Bittersüße sechzehn Jahre Sweet Sorrow! (2012)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Gala hala, Ljubljana
Konzertdatum: 09.06.2012
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 5€/7€

Die Ljubljaner Band Sweet Sorrow ist eine der am längsten ununterbrochen aktiven Metal-Bands auf slowenischem Boden — in sechzehn Jahren Bandgeschichte vier Alben veröffentlicht, (Mit-)Organisatorin der größten slowenischen Metal-Tournee Negligent Sorrow gemeinsam mit den heimischen Thrash-Champions Negligence, und trotz wirklich zahlloser Mitgliederwechsel (die laut Legende der ehemalige Bassist Ragnar Belial Us höchstpersönlich aufgefressen haben soll) aktiv und umtriebig geblieben. Vor drei Jahren erschien mit 1000th Millennium das aktuelle Album, das stellenweise zugegebenermaßen ein bisschen zu stark nach Amon Amarth schielt — auch wegen der abgedroschenen Wikinger-Thematik —, gleichzeitig aber das ambitionierteste und am besten ausgeführte Projekt der Band war… Bis zum Samstagskonzert, mit dem Sweet Sorrow gemeinsam mit zahlreichen Gästen (und leider allzu wenig Publikum) 16 Jahre Bandgeschichte feierten und einen zweieinhalb-stündigen Marathon-Durchflug durch ihre Diskografie ablieferten.     

 

Bei einem so ambitioniert angelegten Projekt ist natürlich umso mehr Platz für unvorhergesehene Pannen-Kobolde, die auch diesmal wieder aus Nifelheim gekrochen kamen. Zunächst machte Sweet Sorrow das aprilhafte Juni-Wetter einen Strich durch die Rechnung – wegen heftiger Regenfälle mussten die Jungs das Konzert vom Außengelände ins Innere der Gala hala verlegen. Den ursprünglichen Plan trübte außerdem der krankheitsbedingte Ausfall des Originalvokalists Sebastjan Pregelj, aber es wirkte, als hätten diese paar unangenehmen Kleinigkeiten die Jungs nur noch mehr angeheizt. Sweet Sorrow donnerten in ihrer aktuellen, fest eingeschworenen Besetzung – Marko Košmrlj (Gesang, Gitarre), Peter »Rope« Gale (Schlagzeug), Peter Carič (Gitarre) und Miha »Obleey« Oblišar – mit dem vernichtenden Metamorphosis vom aktuellen Album auf die Bühne los. Und wenn ich sage gedonnert, dann meine ich gedonnert – der Sound in der Gala hala klang diesmal wirklich so, wie ein Metal-Konzert klingen muss – mächtig, zerstörerisch, klar, deutlich und vor allem laut! Mare hat sich aus holprigen und schüchternen Anfängen zu einem souveränen und exzellenten Frontmann mit tiefem Growl verwandelt (Metamorphosis, hehe) und sorgt obendrein noch für ein solides Rhythmusgitarren-Fundament. Ohne die melodischen Riffs von Peter Carič wären Sweet Sorrow nicht das, was sie sind – genauso wenig ohne die Kanonensalven hinter Ropes Schlagzeug und die tiefen Basslinien von Bühnenlüfter Obleey. Die erste (erwartete) Überraschung erlebten wir nach dem Dreierblock aus 1000th Millennium, als Valentin »Bufo« Bufolin auf die Bühne stürmte, der bei Sweet Sorrow zwischen 2003 und 2006 gebrüllt hatte und mit der Band das Album Northland aufgenommen hatte. Valentin wurde durch lautes »Bufo, Bufo!«-Skandieren auf die Bühne gerufen, und Mare begleitete seinen Auftritt mit den Worten, er sei immer noch leicht verrückt. Und tatsächlich: Bufo bewies nach mehrjähriger Abwesenheit, dass er Bühne und Publikum noch immer im Griff hat – er zeigte dabei ausgezeichnete Vokalform und Kondition, growlte sich mit Sweet Sorrow durch mehr als die Hälfte des Sets, übernahm neben den Northland-Tracks auch Sebastjans Rolle und nahm uns mit auf On Life and Death sowie mit dem Klassiker The Solitary Reaper sogar zurück zum Debüt Breaking the Silence. Schade, dass die Jungs beim Debüt nicht noch ein weiteres Stück rausgekramt haben – aber eine schwache Setlist kann man der Band wirklich nicht vorwerfen! Die Ausbeute von zweieinhalb Stunden aggressivem und gleichzeitig melodischem Death Metal war nämlich folgende: 31 gespielte Songs, die Alben 1000th Millennium und Northland in voller Länge, eine reiche Auswahl vom Album On Life and Death, ein Klassiker vom Debüt, die Single I Am Pain sowie die Tracks Do pekla (aufgenommen für die erste slowenische Metal-Kompilation Slovenian Metal Vol. 1) und Apparition (das offiziell, soweit ich mich nicht irre, noch nie erschienen ist). Dazu kommen noch die fantastischen Auftritte aller Gastfreunde der Band, die in sechzehn Jahren auf die eine oder andere Art Teil der Sweet Sorrow-Geschichte waren. Bufo hielt das Publikum mit brutalen Vocals, souverän abgelieferten Clean-Vokallinien und der Charisma eines echten Frontmanns mühelos in Schach, und nicht schlechter schlugen sich natürlich die instrumentalen Krieger – Blaž »Ramious« Lončar (Gitarre; hat 1000th Millennium mit der Band aufgenommen), Luka »Lux« Žnideršič (Gitarre; Brezno, Sagaris), Aljoša »Vrolok« Hrastar (Gitarre; Necrotic), Jan »Jey« Švigelj (Gitarre; Negligence), Rok Marolt (den es schön war, wieder in einer brutaleren Gangart zu hören, da er bei Broken Arrow normalerweise die romantischeren und sanfteren Gitarrenlinien zupft) und Gorazd Maček (Bass; Scaffold). Das Tüpfelchen auf dem i setzte Alex Škofljanec mit einer herausragenden Vokalperformance, für den wohl härtesten Moment des Abends sorgte aber Schlagzeuger Rope höchstpersönlich, der I Am Pain animalisch runtergegrowlt hat. Auch innerhalb des aktuellen Sweet Sorrow-Quartetts wurden mehrmals die Instrumente getauscht — Beweis, dass man es mit fähigen Multiinstrumentalisten zu tun hat: Rope tauschte seine Drumsticks mehrfach gegen Gitarrensaiten, während sich Mare derweil geschickt auf seinen Hocker setzte. Die Highlights des Abends waren natürlich die Ausflüge zum Album On Life and Death, von dem bei Sweet Sorrow-Konzerten in den letzten Jahren praktisch nichts zu hören war. Grandios war es, beim Klassiker On the Death of Anne Bronte ordentlich zu headbangen, vor allem aber bei den Hymnen Ko bom mrtev und Sanjam, bei denen dank der kompromisslos professionellen Darbietung so mancher Anwesende echtes Nostalgie-Feeling erlebte.

 

Die Band zeigte im fast dreistündigen Set keinen Funken Ermüdung oder Motivationsabfall, die Performances – ob neues oder altes Material – waren durchgehend auf höchstem Niveau, und eine außerordentlich schöne Geste zeigten der Band die zahlreichen Gäste, die ihre Aufgabe makellos erledigten. Das lässt sich leider nicht vom Publikum sagen, das schon nach der Hälfte des Sets mehr Ermüdungserscheinungen zeigte als die Band, die für uns auf der Bühne schwitzte. Es ist wirklich schade, dass sich die Band für ein so gut umgesetztes, drei Monate vorbereitetes Projekt nicht wenigstens ein ordentliches hundertköpfiges Publikum verdient hat, das Sweet Sorrow für sechzehn Jahre Schufterei wenigstens einen ehrlichen und verdienten Applaus geschenkt hätte. Aber zum Glück hat Sweet Sorrow das nicht aufgehalten – nach dreißig gespielten Songs versammelten sie zum Finale alle Gäste auf der Bühne (die Bühne wankte unter dem Gewicht von zwölf Vertretern der slowenischen Metal-Szene!) und schlossen das Fest mit einer aussagestarken Interpretation des U2-Klassikers Sunday Bloody Sunday ab. Mit reibungsloser Organisation (inklusive Verkostung hausgemachter alkoholischer Gebräue am Sweet Sorrow-Merchandise-Stand!), exzellentem Sound, freundschaftlicher Atmosphäre aller Bühnenbeteiligten und einer Marathon-Setlist haben Sweet Sorrow bewiesen, dass sie nicht ohne Grund zu den herausragendsten Vertretern der heimischen Metal-Szene zählen. Sweet Sorrow: Alles Gute, und wir sehen uns bei der 32er!?

Setliste

  1. Metamorphosis
  2. Gloria Transit
  3. 1000th Millennium
  4. Angel in White
  5. Evil In
  6. Life
  7. Vertigo
  8. Skal
  9. God of War
  10. Ob polni luni
  11. Solitary Reaper
  12. Do pekla
  13. Another Life
  14. Betrayals of Humanity
  15. Enlightenment
  16. Deliverance
  17. On the Death of Anne Bronte
  18. Vision
  19. Apparition
  20. Blood Brothers
  21. Riders of Apocalypse
  22. I Am Pain
  23. Scarlet Whore
  24. Ko bom mrtev
  25. Sanjam
  26. Vrt ljubezni
  27. Einherjar
  28. Northland
  29. Time For Dying
  30. Twilight of the Gods
  31. Sunday Bloody Sunday

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