Deep Purple entfachten Majano mit den Klängen ihrer größten Hits (2013)
Autor: Peter Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Majano / Festival Concert Area / Italien
Konzertdatum: 24.07.2013
Besucherzahl: 5500
Eintrittspreis: 46,00€
Deep Purple sind heutzutage neben Black Sabbath die einzige Hard-Rock-Band der ‚alten Schule‘ mit Wurzeln in den Sechzigern, die größere Konzertlocations mühelos füllt – wie sich erneut bei ihrem jüngsten Auftritt in der malerischen italienischen Stadt Majano gezeigt hat, wo sie Scharen von überwiegend älteren, aber auch jüngeren Fans aus allen Ecken Europas anlockten, sodass auch die slowenische ‚Delegation‘ nicht fehlte. Die fröhliche Truppe, die seit zehn Jahren in unveränderter Besetzung agiert, hatte auf dieser Tour nicht nur das Ziel, mit der Darbietung langjähriger Purple-Favoriten zu begeistern, sondern auch Stücke ihres neuesten Studiowerks, »Now What?!«, vorzustellen, das sogar eines ihrer besten Alben seit dem Ende der ‚goldenen‘ Siebziger ist. Die Auswahl der Deep Purple-Darbietungen an diesem Abend war definitiv etwas Besonderes, denn zwischendurch tauchten auch einige beliebte Evergreens auf, die sie nicht gerade jeden Abend spielen. Schon lange ist es kein Geheimnis mehr, dass das von der Kritikerzunft stets etwas stiefmütterlich behandelte »Fireball« (1971) das Lieblingsalbum des alten Vokalfuchses Ian Gillan ist – daher war die bombastische Eröffnung des Konzerts mit dem Titeltrack eben jenes Studioklassikers auch keine besonders große Überraschung.
Gillan war an diesem Abend leicht erkältet und musste sich zwischendurch mehrfach räuspern, hielt sich aber die ganze Zeit wacker und sang auch die anspruchsvolleren Stücke anständig – das konnten wir auch bei den beiden »Deep Purple In Rock« (1970)-Brechern »Into the Fire« und »Hard Lovin‘ Man« feststellen, die zu den schönsten Überraschungen unseres Treffens mit den Patriarchen des Hard Rock gehörten. An ihr neuestes Album erinnerten sie das Publikum mit einer herausragenden Version von »Vicent Price«, einer düsteren Hommage an den legendären Horrorfilm-Schauspieler, die kürzlich als dritte Single aus »Now What?!« erschienen ist. Das Publikum rastete dann zum ersten Mal wirklich aus, als überraschend früh der legendäre Single »Strange Kind of Women« gespielt wurde, bei dem Gillan immer für jede Menge Spaß und Lachen sorgt.
Steve Morse war die ganze Zeit bestens aufgelegt und scheint vollständig von seiner schweren Krankheit genesen zu sein – neben den erwarteten Soloauftritten während »Contact Lost« und dem längeren Solomoment in »The Well-Dressed Guitar« hatte er zwischen den einzelnen Stücken auch mehrere kürzere Solomomente mit ausgedehnten Gitarrenimprovisationen. Mit den energiegeladenen Darbietungen von »All The Time in the World« und »Hell To Pay«, beide Leadsingles vom aktuellen Studiowerk, machte die treue Purple-Crew deutlich, dass ihre neuesten Kreationen durchaus mit den beliebten Klassikern mithalten können. Der alte Bassgitarren-Hase Roger Glover hatte ebenfalls sichtlich Spaß und sorgte, wie immer, von allen Bandmitgliedern am aktivsten mit Anheizen für die gute Stimmung im Publikum. An diesem Abend ‚vergaßen‘ die Hard-Rock-Urgesteine allerdings »Highway Star« (wahrscheinlich wegen Gillans Husten), doch dessen Abwesenheit machten sie mit einer famosen Version von »Lazy« mehr als wett – einem weiteren unvergesslichen »Machine Head« (1972)-Klassiker.
Das Faszinierendste an Ian Paice, dem einzigen originalen Bandmitglied, ist, dass er nach all diesen Jahren immer noch ein komplettes ‚Schlagzeug-Tier‘ ist – auch wenn auch er, trotz seiner Frisur, die zahlreiche lustige Debatten auslöst, sein wahres Alter nicht verbirgt. Sein Solopart, der ein Paradebeispiel schlagzeugerischer Kraft und Perfektion war, entwickelte sich direkt aus dem stets äußerst unterhaltsamen »Fireball«-Klassiker »The Mule«. Der Tasten-Zauberer Don Airey ist stets eine Geschichte für sich – und verdient als jemand, der die undankbarste aller möglichen Aufgaben übernehmen musste, den unersetzlichen, legendären Keyboarder Jon Lord zu ersetzen, ganz besonderes Lob. Der verstorbenen Tasten-Legende war das Stück »Above in the Beyond« gewidmet, mit dem sie den Reigen der Darbietungen aus »Now What?!« abschlossen.
Mit dem »Fireball«-Klassiker »No One Came«, einem jener Purple-Meisterwerke, die der einstige Gitarrist Ritchie Blackmore stets von ganzem Herzen gehasst hat, sorgten sie für eine weitere große positive Überraschung des Abends. Während Aireys Soloauftritt verschlug es den meisten Anwesenden erneut den Atem, während der abgebrühte Tasten-Zauberer bei seinen Keyboard-Orgien die ganze Zeit verschmitzt lächelte. »Perfect Strangers« klingt nach fast dreißig Jahren seit Erscheinen dieses Klassikers immer noch glänzend.
Die moderne Purple-Inkarnation schämt sich kein bisschen, sie zu spielen, auch wenn der Geist Blackmores und der Einfluss seiner einstigen Band Rainbow dabei stets allgegenwärtig sind. »Space Truckin’«, das sie obligatorisch mit einem beliebig langen Jam erweitern, ist ebenfalls einer der am sehnlichsten erwarteten Konzertfavoriten, bei dem das Publikum der legendären Band ‚aus der Hand frisst‘. Das Ende des regulären Konzertteils war dann, erwartungsgemäß, vollkommen vorhersehbar: Sie spielten ihren größten Hit »Smoke On The Water«, bei dem das Publikum beim Mitsingen selbstverständlich deutlich engagierter war als bei den übrigen Nummern.
Die Zugabe brachte mit der Darbietung von »Green Onions«, einem Cover von Booker T. & The MG’s, eine Überraschung, von der sie rasch zum unvergesslichen »Hush« übergingen – dem einzigen Deep Purple-Klassiker, der eigentlich ein Cover von Billy Joe Royal ist, der nicht mit Gillan aufgenommen wurde (noch mit dem Original-Sänger Rod Evans), der aber in der aktuellen Inkarnation dennoch stets mit besonderem Elan gespielt wird. Nach Glovers Soloauftritt, mit dem die Einzelauftritte aller vier Purple-Instrumentalisten abgerundet wurden, folgte der fröhliche Konzertabschluss mit »Black Night«, einem weiteren unbesiegbaren Klassiker, der die Fans komplett ausflippen lässt, obwohl sie ihn in verschiedenen Ausführungen schon ‚unzählige Male‘ gehört haben.
Die bestens aufgelegten Deep Purple haben bei hervorragendem Sound mitten in Majano einmal mehr bewiesen, dass sie sich unter Liebhabern guter Musik für immer allgemeine Anerkennung und Bewunderung verdienen – denn auch nach 45 Jahren Bestehen bleiben sie eine der größten Konzertattraktionen. Eben deshalb sollte der Besuch eines ihrer Konzerte, zumindest einmal im Leben eines jeden Einzelnen, in die zentralen Richtlinien der weiterführenden Bildung und der kulturellen Jugendbildung der Republik Slowenien aufgenommen werden.
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Setlist
1. Fireball
2. Into the Fire
3. Hard Lovin‘ Man
4. Vincent Price
5. Strange Kind of Woman
6. Contact Lost
7. Solo (Gitarre)
8. All the Time in the World
9. The Well-Dressed Guitar
10. The Mule (inkl. Schlagzeug-Solo)
11. Hell to Pay
12. Lazy
13. Above and Beyond
14. No One Came
15. Solo (Keyboard)
16. Perfect Strangers
17. Space Truckin‘
18. Smoke on the Water
—Zugabe—
19. Green Onions (Booker T. & The MG’s Cover)
20. Hush (Billy Joe Royal Cover)
21. Solo (Bass)
22. Black Night
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