Hellcats brechen auf zur Divja pot – Release-Party zum Erscheinen des Studiodebüts (2013)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Dvorni bar / Slowenien
Konzertdatum: 03.10.2013
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 0,00€ (freier Eintritt)

Der Tag ist da. Der Tag, an dem das Debütalbum der ersten und berüchtigtsten rein weiblichen Heavy-Metal- oder Heavy-Rock-Gruppe Sloweniens erscheint – nennt sie, wie ihr wollt. Spekulationen erübrigen sich. Hellcats und das Album »Divja pot«. Lange haben wir darauf gewartet, schon fast die Hoffnung aufgegeben, aber die Mädels haben sich bei der abschließenden Feinarbeit am Produkt wirklich sensibel und feinfühlig angestellt. Denn sie wollten das Maximum aus sich selbst und natürlich aus denen herausholen, die ihnen im Entstehungsprozess des Albums zur Seite standen. Und sie können stolz auf ihr Ergebnis sein. Exzellente Produktion, Songs mit Melodien, die beim ersten Hören sofort packen, sowie einfache, kernige und druckvolle Metal-Riffs, die keinen Hehl aus ihrer großen Begeisterung für die legendären Judas Priest aus der Ära ihres Kultalbums »British Steel« (1980) machen. »Divja pot« ist ein Album mit Charakter, ein Album mit klarer musikalischer Vision, und schon der bedeutungsvolle Titel verrät, dass die Mädels bis zu seiner Veröffentlichung ein echtes Adrenalin-Karussell aufregender Ereignisse durchgemacht haben, mit denen sich ihr Rockerweg gekreuzt hat.

Dvorni bar, ein praktischer Ort. Man würde dort eher eine Plattenpräsentation eines Singer-Songwriters erwarten, aber auch für ein Musikpaket mit höherer Dezibel-Dosis wie Hellcats funktioniert er wunderbar. Zuerst drückt dir der aufmerksame Vlado zur Begrüßung ein Glas Weißwein in die Hand – das bekannte glückliche Gesicht der noch bekannteren Srečna Mladina –, dann landest du schnell in einer Diskussion mit einem Haufen interessanter Köpfe, die auf die eine oder andere Weise in der slowenischen Rock-’n‘-Roll-Szene vertreten sind. Als Medienvertreter, Leute von Labels, Agenturen, oder noch besser: als Macher – Musiker. Die Alters- und Geschlechterstruktur der Anwesenden war interessant. 90% reife Männer (aber von ewig kindlichem Wesen, wie es Rock ’n‘ Roll nun mal verlangt), dem Personalausweis zufolge tief im »Kern« der Vierzig verankert – und darüber hinaus. Und wenn Igor Vidmar zu den Honoratioren des Abends gehört, weißt du, dass das kein Spaß ist.

Da das ganze Ding mit mehr als einer halben Stunde Verspätung losging, beschränkten die Mädels sich auf ein Repertoire von vier Songs. So fielen Viking, Heavy Metal und Čas je da grešt weg. Mit raumfüllender Lautstärke wurden im Dvorni bar dann Hellcats, Vladar noči, Sanjam demone und Divja pot gespielt! Wie erwartet. Kurz, aber süß. Die Band verdient wirklich Lob für den starken Fokus, den das Quartett mit großer Kameradschaft untereinander aufrechthält. Diese kann anderen slowenischen Bands der Heavy-Metal- und Hard-Rock-Genres als Vorbild dienen. Das strahlt die Band sowohl auf der Bühne als auch bei gelegentlichen Gesprächen aus. Mit einem ausgefeilten Bühnenlook und einer Ausstrahlung, die Männerblicke unweigerlich auf sich zieht, aber getragen von großer Eingespieltheit und hart erarbeiteter Bühnensouveränität, hinter der jahrelange Erfahrung steckt, beweisen Hellcats heute, dass das eine Band ist, die man bierernst nehmen muss. Und jene ewig frustrierte Behauptung vor allem seitens männlicher Rock-Bands Sloweniens, die hätten es leicht, alles zu erreichen, weil sie mit engen Röckchen und hohen Absätzen provozieren könnten – die stimmt nicht. Die Mädels spielen dabei. Die spielen wirklich! Wenn du Katjas Solo hörst – mit dem wirkungsvollen Einsatz von Lagenspiel und Tonverteilung darin –, ihre Bühnenpräsenz und so weiter, brauchst du keinen Einstein, um zu kapieren, dass Katja als Gitarristin in den Grundlagen so einigen »aufgeblasenen« Mitgliedern anderer Bands eine Menge beibringen könnte, die auf der Bühne oft »bäuerlich« wirken. Ich sage es lieber direkt: unbeholfen und ohne Witz. Die weiß genau, was sie tut! Dann sind da noch die anderen drei, die jeweils mit ihrem eigenen »Stück« Artistik dem Namen und dem Werk von Hellcats gerecht werden. Und angesichts der Tatsache, dass Katja die Schlüsselfigur ist, was das Halten der Klangkulisse für den Gesang betrifft, kann man sagen, dass Hellcats an diesem Punkt heute gereift und so stark geworden sind, dass sie nach der Veröffentlichung des Erstlings ruhigen Gewissens über eine handfeste Tour durch Slowenien nachdenken können – mit etwa 7–8 Shows von Murska Sobota bis Koper –, und das Album »Divja pot« öffnet ihnen als eine Art »Wild Card« auch die Tür, im Ausland mitzumischen. Erwähnenswert ist außerdem, dass die Mädels die slowenischen Texte äußerst geschickt geformt und in die Hauptmelodielinien eingebettet haben, sodass alle Charakteristika eben jener Melodien erhalten bleiben, die sie in ihrer Musik hervorheben wollen.

Wie viele belegte Brötchen wer gegessen hat, kann ich euch allerdings nicht sagen. Der Autor dieser Zeilen bleibt nämlich in erster Linie unverbesserlich kindlich, was seine musikalische Obsession betrifft. Deshalb war seine Konzentration auf das sonstige »musikbegleitende« Treiben am reich beladenen Tisch dieses Abends eher eine Erfahrung der Langeweile als des wilden Abenteuertums. Angesichts der Feststellung, dass die Feierlichkeiten bei der unbestreitbar ansteckenden Wirkung alkoholischer Derivate im Dvorni bar bis tief in die Nacht andauerten, kann er seinen Bericht mit Folgendem abschließen: Ein großer Tag für die Band also! Und ein großer Tag für den slowenischen Heavy Metal und Hard Rock! Meine Damen! Viel Glück auf eurem wilden Weg!  

Setlist

1. Hellcats
2. Vladar noči
3. Sanjam demone
4. Divja pot

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