Šinobusi wieder auf regulärer Linie auch durch Slowenien (2014)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Etno klub Zlati zob / Slowenien
Konzertdatum: 18.04.2014
Besucherzahl: 70
Kartenpreis: 8,00€ (Vorverkauf) / 13,00€ (Abendkasse)

Šinobusi, Rocker aus Novi Sad, die konkret vom Erbe der Blues-Musik und vor allem vom Retro-Sound der Siebziger inspiriert sind, haben es geschafft, eine Reihe von Konzertauftritten in Slowenien auf die Beine zu stellen, bei denen sie ihr neues Studioalbum »Nebo od skaja« (Dallas Records, 2013) vorgestellt haben – RockLine-Rezension HIER! Das Quintett in der Besetzung Milan Korać (Gesang, Gitarre), Nenad Patković (Gitarre, Keyboards, Gesang), Stefan Stefanović (Mundharmonika), Predrag Dmitrović (Bassgitarre) und Đorđe Bubnjević (Schlagzeug) ist dem klanglichen und arrangiertechnischen Perfektionismus verschrieben. Natürlich mit eigenem Songmaterial. Es handelt sich um ein durch und durch authentisches musikalisches Bekenntnis, das bei aller Ausdrucksvielfalt Parallelen zu Wesen und Werk der alten jugoslawischen Rockbands wie Korni Grupa, Smak, Pop Mašina oder Yu Grupa vereint; darüber hinaus sind musikalische Vergleiche mit Wishbone Ash möglich (Šinobusi bauen gerne gelegentliche Gitarren-Terzen in ihre Arrangements ein), Procol Harum (vor allem wegen der Arrangement-Lösungen mit Hammond-Klang), weiterhin Uriah Heep, aber auch Doobie Brothers, Allman Brothers Band, und reichlich gibt es auch Ausdrucksabweichungen hin zu den primären Wurzeln des Blues. Dem aus dem Mississippi-Delta.

Šinobusi sind also ein eigenartiges Konglomerat, verdichtet auf den Einflüssen des Retro-Klangs der Pioniere des Rock und Blues vom Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger. Sie gehen ihre Arbeit mit großer klanglicher und stilistischer Perfektion an. Neben dem kompakten Arranging ist ihre Musik auch bekannt für die bedeutungsreiche Lyrik des Sängers/Gitarristen Milan Korać, der der Haupttexter ist. Die Band eröffnete ihre kleine Slowenien-Tour am Donnerstag, dem 17.04.2014 mit einem Auftritt im Lokalpatriot in Novo Mesto, und einen Tag später kamen Šinobusi in die slowenische Hauptstadt  und den dortigen Etno klub Zlati zob. Ein völlig anderer Ort, der eine andere Konzertenergie, Vibration und Stimmung vorgab. Von der Klubszene bis hin zu einer fast »mondänen« Halle.  Etno klub Zlati zob ist ein angenehm warmes und äußerst gastfreundliches Ambiente, wie gemacht für den Genuss der organisch klingenden musikalischen Wärme echter Leidenschaften und Emotionen, wie sie künstlerische Seelen ausdrücken. Wenn die Höhle in Postojna ihr Postojna Blues festival hat, könnte der Zlati zob problemlos ein Ljubljana Etno in Folk festival beherbergen.

Kommen wir zurück zu unseren Šinobusi. Es ist kurz nach halb zehn und auf der Bühne ist richtig was los. Šinobusi verwöhnen das Publikum von rund 70 Köpfen, die sich gemütlich an die Tische gelehnt haben, mit ihrem älteren, sagen wir schon »fast klassischen« Repertoire. Die Band brauchte nicht lange, um ihre Finger auf die richtige Betriebstemperatur zu bringen, und machte damit umso schneller deutlich, mit wie einer homogenen und spieltechnisch makellosen Truppe man es hier zu tun hat. Der feinfühlige Milan Korać riss mit seiner Sensibilität und Subtilität mit, wenn er die Zeilen seiner Lyrik nahm und sie mit gelebter Emotionalität mit dem Publikum teilte!

Milan und Nenad, beide Gitarristen, bestätigten ihre chemische Übereinstimmung mit einem außergewöhnlichen Bühnengespür und spieltechnischer Abstimmung, was sich auch reichlich in den geteilten Soli bei einzelnen Stücken zeigte. Bemerkenswert ist die Platzierung der Noten, die durchgehend der Verfolgung melodischer Perfektion untergeordnet ist. Fingerpicking, in geringerem Maße auch mit dem Plektrum! Ein eigenes Kapitel der Band ist Mundharmonikaspieler Gile. Der Kerl ist gerade mal 21 Jahre alt und gilt als »Wunderkind«. Seine solistischen Eskapaden in den Improvisationen spiegelten ein unglaubliches Melodiegespür wider, das diesem Musiker in die Wiege gelegt wurde. Ohne eine äußerst reaktionsschnelle, hochvariable rhythmische Kinetik geht es dabei natürlich nicht.

Nach dem ersten Drittel des Auftritts, in dem Moje ruke sad su ptice, Mirna Bačka, Kada svrake bulje u mene, U pravcu jablanova, Ćamac na Tisi, dann Robert Johnsons If I Had Possesion Over Judgement Day (die sie natürlich ihrer eigenen musikalischen Vision angepasst haben), dann Bluz je đavo, Ravnodušna pesma die Reihe machten, schlossen die Jungs den ersten Konzertteil mit dem hervorragenden, improvisationsreichen Instrumental namens Prašina ab.

Es folgt eine kurze Pause, und die Band »aktiviert« die Keyboards, an denen Nenad für den mittleren Teil des Auftritts »dauerhaft« sitzt. Die Band hat beschlossen, das neue Album »Nebo od skaja« »ausgiebig« vorzustellen. In diesem Teil hat die Band die Stimmungen kontrastreich vertieft. Man spürte, wie die Band die Interpretation der brandneuen Studioarbeiten genoss. Die Keyboards übernahmen effektiv die Rolle vielfältiger Klangsimulationen, unter denen natürlich der Hammond-Orgel-Sound herausstach, der neuerdings die Musik der Šinobusi auf dem Album »Nebo od skaja« ziert. Angeblich brauchte Nenad gerade mal ein Jahr, um sich das Keyboardspiel beizubringen. Ein Mann, der eigentlich über perfektes Gehör verfügt, besitzt gleichzeitig auch außergewöhnliche Wachheit. Er hört nämlich wirklich jeden Ton, der auf der Bühne erzeugt wird. Auch die, die seine Bandkollegen erzeugen. Er versteht genau das Setzen der richtigen Töne an die richtigen Stellen in den Stücken. Dabei folgt er stets seinem feinen Gespür für Musikalität, dem er auch all seine Ideen unterordnet. Überall Ornamente, die mit dem Einfallsreichtum, der Fantasie und der künstlerischen Vorstellungskraft dieses Musikers verblüffen. Ich spreche natürlich vor allem über seine Arbeit an der Gitarre,  wo beim Konzert mehrmals auch das Bottleneck kräftig »sang« und »stöhnte«, und der Künstler die Vorstellung mit dem Einsatz spezieller Effekte bereicherte, vor allem dem Wah-Wah-Effekt, aber auch dem Stereo-Chorus. Die Stücke Iz drugog ugla, Naš dan, Potera, dann das hervorragende jazzige Instrumental Noonism, weiterhin Ko zna, der träumerische Blues-Track Skačem visoko, der kürzlich als Single erschien und für den ein Video gedreht wurde, sowie der einzige englischsprachige Song des neuen Albums Greed. Den mittleren Teil rundeten das hervorragende Vazduh und Bio sam tu ab, mit dem Šinobusi den mittleren Teil des Auftritts abschlossen.

Die fünfzehnminütige Pause – in der sich noch der eine oder andere Euro an der Theke ansammeln sollte – durchbrach anschließend Boli i mene! Es folgen das verspielte Super bejbe, weiterhin Ja moram da te vidim što pre, Bluz novog dana, Jutro je sebi prokrčilo put und eine fantastische Bearbeitung des traditionellen amerikanischen Folk-Stücks The Wayfaring Stranger. Danach legten sie noch eine weitere außergewöhnliche Bearbeitung nach! Dann widmeten sie sich dem Original des Stücks Children Of Sanchez (Orig. Chuck Mangione), wo Nenad wieder mit seinem gitarristischen Einfallsreichtum brillierte. Die Band würzte den Auftritt mit einer beinahe schon progressiven Version des Rolling-Stones-Klassikers Miss You! Aber das war noch nicht alles. Es folgte nämlich das finale Crescendo! Zunächst stieß der langjährige Freund und einer der ausgefeiltesten slowenischen Blues-Gitarristen Slaven Kalebič von der Band Mojo Hand auf der Bühne zur Gruppe dazu, mit dem Šinobusi einen längeren improvisatorischen Blues-Track spielten. Dieser echte, rollende Roots-Blues-Walzer, wenn bleierne Tränen vom Himmel zu fallen beginnen. Dann stieß eigentlich fast die gesamte Mojo Hand-Crew auf der Bühne dazu, natürlich tüchtig durch den weiblichen Part aufgewertet, und die Musiker nahmen sich Let The Good Times Roll vor. Šinobusi führten zum Abschluss noch Moody Waters‘ Got My Mojo Working und Don Nix‘ Going Down auf.

Man bleibt nach einem solchen außergewöhnlichen Spiel voller vollblütiger, greifbarer und übersprudelnder Emotionen und Leidenschaften sprachlos. Der Sound kann kraftvoll, rau, scharf oder subtil zart sein. Beide Ansätze aber besitzen eine teuflische Erotik. Du hörst alle Details, gespielt mit Präzision und Leichtigkeit. Einfach – sie werden von purer Freude geleitet, und das reicht. Šinobusi haben an diesem Abend im Etno klub Zlati zob eine echte Lektion in adventiver Art-Rock-Blues-Paradigmatik geliefert, und den Besuchern war dabei buchstäblich zum Jauchzen zumute.

Wenn Šinobusi irgendwo in deiner Nähe auftreten, tu dir selbst einen Gefallen und geh diese Band unbedingt live ansehen. Du wirst sie sofort zu bewundern beginnen. Wegen der Aufrichtigkeit und Authentizität, die grandios in der unglaublichen spieltechnischen Abstimmung der Gruppe eingefangen ist, sowie in den klar definierten, starken kompositorischen Strukturen. Šinobusi setzten nach Ljubljana ihren Weg in den westlichen Teil unseres Landes fort und machten in Koper Halt. Aber das ist schon eine andere Geschichte! 

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