Blaze Bayley präsentierte die Songs seines Lebens (2014)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Gradisca d'Isonzo (Görz) / Slot Bar Prestige / Italien
Konzertdatum: 18.03.2014
Besucherzahl: 130
Kartenpreis: 0,00€ (freier Eintritt)
Blaze Bayley ist nicht nur ein Bekannter – man kann ihn getrost als alten guten Freund bezeichnen. Seit 1995, als das legendäre Iron Maiden-Album »The X Factor« erschien – für die einen ewig verflucht, für die anderen ein fantastisches Werk dieser berühmten und in vielerlei Hinsicht wegweisenden Metal-Band von den Britischen Inseln.
Die Tage vergehen, die Jahre vergehen. Lautlos. Blaze Bayley aber schafft schon seit geraumer Zeit als Solokünstler vor sich hin – einer, der seine »Angestellten« schneller wechselt als Bäume ihr Laub. Nach dem kläglich misslungenen und in diesem Zusammenhang ausgesprochen peinlich betitelten »The King Of Metal« (2012), das den Tugenden seiner Vorgänger »Promise And Terror« und »Man Who Would Not Die« in keiner Weise gerecht wurde, feierte der Mann im vergangenen Jahr drei Jahrzehnte Musikschaffen. Das erste Jahrzehnt verbrachte er mit Wolfsbane, dann fünf Jahre bei Iron Maiden, danach gründete er die Band Blaze, über die er sich schließlich in eine Solo-Karriere hineinarbeitete. Wie auch immer man es betrachtet und egal wie viele Sympathien man für diesen Musiker aufbringt – es bleibt die unbestreitbare Tatsache, dass der Mann schon seit geraumer Zeit zu kleineren Clubauftritten verdammt ist und manchmal an echter körperlicher und seelischer Erschöpfung kratzt, wenn er auf endlosen Touren rund um den Globus durchhält. Damit hat er sich offensichtlich vollständig abgefunden. Er hat alles selbst in die Hand genommen. Vom Verkauf offizieller Merchandise-Artikel bis hin zu seinen Alben, die er im Eigenverlag rausbringt. Er ist sein eigener Herr. Auftritte gibt’s zuhauf, Verdienst davon immer weniger. Also bleibt am Ende nur noch der Souvenirverkauf. Der Mann tut dir dabei so leid, wenn du siehst, wie er vor dem Konzert am Rand seines Merchandisetisches hockt, dass sogar der Absturz seiner Studioarbeiten zur Tatsache der Erbsünde wird.
Nach dem wenig überzeugenden »The King Of Metal«, in dessen Rahmen er 2012 auch Ljubljana und Marburg an der Drau besuchte, veröffentlichte der Mann im vergangenen Jahr eine Doppel-»Best of«-Kompilation mit dem Titel »Soundtracks Of My Life«. Ein Schachzug, der für Bayley zum jetzigen Zeitpunkt mehr als goldrichtig war! Neben zwei völlig neuen Studiostücken (Hatred, Eating Children), von denen Blaze Eating Children für die neue Tournee ins Konzertrepertoire aufnahm, ist die Kompilation mit den kreativen Höhepunkten seiner Musikkarriere gespickt – was für solide Setlisten auf der aktuellen Tournee gesorgt hat.
So war es auch an diesem Abend im italienischen Städtchen Gradisca d’Isonzo, das einen Steinwurf vom alten Görz entfernt liegt. Eintritt frei, Clubatmosphäre mit angenehmer Location, die etwa 150 Leute fasst. Der Laden war brechend voll. Blaze hat für diese Tournee eine neue Begleitcrew zusammengestellt, die eigentlich der Band Absolva angehört! Die Musiker, die ihn auf der aktuellen Tournee auf der Bühne begleiten, sind: Chris Appleton (Gitarre), Dan Bate (Bass) und Martin McNee (Schlagzeug). Von den Genannten hatte Appleton bereits in der Vergangenheit mit Bayley zusammengearbeitet, und dem ein oder anderen ist der Typ vielleicht von der Iced Earth »Dystopia«-Tournee bekannt, die 2011 durch Europa führte. Damals öffnete Chris Appleton als Sänger und Gitarrist der Vorband Fury UK die Iced Earth-Konzerte. Und weil die Welt klein ist: Sein Bruder Luke, der damals bei Fury UK Bass spielte, trat später Iced Earth als Vollmitglied bei, wo er dasselbe Instrument bis heute bedient.
Blaze ist Charisma von Kopf bis Fuß. Gleich zu Beginn riss er das Publikum so schnell wie möglich auf die Beine – mit Klassikern aus der Blaze-Ära! Er eröffnete mit The Launch, Speed Of Light und The Brave, die einer nach dem anderen kamen, und kurz darauf gesellte sich auch noch der Iron Maiden-Song Futureal (»Virtual XI«, 1998) dazu. Der Sound von der ersten bis zur letzten Minute exzellent. Die Raumakustik kein bisschen schlechter. Das Trio der Begleitmusiker erledigte seinen Job hervorragend und bewies, dass es aus dem richtigen Holz geschnitzt ist, wenn man es in die erste Reihe stellt. Besonders Appleton, der meisterhaft den gesamten Raum mit nur einer einzigen Gitarre (Modell Gibson SG) abdeckte. Blaze mit seinem typisch hohl-dumpfen Gesang! Du verwechselst ihn nicht. Er ist einzigartig. Wieder kamen wir nicht um die berühmten aufweckenden Ansprachen herum, mit denen Bayley die Pointe seines »großen Kampfes für die richtige Sache« bis an den Rand von Kindergeschichten trieb, bei denen du nicht weißt, ob du ihnen glauben oder lieber darüber lachen sollst. Wie dem auch sei. In jedem Fall zünden diese Ansprachen. Manchmal wünscht man sich einfach, solche rhetorischen Fähigkeiten zu besitzen, wie Bayley sie im kleinen Finger der linken Hand hat. Einmal brachte er das Publikum zu herzlichem Gelächter. Zwischen den langen Ansprachen versäumte er nicht, sich auf seine bekannte Art zu bedanken, im Stil von »….to each and everyone who came to blah, blah, blah,…«. Unter anderem bedankte er sich beim Publikum auch dafür, dass es Tickets für das heutige Konzert gekauft hatte – ohne zu wissen, dass der Eintritt frei war. Schallendes Gelächter im Saal! Ein Tropfen zu viel. Oder eine Danksagung zu viel.
Man merkt aber, dass Blaze Bayley nicht mehr in den Jahren ist, in denen er noch vor lauter Adrenalin aus allen Nähten platzte. Mehrfach rang er nach Luft, was dazu führte, dass seine Stimme in manchen Songpassagen regelrecht »verschluckt« wurde. Hier muss man aber für ihn in die Bresche springen: Er war die ganze Zeit über dem gnadenlosen Brennen der Bühnenbeleuchtung ausgesetzt, die keine zwei Meter von den Köpfen des Quartetts auf der Bühne entfernt war. Auf jeden Fall aber eroberte Blaze (besonders im abschließenden Teil) wieder jeden Einzelnen im Club für sich, als sich die Crew an das erwartete Iron Maiden-Epos Clansman machte. Eine wunderschöne Überraschung hatte der Mann für den Schluss aufgespart: Er spielte auch eine Wolfsbane-Bearbeitung von (Tough As) Steel und danach erwartungsgemäß noch den dritten Iron Maiden-Song Man on the Edge, mit dem er den regulären Teil des Auftritts abschloss. Im Repertoire fanden sich außerdem folgende Songs: Leap Of Faith, Eating Chidlren, Robot, Samurai, Ghost In The Machine, Kill And Destroy, Stare At The Sun, Soundtrack Of My Life, Silicon Mesiah sowie The King Of Metal.
Und als Zugabe noch ein Song: Blood And Belief! Mit einem neuen einleitenden Vorwort heizte er das Publikum erneut gehörig auf und brachte es ein letztes Mal auf seine unvergleichliche Art in Wallung – und quetschte damit das letzte Dutzend Atome aus dem ordentlich durchgeschwitzten und durchnässten Publikum heraus, das damit einen waschechten Metal-Kinnhaken mitten in die blöde Fresse kassierte!
Ein wunderschöner, dem Zauber des Heavy Metal gewidmeter Konzertabend fand sein Ende und es gab keinen Helden, der sich über irgendetwas hätte beklagen können. Man kam gratis zum Konzert und hatte was zu sehen und zu genießen. Blaze Bayley kündigt ein neues Studioalbum an. Hoffen wir, dass ihm diese Tournee neuen kreativen Inspirationsschub verleiht, damit er den kläglich hinterlassenen Eindruck seines letzten Studioalbums ausbügelt – in der Zwischenzeit werden wir uns mit Freude die bedeutendsten Momente seiner Karriere reinziehen, die sein aktueller Tonträger namens »Soundtracks Of My Life« brillant zusammenfasst.
Bildergalerie






















