Operation: Volldampf bei Bluesiana – zweiter Teil! (2013)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Velden am Wörthersee / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Konzertdatum: 12.09.2013
Besucherzahl: 90
Kartenpreis: 44,00€
Und dann waren da Steamroller! Und da war die Bluesiana! Und sie wurde zum zweiten Mal eingedampft! Mit Dampf durchgewalzt. Die Regie des Dampfkessels vollzog sich in der Besetzung des Trios Doug Aldrich (Gitarre), Michael Devin (Gesang, Bassgitarre), Matt Starr (Schlagzeug)! Hat schon jemand die Namen erkannt? Aldrich und Devin – das neue Whitesnake-Duo. Aldrich und Starr – das wiedererweckte Burning Rain-Duo! Heiß, oder?
Es war weit nach neun Uhr abends, als das Super-Rock-Trio die Bühne der einzigartigen Clubszene des noch einzigartigeren Clubs in der österreichischen Kärntner Region betrat. Bluesiana Rock Cafe. Selbst die Spatzen auf den Dächern zwitschern es: Ohne Bluesiana wäre die Welt halb so interessant und farbenfroh!
Diesmal sind sogar wirklich alle österreichischen Rocker von den Toten auferstanden, die normalerweise bei den Veranstaltungen des »Genusses«, für die die unerschütterliche und einzigartige gute Seele Gudrun Kofler sorgt, ungerechtfertigt fehlen. Die Slowenen kamen, die Italiener kamen. Die Gesichter kamen, denen man in diesem Club immer wieder begegnet! Und das schlagkräftige Trio, das vor lauter angesammelter Potenz jugendlichen Schwungs platzt, für den nach wie vor Adrenalin und Testosteron in vollen Zügen sorgen, dreht beim Eröffnungs-Rock-’n‘-Roll-Klassiker Burn durch. Der unverwechselbar erkennbare Douglas Aldrich, wie wir ihn immer wieder gerne von Whitesnake-Bühnenauftritten in Erinnerung haben, in Gesellschaft des frischgebackenen »Whitesnake«-Jünglings Michael Devin, sind nach dem letzten Auftritt von Whitesnake in diesem Jahr in Russland einfach in Europa geblieben und haben ihre »Geschäftsverpflichtungen« verlängert. Sie tätigten einen Telefonanruf. Auf die andere Seite des »Teiches«. Des Atlantiks natürlich. Von der anderen Leitung meldete sich Aldrichs Kamerad aus den wiedererweckten Burning Rain, die dieses Jahr das hervorragende Comeback-Album »Epic Obsession« veröffentlicht haben. Schlagzeuger Matt Starr. Und Steamroller wurden neu geboren.
Das potente Trio hat am selben Ort im Oktober letztes Jahr randaliert! Und Augenzeugen und »Ohrenzeugen« hatten einiges zu erzählen, als sie von diesem kleinen Clubspektakel zurückkehrten! Diesmal kehrte das Trio in einer nicht weniger lauten, dröhnend-wütenden Formation zurück. Matt Starr füllte die Lücke hervorragend, als er an Stelle von Brian Tichy einstieg – der hatte im letzten Jahr mit Steamroller gespielt. Das Trio hat dieses Jahr die Setlist im Vergleich zum letzten Jahr komplett auf den Kopf gestellt. Wir genossen jedenfalls hauptsächlich Interpretationen von Deep Purple- und Whitesnake-Klassikern, was ein erwartetes Abenteuer auf den Pfaden der musikalischen Karriere von Aldrichs und Devins Arbeitgeber David Coverdale war – gleichzeitig durfte mindestens ein Led Zeppelin-Klassiker nicht fehlen. Der Einfluss der Letzteren ist in der Musik von Burning Rain stark zu spüren, und es ist klar, dass Aldrich ein großer Led Zeppelin-Fan ist. Dieses Jahr spielten die Jungs Heartbreaker!
Zuallererst ist die Chemie des Trios hervorzuheben, die fantastisch funktioniert. Sie genießen es! Die Abwechslung. Das gilt vor allem für Doug und Michael, die sich für eine Weile sanft an dem ganzen theatralischen Glanz der intensiven Tourneen mit Whitesnake sattgesehen haben. Das Ambiente zu wechseln und eine Tournee in einem intimen, clubartigen Rahmen zu absolvieren, wo der Kontakt zur Musik und zur musikalischen Persönlichkeit, die du als Künstler verkörperst, echter und herzlicher ist. Mehr als das willst du wirklich nicht! Das ist das Meiste, was du den Liebhabern deiner Musik liefern kannst.
Und genau so spielte sich die Show ab! Das Trio genoss es. Das Publikum genoss es! Und im ersten Drittel spürtest du, wie der Dampf den Clubraum überflutete! Im Zeichen des bedeutungsvollen Bandnamens! Dem bravourösen Solieren von Doug Aldrich war kein Ende in Sicht. Beladen war es auch mit dem Biegen von Tönen unter reichlichem Einsatz eines Slides! Nach den Interpretationen der Purple- und Zepp-Klassiker Space Truckin‘ und Heartbreaker bemerkte Doug: »Ich hoffe, Richie Blackmore und Jimmy Page bringen mich nicht um, weil ich ihre Songs auseinandergenommen habe!« Sein Kamerad zu seiner Rechten, MichaeL Devin, der auf den ersten Blick in all der in den letzten zwei Jahren angewachsenen »Mähne« wie ein uns allen bekannter Märtyrer und Sohn des himmlischen Vaters wirkte, war mit einem schwarzen Rickenbecker ausgestattet. Der passte (nicht nur klanglich), sondern auch inhaltlich hervorragend zur Interpretation des Purple-Klassikers Space Truckin‘. Eigentlich konnte Devin es kaum erwarten, den Leadgesang zu übernehmen – also mit Steamroller auf Tournee zu gehen und endlich singen zu können. Um einer zufälligen Blamage zu 100% zu entgehen, sorgten die Jungs vorbeugend für eine tiefere Stimmung, sodass Devins Stimme alles zog, auch die höchsten Vokallinien! In hervorragender Manier! Diese Eigenschaft war besonders bei der Interpretation von Still of the Night (Whitesnake) zu spüren. Ganz besondere Freude brachten die hardrockig angelegten Bearbeitungen der weicheren Originale der radiogängigen Evergreens Walking on the Moon (The Police) und I Shot The Sheriff (Eric Clapton). Hervorragend passte das fantastische Cryin‘ In The Rain (Whitesnake). Vor dem erwähnten Still of the Night reizten Devin und Aldrich das Publikum absichtlich, welchen Whitesnake-Song sie hören wollten, da sie zu 100% erwarteten, dass früher oder später jemand »Still of the Night« rufen würde. Das geschah auch. Es folgte ein eingespielter Bühnengag zwischen Michael und Doug, den Letzterer so abfeuerte: »Wie zum Teufel sollen wir diesen Song spielen, wenn wir nur zu dritt sind?« Ahhh Doug… Mach keinen Unsinn. Aldrich spielt diesen Song auf jedem Whitesnake-Konzert seit fast 10 Jahren. Und in der Regie des Trios Steamroller klang er weniger glamourös und mehr hardrock-bodenständig. Ein besonderes Vergnügen war es, die großen Riffs zu beobachten, die der legendäre Adrian Vanderberg erschaffen hat, in der spielerischen Neuinterpretation durch die geschickten und stets zuverlässigen Hände Aldrichs – da stellten sich alle Haare zu Berge. Ein unbezahlbares Erlebnis, wenn du nur einen Meter von all dieser Rock-Realitätsfantasie entfernt stehst!
Ein lautes Erlebnis! Die Wände des Clubs vibrierten! Selbst Gudrun Kofler gab zu, dass sie selten solchen Lärm in ihrem Club erlebt. Hard Rock in der bestmöglichen Darbietung, was Authentizität und die Erschaffung von Magie betrifft, die mit ausgedrückter Potenz und echten Leidenschaften nicht enttäuscht! Unbezahlbar! Zum Abschluss noch eine intensive Deep Purple-Lektion mit Smoke on the Water und Stormbringer, und die Show war blitzschnell vorbei.
Ich glaube, dass Steamroller einen slowenischen Club wie den Orto bar in Ljubljana bis in den letzten Winkel füllen würden. Wenn Whitesnake die Hala Tivoli in Ljubljana vor zwei Jahren fast ausverkauft haben, wäre es doch mit dem Teufel zugegangen, wenn Steamroller den Orto bar nicht füllen würden. Mit einem Wort: erstklassig. Fantastische Musiker. Wie auf der flachen Hand, in unverhohlener Erscheinung. Ohne einen Hauch von Kitsch und Aufgeputztheit. Nur das rohe, kompromisslose Plasma der Lausbuberei eines vollblütigen Rock-’n‘-Roll-Potenzextrakts!
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