Erneuter sächsischer Angriff auf Ljubljana! (2013)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Konzertdatum: 12.06.2013
Besucherzahl: 400
Kartenpreis: 22,00€ / 25,00€

Gut zwei Jahre sind seit der letzten Invasion der legendären Heavy-Metal-Institution Saxon in Ljubljana vergangen, doch die Veteranen zeigen noch keine Anzeichen, ihr Heavy-Metal-Getöse so bald einzustellen. Das ist auch gut so, denn sie sind nach wie vor ein unvergleichliches Konzerterlebnis und eine der wenigen klassischen Bands, die immer noch gute Studioplatten veröffentlichen. Vor zwei Jahren haben Saxon dem Ruf zu den Waffen gefolgt (mit dem Album Call To Arms), diesmal haben sie ihr frisches Album (Sacrifice) den Göttern des Heavy Metal geopfert und in Ljubljana bereits zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren gespielt.

Der unglaublich frühe Konzertbeginn war etwas, das wir nicht gewohnt sind, und leider waren genau die ersten Auftreter die Leidtragenden – die heimischen Heavy-Metal-Fahnenträger Metalsteel, die vor einer ziemlich leeren Halle spielten. Metalsteel kehren nach längerer Bühnenabstinenz auch auf die Ljubljanaer Bühnen zurück und heizen so passend ein vor dem Erscheinen des neuen Albums, das sich gerade in der Entstehung befindet. Die neuen Songs haben sie vor gut einer Woche beim MetalDays warm-up uraufgeführt, diesmal konzentrierten sie ihren Auftritt auf ihr klassisches Material. Von einer Band, die seit mehr als zehn Jahren konstant auf slowenischen Bühnen wütet und fleißig Alben veröffentlicht, kann man kaum mehr als einen ausgereiften und ausgezeichnet gespielten Gig erwarten – und genau das haben Metalsteel auch diesmal geboten. Das Gitarrenspiel von Rok und Beny bleibt funkensprühend und gespickt mit einprägsamen Riffs, Matejs Basslinien sind das Synonym für qualitatives Bassspiel, und Dašas Trommelfeuer wird immer gnadenloser. Metalsteel beendeten ihren (zu) kurzen Auftritt bereits vor acht Uhr mit dem Klassiker Heavy Metal Is Our Religion – das Warten auf das neue, bereits fünfte Studioalbum ist jetzt noch schwerer.

Dass die Qualität der Vorgruppen mit jeder weiteren Band sinken kann, sind wir schon gewohnt; vor dem letzten Besuch der Sachsen haben uns die energischen Niederländer Vanderbuyst als Erste gut aufgewärmt, dann aber die britischen Crimes of Passion gelangweilt – diesmal war die frischgebackene deutsche Truppe AC Angry kriminell öde. Die Deutschen haben uns noch als Taletellers im Februar 2009 als Vorgruppe von Grave Digger gequält, und offensichtlich hat ihnen die Namensänderung kein bisschen zur besseren Musik verholfen. AC Angry boten in guten einer halben Stunde einen Einblick in ihr kommendes Debütalbum Black Denim und schafften es lediglich zu beweisen, dass sie eine langweilige und nicht gerade geglückte Mischung aus Heavy Metal und Hard Rock spielen. Ihr Auftritt war zwar souverän und energisch, aber ihnen gelang es beim besten Willen nicht, sonderlich viele Köpfe zu bewegen. Die Jungs geben sich zwar Mühe mit Posing und Old-School-Thrash-Outfit, haben aber mit diesem Genre rein gar nichts gemein. Die Rhythmussektion ist schwach und ziemlich leer, die Riffs generisch und einfallslos – egal wie eifrig die Gitarristen „Maiden“-Posen mit erhobenen Gitarren einnehmen. Das Tüpfelchen auf dem schlechten i setzen dumme Texte und übertriebenes Gehabe – wenn die Jungs wollen, dass wir sie klaglos schlucken, müssen sie noch ordentlich in die Hände spucken und musikalisch was konkret Besseres ausspucken als das, was sie in der Šiška geboten haben.

Haben sie vor zwei Jahren noch mit dem Gotteshammer Hammer of the Gods eröffnet, so wurden wir von Saxon diesmal nach einem unheilschwangeren sinfonischen Intro sogleich mit dem Titeltrack des aktuellen Albums, Sacrifice, geopfert. Das ist, sage und schreibe, bereits das zwanzigste Studioalbum der unaufhaltsamen Sachsen, die auch nach mehr als dreißig Jahren Bandgeschichte keine Anzeichen des Nachlassens zeigen! Der vernichtende Auftakt mit aufgedrehten Riffs und torpedierenden Drums machte schon mit den ersten Tönen klar, dass Biff mit seiner sächsischen Horde erneut auf Blut aus ist. Saxon widmeten das diesmalige Konzert der ausgiebigen Promotion des neuen Albums, das mit gleich sechs Songs auf seine Kosten kam. Diese machten auch live deutlich, dass Saxon auch im Studio in bester Form bleiben – größere Qualitätsschwankungen gibt es bei ihren Studioplatten nicht, und auch Sacrifice ist in dieser Hinsicht eine sehr gute Platte der alten Heavy-Metal-Haudegen. Saxon machten am Anfang keine Anstalten innezuhalten, drückten das Gaspedal voll durch und reihten bereits im ersten Teil des Konzerts Klassiker wie Power and the Glory, Heavy Metal Thunder und Crusader aneinander. Die Darbietung einer Band, deren Mitglieder allesamt bereits fünf, sechs Jahrzehnte auf dem Buckel haben, war wieder einmal beeindruckend – die graumelierten Herren mit Biff an der Spitze beherrschen die Bühne bis in den letzten Winkel. Doug Scaratt schritt beim Solieren selbstbewusst in die Bühnenmitte und an den Bühnenrand, die Finger flogen über die Gitarrenhälse wie geschmiert, besonders bei den wunderschönen Zweistimmigkeiten, die Scaratt und Paul Quinn ihren Instrumenten entlockten. Saxon pressen auf der Bühne mehr Energie heraus als so manche Band, die ihren Weg gerade erst begonnen hat. Vor allem dank Bassist Nibbs »menschlicher Kreisel« Carter (der mit ununterbrochenem Springen und marathonhaftem Squatten bewies, dass es auch mit fast fünfzig (!) keine Zeit für Pausen gibt) und dem weißmähnigen britischen Löwen Biff Byford ist Saxon eine Band, durch deren Adern das Blut von Zwanzigjährigen fließt. Dabei ist der Erhaltungszustand, die Kraft und die Überzeugungskraft von Biffs Stimme schlichtweg verblüffend. Biff klingt schlichtweg phänomenal und hält auch bei den klassischen Hymnen einem Vergleich mit den Studioaufnahmen stand! Dennoch absolvierten Saxon diesmal ihren Auftritt mit einem leichten Hauch von Routine – sie flogen durch das, zugegeben lange, Set regelrecht durch. Trotzdem reihten sie einige wunderbare Momente aneinander: vom Intro zu einem der besseren Songs des neuen Albums Made In Belfast, bei dem sich Quinn eine weiße Schönheit mit Doppelhals umhängte, über den immer fantastischen Klassiker Crusader bis hin zur Überraschung mit dem Metalhead-Song Conquistador und der wunderschönen akustischen Ballade Iron Wheels, die Biff für seinen Vater geschrieben hat. Etwas zu vorhersehbar gaben Saxon ihre Zugabe, in der sie uns Denim and Leather und Princess of the Night servierten, und dabei wäre es schön, wenn die Jungs ihre Auswahl etwas durchlüften würden – wie gut würde doch etwas in der Art von Killing Ground, Broken Heroes oder Ride Like the Wind passen…

Dennoch haben Saxon die Šiška ganze eineinhalb Stunden lang zum Beben gebracht und neunzehn Songs abgefeuert – das schaffen nur wenige Bands in einem Alter, das mit Saxon vergleichbar ist. Enttäuschend war diesmal leider der Besuch, denn in der Halle versammelten sich gerade mal knapp vierhundert Leute. Die Gründe und Ausreden dafür gibt es wohl so viele, dass es keinen Sinn macht, sie zu suchen – ich kann nur hoffen und es der jüngeren Generation ans Herz legen, derentwegen Bands wie Sabaton dieselbe Halle ausverkaufen, dass sie den Blick etwas weiter schweifen lassen und ihre Aufmerksamkeit auch Bands widmen, ohne die der Metal, wie wir ihn kennen, nicht existieren würde. Saxon haben versprochen, bald wiederzukommen – solange sie kommen, werden auch wir kommen!

Setlist

1. Procession  (intro)
2. Sacrifice
3. Wheels of Terror
4. Power and the Glory
5. Heavy Metal Thunder
6. Made in Belfast
7. Crusader
8. I’ve Got to Rock (to Stay Alive)
9. Night of the Wolf
10. Conquistador
11. Drum solo
12. Iron Wheels
13. Solid Ball of Rock
14. Stand Up and Fight
15. Dallas 1 PM
16. Guardians of the Tomb
17. 747 (Strangers in the Night)
18. Strong Arm of the Law
19. Wheels of Steel
—Zugabe—
20. Denim and Leather
21. Princess of the Night

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