Tomcat landet im Medvoder Jedro! (2013)
Autor: Rok Klemše
Ort: Medvode / MC Jedro / Slowenien
Konzertdatum: 01.03.2013
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 0,00€ (freier Eintritt)
War der vergangene Donnerstag mit seinem Grau und den Wolken wie gemacht für Black Metal im Orto bar, so war der Freitag sein genaues Gegenteil. Den sonnigen Freitag ließ sich viel leichter überstehen, denn abends stand im Medvoder Jedro die »Release Party« der Hard-’n‘-Heavy-Truppe Tomcat auf dem Programm, die genau an diesem Tag ihr Debüt Bits N‘ Pieces veröffentlicht hatte. Über dem Medvoder Jedro röhrte also letzten Freitag der Auspuff eines reaktiven F-14 Tomcat!
Die Rolle der Vorband übernahm diesmal das Rock-Trio Šah Mat aus Celje, fest verwurzelt in den Gewässern des klassischen Rocks, denen die Jungs gelegentlich einen härteren Heavy-Metal-Riff oder zwei beimischen. Den Großteil des knapp einstündigen Auftritts bestritten sie mit eigenem Material, dazwischen schmuggelte sich aber noch eine interessante Coverversion einer Led Zeppelin-Klassik. Die Jungs erledigten ihren Job souverän und selbstbewusst, doch auf der Bühne lief offensichtlich nicht alles so, wie es sollte. Der Auftritt war von einigen technischen Problemen und Feedbackpfeifen durchzogen, was wahrscheinlich auch für ein paar mehr Patzer in der Darbietung des Materials sorgte. Ansonsten zeigte das Trio, dass es einiges an Potenzial in sich birgt, vor allem im Spiel des technisch gut beschlagenen Gitarristen, der sein akrobatisches Fingerturnen auf dem Griffbrett jedoch mehrmals durch unbeholfenes Drauftreten auf das Kabel und das damit verbundene Herausreißen zunichte machte. In diesen Momenten klaffte im Klangbild der Band eine größere Lücke, die die Rhythmussektion allein nicht vollständig überbrücken konnte. Das Tier am Schlagzeug begeisterte zwar mit ordentlichem Draufhauen, das ständige Zappeln und Wackeln erinnerte aber an Mikkey Dee. Im Gesangsbereich hat die Band noch einiges Potenzial, denn Čedos Gesang kann manchmal etwas zu trocken wirken – vielleicht wäre es mutig, zusätzliche Backing-Vocals einzuführen, die die leichte Eintönigkeit der Gesangslinien kaschieren würden. Vor allem aber wäre es wohl klüger, die Texte auf Englisch zu schreiben – lobenswert, dass sich die Band mit Texten in der Muttersprache abmüht, aber wenn diese gymnasial-naiv sind und mit ihrer Albernheit an die schlimmsten Momente eines Šank Rock erinnern, wird’s halt schwierig. Als Opener solide – für mehr braucht das Trio aber noch ein paar mehr Kilometer auf dem Tacho.
Natürlich stand der Freitagabend ganz im Zeichen von Tomcat und der Feier zur Veröffentlichung des Debüts Bits N‘ Pieces, das beim Label On Parole erschienen ist. Die Jungs betraten kurz nach zehn die Bühne vor dem aufgeheizten Publikum und knallten mit dem wutentbrannten Purgatory los, um dann in gut einer Stunde ihr Debüt vollständig durchzuspielen und einige eiserne Hard-Rock-Klassiker obendraufzuschmeißen. Man merkt der Band deutlich an, dass sie in den letzten Monaten zu den konzertmäßig aktivsten heimischen Bands gehörte: Auf der Bühne agieren sie wie alte Hasen, obwohl die Band erst seit gut zwei Jahren existiert. Die ordentliche Konzerterfahrung zeigt sich darin, dass die Band eingespielt ist, das Material mit Vollgas und Eiern rausknallt und auch versteht, das Publikum zu animieren und die Bühne zu beherrschen. Der Freitagabend stand ganz im Zeichen der neuen Platte, die Tomcat – natürlich mit Begeisterung und breitem Grinsen im Gesicht – erstmals vollständig dem versammelten Publikum im Medvoder Jedro präsentierten. In vorderster Linie war Sänger Denis verantwortlich für das Flirten mit dem Publikum, was ihm dank seiner exzellenten Gesangsleistung und Charisma auch gelang. Vor allem aber war zu hören, dass der Typ stimmlich nach wie vor und konstant wächst – diesmal kamen vor allem die fantastisch ausgeführten Falsettschreie und höheren Lagen zur Geltung, in den melodischeren Linien ließ er aber auch nichts anbrennen. Denis wird mit Backing-Vocals kräftig von seinen Mitstreitern Gregor »Šujo« Šujica und Rok Barle unterstützt, schade nur, dass ihre Stimmen im Klangbild nicht noch etwas weiter in den Vordergrund gerückt wurden. Im Vordergrund stand aber wieder Roks teuflisches Gitarrensolieren, das trotz seiner Jugend ein hohes Maß an meisterhafter Beherrschung der sechs Saiten beweist; stark genug ist er auch beim Schmieden eingängiger Riffs, die die Rhythmussektion Šujo/Žiga Ravšelj souverän unterbaut. Die Jungs schafften es, das Publikum von Anfang bis Ende in der Hand zu behalten – ob bei den druckvolleren Hard-’n‘-Heavy-Sounds (Purgatory, Hangover), klassischen Hard-Rock-Brechern oder den gefühlvollen Balladenmomenten (Goodbye, Follow You).
Der Stapellauf des Tomcat-Debüts ist mit Auszeichnung gelungen! Die Band hat bewiesen, dass sie trotz ihrer Jugend zu einem wichtigen Akteur der heimischen Hard-Rock/Heavy-Metal-Szene wird und zu den aktivsten Konzertkriegern gehört. Noch wichtiger ist, dass den Jungs bereits in gut zwei Jahren nach der Bandgründung gelungen ist, ein Debüt aufzunehmen und zu veröffentlichen – etwas, an dem sich so manche heimische Band ein Beispiel nehmen könnte. Die Präsentation des Albums Bits N‘ Pieces war keine improvisierte Notlandung, sondern eine meisterhafte Nachtlandung auf einem Flugzeugträger.
Fotos Tomcat: Jože Hvala
Fotos Šah Mat: Aleš Podbrežnik
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