Ein Mondlichtstrahl streifte auch Kamnik (2013)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Kamnik / Bar Pod Gradom / Slowenien
Konzertdatum: 29.08.2013
Besucherzahl: 60
Kartenpreis: 0,00€ (freier Eintritt)
Moonlight Sky sind heute ein Trio, das aus Miha Petric (Gitarre), Janez Moder (Bass) und Žiga Kožar (Schlagzeug) besteht. Ein Trio mit perfekt ausbalancierten, kreativ-performativen Kräften. Am letzten Donnerstag dieses Augusts landeten sie wie bestellt in der legendären Kamniker Bar Pod Gradom.
Heute in erster Linie Jazz-Rock-Fusionisten, die im vergangenen Frühling ihr neues Studioalbum, das aktuelle »Changing Parmaters« (Celinka 2012) – RockLine-Rezension HIER, veröffentlichten, sind die Jungs, die schon von Anfang an aktiv sind, als sie noch als Quartett auftraten, etwas absolut Einzigartiges, und stellen so mit ihrer inhaltlichen Besonderheit ein einzigartiges slowenisches und europäisches Musikphänomen dar.
Endlich fand der Autor dieses Beitrags nach langer Zeit etwas Freiraum im vollgepackten Alltag, um eine Runde helles tschechisches Bier der Marke Bernard in der noch legendäreren Kamniker Kneipe zu zischen! Die Uhr hatte Viertel nach neun abends geschlagen. Hatte ich etwa was verpasst? War ich etwa mitten in der Pause aufgetaucht? Zwei Umstände deuteten darauf hin. Eine Akustikgitarre, die auf der Bühne hinter Mihas Rücken geparkt stand und die ihr Besitzer Miha Petric in den gesamten 45 Minuten des Konzerts nicht angerührt hatte. Tatsächlich sind Moonlight Sky auf dem Papier in bester Alltagsform und auf dem Gipfel ihrer Vitalität, weshalb es fast undenkbar wäre, dass sie für gerade mal 45 Minuten nach Kamnik gefahren wären. Das Konzert muss kurz nach acht begonnen haben. Ich hatte also die Hälfte verpasst. Mist. Offenbar gilt hier dasselbe Regime wie in Trnovo, wo der gesamte Betrieb spätestens bis zehn Uhr abends abgewickelt sein muss. Gerontokratie eben.
Wie auch immer. Wir haben zumindest den zweiten Teil des Auftritts. Darin ragte am eindrucksvollsten der zweite Song heraus, ein Cover von Marcus Millers Tutu, das der Jazzgigant Miles Davis mit seiner Trompete auf dem gleichnamigen Album von 1986 unsterblich gemacht hat. Ein wirklich aufregender Abend also! Der Antriebsmotor der Melodie und des Geschehens bleibt der einzigartige gitarristische Ansatz des brillanten Miha Petric, dem die außergewöhnliche Rhythmusfraktion Moder-Kožar sicheren Rückhalt bietet. Miha hat sich brillant zurechtgefunden, er hat die originale Jazzform aufgebrochen und sie so effektiv wie möglich seiner eigenen Wahrnehmung des musikalischen Experiments dienstbar gemacht. An Witz mangelt es dem Trio nicht. Der Song hat Anfang und Ende behalten und dabei aufgeleuchtet, und das in der lustvollen Jazz-Rock-Fusion-Manier der eigengewachsenen musikalischen Essenz der aktualisierten Form von Moonlight Sky. Der zweite Teil des Auftritts rollte also auf Rock-Gleisen. Ein bisschen lauter eben. Da ich den ersten Teil nicht genossen habe, nehme ich an, dass Petric dort ausschließlich die Akustikgitarre einsetzte. Im zweiten Teil hat er sie nämlich kein einziges Mal angerührt. Um das Konzert auf einen atmosphärischen Höhepunkt zu treiben, nahmen die Jungs noch Hendrix‘ Standard Red House auseinander, das Tüpfelchen auf dem »i« eines Abends voller Witz und grenzenloser Unterhaltung in den Händen des improvisatorischen Reichtums von Moonlight Sky brachte dann das abschließende Jovano Jovanke, das im Original ein traditionelles mazedonisches Volkslied ist. Petric hält strikt am Fingerpicking mit der rechten Hand fest, nach dem Vorbild der berühmten Sechssaiten-Weisen von Vlatko Stefanovski (Leb i Sol). Richtig so. Die Verbindung zwischen dem Musiker, seiner musikalischen Wahrnehmung und dem Instrument als expressivem »Verlängerungsstück« der ideellen Umsetzung ist so ursprünglich wie möglich.
Halb im Dunkeln. Die Jungs hatten lediglich drei kümmerliche Strahler im Rücken. Das und das Fehlen eines Mikrofons rückte sie ein kleines bisschen vom Publikum weg, das die Sitzplätze im Innenhof der Bar Pod Gradom bis auf den letzten Platz gefüllt hatte und die Band am Ende jedes Songs begeistert bejubelte, wie auch nach den Soloabenteuern der einzelnen Musiker. Moonlight Sky bleiben also eine Konzertattraktion. Sie reißen mit einem bilderreichen Arsenal der Fusion vieler Genres mit, einem organischen Klangton, der warm und einladend ist und vom Dreieck der Instrumente effektiv ausgefüllt (ausgeschöpft) wird. Der Hauch des Spontanen und Unvorhersehbaren ist durchgehend präsent und bleibt ein wichtiges Element der charismatischen Anziehungskraft der Bühnenpräsenz von Moonlight Sky.
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