Über ökologisch einwandfreien Thrash Metal (2013)

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Autor: Primož Novak

Ort: Orto bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 11.12.2013
Besucherzahl: 80
Eintrittspreis: 18/22 €

Der Dezember hatte für Thrash-Metal-Fans noch eine ganz ordentliche Auswahl parat. Schon am 1. Dezember konnte man sich über Death Angel und Dew-Scented freuen, die zweifelsohne nicht enttäuschten. Vor zwei Tagen dann noch ein weiteres Thrash-Metal-Konzert im Orto Bar. Im Rahmen der Unnatural Selection Tour machten Havok, Angelus Apatrida und Savage Messiah halt. Die ersten beiden Bands hatten unser kleines Land bereits besucht und enttäuschten natürlich nicht. Bei Savage Messiah war die Situation anders: Wenn du dich dem Publikum zum ersten Mal vorstellst, musst du das in möglichst gutem Licht tun.

Savage Messiah legten in einer halbvollen Halle los, was für Bands, die  ein Event eröffnen, ziemlich typisch ist. Viele Besucher standen trotz der Kälte lieber draußen bei Bier und Zigarette. In ihrem knappen halbstündigen Set spielten Savage Messiah Songs von allen drei Alben, darunter auch einen Neuling, der auf dem neuen Album The Fateful Dark landen soll, das im März 2014 erscheint. Die Band hat sich trotz der abgenutzten Schublade des Genres bis zu einem gewissen Grad bewährt. Neben den oft gehörten schnellen Thrash-Metal-Riffs gab es Heavy/Power-Metal-Passagen, melodische Wechselsoli sowie einen ziemlich interessanten Gesang, der an so manchen Heavy-Metal-Act erinnerte. Trotzdem lässt sich schwer behaupten, dass die Band etwas bietet, das größere Massen ansprechen würde. Das Quartett hält sich an bewährte Leitlinien, was letztlich in Generik mündet – größere Bühnen werden Savage Messiah wohl nicht erobern.

Mit dem spanischen Quartett Angelus Apatrida ließ sich schnell bestätigen, dass Savage Messiah das eindeutig interessantere und einfallsreichere Ding gewesen waren. Denn bei Angelus Apatrida wiederholt sich einfach alles. Zwei Songs gingen noch so halbwegs runter, aber danach wird klar, dass die Band nichts anderes macht als recycelten Thrash-Metal-Kram zu servieren, dem die alten Thrash-Metal-Hasen schon längst aus dem Weg gehen. Generik und Wiederholungsmuster ohne Ende. Den Großteil der Songs bildeten typische Thrasher-»Bienchen«, nervtötender Keifgesang, Vorhersehbarkeit und höheres Tempo. Trotz allem schafften es Angelus Apatrida, einen Teil des Publikums in Bewegung zu bringen – ganz hoffnungslos war die Sache also nicht. Auf der anderen Seite wäre es schöner gewesen, irgendeine slowenische Thrash-Band zu sehen, die mehr Fantasie hat als AA.

Mit der amerikanischen Truppe Havok, die dieses Jahr das Album Unnatural Selection veröffentlicht hatte, löste sich der schlechte Eindruck der Spanier in Luft auf. Klar greifen auch Havok auf bewährte Rezepte zurück, aber zum Glück haben Havok ein paar wirklich herausstechende Songs. Besonders hervor stachen Covering Fire, Point of No Return, From Cradle to the Grave, D.O.A. und Time Is Up. Havok bringen zwar nichts Neues, aber mit einer guten Rhythmusfraktion lässt sich das hier deutlich verbessern. Trotz ziemlich generischer Riffs und nervigem Gesang wirken die Songs dank eines exzellenten Drummers und interessanter Soloarbeit interessant. Das Publikum fraß ihnen aus der Hand. Bei bestimmten Songs war schon die halbe Halle im Mosh. Die Band war trotz all der Aggressivität und Geschwindigkeit auf der Bühne voller Energie. Logischerweise boten Havok auch Neues, das sich leider nicht so gut einbrannte wie die älteren Songs. Der Grund ist simpel: Die neueren Stücke wirken hastig geschrieben und ähneln sich untereinander zu sehr. Was ist dafür verantwortlich? Vielleicht schlechte Produktion, Labeldruck oder schlicht Mangel an Fantasie. Es lässt sich nicht behaupten, dass Havok kein Potenzial hätten, aber mit generischen Produkten voller recycelter Ideen kommen sie nicht weit. Wahrscheinlich werden sie noch als Vorband irgendeiner bekannten Band auftreten – mehr als das werden sie wohl kaum erreichen.

Das sogenannte Thrash Revival ist auf seine Art zum Schuss ins Leere geworden. Anfangs versprachen die Bands Großes, brachten das Vertrauen in den Thrash Metal zurück – doch nach zwei Alben zeigte sich das wahre Bild. Die Labels wollen sie loswerden, und zu den Konzerten kommen immer weniger Leute. Im Thrash Metal ist schon alles gesagt worden, oder es gibt auf der Szene schlicht nicht genug fähige Bands, die das Genre wieder interessant machen würden. Man muss ihnen aber wenigstens das lassen: Die Auftretenden sind zumindest ökologisch gesinnt. So viele recycelte Ideen kriegt man nicht einfach so an einem Ort zusammen.

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