Noch ein „Metalcore-Mixer“ im Orto Bar (2012)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Nina Grad
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 20.10.2012
Besucherzahl: 170
Kartenpreis: 15,00€ / 18,00€
Bleed From Within sind schottische Metalcore-Rabauken, die bei uns inzwischen ein wohlbekanntes und fest verwurzeltes Name sind, denn sie haben in Slowenien bereits zweimal gespielt. Die Jungs schlugen diesmal eine herbstliche Europatournee als Headliner ein, zu der sie als Vorgruppen die Engländer Bury Tomorrow sowie die interessanten japanischen Industrial-Metalcore-Streithähne Crossfaith einluden.
Orto Bar! Kurz nach neun! Abends natürlich! Es brodelt. Junge Enthusiasten der extremsten Härte des Musikbetriebs. Das Programm lief flott ab! Drei Bands »in drei Stunden durchzuboxen« ist kein leichtes Stück Brot! Im Orto Bar muss bis Mitternacht Ruhe herrschen, sonst gibt’s auf den Deckel! Crossfaith, das japanische Quintett, überraschte so ziemlich jeden im Club. Unglaublich energiegeladen, kompromisslos und strotzend vor Selbstvertrauen! So wirkte ihr Auftritt! Das Besondere an Crossfaith ist das Programmieren, das die verrücktesten Techno-Beat-Patterns und programmierten Soundloops verkörpert – sie greifen sogar auf die primitiven Klänge der ersten PCs zurück. Dieses »Gestanze« sitzt auf einer Ebene mit dem aufgedrehten Gitarrenriffing im Gesamtklangbild. Den Auftritt eröffnete die Band mit einem voraufgezeichneten Intro aus 2001: Odyssee im Weltraum, das in den Song »Monolith« überging. Von den Songs tauchte außerdem Jägerbomb im Set auf; den Rest des Repertoires konnte ich nicht mehr ausmachen. Ein Quintett, das auf der Bühne ohne jede Bremse ausrastet! Es war wirklich amüsant zu sehen, wie der bis auf den letzten Platz gefüllte Club wie aus einem Guss auf Kommando des kreischend wuchtigen Sängers Koie Kent hüpfte. Gegen Ende des Auftritts überraschte die Band auch mit dem Prodigy-Song Omen, den sie natürlich in ihr eigenes musikalisches Idiom umgekleidet haben. Sympathisch und in jeder Hinsicht überzeugend. Kurzum: Crossfaith, die im vergangenen Jahr ihr zweites eigenständiges Studioalbum »The Dream, The Space« veröffentlicht haben, kündigten an, dass der Orto Bar an diesem Abend keine Überlebenden sehen würde.
Etwas seltsam war der Blick in den Raum, denn als Bury Tomorrow die Bühne betraten, strahlte der Club spürbare Leere aus. Richtig voll war es nur an den Monitoren, die wie immer über den Rand der winzigen Orto Bar-Bühne drängten. Das melodische Metalcore-Quintett hat sich darum einen Dreck geschert. Es ballerte aus allen Positionen und verschoss die ganze Munition, die es in 40 verfügbaren Minuten hatte. Eine Band, die nicht von schlechten Eltern ist: Sie hat in diesem Jahr ihr zweites Studioalbum »The Union Of Crowns« veröffentlicht – und zwar beim renommierten deutschen Label Nuclear Blast. Auch inmitten der ungezügelten Aggression, die das Quintett entfachte, und der hervorragenden Bühnenperformance füllte sich der Club ordentlich, was natürlich logisch in einige gemeinsame Mosh- und Circle Pits eskalierte, während Sänger Daniel Winter-Bates gegen Ende des Auftritts etwas unglücklich versuchte, auf die Leute zu klettern und ein bisschen durch die Menge zu surfen – dabei wäre er beinahe von der Bühne gefallen. Offenbar war die Masse doch etwas zu klein oder zu schwach. Honorable Rain, Royal Blood, You And I, Anythig With Teeth, Waxed Wings, Lionheart, Redeemer – das sind unter anderem die Songs, die an diesem Abend unter Regie der Band auf dem Programm standen. Die Band hatte auch einige Soundprobleme: Der Bass hat mehrfach ordentlich laut geblubbert und sich unvorteilhaft breit in das Klangbild gebläht, vor allem aber klangen die Gitarren nicht gut, die verdammt dumpf und verwaschen brummten.
Die Headliner des Abends brachten nicht mehr als 40 Minuten zusammen. Trotzdem die mit Abstand meisterwartete Band des Abends, was auch das Publikum bestätigte, das sich ordentlich in den Club gequetscht hatte. Die schottischen Bleed From Within eröffneten im kurzen, aber furiosen Auftritt – der die Rohre der Anwesenden durchblies, durchlüftete und blank polierte, sodass es in den Köpfen gehörig blitzte und Blut aus den Nasen sowie den Ohrläppchen tropfte – mit der frisch veröffentlichten Single It Lives In Me und bewegten sich dann durch das Repertoire der Alben »Empire« (2010) und »Humanity«(2009)! Die Band lieferte an diesem Abend ihren technisch bislang am besten gespielten Auftritt ab. Der Metalcore ihrer Machart übertreibt es auch nicht mit »Breakdowns«, vielmehr sind diese sehr gut ausbalanciert mit melodisch geschnittenen Harmonien und Passagen, die dem Charakter der Band ein Quentchen mehr Komplexität verleihen. Scott Kennedy, der die Songs in den Pausen auf witzige Art moderierte – überhaupt schmückten seine Publikumsansagen der berühmte schottische Dialekt –, war beim »Crowd Surfing« auch deutlich erfolgreicher als sein Bury Tomorrow-Kollege Daniel Winter-Bates zuvor. Der fleischig blutende Mix aus extremer Brutalisierung und akustischem Terror hat mit einem gelungenen Manöver den Orto Bar erobert und gut 150 aufgeheizte Köpfe voll befriedigt, die sich bereitwillig der kompromisslosen Penetration einer zersetzenden Höllenatmosphäre auslieferten, die unaufhaltsam Kassettenbomben aus Napalm verschoss. Einige der größten Fans beherrschten die Verse im Publikum so gut, dass Frontmann Scott das gelegentliche Refrain-Grölen einzelnen Zuschauern überließ und damit die hervorragende Energiebrücke noch weiter festigte, die auf der Linie Publikum – Band funktionierte. Man spürt, dass die Band bühnentechnisch gut eingeölt ist und viel auf Bühnen steht. 40 Minuten! Schluss! Sound sehr, sehr gut!
Das Metalcore-Fest in der slowenischen Hauptstadt hat damit wieder einen rundum gelungenen Konzertevent verbucht, der allen harten Musikköpfen auf den Leib geschrieben ist! Offensichtlich ist Metalcore in Slowenien derzeit mehr als heiß beliebt, weshalb wir in Zukunft noch mehr ähnliche Konzertgeschosse erwarten dürfen, die Köpfe abreißen und komplette Verwüstung hinterlassen!
Setlist
BLEED FROM WITHIN:
1. It Lives In Me
2. Last Of Our Kind
3. The Novelist
4. Dishonour
5. This Is Our Legacy
6. Up Rising
7. The Healing
8. Servants Of Divinity
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