Karussell der größten Hits mit Simple Minds (2014)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Zagreb / Dom sportova (Mala dvorana) / Kroatien
Konzertdatum: 04.03.2014
Besucherzahl: 3500
Kartenpreis: 200,00HRK / 230,00HRK
Simple Minds! Die Urgesteine des New-Wave-Sounds der Achtziger auf neuer Europatournee mit dem »Greatest Hits + 2014« Repertoire, das eine sinnvolle »Verlängerung« der Feierlichkeiten zum (ersten) 35. Jahrestag des Debüts der Band »Life In A Day« (1979) darstellt. Eine Verlängerung deshalb, weil dieselbe Tournee bereits tief im vergangenen Jahr begann! Vor zwei Jahren hatte die Band die europäischen Bühnen mit einem Repertoire nach dem Prinzip »5×5« erobert! Das heißt, von jedem der ersten fünf Alben wurden jeweils fünf Songs ausgewählt und so ein Repertoire von 25 Pflichtstücken pro Konzertabend zusammengestellt. Das war ein einzigartiges, verrücktes und unvergessliches Abenteuer. Das verwundert längst nicht mehr, denn Simple Minds sind eben in jeder Hinsicht eine besondere Band.
Die Band genießt nach wie vor einen außerordentlichen Ruf, und kaum ein Mensch auf diesem Planeten trägt nicht irgendwo tief unter der Haut verankerte Erinnerungen an diese ultimative Evergreen-Band – was die Gruppe auch in reifen Jahren von ungebrochener Aktualität und gefragter Konzertpräsenz hält. Die Tournee »Greatest Hits + 2014« war ein irgendwie still erwarteter Schachzug der Band. Eine Band, die seit gut drei Jahren ein neues Studioalbum verspricht – das letzte, »Graffiti Soul«, erschien nämlich 2009, doch offensichtlich eilt es ihr mit einem neuen Studiowerk nirgendwohin –, hat im Rahmen der Termine der neuen Europatournee auch einen Auftritt in der kroatischen Hauptstadt Zagreb angehängt, was natürlich auch viele slowenische Musikfans in Bewegung Richtung Süden brachte, die zusammen mit Besuchern aus Kroatien und auch aus Ungarn die restlos ausverkaufte Mala dvorana des Dom Sportova bis auf den letzten Platz füllten!
In der Luft lag jene funkensprühende Energie, die sich nicht jeden Tag einstellt, wenn man auf ein Konzert geht. Simple Minds wurden von einem Publikum empfangen, das seine Teenagerjahre durch die Achtziger gewachsen war und mit der Band gealtert, sie aber nicht vergessen hatte. So kamen diese Menschen, um ihre eigene Zeit der großen Hoffnungen und sorglosen Unschuld noch einmal in Zagreb nachzuerleben. Vielleicht noch weit entschlossener, als sie es vor, sagen wir, 25 Jahren getan hätten.
Simple Minds teilten den Abend in zwei Teile mit einer 15-minütigen Pause dazwischen. Die Besetzung mit Jim Kerr (Gesang), Charlie Burchill (Gitarre), Mel Gaynor (Schlagzeug), Andy Gillespie (Keyboards) und Ged Grimes (Bassgitarre), begleitet von der bezaubernden dunkelhäutigen Gazelle und Background-Sängerin Sarah Brown, die Simple Minds bereits auf der Tournee zur Promotion des Albums »Graffiti Soul« (2009) unterstützt hatte, betrat kurz nach neun Uhr abends die Bühne. Man muss nicht raten, dass die Halle explodierte. Gut dreitausend Köpfen drehte sich alles. Der Anblick war einmalig. Vollgestopftes Parkett und vollgestopfte Tribünen in halbkreisförmiger Anordnung, links und rechts über der Bühne. Soweit das Auge reichte. Alle in der Luft! Alle singen mit. Jim Kerr, der erneut mit Hilfe von Spritzen auf die Bühne kam und den sie auch für diesen Auftritt wieder glücklicherweise zusammengeflickt hatten, übernahm natürlich sofort die volle Aufmerksamkeit, und das Publikum fraß ihm aus der Hand. Im Trance. Jede Bewegung, jede Geste, alles. Das typische und gemeißelte Bühnenspiel, das Statur und Stimme dieses außergewöhnlichen Sängers diktieren, bildet natürlich den Kern des musikalischen Charakters der Gruppe Simple Minds, und das kann ihr niemand nehmen. Gewiss, die Jahre haben im Gesicht von Kerr so manche Spur hinterlassen, er ist derzeit nicht in bester gesundheitlicher Verfassung, doch seine Performance bleibt eine fehlerlose Exekution der bekanntesten Stücke des Simple Minds-»Prosawerks«. Auf diesem Weg kam Kerr die Unterstützung des Publikums, das fanatisch die Verse beherrschte und den Sänger aufrecht hielt, jedenfalls sehr gelegen. Der Mann lehnte sich zwar mehrmals theatralisch an die Trägerstützen der Bühnenkonstruktion links und rechts, was andeutete, dass er mit seinen Kräften haushaltet, doch heizte sich Kerr zusätzlich auf – und das vor allem durch seine eigene Schuld, saj er einen guten Teil des Konzerts im Mantel und Schal verbrachte.
Die Band ist so verdammt erfahren und so »eingefahren«, dass ihr so schnell kein Fehler unterläuft. Alles ist so, wie es sein muss. Alle zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Alle ziehen rechtzeitig die richtigen Züge im einzigartigen musikalischen Geflecht der Simple Minds-Kultur. Charlie Burchill bleibt ein feinsinniger Großmeister des Legens seiner berühmten hypnotischen Gitarrenlinien, gestützt durch einen außergewöhnlichen Sustain-Effekt. Der Einsatz des Tremolo-Arms, das filigrane Drehen der Gitarrenpotentiometer und das Herumtanzen auf dem riesigen »Pedal Board« wirken perfekt. Darin bleibt Burchill ein einzigartiger Gitarrist und neben Kerrs vokaler Einzigartigkeit die zweite wichtige Säule, die Simple Minds die grundlegende Substanz ihrer großen musikalischen Besonderheiten einhaucht.
Die Rhythmussektion bildet natürlich jenes Gerüst, das Kerr und Burchill überhaupt erst ermöglicht, ihre musikalischen Träume als Künstler und Interpreten auszuleben. Ged Grimes entwickelte eine außergewöhnliche Basslinie, die klirrend riss und die Atmosphäre zerschnitt, und schuf gemeinsam mit Gaynors berühmten Kanonenschlägen den berühmten Kontrast, den die Arrangements der Simple Minds-Musik tragen – und der einer der Grundpfeiler ist, die die Musik der Gruppe höchst dramatisch kontrastieren. In einem Maße, dass diese live, sprich auf Konzertbühnen, durchgehend heftiges Gänsehautfeeling und Schauer verursacht! Magie auf den Bühnen Zagrebs! Wenn die Band sich auf diese Weise einem Stück wie dem außergewöhnlichen Hypnotised annimmt, weißt du, dass du am gemeinsamen Konzerttisch mit den größten Meistern ihres Fachs sitzt.
Die Band nimmt für jeden Konzertabend eigentlich kleine »Korrekturen« an den Setlisten vor. Nun, Zagreb war besonders damit beglückt, dass die Band für die Verlängerung dieser Tournee genau beim Zagreber Konzert Mandela Day wieder in die Setlist aufgenommen hatte, das sie bei den vorangegangenen Konzerten derselben Tournee nicht gespielt hatte. Die zweite angenehme Bereicherung der Setlist stellte das erste Stück in der obligatorischen Zugabe dar, das ruhige Let It All Come Down. Nach dem Cover von The Call, natürlich nach der berühmten Simple Minds-Rezeptur geschnitten und Let The Day Begin genannt, folgte eine 15-minütige Pause, und die Band kehrte mit dem für einen Tanzschritt arrangierten Speed Your Love To Me auf die Bühne zurück, das Sarah Brown als Lead-Sängerin vortrug. Das brachte vor allem den männlichen Teil des Publikums am Ende auf die Beine, als Sarah theatralisch ihre High Heels auszog und damit eigentlich die Fortsetzung des Konzerts ankündigte. Kerrs Pause verlängerte sich damit um fünf Minuten. Der Mann kehrt in der Folge zum Mikrofon zurück für das immergrüne Patti Smith-Cover Dancing Barefoot. SImple Minds beginnen das Publikum in der Folge durch She’s A River, Someone Somewhere in Summertime, The American, Love Song und natürlich jenes Stück auf den Höhepunkt des Konzerts zuzutreiben, auf das die große Mehrheit am sehnlichsten gewartet hatte! Don’t You (Forget About Me)! Mit der Darbietung dieses Stücks trug die Band den Konzertabend auf seinen Höhepunkt und beendete damit seinen regulären Teil.
In der obligatorischen Zugabe gönnten sich Simple Minds noch fast eine halbe Stunde und setzten dem neuen außergewöhnlichen Konzertabend mit den vermissten Evergreens Sanctify Yourself, Alive And Kicking und dem schon erwarteten abschließenden Potpourri Ghost Dancing, das in das irische Volks-Erweckungslied Gloria überging, das i-Tüpfelchen auf. Hypnose! Vom ersten Moment an, als sie den Abend mit dem großartigen Broken Glass Park eröffneten, das sofort die berühmte ausdrucksstarke Bekenntniskraft der Band charakterisierte, bis zum abschließenden »Rodeo« im Ausgangsteil. Die Achtziger zeigten sich neu! Für zweieinhalb Stunden. Und SImple Minds? Wie Wein. Je reifer, desto besser. Sie spielen fantastisch. Ein Konzertabend voller Höhepunkte und Superlative. Nicht mehr, nicht weniger!
Setliste
—erster Teil—
1. Broken Glass Park
2. Waterfront
3. Stars Will Lead the Way
4. Hypnotised
5. Once Upon a Time
6. One Step Closer
7. Let There Be Love
8. Promised You a Miracle
9. Glittering Prize
10. Mandela Day
11. Let the Day Begin (The Call cover)
—zweiter Teil—
12. Speed Your Love To Me
13. Dancing Barefoot (Patti Smith cover)
14. She’s a River
15. Someone Somewhere in Summertime
16. This Is Your Land
17. Hunter and the Hunted
18. The American
19. Love Song
20. See the Lights
21. Don’t You (Forget About Me)
—Zugabe—
22. Let It All Come Down
23. Sanctify Yourself
24. Alive and Kicking
25. Ghostdancing / Gloria
Bildergalerie


































