Alan Parsons vereint in Klagenfurt erfolgreich die Kräfte mit Kip Winger (2013)

0 7

Autor: Peter Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Klagenfurt / Wörtherseebühne / Österreich
Konzertdatum: 04.08.2013
Besucherzahl: 1000
Kartenpreis: 67,25€ (Sitzplätze erste Kategorie) / 61,75€ (Sitzplätze zweite Kategorie) / 52,75€ (Sitzplätze dritte Kategorie) / 45,25€ (übrige Sitzplätze)

Die Art-Rock-Konzertperfektionisten Alan Parsons Live Project traten diesmal in Klagenfurt auf, wo sie die Bühne direkt am idyllischen Alpensee Wörthersee bezogen. Nachdem wir den legendären englischen Musiker, Produzenten und Toningenieur Alan Parsons und seine Truppe vielseitiger Musiker schon in Wien erlebt hatten – damals Zeugen einer vollkommenen Konzertfantasie auf höchstem professionellen Niveau –, waren die Erwartungen vor ihrem Auftritt in Klagenfurt verständlicherweise hoch, wenn nicht sogar noch höher als zuvor. Dazu trug sicherlich auch die Tatsache bei, dass Alan für die Tour den kultigen amerikanischen Sänger Kip Winger als besonderen Gast eingeladen hatte – am besten bekannt als Kopf der Glam-Metal-Band Winger, obwohl er sich in den letzten Jahren auch als feiner Solokünstler einen Namen gemacht hat.

Multi-Instrumentalist Kip, der beim Auftritt neben dem Gesang gelegentlich auch Akustikgitarre spielte, kam zum Alan Parsons Live Project als vorübergehender, sommerlicher Ersatz für Sänger PJ Olsson, einen weiteren fantastischen Vokalisten, dessen Stimme stets ideal für die Darbietung der legendären The Alan Parsons Project-Hits war. PJ, der im Herbst in Alans Begleitband zurückkehren wird, musste die Sommertour wegen dringender Verpflichtungen absagen, weshalb Kip wie gerufen an seiner Stelle einsprang. Auch hinter den Keyboards saß diesmal eine andere Person als sonst: Tom Brooks ersetzte für die Sommertour den langjährigen Keyboarder Manny Foccarazzo. Viele von uns interessierte aber vor allem, wie die altbewährten TAPP-Klassiker in der Interpretation eines so ‚typisch amerikanischen‘ Sängers wie Kip Winger klingen würden. Alle Mitglieder von Alans Band sind übrigens Amerikaner, was für jemanden, der den Großteil seiner professionellen Karriere mit britischen Musikern – allen voran The Beatles und Pink Floyd – zusammengearbeitet hat, ziemlich ungewöhnlich ist, jedoch vollkommen logisch, da er mit seiner Familie schon lange in der bekannten kalifornischen Stadt Santa Barbara lebt.

Die Songauswahl des Abends war sehr ähnlich wie bei unserer vorherigen Begegnung in Wien – mit der angenehmen Überraschung, dass Alan und seine musikalischen Kumpanen das Konzert mit dem »The Turn Of a Friendly Card«-Klassiker (1980) »May Be a Price to Pay« eröffneten, bei dem uns Kip irgendwie noch nicht ganz überzeugen konnte, dass TAPP-Evergreens in seiner Interpretation genauso überzeugend klingen wie in PJ-s Ausführung. Kurz darauf löste ihn am Hauptmikrofon Boss Alan beim »Ammonia Avenue«-Megahit (1984) »Don’t Answer Me« ab, der auf der Bühne mit seinen Keyboards erneut eine Stufe höher stand als der Rest seiner Band – diesmal aber deutlich mehr über die Bühne flanierte und sichtlich besser aufgelegt war, als wir es von Wien gewohnt waren. Alan hat sich das exklusive Recht genommen, nach dem Tod des TAPP-Mitgründers, des schottischen Sängers und Keyboarders Eric Woolfson, beide größten Hits dieser unvergesslichen Band zu singen – und obwohl seine gesanglichen Interpretationen nicht an die Originale heranreichen, kommen sie noch immer sehr gut rüber. Hier erlebte auch Saxofonist und Sänger Todd Cooper mit einem mächtigen Saxofonsolo seinen ersten ‚Sternmoment‘ des Abends – er half Kip bei einem Großteil der Gesangsdarbietungen und übernahm mehrmals die Rolle des Leadsängers.

Herr Winger überzeugte uns endgültig mit einer formidablen Version des Energiespenders »Damned If I Do«, mit der er sein typisch amerikanisches, aufgedonnert-lausbübisches Auftreten rechtfertigte, mit dem er inmitten der auf der Bühne versammelten Truppe deutlich auffiel. Beim Medley »Breakdown/The Raven«, bei dem ihm Cooper engagiert beim Gesang half, bewunderten wir bereits alle seine außergewöhnliche vokale Bravour. Wie gut ein Sänger Winger eigentlich ist, zeigte sich vor allem in den ruhigeren Momenten – etwa bei der stets bewegenden Hitballade »Time«, die er mit ganz besonderem Feuer sang, fast auf dem Niveau des Originalsängers dieses Klassikers, nämlich Woolfson. Bei »I Wouldn’t Want to Be Like You« bewies auch der hervorragende Gitarrist Alastair Greene zum ersten und letzten Mal an diesem Abend als Leadsänger sein Können – er war diesmal in absoluter Hochform und lieferte noch eine Spur mehr witziger Improvisationen als bei unserer vorherigen Begegnung.

Eine eindrucksvolle Lektion in vokalen Mehrfachharmonien demonstrierte Alans Band auch auf besonders gelungene Weise beim melodramatischen Kracher »La Sagrada Familia«, mit dem sie des legendären spanischen Architekten Antonio Gaudí und seines bis heute unvollendeten großen Architekturprojekts gedachten. In einem Moment forderte Kip das Publikum auf – das bei den größten Hits kräftig mitsang und für die sprichwörtlich kühlen Österreicher ungewöhnlich lebhaft war –, Alans Namen zu skandieren. Die eingedeutschte Version seines Namens klang dabei wie ‚Alen‘ statt Alan – worauf er sie selbst halb im Scherz, halb im Ernst hinwies. Der bärtige Produzent von stattlicher Statur, aber umso angenehmerem Gesang, behielt die ganze Zeit sorgfältig den Überblick über seine Band und wechselte elegant zwischen Gitarre und Synthesizer.

Dabei vergaß er nicht, sein neuestes Doppel-Livealbum »Live Span« (2013) zu erwähnen, aufgenommen im deutschen Stuttgart am 24.03.2013, das bei den Besuchern vor, während und nach dem Konzert wie warme Semmeln wegging. Zu den Highlights des Abends gehörte zweifellos die Darbietung der gesamten zweiten Hälfte des bereits erwähnten Albums »The Turn Of a Friendly Card«, das sie fast vollständig spielten. Beide Leadsänger, also Winger und Saxofonist Cooper, begeisterten uns besonders bei den Darbietungen des pompösen Energiekatalysators »Snake Eyes« und der bewegenden Ballade »Nothing Left To Lose«. Letztere war einmal mehr eine echte kleine Schule in der phänomenalen Nutzung von Mehrfachharmonien, die Alan und seine Mitstreiter bis zur Perfektion einstudiert haben.

Die Konzertstimmung heizte noch weiter eine glänzende Version des »Pyramid«-Klassikers (1978) »What Goes Up« an, den Winger ebenfalls auf phänomenale Weise sang – womit er uns bis zu diesem Moment endgültig davon überzeugte, dass er der ideale Gastsänger war. Darauf folgte das längere Instrumental »Luciferama«, zusammengesetzt aus den kultigen Instrumentals »Lucifer« und »Mammagamma«, in das sie erwartungsgemäß zusätzliche Improvisationen einflochten. Der Sound war die ganze Zeit auf beneidenswertem Niveau – was von einem Klangperfektionisten von Alans Format schlichtweg selbstverständlich ist. Besondere Erwähnung verdient auch Schlagzeuger Danny Thompson, der just an diesem Abend Geburtstag feierte, während Bassist Guy Erez uns mit einer Fülle feiner Improvisationen begeisterte.

Auch »Don’t Let It Show« und »Prime Time«, zwei weitere unvergessliche Hits aus den goldenen TAPP-Zeiten, kamen fantastisch rüber – und dann schlug die Stunde des großen Abend-Highlights. Die Rede ist natürlich vom größten TAPP-Hit überhaupt, »Eye in The Sky«, dem wie immer das nicht weniger legendäre Instrumental »Sirius« als Intro vorausging – das in den goldenen Zeiten Michael Jordans das berühmte NBA-Team Chicago Bulls für Spieleröffnungen verwendete. Das ist jener magische Moment jedes Alan Parsons Live Project-Konzerts, wenn die Euphorie das Publikum völlig erfasst, es von den Stühlen strömt und sich vor die Bühne drängt, und wenn Alan für kurze Zeit wieder zur zentralen Stimme des Abends wird. Viele im Publikum reisten an diesem Abend in Gedanken erfolgreich in ihre Jugendjahre zurück, als TAPP-Hits die Spitzen der Musikcharts erklommen und sie die gesamten Achtziger durch jede anständige Radiostation rotierten.

Auf die Zugabe musste man nicht lange warten, und die Meister der Klangperfektion begeisterten uns zunächst mit dem stets nützlichen Stimmungsbooster »(The System) of Doctor Tarr and Professor Fether«. Dann legte sich die Stimmung kurz etwas mit der Darbietung der melancholischen Ballade »Old and Wise«, bei der sich zahlreiche ältere Paare an den Händen hielten und an ihre Jugendjahre zurückdachten – doch das dauerte nicht lange. Alan und seine treuen Gefährten beendeten diesen Abend voller Superlative mit der abschließenden »The Turn Of A Friendly Card«-Bombe »Games People Play«, die mit ihrem intellektuellen Text den Zuhörern stets einen zusätzlichen philosophischen ‚Knochen zum Nagen‘ hinterlässt, auf bestmögliche Weise – und ernteten stürmischen Applaus, der so schnell nicht abebben wollte. Es war schlichtweg unglaublich, die Euphorie des österreichischen Publikums zu beobachten – zumal zu Beginn des Konzerts noch zahlreiche Sitzplätze leer geblieben waren. Am Ende des Abends aber gab es freie Plätze wahrlich nicht mehr im Überfluss.

Wer einen perfekten Abend voller reiner Klangperfektion, schamlos eingängiger Melodiosität und grenzenloser Virtuosität erleben möchte – bei der Darbietung einiger der größten Rockklassiker der Siebziger und Achtziger –, darf einen Auftritt des Alan Parsons Live Project um keinen Preis der Welt verpassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob PJ Olsson am Mikrofon steht – die ideale Stimme für die Nachbildung der Magie der originalen Studioversionen der TAPP-Klassiker – oder Kip Winger, der ihnen mit seinem zauberhaft melodischen Gesang einen zusätzlichen Mehrwert verleiht.

Setlist

01. May Be a Price to Pay
02. Don’t Answer Me
03. Damned If I Do
04. Breakdown / The Raven
05. Time
06. I Wouldn’t Want to Be Like You
07. La Sagrada Familia
08. The Turn of a Friendly Card (Part One)
09. Snake Eyes
10. The Ace of Swords
11. Nothing Left to Lose
12. The Turn of a Friendly Card (Part Two)
13. What Goes Up
14. Lucifer / Mammagamma
15. Psychobabble
16. Don’t Let It Show
17. Prime Time
18. Sirius
19. Eye in the Sky
—Zugabe—
21. (The System of) Dr. Tarr and Professor Fether
22. Old and Wise
23. Games People Play

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies