The Tide haben uns ihr neues Album Landings vorgestellt (2013)
Ort: Gala Hala / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 12.12.2013
Eintritt: 0,00€
Ich betrat die Gala Hala schon während des Soundchecks der Band und stellte mich direkt vor dem Mischpult auf. Das Event, die Präsentation des neuen Albums, im Rahmen der Domorodnih Četrtkov war kostenlos, und trotzdem platzte die Gala Hala (beim Soundcheck) nicht gerade aus allen Nähten. Die Startzeit des Konzerts rückte immer näher, die Location war aber noch immer leer. Schade, dass eine slowenische Band ihr Werk präsentiert (gratis noch dazu), und kaum jemand zum Zuhören da ist. Trotz anfänglicher Zweifel am Erfolg des Abends bemerkte ich kurz darauf vor der Hala eine Menge Leute beim letzten Zug vor dem zweistündigen Event.
Auftritte von The Tide sind definitiv etwas Besonderes. Die Band trägt schon für sich allein einen besonderen Klangeindruck, und der Live-Auftritt verdient noch besonderes Lob. Die Interpretation von Sänger Tomaž strotzt vor Energie wie Sinnlichkeit, natürlich je nach Kontext des Songs. Für einen ruhigeren Einstieg nutzten The Tide Lay Me Down, einen Beitrag vom neuen Album Landings, ein überraschend sinnlicher, fast halbzeitiger Blues-Song, der vom Publikum warmherzig aufgenommen wurde. Einen ähnlichen Applaus erhielt Smooth Divine; Cosmic und Ready to Go unterbrachen die Reihe der Songs vom neuen Album. Letztere verdient besondere Erwähnung: Der Auftritt der gesamten Band strahlte auf der Bühne der Gala Hala beim Übergang vom dynamischen Refrain in den Mittelteil vor dem Gitarrensolo. Solche Momente fehlten durchs Konzert nicht; Songs wie Midnight Shooter, Desire, Matrix World, Roll the Dice – alle spielten The Tide mit unglaublicher Leidenschaft, ohne “Altersdiskriminierung” der Songs. Unterschiede zwischen der Darbietung von Songs wie z.B. Monday Sleeper, mit seiner klaviergesättigten Atmosphäre vom ersten Album, und der kommenden Single Little Love Pretender gab es praktisch keine. Alle Songs spielte die Band mit der Stärke und Souveränität einer echten Gruppe und nicht eines “Industriebetriebs”. Natürlich schlichen sich gelegentliche Patzer hinter den Boxen der Gala Hala hervor, aber ohne größere Folgen. Ganz im Gegenteil: ein warmes Lächeln und noch stärkerer Wille zum Spielen, ohne Schuldzuweisungen oder Gemurre.
Eine ähnliche Einstellung zum Spielen zeigte die Band auch bei Higher, deren arrangementtechnisches Highlight des Live-Auftritts eindeutig die Solo-Passagen der Keyboards und der Gitarre waren. Ich selbst bin kein großer Fan von überflüssigem Solieren, sei es zur Zurschaustellung der Dominanz eines Instruments über die anderen oder zum Prahlen mit frisch erlernten “Tricks”. Slowenische Musiker greifen auf Letzteres häufig zurück und verarmen damit den Auftritt für alle Anwesenden.
The Tide machten das auf eine ganz andere Art; der Stempel des Solos hinterließ keinen bitteren Beigeschmack beim ohnehin schon mitreißenden Auftritt, sondern fügte sich harmonisch ins Gesamte ein und füllte über genau die richtigen Impulse jenen Teil des Klangspektrums, der den Zuhörern noch fehlte.
Die Songs vom neuen Album funktionierten im Set von The Tide kohärent, die Wahl der Songs für Breaks und Schübe war ein Volltreffer. Das richtige Maß an rhythmischer Verträumtheit und dynamischen Impulsen, besonders gut umgesetzt im Song Your River Wild. Nach dem Ende des offiziellen Teils des musikalischen Portfolios kehrte die Gruppe (auf lauten Ruf des Publikums, natürlich) auf die Bühne zurück und bescherte uns die letzten drei Songs, Decline, Matrix World und Roll the Dice. Matrix World, eine Frage an die moderne Gesellschaft und ihre technologische Abhängigkeit, ist der neueste Erstling vom Album Landings, Roll the Dice half The Tide noch ein letztes Mal, die Gala Hala zu rocken.
So wie The Tide selbst Spaß hatten, hatte auch das Publikum in der Gala Hala einfach Spaß. Eine der wenigen slowenischen Bands, die mit einer einzigartigen Palette an Songs und greifbarer musikalischer Substanz aufwarten kann. Das neue Album erhielt eine warme Resonanz vom Publikum! Das klangliche Gefüge des musikalischen Porträts von The Tide erweitert sich mit dem neuen Album Landings erneut, und bleibt dabei gleichzeitig seinem Wesen treu, das folgendes vorschreibt: Dynamische Darbietung, einzigartiger musikalischer Fingerabdruck und jede Menge schwebenden Genusses.
Setlist
1.Lay Me Down (Landings)
2.Smooth Divine (Landings)
3.Cosmic (Love & Trust)
4.Ready to Go (King of the Hill)
5.Echoes in Shoes (Landings)
6.Little Love Pretender (Landings)
7.Whirl of Time (Love & Trust)
8.Letter from the Other Side (Kings of the Hill)
9.Stay Out of My Place (Love & Trust)
10.Desire (Love & Trust)
11.Carry On (Love & Trust)
12.Snow! (King of the Hill)
13.Whisper (Love & Trust)
14.Midnight Shooter (Kings of the Hill)
15.Do You Worry Now? (Live & Clean)
16.Monday Sleeper (Live & Clean)
17.Higher (Landings)
18.Your River Wild (Love & Trust)
—Zugabe—
19.Decline (Kings of the Hill)
20.Matrix World (Landings)
21.Roll the Dice (Landings)
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