Himmlisches „X“ – Art-Brillanz, die so schnell wie möglich ihr erstes Studiodenkmal verdient (2013)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Jerneja Jerak

Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 19.04.2013
Besucherzahl: 50
Kartenpreis: 5,00€

HeaveniX sind Boštjan Andrejc »Booshee« (Gitarre, Gesang), Rok Golob (Keyboards, Gitarre), Patrick Vlačič (Bassgitarre)  und David Morgan (Schlagzeug). Zwei Drittel der aktuellen Besetzung der slowenischen Art-Rock-Legenden Avtomobili, Erfahrungen bei Night Jump, Zusammenarbeit mit Jan Plestenjak – kurz gesagt, wir wollen keine Zeit mit Aufzählen verschwenden. Es handelt sich um eine Combo aus vier erstklassigen slowenischen Musikern.

Mit dem Song »Luna na licu« stiegen sie 2006 bei der Slovensko popevko ein, zwei Jahre später »geisterten« sie mit dem Musikvideo zu ihrer zweiten Eigenkomposition »H20« umher, dann erschien ein Jahr später die Single »1 Problem« (»En probljeeeeem«), und ein Jahr darauf die Single »Adrenalin«,… Die Geschichte von HeaveniX ist also nicht »von gestern«, doch ein Studiodebüt ist noch immer nicht draußen. Mehr noch: In diesem Teil Sloweniens, sprich dem Ljubljana-Raum, treten HeaveniX nur selten auf der Bühne auf, weshalb es eigentlich ein kleines Wunder war, dass sich an diesem Abend im Orto bar zumindest fünfzig Köpfe versammelt hatten. Die Band macht leider zuletzt nur wenig für ihre eigene Promotion. Gut, dass die Besetzung aus »klingenden« Musikernamen besteht!

Egal. Nur die Musik zählt. Und HeaveniX sind ein brillantes Team, das pure musikalische Brillanz serviert. Vier Entitäten. Verfeinert. Geschliffen. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, die Konzertshow zu beschreiben. Wirklich schade, dass nicht mehr Leute im Club waren – sie haben nämlich eine Menge greifbaren musikalischen Inhalts verpasst. »Vieeeeel«. Der Stil von HeaveniX? Schwer in zwei – drei Wörtern zu beschreiben. Am besten löst man das Rätsel salomonisch. Dem Wort Rock hängt man das Präfix »art« voran. Wenn du Adrenalin hörst, kann das kompositorische Grundgerüst ein klassischer Abkömmling des Avtomobili-Arrangements sein – natürlich mit dem Unterschied, dass HeaveniX in diesem Song einen ausgesprochen abgehenden, modernisierten Sound bieten, der auf der Hervorhebung von Gitarrenphrasen basiert und gleichzeitig für eine vollständig greifbare melodische Eingängigkeit sorgt. Wer Sophistication sucht, kommt über Golobs exzellente Eigenkomposition Nov Nor Čas (mit dem One Repuvlic-Refrain, die symphonische Version kennt ihr wahrscheinlich auch gut) in Luna na licu noch näher an Avtomobili heran. HeaveniX können alles spielen. Der erste Teil des Konzerts war ausgeprägt funky und gegroovt gefärbt, dann aber begann sich das Bild zu einem farbenprächtigen Mosaik vieler genretypischer musikalischer Ansätze zusammenzufügen, die zu einer einzigartigen kompositorischen Gesamtheit der musikalischen Predigt von HeaveniX gravitieren. Noch eine exzellente Eigenkomposition namens DNK bestätigt nur die außerordentlichen kompositorischen Talente des Quartetts, eine eingängige Art-Komposition zu schaffen, in der sowohl Hörer beliebiger Radiofrequenzen als auch anspruchsvollere Musikgourmets genießen können!

Da es wohl kaum mehr als sechs Eigenkompositionen gibt, füllten HeaveniX natürlich zwei Drittel des Repertoires mit Coverversionen ausländischer Künstler. Die liegen ihnen im kleinen Finger. Booshee ist ein echter vokaler Chamäleon – man denke nur an seinen kreativen Beitrag in der Gruppe Night Jump –, und wenn man dazu noch seine überlegene, subtile Gitarrenvirtuosität rechnet, mit der er vehement eine breite musikalische Bandbreite beherrscht, die im Rang alles umfasst, was zwischen Pink Floyd und Toto an den Extremenden liegt, dann ist klar, dass sich im Orto bar in der Schulstunde der Wahrheitserkenntnis auch die echten Autoren einiger gespielter Cover-Songs einfinden könnten – nämlich Billy Gibbons, Keith Richards, der verstorbene Kurt Cobain, Robby Krueger oder Angus Young. Booshee könnte ihnen als Gitarrenmentor dienen. Dazu kommen noch anspruchsvollere Coverversionen von Künstlern wie The Police, Jamiroquai, Bill Whiters,…. Das erfordert Präzision, Elastizität und ein harmonisches Wogen zwischen der »Explosivität« und der »Sophistication« der Rhythmussektion. Und das liefern HeaveniX im Gespann Morgan-Vlačič ohne Probleme.

Knapp zwei Stündchen vollblütigen Genusses an der Bühnenbrillanz von HeaveniX. Nichts weniger, nichts mehr. Hoffen wir nur, dass die Jungs endlich »ernst machen«, sich die Zeit nehmen, kurz aus den Musikprojekten und Bandaktivitäten auszuspannen, ins Studio gehen und ihr Studiodebüt aufnehmen. Ob sich das lohnt oder nicht, ist in Zeiten, in denen nur eine Minderheit zum Kern der Botschaft des Musikuniversums vordringt, keine Frage. Es geht schlicht darum, dass die Brillanz der Eigenkompositionen von HeaveniX die richtige Anerkennung erhalten muss und deshalb ihr wahres, offizielles Studiodokument verdient. Das ist das Mindeste, was sie verdienen. Die Eigenkompositionen funktionieren von Natur aus künstlerisch herausfordernd. Mit ihnen bewegen sich HeaveniX in der echten Mittellage zwischen radiofreundlichen Vibrationen und einem anspruchsvoll filigran mosaikartig strukturierten Komponieren (perfekte klangliche Symbiose ihrer Bausteine), das auch für die anspruchsvollsten Hörer verlockend ist. Man könnte oberflächlich sagen, dass HeaveniX in ihrem vielschichtigen Genrecharakter für die heutige Zeit eine moderne, »abgehende« Ausgabe von Avtomobili sind – mit einer noch größeren Dosis gereiftem Groove und verlockender Funk-Vibration, die ihre Strukturen jederzeit auch mit Jazz-Einschüben bereichern kann!

Es ist verrückt, all die Feinheiten und die Präzision der Musiker auf der Bühne zu beobachten. Details wie die Übernahme der Mikrofonkontrolle durch Rok Golob auf der Gibson Les Paul in Smells Like Teen Spirit (Nirvana) – Booshee ist an dieser Stelle nämlich mit anderen Performance-Details beschäftigt –, oder das erneute Einspringen von Rok Golob auf den Keyboards für die elektrische Sologitarren-Linie, der damit Booshee in einem der anderen Cover entlastet (der Titel ist dem Gedächtnis entfallen), das sind die kleinen Geheimnisse der großen Meister. Der wesentliche Generator dafür, dass wir von musikalischer Meisterschaft sprechen können. Jungs! Wir warten also auf das erste Studiodokument. Höchste Zeit.

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