Auch Krško hat den Rockwind 2013 in die Segel gefasst!

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Krško / MC Krško / Slowenien
Konzertdatum: 11.01.2013
Besucherzahl: 50
Kartenpreis: 0,00 € (freier Eintritt)

Auch Krško hat die ersten Lebenszeichen im neuen Jahr von sich gegeben – Zeichen, die ankündigen, dass auch 2013 ganz im Geiste echter Rockeraktivitäten stehen wird. Schön zu sehen, dass auch dieser Teil Sloweniens immer engagierter rockmusikalisch aufwacht. Das verdanken wir Einzelpersonen, denen das Herz wirklich für die Magie der Musik schlägt. Eine solche wichtige Stütze in der Region Krško–Sevnica ist auch Jože Hvala, ein unersättlicher Rockfanatiker, der seit vielen Jahren bei keinem einzigen Konzert fehlt – egal ob kleine, unbedeutende Lokalband oder ein groß klingender Name, der die globale Rocklandkarte noch immer erschüttert oder erschüttert hat.

Jože Hvala ist vor allem ein großartiger Freund! Er ist ein leidenschaftlicher Fotograf, so leidenschaftlich und aufrichtig ein Musikliebhaber, dass er im RockLine-Team immer herzlich willkommen ist – für das Jože im Laufe seiner Fotografenkarriere schon manche erstklassige Konzertfotogalerie beigesteuert hat. Auch im Club MC Krško kennen und schätzen sie ihn bestens, weshalb sie ihm einen besonderen Abend ausgerichtet haben, unterstützt von einer Ausstellung von Jožes Konzertfotografien. Der Abend streckte sich dann in ein langes Konzertfest aus, geprägt von den Auftritten der exzellenten Stimme hinter vielen slowenischen Hard-Rock-Produktionen Sergej Škofljanec, den lokalen Hard-Rock-Matadoren Honky Tonk und den Celjaner Rüpel-Heavy-Rock-Revivalisten Šah Mat.

Kurz nach neun Uhr abends begann Sergej Škofljanec (Iron Median, Zabukowski,  ex-Requiem, ..) das Publikum zu unterhalten. Zwölf Saiten, Gitarre und Stimme in Topform. Das bunte Repertoire an Rock-Evergreens, mit dem er die 40 bis 50 Köpfe starke Menge mit legendären Klassikern in seinen Bann zog, beeindruckte vor allem durch Sergejs unglaubliches Chamäleon-Talent: Seine Gesangskünste schmiegen sich geschmeidig an die genremäßigen, vor allem aber vokal abgründigen Nuancen einiger der bekanntesten Rockstimmen dieses Jahrhunderts an – auf der globalen Landkarte wie auch auf dem Balkan. Bravouröses Spiel, bravouröser Gesang – man spürt, dass Sergej auch mit der Gitarre geschlafen hat, wenn es nötig war, und das viele, viele Jahre lang. Ein Meister ist eben ein Meister. Dafür braucht es Talent und extremes Üben. Sergejs Charisma ist natürlich außergewöhnlich. Das allein reicht manchmal völlig aus, sodass man beim akustischen Soloauftritt von Sergej keinen einzigen zusätzlichen Bühnenakteur vermisst – ein Auftritt, der uns an das jüngste Konzert von Eric Martin in Triest erinnerte. Natürlich mit einem wichtigen Unterschied. Sergejs Stimmumfang ist schlicht auf dem Höhepunkt seines Lebens, und dem kann wirklich niemand widersprechen. Sergej beweist damit immer wieder, dass er eine der besten Rockstimmen aller Zeiten in Slowenien ist.

Honky Tonk sind eigentlich die ehemaligen Štrombringer, eine lokale Gruppe, die die Bühne übernahm. Der Name sagt alles – es ist klar, auf welche große Rock-Ikone er anspielt, und die Show der Gruppe war entsprechend ausgerichtet. An der Mikrophonposition befand sich zum allerersten Mal in dieser Besetzung der exzellente und charismatische Andrej Jeličič, ein Mann, der sonst in nicht weniger als fünf Bands gleichzeitig singt. Vielleicht  hat ihn ja schon einer von euch mit dem Sabbath-mäßigen Snowblind erwischt? Eine höchst vielversprechende Show, bei der die Keyboards vor allem im ersten Teil des Auftritts zu kurz kamen – sie waren im Soundmix viel zu leise eingestellt. Ansonsten beeindruckendes Spiel, besonders von beiden Gitarristen, die sich würdevoll durch einige unvergessliche Rock-Riffs und Soli bewegten. Andrej hat sich während des Konzerts mehrmals völlig unnötigerweise persönlich entschuldigt, sein erkälteter Hals lasse keine optimale Stimmleistung zu – dabei hat er das Clubdach paarmal fast weggefetzt, wenn er in die höchsten Stimmregister gegangen ist. Für zwei Songs springt Sergej auf die Bühne, und das Duett mit Andrej erweist sich als ausgesprochen gelungen. Dieses Gespann könnte ruhig öfter gemeinsam auftreten. Auch Andrej kann sich ähnlich wie Sergej einer außergewöhnlichen Bühnenpräsenz rühmen. Er weiß das Publikum blitzschnell für sich zu gewinnen, denn er besitzt eine ansteckende Bühnenkommunikation – und sein Charakter sowie sein Spielstil sind wie gemacht für solche Bühnenauftritte.

Die Rolle des letzten Acts auf der Bühne fiel dem aufstrebenden Heavy-Rock-Trio aus Celje zu: Šah Mat. Unser Kollege Čedo betrat mit seinen Kompagnons die Bühne zu einem Zeitpunkt, der für die Besucher schon etwas spät war, um sich noch würdevoll auf die harten Rockreaktionen zu konzentrieren – aber sei’s drum.  Eigenkompositionen, slowenische Texte. Unterm Strich erinnern Šah Mat – gelegentlich, wenn auch entfernt und trotz allem – zumindest was die Gestaltung der Leitgitarrenphrasen und die Entwicklung der Songs betrifft, an Schüler der frühen Heavy-Rock-Schule, die legendäre Pomaranča. Das Spiel ist überzeugend, fest, flüssig. Etwas Luft nach oben lässt lediglich der Gesang, der zu wenig ausdrucksstark und zu wenig farbenreich ist. Vielleicht täte die Band gut daran, über die Integration eines zusätzlichen Sängers nachzudenken, der noch mehr Dynamik in die Auftritte bringen würde. Klanglich okay, spielerisch okay. Die Energie der Gitarrenriffs und Soli bestätigt, dass Šah Mat aus echtem Rockerstoff gemacht sind, und das Originalmaterial mit seiner mutigen Komposition zeigt, dass die Band souverän auf ihr Studio-Debüt hinreift. Viel Glück, Jungs.

Ein wirklich schöner Abend, der zwar ruhig etwas mehr Besucher hätte anziehen können, ist also ein klares Signal: Rockfans im Tal von Krško und Brežice werden auch 2013 nicht auf heiße Konzerte verzichten müssen. Hoffen wir, dass diese Konzerte zur festen Größe werden und auch Besucher aus anderen Teilen Sloweniens anlocken. Vor allem aus dem Raum Celje-Laško, aus Novo Mesto, vielleicht aber auch aus dem nahen Norden Kroatiens – wenn die Ljubljanaer Affen zu fein dafür sind.

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