boa [JDM]
4. Lola Montez
5. Ring of Fire / Sad Man’s Tongue
6. Heaven Nor Hell

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