Alkoholische Blasphemie in Škofja Loka (2013)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Škofja Loka / Loški Pub / Slowenien
Konzertdatum: 14.12.2013
Besucherzahl: 120
Kartenpreis: 6,00€ (im Vorverkauf) / 8,00€ (am Konzerttag)
Da war er also, einer der wenigen diesjährigen Auftritte einer Band, die zu den wichtigsten Comebackern der letzten zwei Jahre in Slowenien zählt. The Drinkers. Die Besetzung hatte kurz vor der Veröffentlichung des neuen Albums »Recidiv« beschlossen, vor dem neuen Jahr noch einen Auftritt hinzulegen – um die Glieder zu lockern und am eigenen Leib zu spüren, in welcher Verfassung ihre aktuelle Bühnenform ist. Wir reden hier von der re-affirmierten klassischen Besetzung der The Drinkers! Mit den Rückkehrern Sandi Kolenec Koli und Primož Trebce in der Aufstellung!
Der Loški pub liegt in der Nähe jener unglückseligen Kurve in Škofja Loka, an deren belebter Böschungsgrenze, die hinaufführt, ein Schild hängt: »Wir wollen sofort eine Umgehungsstraße!« Diese Linkskurve in Škofja Loka ist episch. Die Straße ist an dieser Kurve nämlich so eng, dass die Aufbauten der Lastwagen beim Durchbruch ins Poljansko dolino regelmäßig und erbarmungslos am zweiten Stock des alten Hauses am Ende der Altstadt von Škofja Loka entlangschleifen und dagegen hämmern. Gegenüber diesem schrecklichen Verkehrschaos steht der Loški pub. Und darin war es zwischen neun und zehn Uhr abends schon richtig lustig. Da betrat nämlich die lokale Band Arizona die Bühne. Das haben wir diesmal ausgelassen und hingen lieber mit zwei Krügen Bier in Gesellschaft von Miro Mutvar, Klemen Markelj und Primož Trebce (alle The Drinkers) in der Kneipe nebenan, wo man – glaub’s oder glaub’s nicht – Union-Bier ohne ein einziges einzelnes Molekül Kohlendioxid zapft. Ja, das ist diese Traumversion des Union-Biers, nach der einem morgens – oder vielmehr niemals und zu keiner Zeit – der Kopf nicht wehtut.
Aber ohne Überraschungen ging es nicht. Und wie lautet die Überraschung diesmal? Besuch von den Männern in Blau. Was zum Teufel? Und Inspektoren, die darf man auf keinen Fall vergessen – vor allem wenn es darum geht, Schwarzbauten zu sanktionieren (Teufel nochmal. Da sind sie nirgends zu finden!). Offensichtlich haben die samstags abends zu viel Zeit. Sie hätten lieber zu Hause bei ihren Familien bleiben sollen, anstatt an einem der wenigen dem Rock ’n‘ Roll gewidmeten Spielorte in Slowenien Unbehagen zu säen. Wie auch immer, Fakten sind Fakten. Ohne Ordnungshüter geht’s eben nicht. Aber Tatsache bleibt, dass man lieber ein anderes Mal mit ihnen abhängen würde.
Es war weit nach elf Uhr abends, als die Kerle von The Drinkers endlich die Bühne erklimmen und ihr berühmtes Gedröhne loslegen, das man viele Jahre lang nicht zu genießen bekommen hatte. Mat K. – ein Song wie maßgeschneidert für den unvergleichlichen Koli. Die Dinge fallen sofort an ihren Platz. Wirklich? Die einzige Ausnahme ist die eisige Kälte, die sich in die Knochen frisst! Die hat den armen Primož von hinter den Tasten zum Butangasbrenner vertrieben, wo der Ärmste sich in den Pausen zwischen den Songs die Hände wärmen musste. Kaum eine »coolere« Band findest du in Slowenien als The Drinkers. Schaust du auf die Bühne, liegen alle Antworten auf der Hand. Der gelassene, friedliche Hüne am Bass Miro Mutvar – souverän und unerschütterlich; ganz rechts außen steht Gitarrist Robi Likar, ebenso mit außergewöhnlicher Erfahrung beladen, und ebenso kann ihn kaum etwas aus der Bahn werfen. Beide strahlen eine unglaubliche Lockerheit und Leichtigkeit aus, eine positive Energie, die sich auf das Publikum überträgt! An diesem Abend hat Robi die Anlage gut bedient und die Gitarre dröhnte in der richtig abgefüllten The-Drinkers-Manier. In Podlipa 2011 erinnerte der Gitarrensound eher ans Rülpsen von Weinmücken. Diesmal alles in bester Ordnung!
Koli, geziert mit einem roten Schal, ein gemeißelter »sharp dressed man«, hat The Drinkers ihren Kopf wieder auf den alten Platz zurückgebracht. Dorthin, wo er hingehört. Wenn man die Band mit ihm heute noch sieht, kann man kaum glauben, was einem aus der Erinnerung hochkommt – diese holprige Version mit zwei scheppernden Gitarren und Maki am Mikro. Kolis Charisma reicht weit, weit. Der Gesang bleibt durchdringend und kernig! Sogar besser als je zuvor. Er reift wie Wein. Die Zunge aber bleibt scharf gewetzt. Jetzt, wo der Mann von den Dämonen der Alkoholdämpfe befreit ist und alkoholische Getränke meidet wie der Teufel das Kreuz, dreht er in den Pausen so abgefahrene Nummern, dass er sich dabei auf Kosten seiner Alkohol-Abstinenz selbst auf den Arm nimmt. Da wundert es kaum, warum The Drinkers einen Song namens Recidiv geschrieben haben und warum das gesamte kommende neue Studioalbum der Band so heißt. Obwohl die Kellnerinnen die Bühne eifrig mit Runden Laško, Union und sogar Glühwein versorgten, waren auch randvoll mit Wasser gefüllte Halblitrsgläser nicht zu übersehen. Koli aber bleibt der große Held. Das Publikum hat er mühelos wieder dazu gebracht, ihm aus der Hand zu fressen, wann immer ihm danach war. Er bleibt eben ein außergewöhnlicher Frontmann. Doppelgänger kommen nicht in Frage!
Die Band präsentierte wieder völlig neue Songs, wie schon im Juni in der Cvetličarna. Es reihten sich Huda Baba, Debeli Avioni und auch die schon bekannteren neuen Singles Trboule sowie Recidiv aneinander, die offiziell bereits auf den erschienenen Compilations »Val 012 imamo dobro glasbo« bzw. »Zasavski krasen džumbus« (2013) verewigt sind. Und diese neuen Nummern wirken unglaublich vielversprechend. Als Kompositionen bestätigen sie, dass die Chemie mit Koli wieder hergestellt ist, dass sie voll greift und dass sie als solche einzigartig ist. Unersetzlich. Ansonsten gibt’s Party-Auszeit durch die Klassiker Lepi in trezni, Lit’r vina, Rjava podmornica (zu lesen als: »ein Schuss Rum in einem Bierkrug«), Pijemo ga radi, Jawohl! Biermarsch durch Škofja Loka! Da sind die ins Volk übergegangenen I Love Alkohol, Fa Fa Fa, Deset mejhnih jagrov und Ko to tamo peva! Die Sieger eines jeden Konzertrepertoires. Natürlich mit dem unvermeidlichen Theater, das die Kettensäge bei der Darbietung von Kralj hoste mitbringt! Aus Zasavje natürlich – dabei wollen wir hoffen, dass die 3 % Biomasse des Holzvorrats noch im Wald verbleiben, bestimmt für geeignete Nistplätze von Sekundärhöhlenbrütern, als Nahrung für Primärhöhlenbrüter und zur Entwicklung juveniler Stadien allerlei kleiner kriechender Tierchen! Wenn bei Lačni Franz die Trompeten rosten, dann kurbelt bei The Drinkers die Kettensäge!
Das fleißig berauchte und besoffene Volk hatte sich ordentlich von der Energie des Konzerts mitreißen lassen und veranstaltete einen handfesten Krawall! The Drinkers reihten im Zugabenblock noch den erwarteten »Alko-Walzer« Žeja auf, dahinter das noch sehnlicher erwartete Mafalda und schlossen ihren alkoholischen Sturm genau wie in der Cvetličarna ab! Mit der Darbietung von Covers der Partibrejkersi (Krena premi meni) und Billy Idol (Rebel Yell)!
Die Mission namens »Lošker Bier-Orgie« für alle „Wochenend-Krieger“, die sich an diesem Abend nach Škofja Loka verirrt haben, ist voll aufgegangen! Inszeniert von den einen und einzigen! Slowenischen Königen des Alk ’n‘ Roll. The Drinkers! Bürgschaft für das hämische Sauf-Format!In Erwartung des neuen Studiowerks wünschen wir den Jungs, dass sie erfolgreich ins elfte Jahr ihres Schaffens starten! Nächstes Jahr wird für The Drinkers wieder ein Jahr des echten Konzertunwetters. Der alkoholische Dezember-Orkan in Škofja Loka hat eine wirklich schöne Ouvertüre geliefert!
Setliste
1. Mat K.
2. Lepi in trezni
3. Trboule
4. Huda baba
5. I Love Alcohol
6. Lit’r vina
7. Debeli avioni
8. Recidiv
9. Rjava podmornica
10. Jawohl
11. Privat Bog
12.. Fa Fa Fa
13. Kralj hoste
14. Ko to tamo peva
15. Ko boš prišla na Bled
16. Slovenac
17. Pijemo ga radi
18. Deset mejhniih jagrov
—Zugabe—
19. Žeja
20. Mafalda
21. Kreni prema meni
22. Rebel Yell
Bildergalerie









































