Jagode, weißes Ljubljana und biodynamische Liebe (2014)
Autor: Urban Bolta
Ort: Octopus / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 01.02.2014
Besucherzahl: 150
Eintrittskosten: Eintritt frei
»Und das Wort ward Fleisch« – so könnte man den biblischen Ausspruch in die heutige Zeit übertragen, genauer gesagt ins Lager der bosnisch-kroatischen Heavy-Rock-Legenden Divlje Jagode, die endlich ein brandneues Studioalbum »Biodinamička ljubav« veröffentlicht haben. Die Jahre von Zeles Versprechen erfüllten sich Anfang Dezember, als das lang ersehnte Werk bei Croatia Records erschien. Dass die Jungs mit ihrem neuen Angriff auf den Markt des einstigen gemeinsamen Staates ernst machen, haben sie am ersten Februarsamstag bewiesen, als sie im Club Octopus im Herzen des verschneiten Ljubljana auftraten.
Divlje Jagode waren vor drei Jahrzehnten das Aushängeschild von Jugoton im Bereich Heavy Metal. Sie haben alles erreicht, was zu erreichen war, und haben sich schon lange unter die Handvoll größter Rock-Promotoren Jugoslawiens zementiert. Dann kamen turbulente Zeiten. Der Bruderkrieg und all die vergangenen Jahre haben den Jagode einen Großteil des Glanzes genommen, in dem sie einst gebadet hatten – und doch segelte das Schiff weiter.
Das Kollektiv unter der Führung von Gitarrenvirtuosen Zele Lipovača spielte weiterhin quer durch die Region, doch die Veröffentlichung eines neuen Albums ließ immer länger auf sich warten. Die Gründe lagen in Zeles Perfektionismus, den harten Bedingungen, die mit dem Aufkommen des World Wide Web in der Plattenindustrie Einzug gehalten hatten, und schließlich in dem enormen finanziellen Aufwand, den ein neues Album der Divlje Jagode erfordert hätte. Auch Personalwechsel spielten ihre Rolle – doch gestärkt durch den brandneuen Frontmann Livio Berak haben die Jagode die zehnjährige Durststrecke endlich gebrochen! Sie haben das ausgefeilteste Album ihrer Karriere veröffentlicht und in den vergangenen Monaten bereits einige potenzielle Hits in den Radios platziert – der Ansturm zur Rückgewinnung des Publikums hat begonnen! Zagreb hat im Dezember und Januar bereits zwei Promotion-Events erlebt, das nächste der größeren fand letzten Samstag in Ljubljana statt.
In der angenehmen Atmosphäre des warmen Innenraums des Clubs Octopus schlug die Uhr zehn Uhr abends, als die Jagode die Bühne einnahmen. Neben Zele Lipovača an der Gitarre komplettieren die Band noch Schlagzeug-Veteran Nasko Budimlić; die internationale Note bringen dann Keyboarder serbischer Herkunft Damjan Deurić, der Ungar am Bass Andraš Išpan und der bereits erwähnte Livio Berak an Gesang und Rhythmusgitarre ein.
Gut hundert Seelen wohnten dem Event bei, größtenteils Journalisten und die treuesten Unterstützer der Band – und so blieb die entspannte Stimmung weder auf der Bühne noch davor aus! Gleich zum Auftakt zogen die Jagode Vodarica (»Divlje Jagode«, 1978) aus der Mottenkiste – eine erstklassige Überraschung und ein Dankeschön an alle, die trotz widriger Wetterbedingungen zum Konzert gefunden hatten. Hand aufs Herz sind die Konzerte der Divlje Jagode im letzten Jahrzehnt reichlich vorhersehbar, weshalb das Einbeziehen solcher Perlen ins gespielte Repertoire umso süßer ist. Zum Wohl des Kollektivs zog sich auch Lipovača auf seinen Stammplatz rechts auf der Bühne zurück und überließ die Mitte damit Frontmann Berak. In der Vergangenheit war es nämlich vorgekommen, dass Zele dem ehemaligen Sänger Marko Osmanović durch seine zentrale Bühnenpräsenz irgendwo am Rand nur Krümel übrig ließ – was schlicht geschmacklos ausgesehen hatte.
Livio Berak ist ein Mann ruhigen, scheuen Charakters, der sich aber schon länger mit dem Singen beschäftigt, weshalb es ihm nicht schwer fiel, in die Rolle des zentralen Bühnendarstellers zu schlüpfen. Mit einem soliden Gesangsauftritt und dem obligatorischen Schuss Jugo-Melos (vor allem im abschließenden Stück Divlje Jagode) stellte sich Livio als Musiker vor, dem die Islamović-Schule näher ist als etwa die Žak-Schule. Ein großes Plus bringt der Band sein Gitarrenspiel, mit dem er für ein insgesamt reichhaltigeres Klangerlebnis sorgt. Leider wurden Damjans Keyboards im Klangbild diesmal stiefmütterlich behandelt, was vor allem bei den neueren Stücken Samo da znaš und Ti bez riječi znaš störend war, da diese im Gegensatz zu einigen älteren „Sturm“-Kompositionen mehr Wert auf das Zusammenspiel von Keyboards und Gitarren legen.
Trotz des Promotion-Abends würzten die Jagode das Konzertmenü mit zahlreichen Hits, darunter Konji, Kap po Kap und Motori – und auch Zele kam dabei auf seine Kosten. Gegen Ende des regulären Teils präsentierten sie nämlich ein neues Instrumentalstück, das allerdings nicht auf das Album »Biodinamička ljubav« aufgenommen wurde. Der Türkische Marsch hat also eine Fortsetzung bekommen, und der gut aufgelegte Meister der Sechssaiter erhielt nach lautem Applaus eine weitere Bestätigung, dass vor den Jagode (wieder) schöne Zeiten liegen.
Divlje Jagode haben mit ihrem Promotion-Auftritt im Zentrum von Ljubljana gezeigt, dass sie noch immer da sind! Mit dem neuen Album in der Tasche marschieren sie selbstbewusst durch die größten Städte des einstigen gemeinsamen Staates und kündigen bereits neue Unternehmungen an – darunter wohl auch neue Landungen auf slowenischem Boden. Dann sehen wir uns bestimmt wieder!
Setliste
1. Vodarica
2. Samo da znaš
3. Dobro došla
4. Ti bez riječi znaš
5. Konji
6. Kap po kap
7. Đavolji grad
8. Motori
9. Instrumental
10. Jedina moja
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11. Let na drugi svijet
12. Ciganka
13. Divlje Jagode
Bildergalerie


































